Bertelsmann plant, den Geschäftsbetrieb der Druckerei Vogel Druck in Höchberg einzustellen. Wenn dich die Vogel Druck Höchberg Schließung 2026 betrifft, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte. Rund 280 Beschäftigte sind betroffen, der Betrieb soll bis zum 30. Juni 2027 auslaufen.

Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Arbeitsverhältnis, zu einem Sozialplan oder einem Aufhebungsvertrag sind dein Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege für Weiterbildung und Neuorientierung stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Vogel Druck in Höchberg bei Würzburg gehört zur Bertelsmann-Gruppe. Der Konzern plant, den Geschäftsbetrieb am Standort bis zum 30. Juni 2027 einzustellen. Betroffen sind rund 280 Beschäftigte. Die Geschäftsführung hat Betriebsrat und Belegschaft am 29. Juli 2026 in einer Betriebsversammlung informiert, Gespräche über Abfindungsregelungen und einen Sozialplan sollen beginnen. Als Grund nennt das Unternehmen die anhaltend negative Entwicklung der Druckbranche mit seit Jahren strukturell rückläufiger Nachfrage von Verlagen und Handelsunternehmen. Es handelt sich um eine geplante Werksschließung und nicht um ein Insolvenzverfahren.

Was bisher bekannt ist

Vogel Druck mit Sitz in Höchberg im Landkreis Würzburg soll geschlossen werden. Die Geschäftsführung informierte Betriebsrat und Belegschaft am 29. Juli 2026 in einer Betriebsversammlung darüber, dass der Geschäftsbetrieb bis zum 30. Juni 2027 eingestellt werden soll.

Rund 280 Beschäftigte sind betroffen. Das Unternehmen produziert Zeitschriften und Kataloge im Rollen- und Bogenoffsetdruck und bietet dazu Leistungen in der Druckvorstufe, in der Weiterverarbeitung und in der Logistik an. Vogel Druck gehört zur Bertelsmann-Gruppe mit Sitz in Gütersloh und ist dort einer von mehreren Offsetdruck-Betrieben in Deutschland.

Als Grund nennt das Unternehmen die negative Marktentwicklung in der Druckbranche, die sich in den vergangenen Jahren beschleunigt habe. Die Nachfrage von Verlagen und Handelsunternehmen in den relevanten Märkten sei seit mehreren Jahren strukturell rückläufig, besonders stark bei Katalogen. Mit der Arbeitnehmervertretung sollen Gespräche über Abfindungsregelungen und einen Sozialplan aufgenommen werden, das Unternehmen kündigte an, zeitnah sozialverträgliche Lösungen für die Betroffenen finden zu wollen.

Schließung ist etwas anderes als Insolvenz

Dieser Punkt entscheidet darüber, welche Instrumente für dich gelten, deshalb steht er hier so früh. Vogel Druck ist nicht insolvent. Es gibt kein Insolvenzverfahren, keinen Insolvenzverwalter und keinen Antrag bei einem Amtsgericht. Der Eigentümer hat entschieden, einen Standort zu schließen.

Daraus folgt zweierlei. Erstens gibt es kein Insolvenzgeld, weil es keine Zahlungsunfähigkeit gibt. Dein Gehalt läuft bis zum Ende deines Arbeitsverhältnisses normal weiter. Zweitens stehen die Instrumente des Betriebsverfassungsrechts im Vordergrund: Interessenausgleich, Sozialplan, Abfindung, Transfergesellschaft.

Das ist im Vergleich zu einer Insolvenz die deutlich bessere Ausgangslage. Ein zahlungsfähiger Konzern im Hintergrund bedeutet, dass über Abfindungen und Qualifizierung überhaupt verhandelt werden kann.

Der lange Vorlauf ist dein größter Vorteil

Zwischen der Ankündigung Ende Juli 2026 und dem geplanten Ende des Betriebs Mitte 2027 liegen elf Monate. Das ist ungewöhnlich viel Zeit, und sie gehört genutzt.

In dieser Zeit verhandeln Betriebsrat und Geschäftsführung über Interessenausgleich und Sozialplan. Was dort vereinbart wird, entscheidet über Abfindungshöhen, über Kündigungsfristen und darüber, ob eine Transfergesellschaft eingerichtet wird. Wer sich früh einbringt und die Betriebsversammlungen besucht, weiß eher, was kommt.

Ebenso wichtig: Elf Monate reichen für eine komplette Weiterbildung, während du noch in Beschäftigung bist oder in einer Transfergesellschaft steckst. Wer erst am letzten Arbeitstag anfängt zu überlegen, verschenkt genau dieses Fenster.

Deine ersten Schritte

Sortiere deine Unterlagen. Arbeitsvertrag, Lohnabrechnungen, Nachweise über Urlaub und Überstunden, Betriebsvereinbarungen, alle Schreiben zur Schließung. Diese Papiere sind die Grundlage, sobald über Abfindungen gesprochen wird.

Der Betriebsrat ist deine wichtigste Adresse. Bei einer Betriebsänderung dieser Größe hat er Mitbestimmungsrechte, und er verhandelt Interessenausgleich und Sozialplan für die gesamte Belegschaft.

Für die Druckindustrie ist ver.di die zuständige Gewerkschaft. Sie kennt die Tarifwerke der Branche und begleitet solche Verfahren regelmäßig. Bei einer Schließung mit langem Vorlauf ist gewerkschaftliche Begleitung erfahrungsgemäß der Unterschied zwischen einem Standard-Sozialplan und einem guten.

Steht das Enddatum deines Arbeitsverhältnisses fest, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Sonst droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Hotline ist 0800 4 5555 00.

