Die Karl Hess GmbH & Co. KG in Neunkirchen bei Siegen hat einen Insolvenzantrag gestellt. Wenn dich die Karl Hess Insolvenz 2026 betrifft, ordnet dieser Leitfaden deine nächsten Schritte. Rund 290 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unmittelbar betroffen.

Dieser Text ersetzt keine arbeitsrechtliche Beratung. Für verbindliche Auskünfte zu deinem Arbeitsverhältnis, zu einem Sozialplan oder einem Aufhebungsvertrag sind dein Betriebsrat, die zuständige Gewerkschaft und ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Adresse. Eine Vermittlung in einen neuen Job kann niemand garantieren, die Förderwege für Weiterbildung und Neuorientierung stehen dir aber offen.

Auf einen Blick: Die Karl Hess GmbH & Co. KG hat am 24. Juli 2026 beim Amtsgericht Siegen einen Insolvenzantrag gestellt. Am 27. Juli 2026 wurde Rechtsanwalt Nikolaos Antoniadis zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Rund 290 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind betroffen. Das 1950 gegründete Unternehmen fertigt technische Kunststoffteile im Spritzguss und erwirtschaftet rund drei Viertel seines Umsatzes mit der Automobilindustrie. Es unterhält Standorte in Burbach-Wahlbach, in Neunkirchen bei Siegen und im tschechischen Pilsen. Die tschechische Einheit Hess Pilsen Injection ist von der vorläufigen Insolvenz nach vorliegenden Berichten nicht betroffen. Als Ursachen werden die anhaltend schwierige Situation der Automobilbranche mit rückläufigen Produktionszahlen, deutlich geringere Abrufe durch Kunden sowie deutlich gestiegene Energie- und Rohstoffkosten genannt. Löhne sind über das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III für bis zu drei Monate abgesichert.

Was bisher bekannt ist

Die Karl Hess GmbH & Co. KG hat am 24. Juli 2026 beim Amtsgericht Siegen einen Insolvenzantrag gestellt. Am 27. Juli 2026 bestellte das Gericht Rechtsanwalt Nikolaos Antoniadis zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Rund 290 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind betroffen.

Das Unternehmen wurde 1950 gegründet und fertigt technische Teile im Kunststoff-Spritzguss, von der Produktentwicklung über den Werkzeugbau bis zur Serienfertigung. Rund drei Viertel des Umsatzes kommen aus der Automobilindustrie. Standorte gibt es im Gründungsort Burbach-Wahlbach, in Neunkirchen bei Siegen und im tschechischen Pilsen.

Eine Angabe ist für die Betroffenen besonders wichtig. Die tschechische Einheit Hess Pilsen Injection ist von der vorläufigen Insolvenz nach den vorliegenden Berichten nicht betroffen. Fachmedien nennen für die Gruppe insgesamt rund 550 Beschäftigte, davon etwa 250 in Tschechien, während die Meldung zum Verfahren rund 290 Betroffene ausweist. Wer in Tschechien arbeitet, steht damit in einer anderen Lage als die deutsche Belegschaft.

Als Ursachen werden die anhaltend schwierige Situation der Automobilbranche mit rückläufigen Produktionszahlen und deutlich geringeren Abrufen durch Kunden genannt, dazu deutlich gestiegene Energie- und Rohstoffkosten sowie die energieintensiven Fertigungsprozesse im Kunststoffspritzguss.

Zur Einordnung gehört noch ein Punkt aus der Unternehmensgeschichte. Von 2015 bis 2024 war Karl Hess Teil der französischen PVL Group, seit 2024 ist das Unternehmen nach einer Übernahme durch die Geschäftsführung wieder eigenständig. Die jetzige Insolvenz betrifft also ein unabhängiges Unternehmen und nicht einen Konzernverbund.

Was ein vorläufiges Verfahren bedeutet

Zwischen Insolvenzantrag und Eröffnung des Verfahrens liegt eine Phase, in der ein vorläufiger Insolvenzverwalter prüft, ob genug Masse vorhanden ist und ob sich der Betrieb fortführen lässt. In dieser Zeit läuft die Produktion in aller Regel weiter.

