Wenn du als KMU eigene KI-Entwicklung betreibst, also nicht nur ChatGPT-Abos kaufst, sondern Algorithmen, Pipelines oder Modellanpassungen baust, dann förderst das Forschungszulagengesetz mit 35 Prozent der Personalkosten. Bei einer Bemessungsgrundlage von bis zu 10 Mio Euro pro Jahr ergibt das eine maximale Zulage von 3,5 Mio Euro jährlich. Das ist der mit Abstand größte deutsche FuE-Fördertopf, und ausgerechnet im Mittelstand nutzen ihn die wenigsten. Seit der Reform vom 28.03.2024 sind die Konditionen für KMU deutlich besser geworden, und die Höchstgrenze von 10 Mio Euro gilt befristet bis 31.12.2029.

Auf einen Blick: Das Forschungszulagengesetz (FZulG) fördert KMU mit 35 Prozent der Bruttolöhne plus Arbeitgeber-Sozialversicherung für mit FuE betraute Mitarbeiter. Die maximale Bemessungsgrundlage liegt seit 28.03.2024 bei 10 Mio Euro pro Jahr (befristet bis 31.12.2029, davor 4 Mio Euro). Maximale Zulage damit 3,5 Mio Euro jährlich. Förderquote KMU 35 Prozent, große Unternehmen weiterhin 25 Prozent. KI-Entwicklung ist ausdrücklich förderfähig, solange sie wissenschaftlich-technische Forschung enthält und Unsicherheit über das Ergebnis besteht. Antragsweg: erst Vorabbescheinigung bei der Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ), dann Förderantrag beim Finanzamt. Anrechnung auf Körperschaft- oder Einkommensteuer, überschießender Betrag wird ausgezahlt. Antrag bis 4 Jahre rückwirkend möglich.

Was das FZulG ist und seit wann

Das Forschungszulagengesetz trat am 01.01.2020 in Kraft. Es war Deutschlands erster Versuch, FuE-Förderung in nennenswertem Umfang über das Steuerrecht statt über klassische Förderbescheide laufen zu lassen. Anfangs galt eine einheitliche Förderquote von 25 Prozent und eine Bemessungsgrundlage von 4 Mio Euro pro Jahr. Beides war für ein Programm dieser Größe relativ knapp bemessen.

Mit dem Wachstumschancengesetz vom 27.03.2024 hat der Gesetzgeber das Programm massiv ausgebaut. Seit dem 28.03.2024 gilt für KMU eine erhöhte Förderquote von 35 Prozent. Große Unternehmen bekommen weiterhin 25 Prozent. Die Bemessungsgrundlage wurde von 4 Mio Euro auf 10 Mio Euro pro Jahr angehoben, allerdings befristet bis zum 31.12.2029. Was nach diesem Datum gilt, hängt von einer politischen Entscheidung ab, die noch nicht gefallen ist.

Für KMU heißt das in Zahlen: 35 Prozent von 10 Mio Euro Bemessungsgrundlage sind 3,5 Mio Euro Zulage pro Jahr. Kein anderes deutsches FuE-Programm liefert vergleichbare Summen pro Antrag.

Wer als KMU berechtigt ist

Die KMU-Definition folgt der EU-Empfehlung 2003/361/EG: weniger als 250 Mitarbeiter, Jahresumsatz unter 50 Mio Euro oder Bilanzsumme unter 43 Mio Euro. Wer darüber liegt, fällt in die 25-Prozent-Förderkategorie für große Unternehmen. Die Eigenschaft als KMU wird im Antrag formal geprüft, inklusive Verflechtungen mit anderen Unternehmen, weil EU-Vorgaben hier auch Holding- und Partnerstrukturen einbeziehen.

Förderberechtigt sind alle in Deutschland steuerpflichtigen Unternehmen, unabhängig von Rechtsform oder Branche. GmbH, AG, UG, Einzelunternehmen, OHG, Personengesellschaften, alle gehen. Auch ein Maschinenbauer aus Würzburg mit eigener KI-Abteilung. Auch eine Steuerkanzlei mit einem Data-Scientist im Team. Auch ein Onlineshop mit eigenem Recommendation-System.

Was nicht geht: Forschungseinrichtungen, die ohnehin staatlich gefördert sind, und Unternehmen ohne deutsche Steuerpflicht.

Was als FuE im Sinne des FZulG zählt

Hier liegt der entscheidende Hebel. Das Gesetz orientiert sich am OECD-Frascati-Manual und unterscheidet drei Kategorien förderfähiger Forschung.

