Die Umschulung über die Rentenversicherung ist 2026 der wichtigste Förderweg für Menschen, die ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen. Sie heißt offiziell "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" (LTA) und wird von der Deutschen Rentenversicherung getragen. Dieser Artikel zeigt dir, wer Anspruch hat, wie der Antrag läuft und wie du finanziell während der zwei Jahre Umschulung abgesichert bist.

Das Wichtigste in Kürze

Wer hat Anspruch auf eine Reha-Umschulung?

Die Reha-Umschulung der Deutschen Rentenversicherung ist eine medizinisch begründete Förderung. Anders als der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit setzt sie nicht voraus, dass du arbeitslos bist. Sie setzt voraus, dass du deinen aktuellen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nicht mehr lange ausüben kannst.

Voraussetzungen im Überblick:

Die Altersgrenze ist nicht starr. Praktisch fördert die DRV Umschulungen auch noch im Alter von Mitte 50, wenn die Erfolgsaussicht gegeben ist. Bei sehr alten Versicherten (60+) wird die Förderung in der Regel auf kürzere Maßnahmen wie Anpassungsqualifizierungen oder Weiterbildungen reduziert.

Typische Gründe für eine Reha-Umschulung

In der Beratung tauchen immer wieder dieselben Berufsgruppen auf, die in eine Reha-Umschulung gehen. Hier eine Übersicht über die häufigsten Konstellationen.

Bisheriger Beruf Gesundheitliches Problem Häufige Zielberufe
Pflegefachmann Bandscheibenvorfall, Gelenkverschleiß Medizinischer Fachangestellter, Sozialversicherungsfachangestellter, Praxismanager
Bauarbeiter, Maurer Bandscheibe, Knie, Schulter Bauzeichner, Bautechniker, kaufmännischer Sachbearbeiter im Bauhandwerk
Lagerist, Kommissionierer Rücken, Knie Industriekaufmann, Kaufmann für Büromanagement, Logistikfachkraft im Büro
Friseur Allergien, Hauterkrankungen, Rücken Kosmetiker (im Sitzen), Fachverkäufer, kaufmännische Berufe
Maler, Lackierer Atemwegserkrankungen, Allergien Bautechniker, Bauleiter im Innendienst, Industriekaufmann
Lehrer Burnout, Depression, Stimmprobleme Bibliothekar, Bildungsreferent, Sachbearbeiter im sozialen Bereich
Berufskraftfahrer Rücken, Diabetes, Sehkraft Disponent, Speditionskaufmann, Logistikfachkraft im Büro
Köche Rücken, Hitze, Allergien Hauswirtschafter, Diätassistent, kaufmännische Berufe

Wer aus einem belastenden Beruf wechselt, sollte nicht in einen anderen belastenden Beruf wechseln. Wer wegen Bandscheiben aus der Pflege muss, sollte nicht zur Logistik wechseln. Wer wegen Allergien aus dem Lackiergewerbe muss, sollte nicht in eine Friseurausbildung wechseln. Die Reha-Beratung bei der DRV hilft, einen wirklich passenden neuen Beruf zu finden.

Wie läuft der Antrag bei der Rentenversicherung?

Der Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung läuft in mehreren Schritten ab. Die Bearbeitungszeit beträgt insgesamt häufig 3 bis 6 Monate.

Schritt 1: Hausarzt oder Facharzt diagnostiziert Dein Hausarzt oder ein Facharzt stellt eine schriftliche Diagnose, die deine Berufsunfähigkeit für deinen aktuellen Beruf bestätigt. Diese Diagnose ist die Grundlage für den Antrag.

Schritt 2: Antrag stellen Du füllst den Antrag auf "Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben" (LTA) aus. Das Formular gibt es bei jeder DRV-Beratungsstelle, online auf deutsche-rentenversicherung.de oder bei einer der bundesweiten Auskunfts- und Beratungsstellen. Dem Antrag legst du bei:

Schritt 3: Begutachtung Die DRV schickt dich zu einem ärztlichen Gutachter (häufig zu einem unabhängigen Facharzt oder einer Reha-Klinik). Der prüft, ob die gesundheitlichen Einschränkungen so gravierend sind, dass eine Umschulung gerechtfertigt ist. Diese Begutachtung dauert je nach Bundesland 4 bis 12 Wochen.

Schritt 4: Bewilligungsbescheid Bei positiver Begutachtung bekommst du einen Bewilligungsbescheid. Darin steht, dass die DRV grundsätzlich bereit ist, eine Reha-Umschulung zu fördern. Welche Umschulung das wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht festgelegt.

