Wer mturk.com aufruft, liest seit dem 25. August 2026 als Erstes das Datum, an dem der Dienst endet.
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Was auf der Startseite steht
Die Meldung ist kurz. „Following an assessment, we've made the decision to close Amazon Mechanical Turk, effective September 30, 2026", heißt es auf der Startseite, gefolgt von dem Satz, dass die Schließung dauerhaft ist. Gegenüber PYMNTS hat Amazon die Entscheidung mit einer Formulierung begründet, die den Grund offen lässt: „We regularly evaluate our programs, tools and services and make adjustments based on those assessments." Mehr sagt das Unternehmen dazu nicht.
Angekündigt hatte sich das Ende schon. Seit dem 30. Juli 2026 nahm Mechanical Turk keine neuen Kunden mehr an. Bestandskunden könnten den Dienst wie gewohnt weiter nutzen, hieß es damals laut TechCrunch von Amazon, man investiere weiter in Sicherheit und Verfügbarkeit, plane aber keine neuen Funktionen: „Existing customers can continue to use the service as normal." Am 25. August folgte das Enddatum.
Künstliche künstliche Intelligenz
Mechanical Turk ging 2005 an den Start. Auftraggeber, im Jargon des Dienstes Requester, stellten kleine digitale Aufgaben ein, sogenannte Human Intelligence Tasks oder HITs: Daten beschriften, Audio abschreiben, Umfragen ausfüllen. Bezahlt wurde mit wenigen Cent je Aufgabe. Jeff Bezos nannte das Prinzip 2007 gegenüber der New York Times „artificial artificial intelligence", künstliche künstliche Intelligenz. Gemeint waren Aufgaben, die für Computer zu schwer und für Menschen leicht sind.
Genau diese Aufgaben erledigen inzwischen die Modelle selbst, jedenfalls die einfachen darunter.
Die Berichte ordnen die Schließung entsprechend ein: Der Dienst war in den vergangenen Jahren rückläufig, und für das Training von KI-Modellen sind Anbieter entstanden, die Arbeitskräfte gezielt rekrutieren. So lesen es die Berichte. Amazon selbst nennt keinen Grund.
Die Fristen für Auftraggeber
Für Betriebe, die den Dienst genutzt haben, zählt weniger die Vorgeschichte als der Kalender. Die FAQ auf mturk.com nennen diese Termine:
- Bis zum 30. September 2026 läuft der Dienst, danach ist er dauerhaft geschlossen.
- Bis zum 30. Oktober 2026 können Auftraggeber eingereichte Arbeiten annehmen oder ablehnen. Was bis dahin nicht bearbeitet ist, gilt danach automatisch als angenommen.
- Bis zum 30. Oktober 2026 sind auch Bonuszahlungen an Arbeiter möglich.
- Restguthaben der Auftraggeber wird innerhalb von 30 Tagen erstattet. Arbeiter erhalten offene Zahlungen nach ihrem bestehenden Auszahlungsplan.
- Bis zum 28. Januar 2027 bleibt die Transaktionshistorie abrufbar.
Wer Belege für die Buchhaltung braucht, sichert sie vor diesem Datum.
Warum die Meldung auch Betriebe ohne Mechanical-Turk-Konto betrifft
Ein Handwerksbetrieb in Deutschland hat Mechanical Turk vermutlich nie benutzt. Wenn überhaupt, hatte die Agentur ein Konto, die für ihn eine Umfrage auswerten oder einen Adressbestand bereinigen ließ. Trotzdem steckt in der Meldung etwas, das jeden Betrieb angeht, der mit KI arbeitet. Hinter jedem Modell steckt menschliche Arbeit, das Beschriften von Daten und das Prüfen von Ergebnissen. Diese Arbeit verschwindet mit dem Marktplatz nicht. Sie wandert zu spezialisierten Anbietern, die Arbeitskräfte gezielt suchen, und sie wandert in die Modelle selbst, die viele der alten Kleinaufgaben inzwischen erledigen. Was übrig bleibt, ist die anspruchsvollere Prüfarbeit, und die landet dort, wo das Modell eingesetzt wird. Wer einem Modell Daten gibt, muss selbst wissen, ob sie stimmen. Dass genau diese Frage im Mittelstand zum Engpass wird, zeigt der Artikel Warum Datenqualität im Mittelstand der Engpass ist.