Dein Arbeitsverhältnis besteht in dieser Phase unverändert fort. Du arbeitest, du hast Anspruch auf dein Entgelt, und wenn der Arbeitgeber nicht zahlen kann, greift das Insolvenzgeld.

Was danach kommt, entscheidet sich erst. Möglich ist eine Fortführung, eine Übernahme durch einen Investor, eine Teillösung für einzelne Bereiche oder die Abwicklung. Solange das offen ist, hilft nur eines: sich informiert halten und die eigenen Fristen im Blick behalten.

Deine ersten Schritte

Leg deine Unterlagen zusammen. Arbeitsvertrag, die letzten Lohnabrechnungen, Nachweise über Urlaub und Überstunden, Betriebsvereinbarungen, jedes Schreiben des Arbeitgebers. Wer diese Papiere sortiert hat, spart sich später Wochen.

Der Betriebsrat ist deine erste Adresse. Er wird im Verfahren beteiligt und verhandelt gegebenenfalls über Interessenausgleich und Sozialplan.

In der kunststoffverarbeitenden Industrie ist je nach Tarifbindung die IG BCE oder die IG Metall zuständig. Welche es in deinem Betrieb ist, weiß der Betriebsrat. Beide beraten ihre Mitglieder in Insolvenzverfahren und begleiten die Verhandlungen.

Kommt eine Kündigung, gilt die Drei-Wochen-Frist für die Kündigungsschutzklage. Sie läuft auch dann, wenn du noch überlegst. Lass eine Kündigung deshalb sofort prüfen.

Geld: Insolvenzgeld, Arbeitslosengeld, Sperrzeit

Wenn Löhne ausbleiben, greift das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III. Es deckt bis zu drei Monate Nettoentgelt vor der Verfahrenseröffnung ab. Der Antrag läuft über die Agentur für Arbeit und muss innerhalb von zwei Monaten nach der Eröffnung gestellt sein.

Steht ein Enddatum für dein Arbeitsverhältnis fest, meldest du dich innerhalb von drei Tagen nach Kenntnis arbeitsuchend. Sonst droht eine Sperrzeit. Die kostenlose Nummer ist 0800 4 5555 00.

Das Arbeitslosengeld 1 liegt bei rund 60 Prozent des letzten Nettoentgelts, mit Kind bei 67 Prozent. In Industriebetrieben mit Betriebsrat ist häufig eine Transfergesellschaft im Gespräch. Das Transfer-Kurzarbeitergeld nach Paragraf 111 SGB III federt den Übergang ab, und Qualifizierungen sind dort oft von vornherein eingeplant. Frag früh danach, weil solche Lösungen im Verfahren verhandelt werden und nicht nachträglich entstehen.

Bei einem Aufhebungsvertrag gilt die übliche Warnung: Er kann eine Sperrzeit von bis zu zwölf Wochen auslösen. Vorher prüfen lassen, nicht danach.

Warum die Automobilzulieferer so unter Druck stehen

Karl Hess ist kein Einzelfall, und das ist für die Einordnung der eigenen Lage wichtig. Wer zu drei Vierteln von der Automobilindustrie abhängt, spürt jeden Rückgang bei den Abrufen unmittelbar.

Die Zulieferer sitzen dabei in einer besonders unangenehmen Position. Sie müssen Kapazitäten vorhalten, die der Kunde abrufen kann oder eben nicht, sie tragen die Energiekosten der Fertigung, und Preiserhöhungen lassen sich gegenüber den großen Abnehmern nur schwer durchsetzen. Wenn dann noch der Umbau zur Elektromobilität ganze Bauteilgruppen infrage stellt, wird aus einem konjunkturellen Tief ein struktureller Umbruch.

Für dich als Beschäftigten heißt das nüchtern betrachtet: Ein Wechsel zu einem anderen Zulieferer in der Region löst das Problem womöglich nur auf Zeit. Das spricht nicht gegen einen solchen Wechsel, aber es spricht dafür, parallel zu prüfen, welche Wege sonst noch offenstehen.

Wohin dein Können sonst noch passt

Wer im Spritzguss arbeitet, kennt Werkzeugwechsel, Prozessparameter, Zykluszeiten, Qualitätsprüfung, Instandhaltung und die Dokumentation, die in der Automobilzulieferung ohnehin verlangt wird. Das ist Prozesswissen auf hohem Niveau.