Schritt 5: Berufliche Reha-Beratung Du wirst zur beruflichen Reha-Beratung eingeladen. Dort wird mit dir gemeinsam ein passender neuer Beruf gewählt. Die Berater haben Erfahrung mit verschiedensten Berufsfeldern und können dir konkrete Bildungsträger und Wege empfehlen.

Schritt 6: Bildungsträger und Beruf festlegen Du wählst zusammen mit der Reha-Beratung einen passenden Bildungsträger und einen Beruf. Die DRV muss zustimmen. Die Wahl muss medizinisch und beruflich sinnvoll sein.

Schritt 7: Umschulung startet Mit dem Beginn der Umschulung zahlt die DRV Übergangsgeld, übernimmt die Lehrgangskosten und unterstützt bei Fahrt- und ggf. Wohnkosten am Lehrgangsort.

Was übernimmt die Deutsche Rentenversicherung im Detail?

Die Reha-Umschulung ist eine sehr umfassende Förderung. Die DRV übernimmt während der gesamten Umschulungszeit folgende Leistungen.

Leistung Was wird übernommen?
Lehrgangskosten Komplett, je nach Bildungsträger 12.000 bis 25.000 EUR
Lehrmittel Komplett (Bücher, Materialien, Software)
Fahrtkosten Komplett, monatlich abrechenbar
Übergangsgeld Ca. 68% des letzten Nettoeinkommens, mit Kindern 75%
Wohnkosten am Lehrgangsort Bei auswärtigem Lehrgang teilweise erstattet
Verpflegungsmehraufwand Bei auswärtigem Lehrgang Tagessätze
Kinderbetreuung Bei nachgewiesenem Bedarf zusätzlich
Prüfungsgebühren Komplett
Anerkennungspraktikum Wird ggf. mitfinanziert

Das Übergangsgeld ist die zentrale Leistung. Es ersetzt dein Einkommen während der zwei Jahre Umschulung und sorgt dafür, dass deine Familie keinen finanziellen Absturz fürchten muss. Es wird auf der Grundlage deines letzten Nettoeinkommens berechnet, ähnlich wie das Krankengeld.

Beispielrechnung: Wer vorher netto 2.200 Euro pro Monat verdient hat, bekommt während der Umschulung circa 1.500 Euro Übergangsgeld pro Monat (68 Prozent). Mit Kindern wären es rund 1.650 Euro (75 Prozent). Das ist deutlich mehr als Arbeitslosengeld und ermöglicht es dir, die zwei Jahre Umschulung wirtschaftlich zu überstehen.

Welche Berufe sind als Reha-Umschulung möglich?

Praktisch jeder anerkannte Berufsabschluss kann als Reha-Umschulung absolviert werden, sofern er medizinisch und beruflich sinnvoll ist. Häufige Wege sind:

Aufstiegsfortbildungen sind eine besonders attraktive Variante, weil sie kürzer dauern als klassische Umschulungen. Wer bereits eine kaufmännische Erstausbildung hat, kann statt einer zweijährigen Umschulung auch eine 11- bis 18-monatige Fortbildung machen. Die Förderung läuft dann ggf. zusätzlich über das Aufstiegs-BAföG.

Übergangsgeld berechnen: So funktioniert es

Das Übergangsgeld wird auf Basis deines letzten Nettoeinkommens berechnet. Die Berechnung ist nicht trivial und hängt von mehreren Faktoren ab. Hier eine vereinfachte Übersicht.

Schritt 1: Berechnungsgrundlage ermitteln Die DRV nimmt dein Bruttoarbeitsentgelt der letzten drei Monate vor Beginn der Reha. Davon werden Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag abgezogen. Das Ergebnis ist das fiktive Nettoarbeitsentgelt.

Schritt 2: Übergangsgeld berechnen - Ohne Kinder: 68 Prozent des fiktiven Nettoarbeitsentgelts - Mit mindestens einem Kind: 75 Prozent

Schritt 3: Höchstgrenze beachten Das Übergangsgeld ist nach oben begrenzt. Die Höchstgrenze richtet sich nach der Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung. Wer sehr gut verdient hat, bekommt nicht 68 Prozent seines tatsächlichen Nettos, sondern 68 Prozent eines gedeckelten Werts.

Beispielrechnung 1 (durchschnittliches Einkommen): - Brutto: 3.000 EUR pro Monat - Netto: ca. 2.000 EUR - Übergangsgeld ohne Kinder: 1.360 EUR - Übergangsgeld mit Kindern: 1.500 EUR

Beispielrechnung 2 (geringes Einkommen): - Brutto: 2.000 EUR pro Monat - Netto: ca. 1.500 EUR - Übergangsgeld ohne Kinder: 1.020 EUR - Übergangsgeld mit Kindern: 1.125 EUR

Achtung: Die genaue Berechnung kann nur die DRV durchführen. Lass dir im Antragsverfahren eine konkrete Berechnung geben, damit du planen kannst.

