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Weiterbildung waehrend Kurzarbeit gehoert zu den klarsten Win-Win-Situationen, die das deutsche Arbeitsrecht hergibt. Mitarbeiter bleiben an Bord, qualifizieren sich statt zuhause zu sitzen, der Staat uebernimmt einen grossen Teil der Kosten. Trotzdem nutzen die wenigsten Unternehmen diese Option. Dieser Artikel beschreibt, wie das 2026 konkret funktioniert, was gefoerdert wird und welche Schritte noetig sind.
Warum Kurzarbeit und Weiterbildung zusammenpassen
Kurzarbeit heisst, Mitarbeiter arbeiten weniger Stunden als vertraglich vereinbart, weil das Unternehmen weniger Auftrag hat. Die Agentur fuer Arbeit gleicht den Einkommensverlust teilweise aus (60 Prozent des Nettolohns, 67 Prozent mit Kindern).
Das Problem: Mitarbeiter haben Zeit, aber nichts Produktives zu tun. Gleichzeitig fehlen in vielen Branchen Fachkraefte mit bestimmten Qualifikationen, besonders im Bereich Digitalisierung und KI.
Der Schritt liegt nahe. Statt Leute bezahlt nach Hause zu schicken, qualifiziert man sie fuer die Aufgaben, die nach der Krise anstehen. Der Staat unterstuetzt das, weil qualifizierte Mitarbeiter seltener arbeitslos werden.
Ein Automobilzulieferer in Franken hat 40 Mitarbeiter in der Produktion auf Kurzarbeit. Die Auftragslage erholt sich voraussichtlich in 6 Monaten, aber die Produktion wird danach staerker automatisiert sein. 12 Mitarbeiter absolvieren waehrend der Kurzarbeit eine KI-gestuetzte Prozessautomatisierungs-Weiterbildung. Nach der Kurzarbeit bedienen sie die neuen Systeme, statt durch externe Fachkraefte ersetzt zu werden. Genau dafuer wurde die Regelung gebaut.
Die rechtliche Grundlage
§ 106a SGB III: Erstattung von SV-Beitraegen (ausgelaufen)
Zwischen 2021 und Juli 2024 erstattete die Agentur nach § 106a SGB III 50 Prozent der Sozialversicherungsbeitraege auf das Kurzarbeitergeld, wenn der Arbeitgeber eine Weiterbildung organisierte. Diese Regelung ist am 31. Juli 2024 ausgelaufen und bisher nicht verlaengert worden.
Die SV-Erstattung war ein zusaetzlicher finanzieller Anreiz. Auch ohne sie bleibt die Kombination aus Kurzarbeit und Weiterbildung sinnvoll, weil die Lehrgangskosten weiterhin ueber das Qualifizierungschancengesetz gefoerdert werden.
Die politische Diskussion ueber eine Neuauflage laeuft. Ein Anruf beim Arbeitgeberservice der Agentur klaert, ob es zwischenzeitlich eine Nachfolgeregelung gibt.
Qualifizierungschancengesetz (QCG)
Parallel zur SV-Erstattung koennen die Lehrgangskosten ueber das Qualifizierungschancengesetz gefoerdert werden. Die Foerderhoehe haengt an der Unternehmensgroesse.
| Unternehmensgroesse | Uebernahme Lehrgangskosten | Lohnzuschuss |
|---|---|---|
| Unter 10 Mitarbeiter | bis zu 100 Prozent | bis zu 75 Prozent |
| 10-249 Mitarbeiter | bis zu 100 Prozent (50 ohne Tarifvertrag) | bis zu 50 Prozent |
| 250-2.499 Mitarbeiter | bis zu 50 Prozent | bis zu 25 Prozent |
| Ab 2.500 Mitarbeiter | bis zu 25 Prozent | bis zu 25 Prozent |
Der Lohnzuschuss wird auf den Lohnanteil gezahlt, der nicht durch Kurzarbeitergeld abgedeckt ist. Bei vollstaendiger Kurzarbeit (Arbeitszeit null) entfaellt er, dafuer laeuft das Kurzarbeitergeld weiter.
Was der Arbeitgeber tatsaechlich zahlt
Rechenbeispiel fuer einen Betrieb mit 50 Mitarbeitern, 5 davon in Kurzarbeit und Weiterbildung:
| Position | Ohne Weiterbildung | Mit Weiterbildung |
|---|---|---|
| Kurzarbeitergeld | zahlt die Agentur | zahlt die Agentur |
| SV-Beitraege auf KuG | Arbeitgeber 100 Prozent | Arbeitgeber 100 Prozent (SV-Erstattung seit 31.07.2024 ausgelaufen) |
| Lehrgangskosten | 0 EUR | 0 EUR bei Kleinstbetrieben, gestaffelt nach Groesse |
| Ergebnis | Mitarbeiter sitzt zuhause | Mitarbeiter qualifiziert sich weitgehend kostenlos |
Am Ende steht ein qualifizierterer Mitarbeiter bei null oder minimalen Lehrgangskosten. Ein rationaler Grund dagegen existiert nicht, abgesehen von Unwissenheit oder Angst vor Buerokratie.
