„Ist der Wirtschaftsfachwirt ein Bachelor?“ gehört zu den häufigsten Fragen, die wir vor einer Anmeldung hören. Der Geprüfte Wirtschaftsfachwirt steht im Deutschen Qualifikationsrahmen auf derselben Stufe wie ein Bachelor, ist aber kein akademischer Grad. Und die Bezeichnung „Bachelor Professional“, von der viele gelesen haben, trägt er nach geltendem Recht noch nicht. Dieser Beitrag erklärt, was hinter den Begriffen steckt und was daraus für Lebenslauf, Gehaltsverhandlung und ein späteres Studium folgt.
Was DQR-Niveau 6 bedeutet
Der Deutsche Qualifikationsrahmen ordnet Abschlüsse aus Schule, Berufsbildung und Hochschule acht Niveaus zu. Maßstab sind die Kompetenzen, die ein Abschluss belegt, nicht der Lernort. Der Geprüfte Wirtschaftsfachwirt ist in der DQR-Datenbank dem Niveau 6 zugeordnet, ebenso wie der Bachelor und der Meister.
Gleichwertig heißt: Beide Abschlüsse stellen vergleichbar hohe Anforderungen, austauschbar sind sie deshalb nicht. Ein Bachelor ist ein Hochschulgrad mit wissenschaftlichem Anspruch, der Fachwirt eine öffentlich-rechtliche Prüfung vor der IHK, die auf Führung und Praxis im Betrieb zielt.
Im Lebenslauf lohnt es sich trotzdem, die Einstufung zu nennen. Viele Personaler kennen den DQR nicht auswendig, verstehen aber sofort, was „Niveau 6, wie Bachelor“ bedeutet.
Darf ich mich „Bachelor Professional“ nennen?
Mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes zum 1. Januar 2020 wurden drei Stufen der höherqualifizierenden Berufsbildung eingeführt. Die zweite Stufe heißt Bachelor Professional. § 53c BBiG legt fest, dass die Abschlussbezeichnung dieser Stufe mit den Wörtern „Bachelor Professional in“ beginnt und der Lernumfang mindestens 1.200 Stunden betragen soll.
Der Haken liegt im Detail. Die neue Bezeichnung wird erst vergeben, wenn die Prüfungsverordnung des jeweiligen Abschlusses daran angepasst wurde. Die Verordnung zum Wirtschaftsfachwirt nennt in § 1 als Abschluss weiterhin „Geprüfter Wirtschaftsfachwirt“, zuletzt geändert am 9. Dezember 2019, also vor Inkrafttreten der Novelle. So steht es auf gesetze-im-internet.de, geprüft am 28. September 2026. Wer heute die Prüfung ablegt, schreibt deshalb korrekt „Geprüfter Wirtschaftsfachwirt (IHK)“.
Wir halten das für weniger dramatisch, als es in Foren klingt. Arbeitgeber, die den Fachwirt kennen, schätzen ihn für die Kombination aus Berufserfahrung und Führungswissen. Wer sich im Vorstellungsgespräch „Bachelor“ nennt und dann den Unterschied erklären muss, verliert eher Vertrauen, als dass er gewinnt.
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Der Weg zur Hochschule
Für ein späteres Studium ist der Fachwirt mehr wert, als viele wissen. Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 erhalten Inhaber einer Aufstiegsfortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz, deren Lehrgänge mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen, die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Fachwirte fallen darunter, weil ihre Prüfung nach dem Berufsbildungsgesetz geregelt ist. Sie haben damit dieselben Zugangsrechte wie Abiturienten, die Einzelheiten regeln die Länder.
Dazu kommt die Anrechnung. Nach den KMK-Beschlüssen von 2002 und 2008 können außerhalb der Hochschule erworbene Kenntnisse bis zur Hälfte eines Studiengangs ersetzen, wenn sie inhaltlich und vom Niveau her gleichwertig sind. Manche Hochschulen haben dafür pauschale Regelungen für Fachwirte, andere prüfen jeden Einzelfall.
