AWS hat seinem Agenten-Dienst der ersten Generation einen Namenszusatz verpasst, der die Richtung vorgibt: Aus Amazon Bedrock Agents wird Amazon Bedrock Agents Classic, und die Tür für neue Kunden ist seit dem 30. Juli 2026 zu.
Wer drin ist, bleibt drin
Amazon Bedrock Agents startete im November 2023. Seit dem 30. Juli 2026 führt AWS den Dienst laut eigener Dokumentation als Amazon Bedrock Agents Classic im Wartungsmodus, und neue Kunden kommen nicht mehr hinein.
Die Grenze zieht AWS über eine Allowlist. Konten, die in den letzten zwölf Monaten Bedrock-Agents-Aktivität hatten, stehen automatisch darauf und arbeiten normal weiter. Ein Ausnahmeverfahren für neue Konten gibt es nicht: Wer heute mit einem frischen Konto einen Agenten anlegen will, bekommt einen Zugriffsfehler. Die Regel ist damit rein rückwärtsgewandt, maßgeblich ist allein die bisherige Nutzung, einen Antrag auf Aufnahme in die Liste gibt es nicht.
Kein Enddatum, aber ein eingefrorener Katalog
Für Bestandskunden klingt die Lage zunächst entspannt. Bestehende Agenten laufen weiter, und sämtliche Verwaltungs-APIs bleiben verfügbar. Ein Abschaltdatum hat AWS nicht angekündigt, eine Migrationsfrist ebenso wenig.
Der Haken steht eine Zeile tiefer in der Dokumentation. Der Modellkatalog von Agents Classic ist zum 30. Juli 2026 eingefroren, neue Modelle erscheinen ausschließlich im Nachfolgedienst AgentCore. Ein Agent, der heute läuft, läuft also auch morgen, aber er arbeitet dauerhaft mit dem Modellstand vom Sommer 2026, egal was in den kommenden Jahren an neuen Modellen erscheint. Wartungsmodus heißt hier also wörtlich: Der Bestand wird gepflegt, weiterentwickelt wird an anderer Stelle.
Eine Abgrenzung gehört dazu: Betroffen ist allein der Agenten-Dienst. Bedrock selbst, also die Plattform mit Modellen, Knowledge Bases und Guardrails, bekommt laut AWS weiterhin neue Modelle.
Der Weg zu AgentCore und seine Lücken
Als Migrationsziel nennt AWS Amazon Bedrock AgentCore, in zwei Spielarten. Der konfigurationsbasierte Managed Harness kommt der bisherigen Erfahrung laut AWS am nächsten; wer mehr Kontrolle will, definiert seine Agenten als Code mit einem Framework eigener Wahl.
Für den Umzug stellt AWS ein Werkzeug bereit, ein Agent-Toolkit mit einem Skill, der bestehende Konfigurationen inspiziert und überträgt. Den Aufwand für einfache Agenten beschreibt AWS mit Stunden, komplexe Setups brauchen mehr. Ob diese Schätzung im Einzelfall trägt, hängt daran, wie viele Sonderfunktionen ein Setup nutzt.
Ganz deckungsgleich sind alt und neu allerdings nicht. Die AWS-Dokumentation selbst nennt Classic-Funktionen ohne direkten Ersatz in AgentCore, darunter stufenspezifische Prompt-Overrides und das Routing-Modell der Multi-Agenten-Kollaboration. Wer solche Funktionen nutzt, plant den Umzug als Umbau, nicht als Kopie.
Bei den Kosten bleibt es übersichtlich. Für Classic selbst fällt keine eigene Gebühr an, bezahlt wird die Modellnutzung; AgentCore rechnet verbrauchsbasiert ab.
Unsere Einschätzung
Ein Dienst, der weiterläuft und trotzdem keine neuen Modelle mehr bekommt, ist die leiseste Form der Abkündigung. Und gerade deshalb die gefährlichste.