Arbeitgeber-Perspektive
Fuenf Gruende, warum sich die Muehe lohnt.
Mitarbeiter halten. Gute Leute in Kurzarbeit suchen sich einen neuen Job, sobald sie das Gefuehl haben, das Unternehmen sieht keine Zukunft. Wer Weiterbildung anbietet, signalisiert das Gegenteil.
Qualifikationsluecken schliessen. Die Krise ist der beste Zeitpunkt, weil die Mitarbeiter verfuegbar sind. In normalen Zeiten scheitert Weiterbildung an "dafuer haben wir gerade keine Zeit". In der Kurzarbeit ist sie da.
Kosten sparen. Die QCG-Foerderung uebernimmt je nach Betriebsgroesse bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten. Der Eigenanteil ist je nach Konstellation null.
Nach der Krise schneller durchstarten. Wenn die Auftragslage zieht, haben die Mitarbeiter neue Kompetenzen. Keine externe Rekrutierung, keine langwierige Einarbeitung.
Arbeitgebermarke. "Wir haben unsere Leute in der Krise weitergebildet" ist ein besserer Satz als "Wir haben unsere Leute in der Krise nach Hause geschickt".
Arbeitnehmer-Perspektive
Wenn dein Arbeitgeber Kurzarbeit angemeldet hat, hast du drei Moeglichkeiten. Die Defaultoption ist, Kurzarbeitergeld zu beziehen und zu warten, bis die Arbeit wieder anzieht. Das machen die meisten. Es bringt auch am wenigsten.
Ein Nebenjob ist grundsaetzlich erlaubt, aber Hinzuverdienst ueber dem frueheren Netto wird aufs KuG angerechnet. Der Arbeitgeber muss zustimmen.
Die dritte Option: Weiterbildung. Du nutzt die Kurzarbeitszeit fuer eine Qualifizierung, behaeltst dein KuG und hast am Ende ein Zertifikat. Organisiert der Arbeitgeber die Weiterbildung und beantragt die Foerderung, kostet dich das nichts.
Bietet dein Arbeitgeber keine Weiterbildung an, sprich ihn aktiv an. Viele Arbeitgeber kennen die QCG-Foerderung nicht. Mach einen konkreten Vorschlag (zum Beispiel aus dem Bereich KI und Digitalisierung). Und: Der Arbeitgeberservice der Agentur beraet Unternehmen kostenlos.
Was ist foerderfaehig
Nicht jede Schulung wird gefoerdert. Die Weiterbildung muss drei Pflichtkriterien erfuellen: mindestens 120 Stunden Umfang, Durchfuehrung durch einen AZAV-zertifizierten Bildungstraeger (DEKRA, TUeV oder gleichwertig), und der Inhalt muss ueber reine arbeitsplatzbezogene Anpassung hinausgehen.
Typisch gefoerdert werden Digitalisierungs- und KI-Kurse (zum Beispiel der Digitalisierungsmanager bei SkillSprinters, 720 UE, DEKRA-zertifiziert), Aufstiegsfortbildungen wie der Wirtschaftsfachwirt IHK, IT-Zertifizierungen (Microsoft, SAP, Cisco), Sprachkurse mit anerkanntem Abschluss, branchenspezifische Qualifizierungen in Pflege, Logistik oder Handwerk.
Typisch nicht gefoerdert: eintaegige Seminare (unter 120 Stunden), Inhouse-Schulungen ohne AZAV-Zertifizierung, reine Produktschulungen des eigenen Unternehmens.
Der Antragsweg
Fuer Arbeitgeber
Beratung beim Arbeitgeberservice der zustaendigen Agentur. Kostenlos. Du brauchst Angaben zur Kurzarbeit (Dauer, Umfang, betroffene Mitarbeiter) und eine Vorstellung, welche Qualifizierung sinnvoll ist.
Waehle einen AZAV-zertifizierten Bildungstraeger und ein konkretes Weiterbildungsangebot. Achte auf die 120-Stunden-Grenze, die AZAV-Zulassung und die Massnahmenummer der Agentur.
Foerderantrag stellen. Der Antrag geht an die Agentur. Du beantragst die Foerderung der Lehrgangskosten nach dem Qualifizierungschancengesetz. Die Agentur prueft und bewilligt in der Regel innerhalb von 2 bis 4 Wochen.
Weiterbildung starten. Nach Bewilligung beginnt die Massnahme. Mitarbeiter behalten ihr Kurzarbeitergeld, die Lehrgangskosten zahlt die Agentur direkt an den Bildungstraeger.
Fuer Arbeitnehmer
Sprich den Arbeitgeber an. Viele kennen die QCG-Foerderung nicht. Je konkreter dein Vorschlag, desto wahrscheinlicher die Umsetzung.
Bei Ablehnung: Eigeninitiative. Du kannst dich selbst an die Agentur wenden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein individueller Bildungsgutschein moeglich, wenn deine Qualifikationslage es rechtfertigt. Mehr dazu im Foerderungsbereich des Blogs.
