Auf die Schnelle

Interpol hat am 3. August 2026 den African Cyberthreat Assessment Report 2026 veröffentlicht. 36 afrikanische Mitgliedsländer haben daran mitgewirkt. Laut Bericht steht KI mit 55 Prozent der gemeldeten Cyberkriminalität in Verbindung, die gemeldeten Schäden stiegen von 192 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 484 Millionen im Jahr 2025. Besonders deutlich zugenommen hat die Raffinesse beim Business E-Mail Compromise, also der klassischen Rechnungs- und Chefmasche.

Der Bericht bewertet die Lage in Afrika, nicht in Deutschland. Interessant ist er trotzdem, weil er eine Masche vermisst, die grenzüberschreitend funktioniert und deutsche Betriebe seit Jahren trifft.

Die Zahlen aus dem Bericht

Interpol nennt KI in der Meldung zum Bericht als treibende Kraft in praktisch allen Phasen der Cyberkriminalität. 55 Prozent der gemeldeten Fälle stehen demnach in Verbindung mit KI-gestützten Mitteln.

Die gemeldeten finanziellen Verluste haben sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, von 192 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 484 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. 72 Prozent der befragten Länder berichteten von organisierten Betrugszentren. Rund 600.000 Erkennungen entfielen auf digitale Sextortion.

Als Deliktarten nennt der Bericht Online-Betrug, Betrug mit mobilen Bezahldiensten, Ransomware gegen Infrastruktur, Business E-Mail Compromise und Romance Scams. Bei den BEC-Maschen hat die Qualität der Täuschung laut Bericht deutlich zugenommen, weil sich überzeugende Korrespondenz mit KI erzeugen lässt. Deepfakes und synthetische Medien werden im Zusammenhang mit Sextortion und Belästigung genannt.

Auf der anderen Seite steht Strafverfolgung: Über 1.500 Festnahmen durch vier Interpol-Operationen, über 100 Millionen US-Dollar sichergestellt. 17 Länder haben 2025 neue Cybercrime-Gesetze verabschiedet. Als Hintergrund nennt Interpol 1,1 Milliarden mobile Nutzer auf dem Kontinent im Jahr 2025.

Warum ein Afrika-Bericht hier steht

Weil Zahlen dieser Art aus Deutschland in dieser Detailtiefe nicht vorliegen und weil die beschriebene Masche keine Grenzen kennt.

Business E-Mail Compromise funktioniert überall gleich. Jemand verschafft sich Zugang zu einem Mailkonto oder baut eine täuschend ähnliche Absenderadresse, liest eine Weile mit und meldet sich dann im richtigen Moment: kurz vor einer fälligen Zahlung, mit dem Hinweis auf eine geänderte Bankverbindung. Was daran früher auffiel, waren Sprachfehler und ein Ton, der nicht passte. Genau das ist der Teil, den KI erledigt.

Der Bericht sagt nichts über Deutschland, und man sollte ihm auch nichts über Deutschland unterstellen. Was er zeigt, ist die Geschwindigkeit: eine Verdopplung der gemeldeten Schäden binnen eines Jahres in einer Region, in der derselbe Werkzeugkasten benutzt wird wie hier.

Bei den Zahlen selbst ist eine Einschränkung angebracht, die Interpol im Bericht mitliefert. Es handelt sich um gemeldete Fälle, und die Meldebereitschaft hängt davon ab, wie gut Anlaufstellen erreichbar sind und ob es überhaupt eine gesetzliche Grundlage gibt. Dass 17 Länder erst 2025 entsprechende Gesetze verabschiedet haben, verändert die Erfassung. Ein Anstieg gemeldeter Fälle kann deshalb zwei Dinge bedeuten: mehr Taten oder mehr Anzeigen. Beides gleichzeitig ist die wahrscheinlichste Erklärung. Wer solche Berichte liest, sollte diesen Unterschied mitdenken, statt jede Steigerungsrate für bare Münze zu nehmen.

Was im Betrieb tatsächlich hilft

Gegen diese Masche hilft kein Programm, sondern eine Regel, an die sich alle halten.

