Wer den Wirtschaftsfachwirt, Industriefachwirt oder einen anderen Aufstiegsfortbildungs-Lehrgang in Vollzeit macht, kann beim Aufstiegs-BAföG nicht nur Zuschüsse zu den Lehrgangskosten bekommen, sondern auch monatliche Bedarfssätze für den Lebensunterhalt. Diese Bedarfsleistung heißt im Gesetz Unterhaltsbeitrag und wird in voller Höhe als Zuschuss gezahlt, anders als bei der klassischen Studienfinanzierung. Eine AFBG-Novelle liegt seit dem Kabinettsbeschluss vom 15.07.2026 im parlamentarischen Verfahren, geplantes Inkrafttreten Mitte 2027; bis dahin gelten die aktuellen Beträge. Wer den Antrag jetzt vorbereitet, sollte die genauen Beträge kennen, weil sie über die Liquidität während der Schulung entscheiden.

Die Grundlagen zum Aufstiegs-BAföG, von der Förderung für Meister und Fachwirte bis zur Aufteilung in Zuschuss und Darlehen, haben wir in einem eigenen Ratgeber erklärt.

Auf einen Blick: Stand September 2026 setzt sich der Unterhaltsbeitrag für Vollzeit-Lehrgänge so zusammen: Grundbedarf 442 Euro, Wohnzuschlag 380 Euro, Zuschlag für dich selbst 60 Euro, dazu gegebenenfalls 102 Euro Kranken- und 35 Euro Pflegeversicherungszuschlag. Für Alleinstehende ohne Kinder sind das höchstens 1.019 Euro im Monat, für den Ehegatten und jedes Kind kommen je 235 Euro dazu. Der Unterhaltsbeitrag ist ein voller Zuschuss. Eine AFBG-Novelle ist im Kabinett beschlossen (15.07.2026), Bundestag und Bundesrat stehen noch aus; bis zum geplanten Inkrafttreten Mitte 2027 gelten diese Werte unverändert.

Aufstiegs-BAföG nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz hat zwei Komponenten. Die erste ist die Förderung der Lehrgangskosten (50 Prozent Zuschuss, 50 Prozent Darlehen mit Erlass), die zweite ist die Förderung des Lebensunterhalts während Vollzeit-Schulungen. Letztere wird oft übersehen, ist aber für Vollzeit-Fachwirte oft entscheidend.

Wer als Mitarbeiter im Job parallel den Wirtschaftsfachwirt in Teilzeit macht (typisch 12 Monate Di+Do abends), bekommt keine Bedarfsleistung. Er kann arbeiten, das Einkommen ist da. Wer aber den Lehrgang in Vollzeit macht (oder den Industriefachwirt-Crashkurs als Vollzeit-Variante), hat während der Schulung kein Arbeitseinkommen und braucht die Bedarfsleistung.

Was die Bedarfssätze 2026 konkret sind

Drei Bestandteile.

Erstens der Grundbedarf. Aktuell 442 Euro pro Monat, dazu ein Zuschlag von 60 Euro für dich selbst. Maßgeblich ist der BAföG-Satz für Fachschulklassen (§ 10 Abs. 2 AFBG in Verbindung mit § 13 BAföG). Wer sich selbst kranken- und pflegeversichern muss, bekommt zusätzlich 102 und 35 Euro.

Zweitens die Wohnpauschale. Aktuell 380 Euro pro Monat. Die Wohnpauschale ist eine Pauschale für die Mietkosten und wird unabhängig von der tatsächlichen Miete gezahlt. Wer in einer teuren Großstadt wohnt, bekommt nicht mehr. Wer im Elternhaus wohnt, bekommt nicht weniger.

Drittens die Erhöhungs-Beträge. Für Verheiratete (Ehegatten-Zuschlag) und für jedes Kind (Kinderzuschlag). Beide betragen 235 Euro im Monat (§ 10 Abs. 2 AFBG).

Total für einen alleinstehenden Vollzeit-Teilnehmer ohne Kinder: höchstens 1.019 Euro pro Monat.

Zuschuss oder Darlehen?

