Qualifizierungsgeld Strukturwandel ist das Förderinstrument, das 2024 im Sozialgesetzbuch III ergänzt wurde und 2026 immer mehr Unternehmen und Mitarbeitern hilft, Weiterbildungen zu finanzieren, ohne dass der Arbeitsplatz aufgegeben werden muss. Anders als beim Bildungsgutschein für Arbeitslose oder beim Qualifizierungschancengesetz für Einzelfälle setzt §82a SGB III an, wenn ein ganzer Betrieb vom Wandel betroffen ist. Dieser Artikel erklärt, wann es infrage kommt, wie du es beantragst und was du im Kleingedruckten beachten solltest.

Hinweis: Die konkreten Bedingungen können sich ändern. Dieser Artikel gibt den Stand April 2026 wieder. Für deinen Einzelfall ist der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit die verbindliche Anlaufstelle.

Das Wichtigste in Kürze

Was §82a SGB III genau regelt

Das Qualifizierungsgeld wurde mit dem "Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung" Ende 2023 beschlossen und ist seit 2024 in Kraft. Es ergänzt die bestehenden Instrumente Bildungsgutschein (für Arbeitslose) und Qualifizierungschancengesetz (für Einzelfälle im Bestand).

Der Zweck: Wenn ein ganzer Betrieb oder eine Branche im Strukturwandel steckt (Automobilindustrie, Stahlindustrie, Chemie, Bauindustrie), sollen Mitarbeiter im Job weitergebildet werden, um die Transformation mitzumachen, statt dass sie arbeitslos werden und erst danach umlernen.

Das Qualifizierungsgeld funktioniert wie Kurzarbeitergeld: Die Arbeit ruht teilweise oder ganz, der Mitarbeiter bildet sich weiter, und die Agentur für Arbeit übernimmt einen Teil des Lohns.

Die Voraussetzungen im Detail

Der Gesetzgeber hat das Instrument bewusst an einige Bedingungen geknüpft, damit es nicht als allgemeine Weiterbildungs-Förderung missbraucht wird.

Betriebliche Voraussetzungen

Voraussetzungen für die Weiterbildung

Persönliche Voraussetzungen für den Mitarbeiter

Wie das Qualifizierungsgeld berechnet wird

Die Berechnung orientiert sich am Kurzarbeitergeld:

Beispiel: Dein normales Monats-Netto liegt bei 2.500 Euro. Du machst eine Weiterbildung, während der du nicht arbeitest. Du bekommst:

Situation Qualifizierungsgeld pro Monat
Ohne Kind 1.500 Euro (60% von 2.500)
Mit einem Kind 1.675 Euro (67% von 2.500)

Viele Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen sehen zusätzlich eine Aufstockung des Qualifizierungsgeldes durch den Arbeitgeber vor, häufig auf 80 oder 90 Prozent. Frag den Betriebsrat nach den konkreten Regelungen.

Qualifizierungsgeld vs. andere Instrumente

Das Qualifizierungsgeld ist nur eines von mehreren Förderinstrumenten der Agentur für Arbeit. Hier der Vergleich:

Instrument Zielgruppe Lohnersatz Dauer Initiative
Qualifizierungsgeld (§82a) Beschäftigte im Strukturwandel 60/67% Bis 3,5 Jahre Arbeitgeber
Qualifizierungschancengesetz (§82) Einzelne Beschäftigte Lohnkostenzuschuss an AG Individuell Arbeitgeber
Bildungsgutschein (§81) Arbeitslose ALG I läuft weiter Dauer der WB Arbeitnehmer
Transfer-KUG (§111 SGB III) Beschäftigte in Transfergesellschaft 60/67% Bis 12 Monate Sozialplan

Das Qualifizierungsgeld unterscheidet sich vom Qualifizierungschancengesetz darin, dass es nicht der Arbeitgeber-Zuschuss (an den AG, für Einzelfälle) ist, sondern ein Lohnersatz direkt für den Mitarbeiter (für ganze Gruppen in strukturwandel-betroffenen Betrieben).

Welche Weiterbildungen typischerweise gefördert werden

Das Qualifizierungsgeld passt besonders gut für Umschulungen und Fortbildungen mit Bezug zum Strukturwandel. Beispiele:

Der [Digitalisierungsmanager bei SkillSprinters](PH0 ist ein gutes Beispiel für eine Weiterbildung, die alle Kriterien erfüllt: AZAV-zertifiziert (DEKRA), mehr als 120 Stunden (720 Unterrichtseinheiten), deutlich über die betriebliche Anpassung hinaus, direkter Bezug zum Strukturwandel (Digitalisierung, KI, Automatisierung). Für Mitarbeiter eines Automobilzulieferers, eines Chemiebetriebs oder eines Mittelständlers im Wandel passt das perfekt.

Der Antragsprozess: Schritt für Schritt

Der Antrag läuft über den Arbeitgeber, nicht über den Mitarbeiter. Das ist wichtig zu verstehen: Wenn du als Mitarbeiter Qualifizierungsgeld willst, musst du den Arbeitgeber überzeugen, den Antrag zu stellen.

