Seit 2022 haben 85 Krankenhäuser mit 102 Standorten in Deutschland Insolvenz angemeldet, teils zum zweiten Mal. Für 2026 warnt der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft vor einer dreijährigen Insolvenzwelle. Das berichten kliniksterben.de, gesundheitsmarkt.de und Tichys Einblick. Wenn du in einer Klinik arbeitest und dein Haus von einer Krankenhaus Insolvenz 2026 betroffen ist, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte.
Vorab: Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Bei Fragen zu Insolvenzgeld, deinem Arbeitsverhältnis oder einer Kündigung sind der Insolvenzverwalter, dein Betriebsrat oder die Mitarbeitervertretung, deine zuständige Gewerkschaft (im Gesundheitswesen meist ver.di) oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege stehen dir aber offen.
Auf einen Blick: Seit 2022 haben 85 Krankenhäuser mit 102 Standorten Insolvenz angemeldet. Der DKG-Chef Gerald Gass warnt vor einer dreijährigen Welle, in der ein Drittel der Kliniken verschwinden könnte. Besonders bedroht sind Grund- und Regelversorger in ländlichen Regionen, zuerst geraten Notaufnahmen, Geburtshilfe und Kinderstationen unter Druck. Aktuelles Beispiel: Das St. Bernhard-Hospital in Brake in Niedersachsen stellte den Betrieb am 7. Juli 2026 ein, rund 350 Beschäftigte sind betroffen.
Warum so viele Kliniken 2026 in Not geraten
Die Zahlen sind deutlich. Seit 2022 haben 85 Krankenhäuser mit 102 Standorten Insolvenz angemeldet, einige davon bereits zum zweiten Mal. Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gass, spricht von einer dreijährigen Insolvenzwelle und hält es für möglich, dass ein Drittel der Kliniken verschwindet.
Hinter den Insolvenzen steckt eine Schere. Auf der einen Seite stehen hohe Personal-, Energie- und Materialkosten. Auf der anderen Seite begrenzte Erlöse und teure Vorhalteleistungen, die bezahlt werden müssen, egal wie viele Patienten kommen. Besonders getroffen werden Grund- und Regelversorger in ländlichen Regionen. Zuerst geraten dort Notaufnahmen, Geburtshilfe und Kinderstationen unter Druck, weil sie sich betriebswirtschaftlich am schwersten rechnen.
Ein Beispiel macht die Lage greifbar. Das St. Bernhard-Hospital in Brake in Niedersachsen stellte den Betrieb am 7. Juli 2026 ein. Rund 350 Beschäftigte sind betroffen, von der Pflege über die Verwaltung bis zur Technik.
Dein Gehalt in der Insolvenz
Wenn dein Arbeitgeber insolvent ist, greift das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III. Es sichert bis zu drei Monate rückständiges Nettoentgelt ab. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit, innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Insolvenzverwalter unterstützt bei den nötigen Bescheinigungen.
Diese Frist ist knapp, deshalb kümmere dich früh darum. Kläre, bis wann dein Gehalt regulär gezahlt wird und ab wann das Insolvenzgeld einspringt.
Wenn die Kündigung kommt
Sobald du von deinem Kündigungstermin erfährst, meldest du dich innerhalb von drei Tagen bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend, sonst droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Hotline erreichst du unter 0800 4 5555 00. Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent deines letzten Nettoentgelts, mit Kind sind es 67 Prozent.
Bei einem Aufhebungsvertrag ist Vorsicht geboten. Er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen. Lass ihn vor der Unterschrift von Betriebsrat, Mitarbeitervertretung, ver.di oder einem Fachanwalt prüfen.
Ein ehrliches Wort zur Lage: Pflegekräfte finden derzeit oft schnell eine neue Stelle, der Fachkräftemangel wirkt hier zu deinen Gunsten. Schwieriger wird es für Verwaltung, Abrechnung und Dokumentation, wenn ein ganzes Haus schließt und mehrere Bereiche gleichzeitig auf den regionalen Arbeitsmarkt drängen. Für diese Gruppe lohnt es sich besonders, den nächsten Schritt aktiv zu planen.
Klinikwissen und die Digitalisierung im Gesundheitswesen
Kaum eine Branche digitalisiert gerade so stark wie das Gesundheitswesen. Elektronische Patientenakte, digitale Dokumentation, Abrechnung nach Fallpauschalen, Dienstplanung, Materialwirtschaft: Überall werden Abläufe auf Software umgestellt, und überall fehlen Leute, die diese Abläufe verstehen und sinnvoll aufsetzen können.