Unsere Einschätzung
Das Ende von Mechanical Turk liest sich leicht als Beleg dafür, dass die Maschinen die Menschen aus der KI-Kette gedrängt haben. Wir lesen es andersherum.
Automatisiert ist die einfache Klickarbeit, das Etikett am Bild und der abgetippte Satz. Die Arbeit, die auf dem Marktplatz nie zu haben war, weil sie sich für wenige Cent gar nicht vergeben lässt, bleibt liegen, und zwar im Betrieb: zu beurteilen, ob ein Datensatz für das eigene Haus taugt und ob eine Antwort des Modells stimmt. Diese Prüfung kann ein Betrieb nur mit eigenen Leuten machen, die verstehen, was das Modell tut und wo es üblicherweise danebenliegt. In unseren Kursen ist das der Punkt, an dem die meisten Teilnehmer zum ersten Mal merken, wie viel Handarbeit in einem sauberen Datensatz steckt. Und dass sie diese Handarbeit niemandem mehr für ein paar Cent je Aufgabe abgeben können.
Für den eigenen Betrieb wird die Schließung in dem Moment relevant, in dem dort ein Modell mit eigenen Daten gefüttert wird. Die Klickarbeit ist weg. Die Prüfarbeit ist da.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 26. August 2026):
- Amazon Mechanical Turk: Startseite mit Schließungshinweis
- Amazon Mechanical Turk: FAQ zur Schließung
- PYMNTS: Amazon Sunsets Crowd-Sourced Work Platform MTurk
- TechCrunch: Amazon will stop accepting new customers for Mechanical Turk
Häufige Fragen
Wann schließt Amazon Mechanical Turk?
Am 30. September 2026, dauerhaft. Die Mitteilung dazu steht seit dem 25. August 2026 auf der Startseite von mturk.com. Bereits seit dem 30. Juli 2026 nahm der Dienst keine neuen Kunden mehr an, Bestandskunden konnten ihn laut Amazon bis dahin wie gewohnt weiter nutzen.
Was war Mechanical Turk?
Ein Marktplatz von Amazon, gestartet 2005, auf dem Auftraggeber kleine digitale Aufgaben einstellten, sogenannte Human Intelligence Tasks: Daten beschriften, Audio abschreiben oder Umfragen ausfüllen. Bezahlt wurde mit wenigen Cent je Aufgabe. Jeff Bezos nannte das Prinzip 2007 gegenüber der New York Times künstliche künstliche Intelligenz, weil Menschen erledigten, was Computern zu schwer war.
Welche Fristen gelten für Auftraggeber nach der Schließung?
Laut den FAQ auf mturk.com können Auftraggeber eingereichte Arbeiten bis zum 30. Oktober 2026 annehmen oder ablehnen, nicht bearbeitete Einreichungen gelten danach automatisch als angenommen. Bonuszahlungen an Arbeiter sind ebenfalls bis zum 30. Oktober 2026 möglich. Restguthaben wird innerhalb von 30 Tagen erstattet, die Transaktionshistorie bleibt bis zum 28. Januar 2027 abrufbar.
Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?
Wer den Dienst selbst oder über eine Agentur genutzt hat, bearbeitet offene Einreichungen vor dem 30. Oktober 2026, klärt das Restguthaben und sichert die Transaktionshistorie vor dem 28. Januar 2027. Für Umfragen oder Adressprüfungen braucht es ab dem 30. September einen anderen Weg. Alle anderen Betriebe betrifft die Meldung an einer Stelle: Die Prüfung, ob die Daten stimmen, die ein KI-Modell bekommt, liegt im eigenen Haus und lässt sich nirgendwo mehr für ein paar Cent je Aufgabe einkaufen.
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Zuletzt aktualisiert: 26. August 2026. Stand der Recherche: 26. August 2026.