Abfindung, Transfergesellschaft, Arbeitslosengeld

Bei einer geplanten Schließung ist die Abfindung Verhandlungssache und ergibt sich aus dem Sozialplan. Bevor du irgendetwas unterschreibst, lass es prüfen. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen beim Arbeitslosengeld auslösen, und wie sich eine Abfindung steuerlich auswirkt, klärt man besser vorher als hinterher.

Häufig wird bei Schließungen dieser Größenordnung eine Transfergesellschaft eingerichtet. Über das Transfer-Kurzarbeitergeld nach Paragraf 111 SGB III lässt sich der Übergang abfedern, und Qualifizierungen sind dort oft schon eingeplant. Ob es eine solche Lösung gibt, entscheidet sich in den Verhandlungen, deshalb ist es sinnvoll, das Thema früh anzusprechen.

Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent.

Warum die Druckindustrie schrumpft

Der Rückgang bei Zeitschriften und Katalogen läuft seit Jahren, und er ist strukturell. Verlage drucken kleinere Auflagen, Handelsunternehmen verschieben Werbebudgets ins Netz, Kataloge werden dünner oder ganz eingestellt. Rollenoffset lebt aber von hohen Auflagen, weil sich die Rüstkosten sonst nicht rechnen.

Wenn die Auflagen sinken, sinkt die Auslastung, und eine schlecht ausgelastete Rollenoffsetmaschine ist ein teures Stück Technik. Deshalb trifft es die großen Druckereien zuerst, obwohl gerade sie besonders produktiv arbeiten.

Für dich als Beschäftigten heißt das nüchtern: Ein Wechsel zu einer anderen Rollendruckerei ist möglich, löst das Problem aber unter Umständen nur für einige Jahre. Wer die elf Monate Vorlauf hat, sollte deshalb prüfen, ob eine breitere Neuausrichtung nicht die tragfähigere Entscheidung ist.

Wohin dein Können sonst noch passt

In einer Druckerei arbeiten Menschen mit sehr unterschiedlichen Profilen: Drucker und Medientechnologen, Fachkräfte aus der Weiterverarbeitung, Mitarbeiter aus Druckvorstufe, Disposition, Logistik, Qualitätssicherung und Verwaltung. Gemeinsam ist ihnen ein präzises Verständnis dafür, wie ein Auftrag durch einen Betrieb läuft und wo er hängen bleibt.

Genau dieses Prozesswissen wird gebraucht, wenn Betriebe ihre Abläufe digitalisieren. Aufträge automatisch einsteuern, Maschinendaten auswerten, Termine und Material planen, Prüfprotokolle und Dokumentation ohne Abtippen erzeugen: Immer mehr davon läuft über KI-gestützte Systeme. Wer aus der Produktion kommt und diese Werkzeuge bedienen kann, ist an einer gefragten Schnittstelle einsetzbar.

Der Digitalisierungsmanager greift diesen Bedarf auf. Die Weiterbildung dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und läuft komplett online. Programmierkenntnisse brauchst du nicht. Der Schwerpunkt liegt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Weiterbildung ist DEKRA-zertifiziert. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten, dein Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Hast du Kinder, wird die Betreuung mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III).

Weiterbildung ist eine Option, kein Muss

Ob du diesen Weg gehst, entscheidest du. Medientechnologen und Fachkräfte aus der Weiterverarbeitung werden auch in Verpackungsdruckereien, Etikettendruckereien und in der industriellen Fertigung gesucht. Ein direkter Wechsel ist realistisch.

Eine Weiterbildung lohnt sich vor allem, wenn du dich beruflich neu ausrichten willst. Der lange Vorlauf bis Mitte 2027 macht diesen Weg hier besonders gangbar, weil sich eine viermonatige Qualifizierung gut in eine Transferphase legen lässt.

Der Weg zum Bildungsgutschein führt über deinen Vermittler bei der Agentur für Arbeit, ein automatischer Anspruch besteht nicht. Sprich früh mit Betriebsrat, ver.di und der Agentur, damit die Bausteine zusammenpassen.

Häufige Fragen

Ist Vogel Druck insolvent?

Nein. Es handelt sich um eine vom Eigentümer geplante Schließung des Standorts Höchberg, nicht um ein Insolvenzverfahren. Vogel Druck gehört zur Bertelsmann-Gruppe. Der Geschäftsbetrieb soll bis zum 30. Juni 2027 eingestellt werden. Insolvenzgeld gibt es in dieser Konstellation nicht, weil das Gehalt regulär weiterläuft.

Wann ist Schluss?

Nach den vorliegenden Angaben soll der Geschäftsbetrieb bis zum 30. Juni 2027 eingestellt werden. Bis dahin läuft dein Arbeitsverhältnis, sofern nichts anderes vereinbart wird. Was genau für deinen Bereich gilt, ergibt sich aus dem Interessenausgleich und dem Sozialplan.

Bekomme ich eine Abfindung?

Das hängt vom Sozialplan ab, über den Betriebsrat und Geschäftsführung verhandeln. Gespräche über Abfindungsregelungen und einen Sozialplan sollen aufgenommen werden. Konkrete Beträge stehen erst fest, wenn die Verhandlungen abgeschlossen sind. Lass ein Angebot vor der Unterschrift prüfen.

Lohnt sich eine Weiterbildung noch, wenn ich bis Mitte 2027 arbeite?

Gerade dann. Elf Monate Vorlauf reichen für eine viermonatige Weiterbildung, die sich in eine Transferphase oder in die Zeit nach dem Ausscheiden legen lässt. Wer früh plant, steht am Ende nicht ohne Anschluss da. Sprich das Thema Qualifizierung in den Sozialplanverhandlungen aktiv an.

Quellen

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