Grundlagenforschung. Erkenntnisgewinn ohne unmittelbare praktische Anwendung. Im Mittelstand selten, kommt eher bei Spin-Offs aus Universitäten vor.

Industrielle Forschung. Planmäßiges Forschen mit dem Ziel, neues Wissen zu gewinnen, das mittelfristig in Produkte oder Verfahren einfließt. Hier sitzen viele KMU-Projekte, die KI für eigene Prozesse oder Produkte entwickeln.

Experimentelle Entwicklung. Erwerb, Kombination und Anwendung vorhandener Erkenntnisse, um neue Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen zu schaffen. Der Großteil der Praxis-FuE im KMU-Umfeld läuft hier.

Der zentrale Test ist immer derselbe: Ist das Ergebnis vor Projektstart unsicher, und braucht es systematisches, methodisches Vorgehen? Wenn ja, ist es FuE im Sinne des FZulG. Wenn nein, ist es Auftragsumsetzung oder Software-Wartung.

KI-Entwicklung im FZulG

Die BSFZ hat in mehreren Bescheiden und Hinweisdokumenten klargestellt, dass KI-Entwicklung grundsätzlich förderfähig ist. Konkret förderfähig sind:

Nicht förderfähig ist alles, was reine Anwendung ist. Eine Standard-Integration der OpenAI-API über einen einzelnen Endpoint ist keine FuE. Ein ChatGPT-Plugin, das nur fertige Bausteine verbindet, ist keine FuE. Marketingaussagen rund um KI sind keine FuE. Standard-Implementierungen, bei denen das Ergebnis von Beginn an feststeht, sind keine FuE.

In der Praxis ist das oft ein größeres Thema als es auf dem Papier wirkt. Wir sehen bei Beratungen regelmäßig, dass Geschäftsführer ein Projekt als bloße Automation einstufen, obwohl darunter eine echte algorithmische Eigenentwicklung steckt, die längst förderfähig wäre. Die Vorabbescheinigung der BSFZ klärt das verbindlich, bevor du Zeit in den Steuerantrag investierst.

Was als förderfähige Personalkosten zählt

Bemessungsgrundlage sind die Bruttolöhne plus Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung der mit FuE betrauten Mitarbeiter. Konkret eingerechnet werden:

Auftragsforschung ist gesondert geregelt. Wenn du FuE an eine externe Forschungseinrichtung vergibst, etwa an eine Universität oder ein Fraunhofer-Institut, sind 70 Prozent der Auftragssumme als förderfähige Bemessungsgrundlage anrechenbar. Bei einer Auftragssumme von 100.000 Euro fließen also 70.000 Euro in die Berechnung der Zulage.

Nicht förderfähig sind Sachkosten, Abschreibungen, Lizenzkosten oder Reisekosten. Das FZulG ist primär eine Personalkosten-Förderung. Wer ein KI-Projekt überwiegend durch eingekaufte Hardware oder Cloud-Compute beziffert, hat über das FZulG nur einen Teil förderfähig.

Konkretes Beispiel: Maschinenbauer aus Würzburg

Ein mittelständischer Maschinenbauer aus Würzburg mit 80 Mitarbeitern entwickelt seit Anfang 2026 eine eigene KI-Lösung für die adaptive Maschinensteuerung. Das Projekt zielt darauf, Vibrationsmuster in Echtzeit zu klassifizieren und Verschleißzustände zu prognostizieren, bevor sie zum Ausfall führen.

Im Team sitzen drei Mitarbeiter: ein Data-Scientist (Bruttogehalt 80.000 Euro plus Arbeitgeberanteil rund 16.000 Euro) und zwei Software-Engineers (je 60.000 Euro plus rund 12.000 Euro). Personalkosten Vollkostenbasis 200.000 Euro plus 40.000 Euro Sozialversicherung, in Summe 240.000 Euro pro Jahr. Mit anteiligem Geschäftsführer-Stundennachweis kommen weitere 10.000 Euro dazu. Insgesamt rund 250.000 Euro förderfähige Personalkosten pro Jahr.

