Am 26. August 2026 legten CrowdStrike und Okta ihre Quartalszahlen vor, und beide nutzten den Termin für dieselbe Warnung: KI-Agenten erzeugen digitale Identitäten schneller, als klassische Nutzerverwaltung sie erfassen kann.

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Eine Schätzung mit großer Zahl auf dem Earnings Call

CrowdStrike-CEO George Kurtz sagte auf dem Earnings Call zu den Zahlen des zweiten Quartals, das Geschäft mit KI-Erkennung und -Abwehr könne größer werden als das klassische Geschäft mit Endpoint Detection. Begründet hat er das laut Bericht von 24/7 Wall St. mit der schieren Zahl an Agenten, die künftig auf jede Person kommen werde, „was auf etwa 90 geschätzt wird". Jeden dieser Agenten ordnete Kurtz laut derselben Quelle als eigene Identität ein, mit eigenen Berechtigungen und einer eigenen Überwachungsfläche.

Wichtig ist die Herkunft dieser Zahl. Sie stammt aus einer mündlichen Einschätzung des CrowdStrike-Chefs während eines Earnings Calls, nicht aus einer Messung oder Studie.

Von 50 auf 1.500 in wenigen Wochen

Okta lieferte an gleicher Stelle ein konkretes Kundenbeispiel, ohne den Kunden zu nennen. Bei diesem Kunden stieg laut Bericht von 24/7 Wall St., der sich auf Okta beruft, die Zahl der erkannten Instanzen eines einzelnen Claude-Agenten innerhalb weniger Wochen von 50 auf 1.500. Aus einem einzigen eingesetzten Agenten wurden also binnen kurzer Zeit anderthalbtausend einzelne, offenbar separat erfasste Instanzen.

Ein solcher Sprung entsteht nicht durch böse Absicht. Er entsteht, wenn ein Agent sich für jede neue Aufgabe, jeden neuen Nutzer oder jeden neuen Datensatz selbst vervielfältigt, ohne dass jemand die Vervielfachung von Anfang an mitzählt.

Zahlen, die die Warnung tragen

Die Warnung kam nicht aus schwachen Geschäftszahlen. CrowdStrike meldete für das zweite Quartal laut Bericht von The Motley Fool einen Umsatz von 1,47 Milliarden Dollar, mehr als die von Analysten erwartete 1,44 Milliarden. Die Jahresprognose wurde auf 5,99 bis 6,01 Milliarden Dollar angehoben. Laut Berichten von CNBC übertraf auch Okta die Erwartungen und hob die eigene Prognose an. Die Aktie von Okta stieg am Berichtstag um rund 20 bis 22 Prozent, die von CrowdStrike um rund 13 bis 15 Prozent.

Beide Unternehmen verdienen an genau dem Problem, vor dem sie warnen. Das macht die Warnung nicht falsch, aber es gehört zur Einordnung dazu.

Was die 90 nicht beweisen

Außer 24/7 Wall St. gibt derzeit keine unabhängig auffindbare Quelle die Zahl von rund 90 Agenten je Mitarbeiter im Wortlaut wieder, und auf den Investor-Relations-Seiten von CrowdStrike lässt sie sich nicht direkt nachlesen. Welcher konkrete Kunde hinter Oktas Beispiel steckt, bleibt ebenfalls offen. Beides schmälert nicht, dass beide Unternehmen echte Kundendaten zur Vervielfachung von Agenten-Identitäten vorlegen, es begrenzt nur, wie belastbar die einzelne Zahl 90 ist.

Dass mittlerweile auch andere große Anbieter an eigenen Ansätzen für Agenten-Identitäten arbeiten, zeigt zumindest, dass das Grundproblem nicht auf den Kundenkreis von CrowdStrike und Okta beschränkt ist.

Unsere Einschätzung

Ein Betrieb mit 10 bis 200 Mitarbeitern betreibt in aller Regel keine ausgefeilte Identitäts- und Zugriffsverwaltung für Software-Agenten. Nutzerkonten werden von Hand gepflegt, meist in einer Tabelle, gelegentlich nur im Kopf der Person, die den letzten Zugang eingerichtet hat.

Genau dort setzt das eigentliche Problem an. Wenn jeder eingesetzte KI-Agent, jeder n8n-Workflow und jeder automatisierte Chatbot eine eigene Identität mit eigenen Rechten erzeugt, wächst die Zahl der zu pflegenden Konten schneller, als eine geteilte Tabelle das sinnvoll abbilden kann. Wir sehen das bei Teilnehmern, die im Kurs ihre erste Automatisierung bauen, schon bei drei oder vier laufenden Workflows: Niemand hat mehr eine vollständige Liste, wer worauf zugreifen darf.

Ob die konkrete Zahl 90 stimmt, ist für einen mittelständischen Betrieb fast nebensächlich. Wichtiger ist die Frage, wie viele Agenten aktuell mit welchen Rechten in den eigenen Systemen laufen, denn eine verwaiste oder überberechtigte Automatisierung fällt in der Praxis nicht durch eine Prüfung auf, sondern erst dann, wenn sie Schaden anrichtet. Wer heute schon eine Liste seiner aktiven Agenten und Workflows führt, weiß in einem Jahr noch, was er selbst eingerichtet hat und was ein ausgeschiedener Mitarbeiter vergessen hat abzuschalten.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 31. August 2026):

Häufige Fragen

Woher stammt die Zahl von 90 KI-Agenten je Mitarbeiter?

Die Zahl stammt von CrowdStrike-CEO George Kurtz, der sie auf dem Earnings Call zu den Zahlen des zweiten Quartals 2026 als Schätzung nannte. Es handelt sich um eine mündliche Einschätzung des CrowdStrike-Chefs, nicht um eine gemessene oder unabhängig bestätigte Zahl.

Was hat Okta konkret berichtet?

Okta berichtete von einem einzelnen Kunden, bei dem die Zahl der erkannten Instanzen eines einzelnen Claude-Agenten innerhalb weniger Wochen von 50 auf 1.500 gestiegen ist. Welcher Kunde das war, wurde nicht genannt.

Wie haben die Finanzmärkte auf die Zahlen reagiert?

Beide Unternehmen übertrafen am 26. August 2026 die Erwartungen und hoben ihre Prognosen an. Laut Berichten von CNBC stieg die Okta-Aktie am Berichtstag um rund 20 bis 22 Prozent, die von CrowdStrike um rund 13 bis 15 Prozent.

Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?

Ein Betrieb sollte eine Liste führen, wie viele KI-Agenten, n8n-Workflows und automatisierte Chatbots aktuell laufen und welche Zugriffsrechte sie jeweils haben. Eine verwaiste oder überberechtigte Automatisierung fällt sonst erst auf, wenn sie bereits Schaden angerichtet hat.

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Zuletzt aktualisiert: 31. August 2026. Stand der Recherche: 31. August 2026.