Ein Lieferantenportal ohne Schnittstelle ist in vielen Betrieben der Ort, an dem die Handarbeit übrig bleibt.
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Zwei Ankündigungen vom selben Tag
Am 26. August 2026 hat Anthropic zwei Texte veröffentlicht, die im Alltag schnell in einen Topf geraten. Der erste betrifft die Browser-Erweiterung Claude in Chrome, die laut Anthropic seit diesem Tag in jedem bezahlten Claude-Tarif allgemein verfügbar ist. Der zweite betrifft das Desktop-Programm, das in der Arbeitsumgebung Cowork einen eigenen Browser bekommt, nach Angaben des Anbieters in dieser Woche für die Tarife Pro, Max und Team. Beide Wege lassen Claude Webseiten bedienen. Sie tun es an verschiedenen Orten und mit verschiedenen Anmeldedaten. Wer die beiden verwechselt, entscheidet im Betrieb falsch darüber, welche Zugänge eine KI überhaupt zu sehen bekommt.
Zwei Wochen vorher, am 12. August 2026, hatte Anthropic bereits die Chrome-Seitenleiste zu einer Cowork-Sitzung umgebaut, damit Unterhaltungen über Geräte hinweg weiterlaufen.
Die Erweiterung arbeitet mit den Anmeldungen, die schon im Browser liegen
Die Erweiterung sieht die geöffnete Seite, liest und tippt Text, klickt Links, wechselt zwischen Seiten und füllt Formulare aus, und zwar mit den Anmeldungen, die im Browser des Mitarbeiters ohnehin aktiv sind. Als Einsatzzweck nennt der Anbieter ausdrücklich Werkzeuge ohne direkte Anbindung an Claude und führt dazu interne Dashboards und Altsysteme an, dazu Lieferantenportale.
Genau dort liegt in kleineren Betrieben die Arbeit, die sich bisher nicht automatisieren ließ.
Neu ist die Autonomie. Claude handelt laut Anthropic ohne Freigabe für jede einzelne Aktion, und ein Sicherheitsklassifikator prüfe jede Aktion vor der Ausführung darauf, ob sie unbedenklich ist und zur Anfrage passt. Abschalten lässt sich das nach Angaben des Anbieters in den Einstellungen. Auf anderen Chromium-Browsern und auf Mobilgeräten läuft die Erweiterung laut Anthropic bisher nicht.
Wie weit KI-Werkzeuge inzwischen selbst im Browser klicken und tippen, haben wir im Artikel über agentische Browser ausführlicher beschrieben.
Der eingebaute Browser bleibt vom eigenen Browser getrennt
Der zweite Weg sieht anders aus. Der Browser öffnet sich laut einem Bericht von the decoder in der Seitenleiste des Desktop-Programms, während der Nutzer weiterarbeitet. Claude navigiert dort selbst durch Webseiten, liest sie, klickt und tippt; als Beispiele nennt Anthropic ein Formular, das ausgefüllt wird, und ein Portal, für das es keine Anbindung gibt. Laut heise online läuft das auf macOS, Windows und Linux.
Der Unterschied, auf den es ankommt, liegt bei den Anmeldedaten. Zum eingebauten Browser schreibt Anthropic, Claude sehe Tabs, Lesezeichen und Passwörter des Nutzers zu keinem Zeitpunkt. Anmeldungen gelangen nur seitenweise hinein, importiert aus Chrome, Edge oder Firefox unter macOS und aus Firefox unter Windows und Linux. Bank-, Mail- und Single-Sign-on-Seiten bleiben nach Angaben des Anbieters ausgenommen, solange der Nutzer sie nicht ausdrücklich einbezieht. Welcher Weg benutzt wird, stellt man laut Anthropic unter Settings, Cowork, Preferred browser ein.
Für einen Betrieb ist das der wichtigere Satz.
Die Sicherheitszahlen kommen vom Anbieter
Anthropic legt Werte zur Prompt Injection vor, also zu Angriffen, bei denen Anweisungen in einer Webseite versteckt sind und das Modell sie befolgt. Ohne Schutzmaßnahmen hätten Angriffe, die das Modell erreichten, laut Anthropic gegen Opus 4.5 in 17,6 Prozent der Fälle Erfolg gehabt und gegen Opus 5 in 3,8 Prozent. Mit vollständigen Schutzmaßnahmen sei kein Angriff gegen Claude Sonnet 5, Claude Opus 5 oder Claude Mythos 5 durchgekommen, für Fable 5 nennt der Anbieter 0,3 Prozent. Wie groß das Testset war und wie viele Durchläufe dahinterstehen, sagt Anthropic nicht.
Diese Werte sind Anbieterangaben. Eine unabhängige Nachmessung durch Dritte liegt bisher nicht vor.
Die Grenze zieht Anthropic selbst. Das Prompt-Injection-Risiko lasse sich verringern, nicht beseitigen, und wer den eingebauten Browser ausprobiert, solle bei Seiten anfangen, denen er vertraut. Bei nicht umkehrbaren oder teuren Aktionen fragt Claude laut Anthropic weiterhin nach, genannt wurden ein Kauf und die Weitergabe persönlicher Daten.
