Seit Montag steht bei Nutzern des kostenlosen ChatGPT in Deutschland unter mancher Antwort eine Anzeige.
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Was seit Montag anders ist
Am 18. August 2026 hat OpenAI in einem Beitrag auf der eigenen Seite angekündigt, das Werbegeschäft in ChatGPT auf 31 europäische Märkte auszudehnen. Gemeint sind die 27 Mitgliedstaaten der EU sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz. Freigeschaltet wurden die Anzeigen am Montag, 24. August 2026.
Betroffen sind allein die Tarife Free und Go. Wer Plus, Pro, Business, Enterprise oder Edu bezahlt, sieht weiterhin keine Werbung. Einen Schalter, mit dem sich die Anzeigen innerhalb von Free oder Go abstellen lassen, gibt es nach Angaben von OpenAI nicht; wer sie loswerden will, wechselt in einen bezahlten Tarif ohne Werbung.
Die Anzeigen stehen unterhalb der Antwort, sind als gesponsert gekennzeichnet und optisch vom Antworttext getrennt. OpenAI erklärt, dass Werbung die Antworten von ChatGPT nicht beeinflusst und dass Unterhaltungen vor Werbetreibenden privat bleiben. Kundendaten würden nicht verkauft.
Im Juni hatten wir in unserem Artikel zur Werbung in KI-Antworten noch geschrieben, dass Werbung in KI-Antworten in Europa noch nicht scharf sei und für Deutschland je nach Quelle Ende 2026 bis Mitte 2027 erwartet werde; dieser Stand ist seit Montag überholt.
Ohne Personalisierung, mit Kontext
Der auffälligste Unterschied zu den bisherigen Märkten steht in einem einzigen Satz der Mitteilung. „Personalized ads are not initially available in the European Economic Area (EEA) or Switzerland", schreibt OpenAI.
Worauf sich die Anzeigen in Europa dann stützen, erklärt der Anbieter ebenfalls. Grundlage ist die laufende Unterhaltung. Dazu kommen der ungefähre Standort und die Sprache. Frühere Chats und gespeicherte Erinnerungen fließen laut OpenAI nicht ein, und auch die bisherige Reaktion eines Nutzers auf Werbung bleibt außen vor.
Die Vorgeschichte hat Digiday nachgezeichnet: Das Werbegeschäft in ChatGPT begann im Februar 2026 in den USA und wurde danach auf Kanada, Australien, Neuseeland, Großbritannien, Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea ausgeweitet. Europa ist damit der Schritt vom Pilotbetrieb zum Regelbetrieb, und zwar in dem Markt mit den strengsten Datenschutzregeln.
Wer bucht, und wer noch nicht kann
Zum Start laufen Buchungen über das Ads-Solutions-Team von OpenAI und über Partneragenturen. Einen Anzeigenmanager für die eigene Buchung gibt es noch nicht. OpenAI hat einen solchen Self-Service angekündigt; die Berichte nennen dafür „später im Sommer" beziehungsweise „später in diesem Quartal", ein Datum fehlt.
Für einen Handwerksbetrieb oder einen regionalen Dienstleister heißt das im Moment: abwarten.
Dave Dugan, bei OpenAI für Werbung zuständig, beschreibt gegenüber Digiday, worum es dabei gehen soll: „People come to ChatGPT with goals. In the attention economy, brands have to be interesting; in the intelligence economy, they have to be useful." Wer bis zum Self-Service nichts buchen kann, sorgt in der Zwischenzeit dafür, dass die eigene Seite in KI-Antworten organisch vorkommt.