Nichts geht kaputt und kein Alarm schlägt an, die Automatisierung liefert weiter dieselben Ergebnisse wie gestern. Genau das wiegt Betreiber in Sicherheit, während der Abstand zum aktuellen Stand mit jeder Modellgeneration wächst. In vielen kleinen Betrieben kommt eine zweite Schicht dazu: Die Automatisierung hat eine Agentur oder ein Dienstleister gebaut, und im Haus weiß niemand, welche AWS-Bausteine darunterliegen. Dokumentiert ist so etwas selten, und zwei Jahre nach dem Projekt erinnert sich oft nicht einmal mehr die Agentur an jede Einzelheit. Deshalb lohnt jetzt eine einzige Nachfrage beim Dienstleister, auf welcher Generation die eigenen Agenten laufen und ob es einen Plan für den Umzug gibt. Diese Frage kostet eine E-Mail. Die Antwort entscheidet, ob die eigenen Abläufe in zwei Jahren auf einem gepflegten Fundament stehen oder auf einem eingefrorenen. Nach der Imagen-Abschaltung und der DeepSeek-Preiserhöhung ist das übrigens der dritte Fall binnen einer Woche, in dem sich eine KI-Anbindung still verändert. Wer KI-Bausteine einkauft, braucht dafür dieselbe Routine wie für jeden anderen Lieferanten: eine Liste, was woher kommt, und einen regelmäßigen Blick in die Änderungsmitteilungen.
Wer heute neu auf AWS-Agenten setzt, beginnt ohnehin direkt bei AgentCore. Wer Bestand hat, kann in Ruhe entscheiden, sollte es aber bewusst tun. Der Aufwand für diese Inventur ist klein, der Erkenntniswert groß.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 19. August 2026):
- AWS-Dokumentation: Amazon Bedrock Agents Classic maintenance mode
- West Loop Strategy: Amazon Bedrock Agents Classic availability change
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Häufige Fragen
Was ändert sich bei Amazon Bedrock Agents?
Der im November 2023 gestartete Dienst heißt laut AWS-Dokumentation jetzt Amazon Bedrock Agents Classic und nimmt seit dem 30. Juli 2026 keine neuen Kunden mehr an. Er befindet sich im Wartungsmodus, bestehende Agenten laufen weiter und alle Verwaltungs-APIs bleiben verfügbar.
Gibt es ein Abschaltdatum für Bedrock Agents Classic?
Nein, AWS hat weder ein Abschaltdatum noch eine Migrationsfrist angekündigt. Der Modellkatalog des Dienstes ist aber zum 30. Juli 2026 eingefroren, neue Modelle erscheinen nur noch im Nachfolger Amazon Bedrock AgentCore. Bedrock selbst mit Modellen, Knowledge Bases und Guardrails ist davon nicht betroffen.
Wer kann Bedrock Agents Classic weiter nutzen?
Konten mit Bedrock-Agents-Aktivität in den letzten zwölf Monaten stehen automatisch auf einer Allowlist und laufen normal weiter. Ein Ausnahmeverfahren für neue Konten gibt es nicht. Neue Konten erhalten beim Anlegen eines Agenten einen Zugriffsfehler.
Müssen Betriebe mit Automatisierungen auf AWS-Agenten sofort handeln?
Eine Frist gibt es nicht, aber der eingefrorene Modellkatalog lässt bestehende Setups mit der Zeit veralten. Sinnvoll ist, einmal zu klären, auf welcher Generation die eigenen Agenten laufen, gerade wenn eine Agentur sie gebaut hat. AWS empfiehlt die Migration zu AgentCore und stellt ein Werkzeug bereit, das Konfigurationen inspiziert und überträgt; einzelne Classic-Funktionen haben dort keinen direkten Ersatz, deshalb gehört der Umzug geplant.
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Zuletzt aktualisiert: 19. August 2026. Stand der Recherche: 19. August 2026.