Praxisbeispiel
Ein mittelstaendisches Maschinenbauunternehmen in Bayern, 120 Mitarbeiter. Kurzarbeit angemeldet. 15 Mitarbeiter aus Verwaltung und Vertrieb arbeiten nur noch 50 Prozent.
Acht davon absolvieren eine KI-Weiterbildung: Digitalisierungsmanager, 720 UE, vier Monate, online. Lehrgangskosten 9.700 EUR pro Teilnehmer. Bei 120 Mitarbeitern (Kategorie 10-249) greift die QCG-Foerderung bis zu 50 Prozent, bei Ueber-45-Jaehrigen bis zu 100 Prozent. Je nach Altersstruktur zahlt der Arbeitgeber zwischen 0 und 38.800 EUR fuer acht Teilnehmer.
Vier Monate spaeter haben acht Mitarbeiter einen DEKRA-zertifizierten KI-Abschluss plus sechs Zertifikate. Sie fuehren die KI-gestuetzte Prozessautomatisierung im Haus selbst ein. Niemand hat gekuendigt, weil die Kurzarbeit als Chance wahrgenommen wurde.
Wer das unterschaetzt, verliert in so einer Konstellation regelmaessig die besten Leute. Wir sehen das in Beratungsgespraechen haeufig. Der Arbeitgeber zoegert sechs Wochen, zwei Mitarbeiter sind dann schon weg, und die Weiterbildungsbudget-Debatte ist Makulatur. Wer Kurzarbeit anmeldet, sollte die Weiterbildungsfrage am selben Tag oeffnen, nicht sechs Wochen spaeter.
Fehler, die man vermeidet
Zu spaet anfangen. Die Beantragung braucht 2 bis 4 Wochen. Wer erst beantragt, wenn die Kurzarbeit schon laeuft, verliert Zeit. Besser parallel zur Kurzarbeitsanmeldung die Weiterbildung planen.
Keinen AZAV-Traeger waehlen. Ein Udemy-Kurs oder eine Inhouse-Schulung wird nicht gefoerdert.
Mitarbeiter nicht einbeziehen. Weiterbildung per Anordnung funktioniert schlecht. Besprich mit den Mitarbeitern, welche Qualifizierung sinnvoll ist. Wer waehlen kann, ist motivierter.
Nur ans Heute denken. Die Weiterbildung sollte Kompetenzen vermitteln, die in 6 bis 12 Monaten relevant sind. Digitalisierung und KI gewinnen in fast jeder Branche an Bedeutung.
Dokumentation vergessen. Fuer die QCG-Foerderung brauchst du Teilnahmebestaetigungen, Weiterbildungsvertrag, AZAV-Zulassung des Traegers. Halte alles von Anfang an fest.
Haeufige Fragen
Kann ich waehrend der Kurzarbeit eine Vollzeit-Weiterbildung machen?
Ja, wenn deine Arbeitszeit auf null oder nahezu null reduziert ist. Du beziehst weiter Kurzarbeitergeld und absolvierst die Weiterbildung in der freigewordenen Zeit. Bei Teilzeit-Kurzarbeit (etwa 50 Prozent) muss die Weiterbildung in die arbeitsfreie Zeit passen. Viele Anbieter haben Teilzeitformate. Der Wirtschaftsfachwirt bei SkillSprinters laeuft zum Beispiel Dienstag und Donnerstag abends, drei Stunden pro Woche.
Muss mein Arbeitgeber zustimmen?
Fuer die QCG-Foerderung: ja. Der Antrag wird vom Arbeitgeber gestellt. Der Arbeitgeber profitiert gleichzeitig, weil er bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten gefoerdert bekommt. Wirtschaftlich gibt es keinen Grund fuer eine Ablehnung.
Was passiert, wenn die Kurzarbeit endet, bevor die Weiterbildung abgeschlossen ist?
Die Weiterbildung laeuft weiter. Die QCG-Foerderung ist nicht an die Kurzarbeit gekoppelt. Die Weiterbildung wird dann berufsbegleitend absolviert (abends oder am Wochenende).
Bekomme ich mehr Kurzarbeitergeld, wenn ich eine Weiterbildung mache?
Nein. Die Hoehe des Kurzarbeitergeldes (60 bzw. 67 Prozent) aendert sich nicht. Dein Vorteil liegt in der Qualifikation, nicht im hoeheren Kurzarbeitergeld.
Kann ich als Arbeitnehmer die Weiterbildung selbst beantragen?
Die QCG-Foerderung im Rahmen von Kurzarbeit wird grundsaetzlich vom Arbeitgeber beantragt. Kooperiert der nicht, kannst du dich direkt an die Berufsberatung wenden. In bestimmten Faellen (drohende Entlassung, fehlende Qualifikation) ist ein individueller Bildungsgutschein moeglich. Kontaktmoeglichkeiten auf der Kontaktseite.
Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?
Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.