Wichtige Unterscheidung: Lebensunterhalt und Lehrgangskosten werden unterschiedlich gefördert.

Rechne aus, was ein IHK-Aufstieg dir wirklich bringt

Gehaltssprung, Meisterprämie und Aufstiegs-BAföG: im WFW-Rechner siehst du in zwei Minuten deine persönliche Rendite. Kostenlos und unverbindlich.

Zum WFW-Rechner

Der Rechner ist kostenlos und unverbindlich. Die Förderhöhe hängt von deiner Situation ab.

Der Unterhaltsbeitrag wird nach § 12 Abs. 2 AFBG in voller Höhe als Zuschuss geleistet, er muss nicht zurückgezahlt werden. Das gilt auch für den Kinderbetreuungszuschlag. Die Aufteilung in 50 Prozent Zuschuss und 50 Prozent Darlehen betrifft nur die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren. Dort wird bei bestandener Prüfung die Hälfte des Restdarlehens erlassen.

Wer Bedarfssätze beantragen kann

Drei Voraussetzungen.

Erstens Vollzeit-Lehrgang. Die Bedarfssätze gelten nur für Vollzeit-Lehrgänge. Wer einen Teilzeit-Lehrgang neben dem Job macht, hat Anspruch nur auf die Lehrgangskosten-Förderung, nicht auf die Bedarfsleistung.

Zweitens kein eigenes ausreichendes Einkommen. Wer während der Vollzeit-Schulung weiterhin arbeitet (Teilzeit-Job, Freiberufler, Selbstständigkeit), bekommt eine reduzierte oder keine Bedarfsleistung. Die Bedarfsleistung ist für Personen gedacht, die wegen der Schulung kein Einkommen haben.

Drittens kein eigenes ausreichendes Vermögen. Bei Vermögen über bestimmten Freibeträgen wird die Bedarfsleistung gekürzt. Aktuelle Freibeträge nach § 17a AFBG: 45.000 Euro für dich selbst, je 2.300 Euro für den Ehegatten und jedes Kind.

Mit 45.000 Euro Freibetrag ist die Vermögensprüfung für die meisten Teilnehmer kein Problem.

Wie die Antragstellung läuft

Vier Schritte.

Schritt 1: Bedarfsleistung im Hauptantrag mit angeben. Beim Online-Antrag oder Papierformular gibt es ein eigenes Feld für die Bedarfsleistung. Wer das nicht ankreuzt, bekommt nur die Lehrgangskosten-Förderung.

Schritt 2: Einkommens- und Vermögensanlage ausfüllen. Detaillierte Angaben zu Einkommen, Bankguthaben, Wertpapieren, Immobilien. Bei Verheirateten auch Einkommen des Ehegatten.

Schritt 3: Belege beilegen. Lohnabrechnungen der letzten 6 Monate, Kontoauszüge, ggf. Steuerbescheid. Bei Selbstständigen die letzten 2 Jahre Bilanz oder EÜR.

Schritt 4: Bewilligungsbescheid und monatliche Auszahlung. Nach Bewilligung wird die Bedarfsleistung monatlich auf das angegebene Konto überwiesen, typisch zum 1. des Monats.

Was bei Familienverhältnissen besonders zu beachten ist

Drei Konstellationen.

Verheiratete Geförderte: Ehegatten-Einkommen wird in die Bedürftigkeitsprüfung einbezogen. Wer einen Ehegatten mit gutem Einkommen hat, bekommt eine reduzierte Bedarfsleistung. Bei sehr hohem Ehegatteneinkommen entfällt die Bedarfsleistung komplett. Die Lehrgangskosten-Förderung bleibt unabhängig vom Ehegatteneinkommen.

Geförderte mit Kindern: Für jedes Kind mit Kindergeldanspruch erhöht sich der Unterhaltsbedarf um 235 Euro im Monat, bei zwei Kindern also um 470 Euro. Alleinerziehende mit Kindern unter 14 Jahren bekommen zusätzlich einen Kinderbetreuungszuschlag von 150 Euro je Kind und Monat (§ 10 Abs. 3 AFBG), ebenfalls als Zuschuss.