Zahlungsanweisungen ab einem festgelegten Betrag brauchen zwei Augenpaare. Eine geänderte Bankverbindung wird niemals allein auf Grundlage einer Mail übernommen, sondern telefonisch bestätigt, und zwar über die Nummer aus dem eigenen Stammdatensatz, nicht über die Nummer aus der Mail. Rechnungen von Bestandslieferanten mit plötzlich anderer IBAN gehen zurück an den Einkauf, nicht in die Zahlung. Wer neu in die Buchhaltung kommt, bekommt diese drei Punkte am ersten Tag gesagt, nicht in einer Schulung im nächsten Quartal.

Die unbequeme Seite davon: Diese Regeln funktionieren nur, wenn sie auch für die Geschäftsführung gelten. Die Chefmasche lebt genau davon, dass eine Nachricht von oben schneller durchgeht als eine von unten. Wer als Inhaber selbst mal eben eine Überweisung per Kurznachricht anordnet, hat seiner Buchhaltung beigebracht, dass so etwas normal ist. Damit ist die Regel im Ernstfall wertlos, egal wie gut sie auf dem Papier steht.

Wo Deepfakes wirklich auftauchen

Die spektakulären Fälle mit gefälschten Videokonferenzen sind selten, aber sie existieren. Häufiger sind die einfacheren Varianten: eine nachgebaute Stimme in einer Sprachnachricht, ein Ausweisfoto, das eine Online-Identifizierung besteht. Wie das bei Video-Ident-Verfahren aussieht, haben wir im Beitrag zu Deepfakes und Video-Ident beschrieben.

Für den Alltag gilt eine simple Faustregel: Eine Stimme am Telefon ist kein Nachweis. Ein Gesicht in einer Videokonferenz auch nicht. Nachweis ist ein Rückruf über einen Kanal, den die andere Seite nicht selbst vorgeschlagen hat. Welche weiteren Bausteine zu einer belastbaren Abwehr gehören, steht im Beitrag zur KI-Cyberabwehr im Mittelstand.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 5. August 2026):

Häufige Fragen

Was besagt der Interpol-Bericht vom August 2026?

Der African Cyberthreat Assessment Report 2026 wurde am 3. August 2026 veröffentlicht, 36 afrikanische Mitgliedsländer haben mitgewirkt. Laut Bericht steht KI mit 55 Prozent der gemeldeten Cyberkriminalität in Verbindung. Die gemeldeten finanziellen Verluste stiegen von 192 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 484 Millionen US-Dollar im Jahr 2025.

Gelten diese Zahlen auch für Deutschland?

Nein. Der Bericht bewertet ausschließlich die Lage in Afrika und lässt sich nicht auf Deutschland übertragen. Übertragbar ist die beschriebene Vorgehensweise, weil Business E-Mail Compromise grenzüberschreitend funktioniert und dieselben Werkzeuge genutzt werden.

Was ist Business E-Mail Compromise?

Dabei verschaffen sich Täter Zugang zu einem Mailkonto oder bauen eine täuschend ähnliche Absenderadresse, lesen eine Weile mit und melden sich kurz vor einer fälligen Zahlung mit dem Hinweis auf eine geänderte Bankverbindung. Laut Interpol hat die Qualität dieser Täuschung deutlich zugenommen, weil sich überzeugende Korrespondenz mit KI erzeugen lässt.

Wie schützt sich ein kleiner Betrieb konkret?

Zahlungsanweisungen ab einem festgelegten Betrag brauchen zwei Augenpaare. Eine geänderte Bankverbindung wird nie allein auf Mailbasis übernommen, sondern telefonisch über die Nummer aus dem eigenen Stammdatensatz bestätigt. Entscheidend ist, dass diese Regeln auch für die Geschäftsführung gelten, weil die Chefmasche genau davon lebt, dass Anweisungen von oben schneller durchgehen.

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Zuletzt aktualisiert: 5. August 2026. Stand der Recherche: 5. August 2026.