Bayreuth, Oberfranken und Bayern: Lokale Lage

In Oberfranken und Bayern ist die Reha-Umschulung ein gut etablierter Förderweg. Die zuständige DRV-Stelle ist in der Regel die DRV Nordbayern (für Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken) oder die DRV Bayern Süd. Beide haben Beratungsstellen in Bayreuth, Bamberg, Coburg, Nürnberg, Regensburg und München.

Die Bearbeitungszeit der Anträge ist in Bayern erfahrungsgemäß etwas kürzer als in anderen Bundesländern, häufig 3 bis 4 Monate vom Antrag bis zum Bewilligungsbescheid. Das hängt mit der besseren personellen Ausstattung der bayerischen DRV-Stellen zusammen.

Bildungsträger in Bayreuth und Umgebung arbeiten regelmäßig mit der DRV zusammen. Wer eine Reha-Umschulung in Erwägung zieht, sollte sich frühzeitig bei einem regionalen Bildungsträger nach den Fördervoraussetzungen erkundigen.

Häufige Fragen

Kann ich die Reha-Umschulung auch ohne 15 Beitragsjahre bekommen?

In besonderen Fällen ja. Wenn deine gesundheitliche Einschränkung durch einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit verursacht wurde, ist nicht die DRV, sondern die Berufsgenossenschaft zuständig. Dort gelten andere Voraussetzungen. Bei sehr jungen Versicherten kann die DRV auch mit weniger Beitragsjahren fördern. Frag bei der zuständigen DRV-Beratungsstelle nach.

Was wenn die Begutachtung negativ ausfällt?

Du kannst innerhalb eines Monats Widerspruch gegen die Ablehnung einlegen. Dafür brauchst du eine fundierte ärztliche Stellungnahme, die die Notwendigkeit der Umschulung begründet. Häufig hilft es, ein zweites unabhängiges Gutachten beizubringen.

Ist das Übergangsgeld steuerpflichtig?

Übergangsgeld ist grundsätzlich steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Es wird bei der Berechnung deines Steuersatzes berücksichtigt, aber selbst nicht besteuert. Wer in dem Jahr noch andere Einkünfte hat, sollte das in der Steuererklärung beachten.

Kann ich nebenbei dazuverdienen?

Während der Reha-Umschulung darfst du in der Regel bis zu 200 Euro pro Monat dazuverdienen, ohne dass das auf das Übergangsgeld angerechnet wird. Höhere Einkünfte werden teilweise oder vollständig angerechnet. Sprich vor jedem Nebenjob mit deinem Reha-Berater.

Was ist der Unterschied zwischen Reha-Umschulung und Bildungsgutschein?

Die Reha-Umschulung ist medizinisch begründet und läuft über die DRV. Der Bildungsgutschein ist arbeitsmarktpolitisch begründet und läuft über die Agentur für Arbeit. Beide schließen sich gegenseitig aus. Wer aus gesundheitlichen Gründen umschult, geht zur DRV. Wer aus Arbeitsmarktgründen umschult, geht zur Agentur für Arbeit.

Wie lange dauert der gesamte Prozess vom Antrag bis zum Beginn der Umschulung?

In der Regel 3 bis 6 Monate. Davon entfallen 4 bis 12 Wochen auf die ärztliche Begutachtung und 2 bis 8 Wochen auf die Reha-Beratung und Bildungsträger-Auswahl. Plane mindestens vier Monate ein, bis du tatsächlich mit der Umschulung beginnen kannst.

Fazit: Die DRV ist ein verlässlicher Förderer

Die Reha-Umschulung der Deutschen Rentenversicherung ist eine der besten Förderungen, die Deutschland für Arbeitnehmer bietet. Sie ist umfassend, finanziell sicher und ermöglicht einen echten Neustart in einem körperlich oder mental passenden Beruf. Der bürokratische Aufwand ist hoch, aber die Investition lohnt sich.

Lass dich kostenlos zur passenden Förderung beraten und finde heraus, ob die Reha-Umschulung der richtige Weg für dich ist. Wir bei SkillSprinters in Bayreuth begleiten regelmäßig Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen in den Wirtschaftsfachwirt IHK oder den Digitalisierungsmanager wechseln. Beide Wege sind körperlich entlastend, finanziell solide und über die DRV förderbar.

Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?

Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.

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