Wer nach dem Fachwirt einen Master anstrebt, braucht dagegen in aller Regel zuerst einen akademischen ersten Abschluss.
Wann der Unterschied im Job zählt
Für eine Teamleitung in der Privatwirtschaft zählen Berufserfahrung und Fachwirt zusammen oft mehr als ein Studium ohne Praxis. Anders sieht es aus, wo ein Hochschulabschluss formal vorgeschrieben ist, etwa bei bestimmten Laufbahnen im öffentlichen Dienst oder bei Trainee-Programmen, die ausdrücklich Absolventen suchen. Dort hilft die Gleichwertigkeit im DQR nicht weiter.
Lies Stellenanzeigen deshalb genau. Steht dort „abgeschlossenes Studium oder vergleichbare Qualifikation“, ist der Fachwirt ein starkes Argument.
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Den Fachwirt online neben dem Beruf
Zur Prüfung zugelassen wird nach § 2 der Wirtschaftsfachwirt-Prüfungsverordnung, wer eine mindestens dreijährige kaufmännische oder verwaltende Ausbildung abgeschlossen hat. Nach einer anderen Ausbildung kommen ein oder zwei Jahre Berufspraxis hinzu. Alternativ reichen drei Jahre einschlägige Berufspraxis im kaufmännischen oder verwaltenden Bereich. Über die Zulassung entscheidet die IHK. Unser Lehrgang zum Wirtschaftsfachwirt (IHK) dauert 12 Monate und läuft komplett online, dienstags und donnerstags von 18 bis 21 Uhr. Er kostet 3.997 Euro und ist mit Aufstiegs-BAföG förderfähig. Den Antrag stellst du selbst, die Hälfte gibt es als Zuschuss.
Ob sich statt des Fachwirts gleich der Geprüfte Betriebswirt oder ein Bachelorstudium lohnt, vergleichen wir nach Kosten, Dauer, Gehalt und Anerkennung im Beitrag Wirtschaftsfachwirt, Betriebswirt oder Bachelor im Vergleich.
Häufige Fragen
Darf ich nach dem Wirtschaftsfachwirt „Bachelor“ auf meine Visitenkarte schreiben?
Nein. Der Wirtschaftsfachwirt ist kein akademischer Grad, und die Bezeichnung „Bachelor Professional“ ist in der aktuellen Prüfungsverordnung nicht vorgesehen. Korrekt ist „Geprüfter Wirtschaftsfachwirt (IHK)“, gern mit dem Zusatz DQR-Niveau 6.
Ist der Wirtschaftsfachwirt einem Bachelor gleichgestellt?
Er ist gleichwertig eingestuft, beide stehen auf Niveau 6 des Deutschen Qualifikationsrahmens. Der Fachwirt ersetzt aber keinen Hochschulabschluss dort, wo ein akademischer Grad formal verlangt wird, etwa als Zugang zu einem Masterstudium.
Kann ich mit dem Wirtschaftsfachwirt ohne Abitur studieren?
Ja. Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 6. März 2009 erhalten Inhaber einer Aufstiegsfortbildung nach dem Berufsbildungsgesetz mit mindestens 400 Unterrichtsstunden die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Die Einzelheiten regeln die Länder in ihren Hochschulgesetzen.
Wie viel vom Fachwirt wird auf ein Bachelorstudium angerechnet?
Nach den Beschlüssen der Kultusministerkonferenz von 2002 und 2008 können außerhalb der Hochschule erworbene Kenntnisse bis zur Hälfte eines Studiengangs ersetzen. Wie viel tatsächlich angerechnet wird, entscheidet die jeweilige Hochschule nach einer Prüfung der Inhalte.
Aufsteigen neben dem Job?
Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ist gleichgestellt mit einem Bachelor, aber ohne Studium und ohne Vollzeit. Rechne in einer Minute aus, was dich der Abschluss kostet und was er dir bringt.