Position Betrag
Förderfähige Personalkosten pro Jahr 250.000 Euro
Bemessungsgrundlage (unter 10 Mio Euro Höchstgrenze) 250.000 Euro
Förderquote KMU 35 Prozent
Forschungszulage pro Jahr 87.500 Euro

87.500 Euro Forschungszulage pro Jahr für ein Projekt, das ohnehin gelaufen wäre. Über die Projektlaufzeit von drei Jahren ergeben sich rund 262.500 Euro Zulage. Bei vier Jahren rückwirkender Antragsstellung lassen sich auch ältere FuE-Aktivitäten nachträglich erfassen, sofern Stundennachweise und Projektdokumentation vorliegen.

Wie die Zulage tatsächlich ausgezahlt wird

Hier wird es technisch, und genau hier kursieren auch viele Missverständnisse. Die Forschungszulage wird nicht als klassischer Zuschuss überwiesen, sondern auf die Körperschaftsteuer oder Einkommensteuer angerechnet. Das funktioniert so:

Im Veranlagungsverfahren beim Finanzamt wird die festgesetzte Zulage zunächst gegen die Steuerschuld verrechnet. Liegt die Zulage höher als die zu zahlende Steuer (was bei vielen jungen KMU der Fall ist, weil noch keine großen Gewinne entstehen), wird der überschießende Betrag als Steuererstattung ausgezahlt. Das Finanzamt schreibt das Geld auf das Geschäftskonto gut.

Für eine GmbH mit 87.500 Euro Zulage und einer Körperschaftsteuer-Festsetzung von 30.000 Euro im selben Jahr bedeutet das: 30.000 Euro werden gegen die KSt verrechnet, die restlichen 57.500 Euro werden ausgezahlt. Effektiv hat die GmbH in dem Jahr 30.000 Euro KSt gespart und 57.500 Euro auf das Konto bekommen.

Was im Vorfeld der Reform diskutiert wurde, aber nicht so umgesetzt wurde: eine Anrechnung der Zulage auf die Lohnsteuer. In einer Variante des politischen Prozesses war angedacht, die Zulage könne direkt mit den Lohnsteuerabführungen verrechnet werden, was die Liquiditätswirkung beschleunigt hätte. Diese Regelung ist nicht ins Gesetz eingeflossen. Es bleibt bei der Anrechnung auf KSt beziehungsweise ESt. Wer in einem aktuellen Beratungsgespräch hört, das FZulG verrechne mit der Lohnsteuer, sollte nachfragen. Das ist falsch.

Der Antragsprozess in zwei Stufen

Das FZulG hat einen zweistufigen Antragsweg, der oft als Hürde wahrgenommen wird, in der Praxis aber sinnvoll ist, weil er Klarheit vor dem Steuerverfahren schafft.

Stufe 1: Vorabbescheinigung bei der BSFZ. Die Bescheinigungsstelle Forschungszulage prüft das Projekt inhaltlich und bestätigt, ob es FuE im Sinne des FZulG ist. Der Antrag läuft über das Online-Portal der BSFZ (bescheinigung-forschungszulage.de). Du beschreibst das Projekt, die methodische Vorgehensweise, die Unsicherheit über das Ergebnis und die abgegrenzten Arbeitspakete. Anhänge: Projektplan, beteiligte Mitarbeiter, Zeitraum. Die BSFZ entscheidet typischerweise in 3 Monaten, manchmal schneller.

Wichtig ist, dass die Bescheinigung pro Projekt erfolgt, nicht pro Jahr. Ein gut geschnittenes Projekt mit klarer Forschungsfrage hat hier deutlich bessere Chancen als ein wolkiges "wir machen halt KI". Die BSFZ ist mit ihren Kriterien sehr klar geworden und veröffentlicht regelmäßig Hinweise, was sie als förderfähig anerkennt und was nicht.

Stufe 2: Förderantrag beim Finanzamt. Sobald die Bescheinigung vorliegt, stellst du den eigentlichen Antrag auf Forschungszulage beim zuständigen Finanzamt im Rahmen der Jahressteuererklärung. Du gibst die Bemessungsgrundlage an (also die Personalkosten der bescheinigten FuE-Aktivität), legst Stundennachweise und Lohnabrechnungen bei, und das Finanzamt setzt die Zulage fest.

Antragsfrist: Sowohl die Vorabbescheinigung als auch der Förderantrag können bis 4 Jahre rückwirkend gestellt werden. Wer also 2026 erst merkt, dass sein KI-Projekt aus 2023 förderfähig gewesen wäre, kann noch nachträglich Bescheinigung und Förderung beantragen. Je früher, desto sicherer ist die Beweislage über Stundennachweise und Projektdokumentation.