Welche Konten im Betrieb betroffen sind
Die zweite Lesart betrifft Betriebe als Nutzer, und das sind deutlich mehr als die Werbetreibenden. In vielen kleinen Firmen läuft ChatGPT im Free-Tarif, häufig auf privaten Konten der Mitarbeiter. Diese Konten sehen ab jetzt Werbung, die sich auf den Inhalt der laufenden Unterhaltung stützt. An der Vertraulichkeit gegenüber dem Werbetreibenden ändert das nach Angaben von OpenAI nichts, die Unterhaltung bleibt vor ihm verborgen. Trotzdem ist der Moment ein guter Anlass für eine Bestandsaufnahme. Welche Konten gibt es im Betrieb überhaupt, und welche Daten landen darin? Eine Firma, die darauf bislang keine Antwort hat, bekommt durch die Anzeigen immerhin eine Erinnerung daran, dass die Werkzeuge im Alltag längst da sind. Ein bezahlter Tarif ohne Werbung, etwa Business, ist dann eine Option, ein Firmenkonto mit klaren Regeln eine andere.
Unsere Einschätzung
Werbung, die ohne Personalisierung auskommt und nur auf der aktuellen Frage aufsetzt, ist für einen Betrieb mit klarem Angebot eher ein Vorteil als ein Nachteil. Der Kontext der Frage ist genau die Kaufabsicht, die ein Anzeigenkunde will. Ein Profil aus alten Chats würde daran wenig verbessern.
Für die meisten kleinen Betriebe bleibt vorerst trotzdem nur zuzusehen. Solange die Buchung über das Vertriebsteam oder eine Agentur läuft, ist das Format für ein kleines Werbebudget kein Thema. Die Zeit bis zum Self-Service ist besser angelegt, wenn die eigene Website die Fragen beantwortet, die Kunden einem Chatbot stellen. Wer dort vorkommt, braucht die Anzeige darunter vielleicht nie.
Und wer ChatGPT im Betrieb nutzt, sollte die Anzeigen als das nehmen, was sie sind: ein sichtbares Zeichen dafür, dass der kostenlose Zugang ein Geschäftsmodell bekommen hat. Die Regel, welche Daten in welches Konto dürfen, war vorher schon fällig.
Quellen
Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 26. August 2026):
- OpenAI: ChatGPT Ads expands across Europe
- Notebookcheck: ChatGPT ads hit Europe on Monday, but not the personalized kind
- Digiday: OpenAI takes ChatGPT ads into Europe
- TechRepublic: OpenAI Brings ChatGPT Ads to 31 European Countries
Häufige Fragen
Wer sieht die Werbung in ChatGPT?
Nur Nutzer der Tarife Free und Go. Die Tarife Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu bleiben ohne Werbung. Ein Abschalten der Anzeigen innerhalb von Free oder Go gibt es nicht; wer keine Werbung möchte, wechselt in einen bezahlten Tarif ohne Anzeigen.
Sind die Anzeigen in Deutschland personalisiert?
Zum Start nicht. Im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz stützen sich die Anzeigen laut OpenAI auf die laufende Unterhaltung, den ungefähren Standort und die Sprache. Frühere Chats, gespeicherte Erinnerungen und die bisherige Reaktion auf Werbung fließen nicht ein.
Kann ein Betrieb selbst Werbung in ChatGPT schalten?
Zum Start nicht. Buchungen laufen über das Ads-Solutions-Team von OpenAI und über Partneragenturen. Ein Self-Service-Zugang über einen eigenen Anzeigenmanager ist angekündigt, ein Datum dafür nennt OpenAI nicht.
Was sollte ein Betrieb jetzt regeln?
Zuerst klären, welche ChatGPT-Konten im Betrieb genutzt werden und welche Daten darin landen, vor allem bei privaten Free-Konten der Mitarbeiter. Wer im Arbeitsalltag keine Werbung will, braucht einen bezahlten Tarif. Wer später werben möchte, sorgt bis zum Self-Service dafür, dass die eigene Website die Fragen beantwortet, die Kunden einem Chatbot stellen.
Wer im Betrieb weiß, auf welchen Konten ChatGPT gerade läuft und was dort eingegeben wird?
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Zuletzt aktualisiert: 26. August 2026. Stand der Recherche: 26. August 2026.