Unsere Einschätzung
Die Schlagzeile ist die Autonomie. Für einen Betrieb mit 10 bis 200 Mitarbeitern liegt die wichtigere Zeile weiter unten, dort wo Anthropic Lieferantenportale und Altsysteme nennt.
Wer im Alltag Lieferscheine aus einem Portal zieht oder Zahlen aus einem alten Programm abschreibt, kennt das Problem. Für diese Arbeit gibt es keine Schnittstelle, deshalb blieb sie liegen. Ein Werkzeug, das eine Seite so bedient wie ein Mensch, greift genau dort an. Bevor das im Betrieb erprobt wird, gehört allerdings geklärt, welcher der beiden Wege gemeint ist. Die Erweiterung arbeitet mit den Anmeldungen im Browser des Mitarbeiters, also möglicherweise auch mit dem Onlinebanking im Nachbartab. Der eingebaute Browser ist davon laut Anthropic getrennt. Für einen ersten Versuch ist der zweite Weg der ruhigere.
Die Begrenzung auf freigegebene Domains gibt es nach Angaben von Anthropic nur im Enterprise-Tarif. Ein Betrieb im Team-Tarif regelt das über Absprache und Einweisung. Wer eine KI eigenständig in Portalen klicken lässt, hält deshalb besser vorher schriftlich fest, welche Portale dazugehören und welche ausgeschlossen bleiben.
Die Zahlen zur Angriffsabwehr sind bemerkenswert, und sie stammen vom Hersteller der Software, gegen die angegriffen wurde. Beides gilt gleichzeitig.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 28. August 2026):
- Anthropic: Claude in Chrome is generally available
- Anthropic: Claude Cowork gets a built-in browser: nothing to install
- Anthropic: Claude Cowork comes to the Chrome side panel
- heise online: Anthropic is giving its AI Claude its own browser
- the decoder: Claude Cowork now runs its own browser inside the desktop app
Häufige Fragen
Was hat sich am 26. August 2026 bei Claude in Chrome geändert?
Die Browser-Erweiterung ist laut Anthropic seit diesem Tag in jedem bezahlten Claude-Tarif allgemein verfügbar. Neu ist vor allem, dass Claude Aktionen ohne Freigabe für jeden einzelnen Schritt ausführt; ein Sicherheitsklassifikator prüft nach Angaben des Anbieters jede Aktion vor der Ausführung. Wer weiterhin jede Aktion von Hand bestätigen möchte, kann das laut Anthropic in den Einstellungen umstellen. Vorher lief die Erweiterung seit dem 26. August 2025 als Research Preview mit 1.000 Nutzern des Max-Tarifs.
Worin unterscheidet sich der eingebaute Browser im Desktop-Programm von der Chrome-Erweiterung?
Die Erweiterung arbeitet im Browser des Mitarbeiters und benutzt dessen bereits aktive Anmeldungen. Der eingebaute Browser der Arbeitsumgebung Cowork ist davon laut Anthropic getrennt und sieht Tabs, Lesezeichen und Passwörter des Nutzers zu keinem Zeitpunkt. Anmeldungen gelangen dort nur seitenweise hinein, Bank-, Mail- und Single-Sign-on-Seiten bleiben nach Angaben des Anbieters ausgenommen, solange der Nutzer sie nicht ausdrücklich einbezieht.
Wie belastbar sind die genannten Zahlen zum Schutz vor Prompt Injection?
Es handelt sich um Anbieterangaben von Anthropic, eine unabhängige Nachmessung durch Dritte liegt bisher nicht vor. Ohne Schutzmaßnahmen hatten Angriffe, die das Modell erreichten, laut Anthropic gegen Opus 4.5 in 17,6 Prozent der Fälle Erfolg und gegen Opus 5 in 3,8 Prozent; mit vollständigen Schutzmaßnahmen nennt der Anbieter 0,3 Prozent für Fable 5 und keinen erfolgreichen Angriff gegen Claude Sonnet 5, Claude Opus 5 und Claude Mythos 5. Größe und Zusammensetzung des Testsets nennt Anthropic nicht. Der Anbieter selbst schreibt, das Risiko lasse sich verringern, nicht beseitigen.
Was sollte ein Betrieb regeln, bevor er so etwas einsetzt?
Zuerst gehört festgelegt, welcher der beiden Wege gemeint ist, weil davon abhängt, auf welche Anmeldungen die KI zugreifen kann. Danach gehört schriftlich fixiert, welche Portale eine KI eigenständig bedienen darf und welche ausgeschlossen bleiben. Eine technische Begrenzung auf freigegebene Domains gibt es laut Anthropic nur im Enterprise-Tarif, in kleineren Tarifen bleiben Absprache und Einweisung. Anthropic empfiehlt, mit Seiten anzufangen, denen man vertraut.
Welche Portale im Betrieb dürfte eine KI eigenständig bedienen, und welche auf keinen Fall?
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Zuletzt aktualisiert: 28. August 2026. Stand der Recherche: 28. August 2026.