Alleinerziehende: Eigener Erhöhungssatz im Aufstiegs-BAföG plus § 21 SGB II Mehrbedarf falls zusätzlich Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) bezogen wird. Die Konstellation ist komplex und sollte mit dem Amt für Ausbildungsförderung im Einzelfall geklärt werden.

Welche Vollzeit-Lehrgänge förderfähig sind

Drei Kategorien.

Kategorie eins: Klassische Vollzeit-Aufstiegslehrgänge. Wirtschaftsfachwirt-Vollzeit (gibt es bei einigen Anbietern als 6-Monats-Crashkurs), Industriemeister-Vollzeit, Handwerksmeister-Vollzeit. Lehrgangskosten und Bedarfsleistung sind beide förderfähig.

Kategorie zwei: Hybrid-Modelle. Lehrgänge, die als Mischung aus Vollzeit-Phasen und Teilzeit-Phasen organisiert sind. Bedarfsleistung wird anteilig für die Vollzeit-Phasen gezahlt.

Kategorie drei: Online-Vollzeit-Lehrgänge. Auch online durchgeführte Lehrgänge können gefördert werden, wenn sie auf eine anerkannte Fortbildungsprüfung vorbereiten. Nicht dazu gehört der DigiMan: Er läuft über den Bildungsgutschein nach § 81 SGB III, nicht über das Aufstiegs-BAföG. Wer DigiMan macht, bekommt während der Schulung Arbeitslosengeld 1 oder Grundsicherungsgeld weiter. Weiterbildungsgeld nach § 87a SGB III gibt es dafür nicht, weil der Kurs nicht zu einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf führt.

Mehr zur DigiMan-Weiterbildung und zum kostenlosen Schnupperkurs.

Wo die geplante Reform steht

Die Aufstiegs-BAföG-Reform 2026/27 ist am 15.07.2026 im Bundeskabinett beschlossen worden, Bundestag und Bundesrat haben noch nicht entschieden. In Kraft treten sollen die Änderungen nach derzeitiger Planung Mitte 2027, bis dahin gilt das bisherige Recht unverändert.

Der Entwurf sieht vor allem drei Punkte vor: einen Förderhöchstbetrag für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren von 18.000 statt 15.000 EUR, einen Kinderbetreuungszuschlag für Alleinerziehende von 160 statt 150 EUR je Monat und Kind sowie laut Entwurf einen Darlehenserlass von 60 statt 50 Prozent bei bestandener Prüfung. Der Zuschussanteil bleibt bei 50 Prozent, und eine Altersgrenze kennt das Aufstiegs-BAföG ohnehin nicht.

Für die Planung heißt das: mit den aktuellen Bedarfssätzen kalkulieren und den Antrag nicht auf einen vermeintlichen Stichtag ausrichten. Nach unserer Erfahrung dauert die Bearbeitung beim Landesamt 2 bis 4 Monate.

Was bei der Vermögensprüfung zu beachten ist

Drei häufige Fragen.

Vermögen unter dem Freibetrag (45.000 Euro für dich selbst) bleibt anrechnungsfrei.

Vermögen über dem Freibetrag wird angerechnet: Der übersteigende Betrag wird durch die Zahl der Monate des Bewilligungszeitraums geteilt und mindert jeden Monat den Unterhaltsbeitrag (§ 17a AFBG, § 30 BAföG). Wer 49.000 Euro hat, liegt 4.000 Euro über dem Freibetrag. Bei einem Bewilligungszeitraum von zwölf Monaten sinkt der Unterhaltsbeitrag dadurch um rund 333 Euro im Monat.

Ob und wie Wohneigentum angerechnet wird, prüft das Amt für Ausbildungsförderung im Einzelfall. Bei zweiten Immobilien oder vermieteten Wohnungen wird das Vermögen einbezogen.

Wer unsicher ist, ob das eigene Vermögen unter dem Freibetrag liegt, sollte das vor Antragstellung mit dem Amt für Ausbildungsförderung klären. Eine späte Vermögens-Korrektur kann den Bewilligungsprozess deutlich verzögern.