  1. Betriebsvereinbarung oder Tarifvertrag prüfen. Gibt es bei dir im Betrieb eine Vereinbarung zum Strukturwandel mit Weiterbildungsthema? Falls nein, sprich mit Betriebsrat oder Personalabteilung.
  2. Betriebsrat einbeziehen. Ohne Betriebsrat oder ohne Tarifvertrag geht nichts. Der Betriebsrat wird in aller Regel die Weiterbildung unterstützen, weil sie Arbeitsplätze sichert.
  3. AZAV-zertifizierten Bildungsträger auswählen. Der Bildungsträger sollte Erfahrung mit §82a-Anträgen haben und dem Arbeitgeber ein fertiges Informationspaket liefern können.
  4. Antrag beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit stellen. Die Arbeitgeber-Hotline ist 0800 4 5555 20. Der zuständige Sachbearbeiter prüft die Unterlagen.
  5. Bewilligungsbescheid abwarten. Erst nach der Bewilligung darf die Weiterbildung beginnen. Wer vorher anfängt, verliert den Anspruch.
  6. Weiterbildung durchführen. Die Agentur für Arbeit zahlt das Qualifizierungsgeld direkt an den Mitarbeiter oder über den Arbeitgeber, je nach Vereinbarung.
  7. Abschluss und Abrechnung. Nach der Weiterbildung werden die Abschlussnachweise eingereicht.

Rechne mit sechs bis zehn Wochen vom ersten Kontakt bis zur Bewilligung. Das ist ähnlich wie beim [Qualifizierungschancengesetz](PH1

Ein konkretes Beispiel

Ein Automobilzulieferer in Bayern mit 180 Mitarbeitern stellt fest, dass etwa 40 seiner Mitarbeiter im Bereich klassische Verbrennertechnik auf mittlere Sicht ihren Arbeitsplatz verlieren würden, wenn der Betrieb nicht umstellt. 40 von 180 sind mehr als 20 Prozent, die Schwelle ist also erreicht.

Der Betriebsrat und die Geschäftsführung schließen eine Betriebsvereinbarung über ein strukturwandelbedingtes Qualifizierungsprogramm. Darin steht, dass die betroffenen Mitarbeiter die [Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager](PH2 absolvieren, vier Monate online bei SkillSprinters.

Der Arbeitgeber stellt den Antrag beim Arbeitgeber-Service, legt die Betriebsvereinbarung und das Informationspaket von SkillSprinters bei. Nach sechs Wochen kommt die Bewilligung. Die Mitarbeiter werden für die Dauer der Weiterbildung weitgehend freigestellt, bekommen 60 Prozent des entfallenen Netto-Entgelts als Qualifizierungsgeld, der Arbeitgeber stockt auf 80 Prozent auf (laut Betriebsvereinbarung). Nach vier Monaten haben 40 Mitarbeiter eine DEKRA-zertifizierte Qualifizierung, der Betrieb hat seinen Transformationsweg eingeschlagen, und niemand wurde arbeitslos.

Was typischerweise schiefgeht

Häufige Fragen

Kann ich das Qualifizierungsgeld selbst beantragen?

Nein. Der Antrag läuft immer über den Arbeitgeber. Wenn du Interesse hast, sprich mit dem Betriebsrat oder der Personalabteilung und frag nach den bestehenden Vereinbarungen zum Strukturwandel.

Wie lange dauert die Förderdauer maximal?

Das Qualifizierungsgeld kann bis zu dreieinhalb Jahren (42 Monate) gewährt werden, wenn die Weiterbildung entsprechend lang ist. Bei typischen Fortbildungen (vier bis zwölf Monate) spielt diese Höchstgrenze keine Rolle.

Muss ich die Weiterbildung komplett freigestellt machen?

Nein. Das Qualifizierungsgeld funktioniert wie Kurzarbeitergeld und kann prozentual gewährt werden. Du kannst beispielsweise 50 Prozent normal arbeiten und 50 Prozent in Weiterbildung sein. Dann bekommst du für die 50 Prozent Weiterbildung Qualifizierungsgeld.

Kann ein kleiner Betrieb (weniger als zehn Mitarbeiter) das Qualifizierungsgeld nutzen?

Das ist schwierig, weil die Mindestschwelle von zehn Prozent der Belegschaft erreicht werden muss (also mindestens ein betroffener Mitarbeiter bei zehn Beschäftigten). Kleine Betriebe nutzen oft eher das [Qualifizierungschancengesetz](PH3 das keine Mindestschwelle für die Belegschaft hat.

Verliere ich meinen Arbeitsplatz durch die Weiterbildung?

Nein, im Gegenteil. Der Sinn des Qualifizierungsgeldes ist, deinen Arbeitsplatz zu erhalten, indem du dich weiterbildest und dadurch die Transformation mitmachen kannst. Kündigungsschutz besteht für die Dauer der Weiterbildung.

Was passiert, wenn die Weiterbildung abgebrochen wird?

Das hängt vom Grund ab. Bei Krankheit oder anderen berechtigten Gründen gibt es Regelungen. Bei einfachem Abbruch ohne triftigen Grund kann der Anspruch auf das bereits gezahlte Qualifizierungsgeld neu geprüft werden. Das ist aber selten ein Problem, weil die meisten Teilnehmer die Weiterbildung auch wirklich abschließen wollen.

Fazit

Das Qualifizierungsgeld nach §82a SGB III ist ein neues, aber mächtiges Instrument für Betriebe im Strukturwandel. Es hält Mitarbeiter im Job, ermöglicht substanzielle Weiterbildungen und verhindert Arbeitslosigkeit. Wenn dein Betrieb unter den typischen Strukturwandel-Druck gerät (Automobil, Chemie, Maschinenbau, Energie), lohnt sich ein Gespräch zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und einem AZAV-zertifizierten Bildungsträger.

Kostenlos zu passender Förderung beraten lassen und klären, ob das Qualifizierungsgeld für euren Betrieb infrage kommt.

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