Genau dieses Wissen wird gebraucht, wenn Fertigung und Verwaltung digitalisiert werden. Maschinendaten auswerten, Ausschuss vorhersagen, Instandhaltung vorausschauend planen, Materialflüsse steuern, Prüfprotokolle automatisieren: Immer mehr davon läuft über KI-gestützte Systeme. Wer die Fertigung aus eigener Erfahrung kennt und zugleich diese Werkzeuge bedienen kann, ist an einer gefragten Schnittstelle einsetzbar.

Der Digitalisierungsmanager greift diesen Bedarf auf. Die Weiterbildung dauert vier Monate, umfasst 720 Unterrichtseinheiten und läuft komplett online. Programmierkenntnisse brauchst du nicht. Der Schwerpunkt liegt auf Prozessautomatisierung und dem praktischen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Weiterbildung ist DEKRA-zertifiziert. Der Bildungsgutschein nach Paragraf 81 SGB III übernimmt bei Bewilligung die kompletten Lehrgangskosten, dein Eigenanteil liegt dann bei 0 Euro. Ob ein Bildungsgutschein bewilligt wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Während einer abschlussorientierten Weiterbildung läuft dein Arbeitslosengeld 1 nach Paragraf 144 SGB III weiter. Dazu kommen 150 Euro Weiterbildungsgeld pro Monat sowie 1.000 Euro bei der Zwischenprüfung und 1.500 Euro beim Abschluss (Paragraf 87a SGB III). Hast du Kinder, wird die Betreuung mit 160 Euro je Kind und Monat bezuschusst (Paragraf 87 SGB III).

Weiterbildung ist eine Option, kein Muss

Ob du diesen Weg gehst, entscheidest du selbst. Facharbeiter aus der Kunststoffverarbeitung werden auch in anderen Branchen gesucht, von der Medizintechnik über die Verpackungsindustrie bis zur Elektrotechnik. Ein direkter Wechsel ist für viele die schnellste Lösung.

Eine Weiterbildung lohnt sich vor allem, wenn du dich beruflich neu ausrichten willst und nicht nur eine Lücke überbrücken möchtest. Der Weg zum Bildungsgutschein führt über deinen Vermittler bei der Agentur für Arbeit, ein automatischer Anspruch besteht nicht.

Nimm dir die Zeit für die Entscheidung, die dafür nötig ist. Sprich mit Betriebsrat, Gewerkschaft und Agentur, bevor du dich festlegst.

Häufige Fragen

Ist Karl Hess geschlossen?

Nein. Das Unternehmen hat am 24. Juli 2026 einen Insolvenzantrag gestellt, das Amtsgericht Siegen hat am 27. Juli einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. In dieser Phase läuft der Betrieb in aller Regel weiter, und über die Fortführung wird erst im Verfahren entschieden.

Ist der tschechische Standort auch betroffen?

Nach den vorliegenden Berichten ist die tschechische Einheit Hess Pilsen Injection von der vorläufigen Insolvenz nicht betroffen. Fachmedien nennen für die Gruppe rund 550 Beschäftigte, davon etwa 250 in Tschechien, während die Meldung zum Verfahren rund 290 Betroffene ausweist. Für die Lage deines Arbeitsverhältnisses ist die Auskunft des vorläufigen Insolvenzverwalters maßgeblich.

Wer zahlt jetzt mein Gehalt?

Bleiben Löhne aus, greift das Insolvenzgeld nach Paragraf 165 SGB III. Es deckt bis zu drei Monate Nettoentgelt vor der Verfahrenseröffnung ab und kommt von der Agentur für Arbeit. Wichtig ist die Antragsfrist von zwei Monaten nach Eröffnung des Verfahrens.

Passt eine KI-Weiterbildung zu einem Facharbeiter aus dem Spritzguss?

Ja, Programmierkenntnisse sind dafür nicht nötig. Der Digitalisierungsmanager setzt auf Prozessautomatisierung und den praktischen Einsatz von KI, und dein Wissen über Fertigungsprozesse ist dabei ein Vorteil. Die Weiterbildung dauert vier Monate, läuft komplett online und ist DEKRA-zertifiziert.

Quellen

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