Verzahnung mit anderen Förderungen

Das FZulG ist mit anderen FuE-Programmen kumulierbar, solange Doppelförderung derselben Kostenanteile ausgeschlossen ist. Das heißt: Wenn ZIM 35 Prozent der Personalkosten fördert und das FZulG noch einmal 35 Prozent, sind beide für dieselbe Person und denselben Zeitraum nicht möglich. Die meisten Unternehmen lösen das, indem sie verschiedene Mitarbeiter oder verschiedene Phasen den verschiedenen Programmen zuordnen.

Praktisch funktioniert ZIM gut für externe Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, während das FZulG die intern beschäftigten FuE-Mitarbeiter abdeckt. Wie das im Detail aussieht und welche Förderquote ZIM für externe KI-Experten bietet, ist in der ZIM-Förderung-Übersicht zusammengestellt.

Mit BAFA-Beratungsförderung ist das FZulG ebenfalls kombinierbar, weil die BAFA-Förderung externe Beratungsleistungen abdeckt und keine internen Personalkosten. Auch Horizon Europe und nationale KMU-innovativ-Programme lassen sich kombinieren, sofern die geförderten Aufwände klar abgegrenzt sind.

Was häufig schiefläuft

Drei Stolperfallen tauchen in Anträgen besonders oft auf.

Die Stundennachweise werden zu spät begonnen. Ohne saubere Aufschreibung pro Mitarbeiter und Projekt, idealerweise tageweise oder zumindest wöchentlich, kürzt das Finanzamt im Veranlagungsverfahren die Bemessungsgrundlage. Pauschalansätze wie "der Data-Scientist macht 100 Prozent FuE" funktionieren nicht. Die BSFZ verlangt im Antrag eine glaubwürdige Abgrenzung zwischen FuE-Stunden und sonstigen Tätigkeiten wie Wartung oder Support.

Die Projektdokumentation ist zu generisch. Wer im Antrag schreibt "wir entwickeln KI für unsere Maschinensteuerung", bekommt von der BSFZ eine Rückfrage. Förderfähig ist ein Projekt mit konkreter Forschungsfrage, definierten Arbeitspaketen, methodischer Vorgehensweise und expliziter Unsicherheit über das Ergebnis. Wir empfehlen, vor dem BSFZ-Antrag einen kurzen Forschungsplan zu erstellen, der diese Elemente sauber trennt.

Das Geschäftsführer-Gehalt wird nicht plausibel abgegrenzt. Wenn der Geschäftsführer selbst FuE betreibt, ist sein anteiliges Gehalt förderfähig. Aber nur, wenn er Stundennachweise führt wie jeder andere Mitarbeiter. Das wird beim Einzelfall-Geschäftsführer einer Ein-Personen-GmbH oft übergangen. Die BSFZ und das Finanzamt prüfen das mittlerweile genauer.

Realistischer Hebel im Mittelstand

Wenn wir auf Beratungsgesprächen mit KMU-Geschäftsführern über das FZulG sprechen, ist die häufigste Reaktion: "Davon habe ich noch nie gehört." Das gilt selbst für Unternehmen, die seit Jahren echte KI-Entwicklung betreiben und die Förderung in voller Höhe abrufen könnten. Der Grund liegt aus unserer Sicht in der zweistufigen Antragsmechanik, die unbekannt wirkt, und in der Tatsache, dass die Förderung über die Steuererklärung läuft und damit eher beim Steuerberater landet als beim FuE-Verantwortlichen. Viele Steuerberater haben das Programm nicht aktiv im Repertoire, weil es bis 2024 für die meisten Mandanten zu klein wirkte.

Seit der Reform 2024 hat sich das Bild gedreht. 35 Prozent auf bis zu 10 Mio Euro Bemessungsgrundlage sind in einer Größenordnung, in der sich der Aufwand der Antragstellung mehr als rechnet. Ein gut geführter Antrag kostet je nach Komplexität 5.000 bis 15.000 Euro an externer Begleitung. Bei einer Zulage von 87.500 Euro wie im Beispiel oben ist der ROI eindeutig.

Wer schon FuE betreibt und nur die Antragsmechanik scheut, lässt damit jährlich fünf- bis sechsstellige Beträge liegen. Das ist kein theoretisches Problem. Wir sehen das in der Praxis bei nahezu jedem zweiten Unternehmen mit echter KI-Eigenentwicklung.

