Bei der insolventen Bäckerei Keim & Brecht aus Mittelbiberach haben zum 1. August vier regionale Bäckereien fünf Filialen übernommen. Wenn dich die Keim & Brecht Insolvenz 2026 betrifft, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte. Rund 150 Menschen arbeiteten in dem Unternehmen, die Backstube in Mittelbiberach wurde Ende Juli geschlossen.
Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Arbeitsverhältnis, zu einem Sozialplan oder einem Aufhebungsvertrag sind dein Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege für Weiterbildung und Neuorientierung stehen dir aber offen.
Auf einen Blick: Die Bäckerei und Konditorei Keim & Brecht mit Sitz in Mittelbiberach hat im April 2026 beim Amtsgericht Ravensburg einen Insolvenzantrag gestellt. Am 17. April 2026 wurde Tobias Sorg von dmp solutions zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, am 1. Juni 2026 wurde das Verfahren eröffnet. Das Unternehmen betrieb zwölf Filialen, acht davon in Biberach, dazu Standorte in Mittelbiberach, Bad Buchau, Bad Waldsee und Bad Saulgau, und beschäftigte rund 150 Mitarbeiter. Zum 1. August 2026 übernehmen vier Bäckereien aus der Region fünf dieser zwölf Filialen samt den dort beschäftigten Mitarbeitern. Die Backstube in Mittelbiberach wurde Ende Juli geschlossen, eine Fortführung des Produktionsbetriebs kam trotz intensiver Suche nicht zustande. Für übernommene Beschäftigte gilt der Betriebsübergang nach Paragraf 613a BGB.
Was bisher bekannt ist
Die Bäckerei und Konditorei Keim & Brecht aus Mittelbiberach im Landkreis Biberach hat im April 2026 beim Amtsgericht Ravensburg einen Insolvenzantrag gestellt. Am 17. April 2026 bestellte das Gericht den Wirtschaftsjuristen Tobias Sorg von dmp solutions zum vorläufigen Insolvenzverwalter, am 1. Juni 2026 wurde das Verfahren eröffnet.
Das Unternehmen betrieb zwölf Filialen. Acht davon lagen in Biberach, dazu kamen Standorte in Mittelbiberach, Bad Buchau, Bad Waldsee und Bad Saulgau. Beschäftigt waren rund 150 Menschen. Als Ursachen nannte das Unternehmen deutlich gestiegene Personal- und Betriebskosten sowie eine spürbare Konsumzurückhaltung, die zu Umsatzrückgängen und einer angespannten Liquiditätslage geführt hätten.
Zum 1. August 2026 haben vier Bäckereien aus der Region fünf der zwölf Filialen übernommen, samt den dort beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Filiale am Zeppelinring beim Ärztehaus in Biberach führt seither die Bäckerei Grieser aus Ochsenhausen. Die Bäckerei Hamma ist in die OBI-Filiale im Bibercenter und in den Rewe-Markt in Bad Buchau eingezogen. Die Bäckerei Eisinger aus Biberach übernimmt den Standort Hauderboschen, die Bäckerei Usenbenz aus Bad Schussenried betreibt die Filiale in Bad Waldsee.
Die Backstube in Mittelbiberach wurde Ende Juli geschlossen. Eine Fortführung des Produktionsbetriebs kam trotz intensiver Suche nicht zustande.
Betriebsübergang: was Paragraf 613a BGB für dich bedeutet
Für alle, die zu den übernommenen Filialen gehören, ist das der wichtigste Punkt dieses Textes. Wenn ein Betrieb oder ein Betriebsteil auf einen anderen Inhaber übergeht, gehen die bestehenden Arbeitsverhältnisse nach Paragraf 613a BGB mit allen Rechten und Pflichten auf den Erwerber über.
Daraus folgen mehrere Dinge. Der neue Inhaber tritt in deinen bestehenden Arbeitsvertrag ein, er schließt keinen neuen mit schlechteren Bedingungen ab. Deine Betriebszugehörigkeit läuft weiter, was für Kündigungsfristen und Ansprüche wichtig ist. Eine Kündigung wegen des Betriebsübergangs ist unwirksam.