Rechne aus, was ein IHK-Aufstieg dir wirklich bringt

Gehaltssprung, Meisterprämie und Aufstiegs-BAföG: im WFW-Rechner siehst du in zwei Minuten deine persönliche Rendite. Kostenlos und unverbindlich.

Zum WFW-Rechner

Der Rechner ist kostenlos und unverbindlich. Die Förderhöhe hängt von deiner Situation ab.

Was als Strategie für 2026 sinnvoll ist

Drei Schritte für Vollzeit-Antragsteller.

Schritt eins: Vollzeit-Lehrgang aussuchen. AZAV-zertifizierter Anbieter, Vollzeit-Format.

Schritt zwei: Antrag früh stellen, spätestens im ersten Monat der Maßnahme, denn den Unterhaltsbeitrag gibt es frühestens ab dem Antragsmonat. Mit Hauptantrag plus Einkommens- und Vermögensanlage. Bedarfsleistung explizit ankreuzen.

Schritt drei: Vermögen vollständig angeben. Maßgeblich ist der Wert zum Zeitpunkt der Antragstellung (§ 28 Abs. 2 BAföG), und mit 45.000 Euro Freibetrag stellt sich die Frage für die meisten gar nicht.

Mehr zur Antragstellung im Praxisartikel zu den Voraussetzungen für Aufstiegs-BAföG.

Häufige Fragen

Bekomme ich Bedarfsleistung auch während eines Teilzeit-Lehrgangs?

Nein. Bedarfsleistung gibt es nur für Vollzeit-Lehrgänge. Bei Teilzeit-Schulungen (typisch Wirtschaftsfachwirt 12 Monate Di+Do abends) bekommen Geförderte nur die Lehrgangskosten-Förderung, keine monatlichen Beträge für den Lebensunterhalt. Das ist auch sinnvoll, weil bei Teilzeit-Schulungen das normale Arbeitseinkommen weiterläuft.

Was passiert, wenn ich während der Schulung doch arbeiten will?

Möglich, aber die Bedarfsleistung wird gekürzt. Wie stark, hängt von den Freibeträgen und der Höhe des Einkommens ab. Bei höheren Einkommen entfällt die Bedarfsleistung anteilig oder ganz. Wichtig: Einkommens-Änderungen müssen dem Amt für Ausbildungsförderung umgehend gemeldet werden, sonst gibt es Rückforderungen.

Wie lange wird Bedarfsleistung gezahlt?

Die Bedarfsleistung wird für die gesamte regulär förderbare Vollzeit-Phase gezahlt. Bei einem sechsmonatigen Vollzeitlehrgang also sechs Monate, Vollzeitmaßnahmen werden bis zu 24 Monate gefördert (§ 11 AFBG). Verlängerungen sind in Sonderfällen möglich (z.B. bei Krankheit), brauchen aber einen separaten Antrag.

Lohnt sich ein Vollzeit-Lehrgang gegenüber Teilzeit?

Rein finanziell oft nicht, weil das Arbeitseinkommen bei Teilzeit weiterläuft. Aber zeitlich: Ein Vollzeitlehrgang ist oft nach sechs Monaten vorbei, der Wirtschaftsfachwirt in Teilzeit dauert bei uns 12 Monate. Wer die Karriere-Veränderung schnell will und Liquidität für 6 Monate hat (entweder durch Bedarfsleistung oder Ersparnisse), profitiert vom Vollzeit-Format. Persönliche Umstände entscheiden.

Wann kommt die erste Auszahlung?

Bei Bewilligungsbescheid Ende August oder Anfang September 2026 typischerweise zur ersten Oktober-Woche. Manche Ämter zahlen zum Monatsanfang aus, manche zur Monatsmitte. Die Auszahlung läuft parallel zum Lehrgang, monatlich. Bei rückwirkender Bewilligung wird der bis dahin angefallene Betrag in einer Summe nachgezahlt.

Wer in der Antragstellung und in der Vermögensprüfung Unterstützung braucht, findet unter skill-sprinters.de/termin einen kurzen Telefontermin.

Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?

Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.

Aufstiegs-BAföG für den Wirtschaftsfachwirt WhatsApp