Genau hier hast du als jemand aus dem Klinikalltag einen Vorteil. Du kennst die Prozesse von innen. Du weißt, wo Doppelarbeit entsteht, wo Übergaben hakeln, wo Zettel und System nicht zusammenpassen. Dieses Wissen ist die Grundlage, um Digitalisierung nicht theoretisch, sondern praktisch mitzugestalten.
Der Digitalisierungsmanager macht daraus ein Berufsprofil.
Die Weiterbildung dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und läuft komplett online. Du brauchst keine Programmierkenntnisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten, dein Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, prüft die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Während der Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Kinderbetreuung wird mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III). Besonders für Verwaltung, Doku und Abrechnung ist dieser Weg naheliegend, weil dein Fachwissen dort direkt anschlussfähig ist.
So gehst du das Beratungsgespräch an
Der Bildungsgutschein ist eine Ermessensentscheidung. Einen automatischen Anspruch gibt es nicht, die Agentur für Arbeit prüft jeden Fall einzeln. Deshalb entscheidet oft mit, wie gut du dein Anliegen im Beratungsgespräch rüberbringst.
Geh vorbereitet hin. Beschreibe, was du im Klinikalltag gemacht hast, wo deine Stärken liegen und warum eine Weiterbildung im Bereich Digitalisierung zu deinem Werdegang passt. Gerade wenn du aus Verwaltung, Abrechnung oder Dokumentation kommst, kannst du gut begründen, dass du die Prozesse im Gesundheitswesen kennst und sie künftig mitgestalten willst. Frag konkret nach einer passenden, zugelassenen Maßnahme und lass dir erklären, wie es weitergeht.
Weiterbildung ist dabei eine Option unter mehreren.
Als Pflegekraft findest du wegen des Fachkräftemangels oft schnell eine neue Stelle in einer anderen Einrichtung, und das kann für dich der bessere Weg sein. Andere wollen raus aus dem Schichtdienst und die Chance für einen Wechsel ins Digitale nutzen. Beides ist legitim, und niemand sollte dich in eine Richtung drängen. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, und triff die Entscheidung bewusst.
Was der Digitalisierungsmanager konkret vermittelt: wie sich wiederkehrende Abläufe mit Software verknüpfen lassen, wie Daten automatisch verarbeitet werden und wie du KI-Werkzeuge sinnvoll in den Arbeitsalltag einbaust. Das sind Fähigkeiten, die in Kliniken, Praxen und im gesamten Gesundheitswesen zunehmend gebraucht werden, weil dort gerade sehr viel auf digitale Systeme umgestellt wird.
Häufige Fragen
Bekomme ich mein Gehalt weiter, wenn meine Klinik insolvent ist?
Rückständiges Nettoentgelt ist bis zu drei Monate über das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III gesichert. Den Antrag stellst du bei der Agentur für Arbeit innerhalb von zwei Monaten nach dem Insolvenzereignis. Der Insolvenzverwalter hilft bei den Bescheinigungen.
Finde ich als Pflegekraft schnell eine neue Stelle?
Der Fachkräftemangel in der Pflege spielt vielen Betroffenen in die Karten, eine Vermittlung kann aber niemand garantieren. Schwieriger ist die Lage oft für Verwaltung und Abrechnung. Melde dich früh arbeitsuchend und nutze die Beratung der Agentur für Arbeit.
Welche Kliniken sind am stärksten bedroht?
Besonders gefährdet sind Grund- und Regelversorger in ländlichen Regionen. Zuerst geraten dort Notaufnahmen, Geburtshilfe und Kinderstationen unter Druck. Ob dein Haus betroffen ist, erfährst du von Geschäftsführung, Betriebsrat oder Mitarbeitervertretung.
Passt der Digitalisierungsmanager zu einem Gesundheitsberuf?
Ja, denn das Gesundheitswesen digitalisiert stark, von der Patientenakte bis zur Abrechnung. Wer die Abläufe aus der Klinik kennt, bringt genau das Prozesswissen mit, auf dem die Weiterbildung aufbaut. Die vier Monate laufen komplett online, ohne Programmierkenntnisse.
Quellen
- Kliniksterben.de: Übersicht Krankenhausinsolvenzen
- Gesundheitsmarkt.de: Krankenhausschließungen und Bettenverlust aktuell
- Tichys Einblick: Kliniksterben in der Fläche
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