Wenn aus dem Strategiepapier eine echte Entwicklung wird und du parallel die internen Kompetenzen aufbauen willst, lohnt der Blick auf den Digitalisierungsmanager als geförderten Weiterbildungsabschluss für die Mitarbeiter, die die KI-Projekte tragen. Wer den Antragsweg über das FZulG zum ersten Mal geht, sollte zusätzlich die ZIM-Förderung für externe KI-Experten prüfen, weil sich beide Programme bei sauberer Abgrenzung sehr gut ergänzen.

Häufige Fragen

Gilt die Forschungszulage auch für reine Nutzung von ChatGPT oder Claude im Betrieb? Nein. Die reine Anwendung bestehender KI-Tools ist keine FuE im Sinne des FZulG. Förderfähig ist nur Eigenentwicklung mit methodischer Forschungsfrage und Unsicherheit über das Ergebnis. Wer ein ChatGPT-Abo kauft und Mitarbeiter darauf schult, hat keinen FZulG-Antrag, sondern ein normales Betriebsausgaben-Szenario. Anders sieht es aus, wenn du auf Basis dieser Modelle eigene Anwendungen entwickelst, die über reine API-Nutzung hinausgehen.

Was ist mit Fine-Tuning bestehender Modelle? Ist das förderfähig? Fine-Tuning ist grundsätzlich förderfähig, wenn es eine methodische Hypothese gibt und das Ergebnis vor Projektstart unsicher ist. Beispiel: Du tunest ein Open-Source-LLM auf juristische Fachsprache und musst dabei eigene Trainingsdaten kuratieren, Hyperparameter testen und das Verhalten gegen Halluzinationen absichern. Das ist FuE. Ein einfaches Prompt-Engineering ohne tatsächliche Modelltrainings ist hingegen keine FuE. Die BSFZ schaut hier sehr genau auf die methodische Tiefe.

Wer ist die BSFZ und was macht sie genau? Die Bescheinigungsstelle Forschungszulage ist eine eigenständige Institution, getragen vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Sie prüft inhaltlich, ob ein Projekt FuE im Sinne des FZulG ist, und stellt eine verbindliche Bescheinigung aus. Diese Bescheinigung ist dann Grundlage für den Steuerantrag beim Finanzamt. Die BSFZ trifft die fachliche Entscheidung, das Finanzamt nur die formelle Festsetzung der Zulage. Das Verfahren ist seit 2020 eingespielt und mittlerweile gut dokumentiert.

Wie lange dauert die Vorabbescheinigung bei der BSFZ? In der Regel drei Monate ab vollständigem Antrag. Bei komplexen Projekten oder Rückfragen kann es länger dauern. Wer rechtzeitig im laufenden Geschäftsjahr Klarheit haben will, sollte den Antrag spätestens im Frühjahr stellen, um die Bescheinigung vor Steuererklärung des Folgejahres zu haben. Rückwirkende Antragstellung bleibt aber bis zu vier Jahre möglich.

Was passiert, wenn das Finanzamt den Antrag ablehnt? Eine Ablehnung des FZulG-Antrags durch das Finanzamt ist selten, wenn die BSFZ-Bescheinigung vorliegt und die Bemessungsgrundlage sauber dokumentiert ist. Häufigste Ablehnungsgründe sind fehlende Stundennachweise, unklare Kostenzuordnung oder Doppelförderung mit anderen Programmen. Gegen den Bescheid kannst du Einspruch einlegen. Bei korrigierbaren Mängeln (Nachweise nachreichen, Kostenzuordnung präzisieren) lässt sich der Bescheid in der Regel anpassen. Bei strittigen inhaltlichen Fragen über den FuE-Charakter kommt eine Klage vor dem Finanzgericht in Betracht, sofern die BSFZ-Bescheinigung selbst nicht in Frage steht.

Kann ich rückwirkend für 2023 oder 2024 noch FZulG-Anträge stellen? Ja. Sowohl die BSFZ-Vorabbescheinigung als auch der Steuerantrag sind bis zu vier Jahre rückwirkend möglich. Voraussetzung ist, dass du Stundennachweise und Projektdokumentation aus dem betreffenden Zeitraum vorlegen kannst. Wer aus 2023 noch keine sauberen Aufschreibungen hat, kann mit rekonstruierten Nachweisen arbeiten, sollte aber realistisch einschätzen, dass die BSFZ und das Finanzamt bei rein retrospektiver Dokumentation kritisch prüfen.

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