Du musst über den Übergang in Textform unterrichtet werden, und zwar über Zeitpunkt, Grund, rechtliche und wirtschaftliche Folgen sowie geplante Maßnahmen. Ab dem Zugang dieser Unterrichtung hast du einen Monat Zeit, dem Übergang zu widersprechen. Das klingt zunächst nach einer Option, ist aber in der Insolvenz mit Vorsicht zu behandeln: Wer widerspricht, bleibt beim alten Arbeitgeber, und wenn der abgewickelt wird, führt der Widerspruch geradewegs in die Arbeitslosigkeit.
In der Insolvenz gelten für den Betriebsübergang zusätzliche Besonderheiten. Deshalb ist genau hier fachliche Beratung durch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht angebracht, bevor du irgendetwas unterschreibst oder erklärst.
Wenn dein Standort nicht übernommen wurde
Belegt ist bislang die Übernahme von fünf der zwölf Filialen. Wer in der Produktion in Mittelbiberach gearbeitet hat, ist von der Schließung der Backstube Ende Juli unmittelbar betroffen.
Für dich gelten dann die üblichen Regeln. Erhältst du eine Kündigung, hast du drei Wochen Zeit für eine Kündigungsschutzklage. Diese Frist ist hart und läuft auch im Insolvenzverfahren.
Sobald ein Enddatum feststeht, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Sonst droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Hotline ist 0800 4 5555 00.
Beim Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III gilt: Es deckt bis zu drei Monate Nettoentgelt vor der Verfahrenseröffnung ab, der Antrag muss innerhalb von zwei Monaten nach der Eröffnung gestellt sein. Da das Verfahren hier bereits am 1. Juni 2026 eröffnet wurde, ist diese Frist der Punkt, den du sofort prüfen solltest.
Deine Unterlagen und deine Ansprechpartner
Sortiere Arbeitsvertrag, Lohnabrechnungen, Nachweise über Urlaub und Überstunden sowie alle Schreiben von Arbeitgeber und Insolvenzverwalter. Halte fest, an welcher Filiale du eingesetzt warst und seit wann, denn beim Betriebsübergang kommt es genau darauf an.
Gibt es einen Betriebsrat, ist er die erste Anlaufstelle. In Bäckereibetrieben dieser Größe existiert er nicht immer, dann führt der Weg direkt zur Gewerkschaft.
Für das Bäckerhandwerk und den Verkauf ist die NGG zuständig. Sie berät Mitglieder in Insolvenzverfahren und kennt die Fragen rund um Betriebsübergänge im Handwerk.
Das Arbeitslosengeld 1 beträgt rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind 67 Prozent. Ein Aufhebungsvertrag kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen, deshalb gehört ein solches Angebot vorher geprüft.
Was der Fall über das Bäckerhandwerk zeigt
Dass fünf von zwölf Filialen samt Personal weitergeführt werden, während die Produktion trotz intensiver Suche keinen Nachfolger fand, beschreibt die Lage im Handwerk ziemlich genau.
Verkaufsstellen an guten Lagen sind für andere Bäckereien interessant, weil sie Umsatz bringen, ohne dass eigene Produktionskapazität gebaut werden muss. Eine Backstube dagegen bedeutet Anlagen, Energie, Fachkräfte und Auslastungsrisiko. Wer selbst schon eine hat, braucht keine zweite.
Für Beschäftigte im Verkauf ist das eine vergleichsweise gute Nachricht, für Bäcker und Konditoren in der Produktion die schwierigere. Es lohnt sich, das offen auszusprechen, weil es erklärt, warum in diesem Fall nicht alle die gleiche Perspektive haben.
Wohin dein Können sonst noch passt
Wer im Bäckereiverkauf oder in der Backstube arbeitet, bringt Fähigkeiten mit, die weit über das Fachliche hinausgehen: Arbeiten unter Zeitdruck ab den frühen Morgenstunden, Warenwirtschaft und Bestellung, Kassenabrechnung, Hygienedokumentation, Kundenkontakt, Einarbeitung neuer Kollegen.
Handel und Verwaltung digitalisieren gerade genau diese Abläufe: Bestellungen und Bestände planen, Schichten koordinieren, Dokumentation ohne Abtippen erzeugen, Kundenkommunikation vorbereiten. Wer die Praxis kennt und dazu die neuen Werkzeuge beherrscht, ist an einer nützlichen Schnittstelle einsetzbar.
Der Digitalisierungsmanager setzt genau dort an. Die Weiterbildung dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und läuft komplett online. Programmierkenntnisse brauchst du nicht. Der Schwerpunkt liegt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Weiterbildung ist DEKRA-zertifiziert. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten, dein Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Hast du Kinder, wird die Betreuung mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III).
Weiterbildung ist eine Option, kein Muss
Bäckereifachverkäufer, Bäcker und Konditoren werden in der Region weiterhin gesucht. Ein Wechsel zu einem anderen Betrieb ist für viele die schnellste und naheliegendste Lösung, und die Übernahmen zum 1. August zeigen, dass es Betriebe gibt, die Personal brauchen.
Eine Weiterbildung lohnt sich vor allem dann, wenn du ohnehin über einen Wechsel nachgedacht hast, etwa weil die Arbeitszeiten im Handwerk auf Dauer nicht mehr zu deinem Leben passen.
Der Weg zum Bildungsgutschein führt über deinen Vermittler bei der Agentur für Arbeit. Einen automatischen Anspruch gibt es nicht. Lass dir Zeit für die Entscheidung und sprich vorher mit der NGG und der Agentur.
Häufige Fragen
Werden alle Mitarbeiter übernommen?
Belegt ist die Übernahme von fünf der zwölf Filialen samt den dort beschäftigten Mitarbeitern durch vier Bäckereien aus der Region zum 1. August 2026. Über die Beschäftigten der übrigen Standorte und der Produktion liegen keine entsprechenden Angaben vor. Die Backstube in Mittelbiberach wurde Ende Juli geschlossen.
Was bedeutet der Betriebsübergang für meinen Vertrag?
Nach Paragraf 613a BGB geht dein Arbeitsverhältnis mit allen Rechten und Pflichten auf den neuen Inhaber über. Deine Betriebszugehörigkeit läuft weiter, und eine Kündigung wegen des Übergangs wäre unwirksam. Du musst in Textform unterrichtet werden und kannst binnen eines Monats widersprechen.
Sollte ich dem Betriebsübergang widersprechen?
In aller Regel nicht, ohne vorher fachlichen Rat einzuholen. Wer widerspricht, bleibt beim bisherigen Arbeitgeber. Wird dieser abgewickelt, endet das Arbeitsverhältnis dort. In der Insolvenz gelten zusätzliche Besonderheiten, deshalb gehört diese Entscheidung zur NGG oder zu einem Fachanwalt für Arbeitsrecht.
Kann ich noch Insolvenzgeld bekommen?
Das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III deckt bis zu drei Monate Nettoentgelt vor der Verfahrenseröffnung ab. Der Antrag muss innerhalb von zwei Monaten nach Eröffnung gestellt werden, und das Verfahren wurde hier am 1. Juni 2026 eröffnet. Prüf deshalb umgehend, ob dein Antrag gestellt wurde, und wende dich im Zweifel sofort an die Agentur für Arbeit.
Quellen
- Schwäbische Zeitung: Nach Keim-&-Brecht-Insolvenz, für fünf Filialen gibt es eine Zukunft
- inFranken: Bäckereikette Keim & Brecht insolvent, Filialen in Rewe, Norma und Obi
- Gesetze im Internet: Paragraf 613a BGB, Rechte und Pflichten bei Betriebsübergang
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