Make.com ist die Plattform, die du nutzt, wenn du Prozesse automatisieren willst, ohne programmieren zu lernen. Der Fokus liegt auf einem visuellen Editor: Du ziehst Module per Drag-and-Drop aufs Canvas, verbindest sie mit Linien, und fertig ist der Workflow. Für den Mittelstand ist das oft die schnellste Brücke zwischen "wir haben fünf Tools, die nicht miteinander reden" und "unsere Prozesse laufen automatisch". Make.com Visual Automation im Mittelstand ist kein Entwickler-Thema, sondern ein Thema für jeden, der Excel und Webformulare bedienen kann.

Dieser Artikel zeigt dir, wie Make.com funktioniert, was es gegenüber n8n unterscheidet, welche Use Cases im KMU-Alltag am meisten bringen und wie du den Einstieg schaffst, ohne dich zu verrennen.

Das Wichtigste in Kürze

Was Make.com genau macht

Make.com ist ein Integrations- und Automatisierungstool. Der Grundgedanke: Deine Firma nutzt viele verschiedene Programme (E-Mail, CRM, Buchhaltung, Webshop, Google Drive, Slack), die nicht miteinander reden. Daten müssen immer wieder manuell von A nach B kopiert werden, was Zeit kostet und Fehler produziert. Make.com baut die Brücken.

Ein konkretes Beispiel: Ein Kunde füllt auf deiner Website ein Kontaktformular aus. Ohne Make.com passiert Folgendes: Du bekommst eine E-Mail, musst sie lesen, die Daten ins CRM eintragen, den Vertrieb informieren, eine Aufgabe anlegen. Mit Make.com passiert das gleiche automatisch: Formular abgeschickt → Daten ins CRM → Vertriebsmitarbeiter bekommt Slack-Nachricht → Kalender-Termin für Rückruf wird angelegt. Die Zeit zwischen "Kunde schickt Formular ab" und "Rückruf steht im Kalender" sinkt von zwei Stunden auf zwei Sekunden.

Der Editor von Make.com ist visuell. Du siehst einen Baum aus Modulen, die durch Linien verbunden sind. Jedes Modul repräsentiert eine Aktion (E-Mail empfangen, Daten filtern, in Google Sheet schreiben, Slack-Nachricht senden). Du baust den Workflow zusammen, indem du Module per Drag-and-Drop hinzufügst, verbindest und mit Parametern belegst. Für jemanden, der Excel-Formeln versteht, ist das eine Sache von wenigen Stunden Einarbeitung.

Das neue Pricing seit August 2025

Make.com hat sein Pricing-Modell im Sommer 2025 umgestellt. Früher wurde nach "Operationen" abgerechnet (jede Aktion im Workflow kostete eine Operation). Seit August 2025 gibt es ein Credit-System, das feinere Abrechnung ermöglicht.

Make.com Pricing (Stand April 2026):

Tarif Preis pro Monat Credits Besonderheiten
Free 0 USD 1.000 Für Tests
Core ca. 10 USD 10.000 Einsteiger, kleine Workflows
Pro ca. 19 USD 10.000 Priority Execution, AI-Agents, erweiterte Features
Teams ca. 34 USD 10.000 Team-Kollaboration, Rollen, Shared Templates
Enterprise Auf Anfrage Custom SSO, Audit, Support

Was Credits bedeuten: Jede Aktion eines Moduls kostet eine bestimmte Menge Credits, je nach Komplexität. Ein einfaches "Daten speichern" ist günstig, ein "KI-API-Call" ist teurer. In der Praxis hängt der monatliche Verbrauch stark vom Anwendungsfall ab.

Für einen typischen Mittelständler mit fünf bis zehn aktiven Workflows reicht der Pro-Plan für rund 19 US-Dollar locker. Wer intensiv automatisiert oder viele KI-Integrationen nutzt, landet bei Teams oder in höheren Enterprise-Stufen.

Make.com und n8n: Unterschiedliche Schwerpunkte

Make.com und n8n sind beide Automatisierungsplattformen, und beide machen sehr ähnliche Dinge. Die Schwerpunkte sind trotzdem unterschiedlich.

Make.com eignet sich nach unserem Recherchestand besonders für: - Einsteiger ohne technische Vorkenntnisse - Viele verschiedene App-Integrationen aus einer Quelle - Schnelle Prototypen und Experimente - Cloud-basierte, ablaufende Workflows

n8n eignet sich nach unserem Recherchestand besonders für: - Self-Hosting und DSGVO-strenge Anwendungen - Komplexe Logiken mit Loops, Conditionals, eigenem Code - Langfristig hohes Operation-Volumen (bei Self-Hosting keine Credit-Kosten) - Technisch versierte Teams, die Zugang zur Infrastruktur haben

In der Praxis starten viele Mittelständler mit Make.com, weil es schneller zum ersten Ergebnis führt. Wer später feststellt, dass die Anforderungen steigen, ergänzt mit n8n. Beide Tools können koexistieren.

Die besten Einsteiger-Workflows

E-Mail automatisch ins CRM

Du bekommst Anfragen per E-Mail. Die meisten landen in deinem Outlook und werden manuell ins CRM übertragen. Make.com ändert das:

  1. Trigger: Neue E-Mail in Outlook/Gmail mit bestimmtem Betreff oder Absender.
  2. Filter: Ist die E-Mail eine echte Anfrage? Keine Newsletter, kein Spam.
  3. Action 1: Neuen Kontakt im CRM anlegen (HubSpot, Pipedrive, Salesforce, Zoho).
  4. Action 2: Neue Deal-Karte erstellen mit dem Betreff als Titel.
  5. Action 3: Slack-Nachricht an Vertrieb mit dem Hinweis "Neue Anfrage".

Dieser Workflow dauert in der Einrichtung rund 30 Minuten und spart pro Anfrage drei bis fünf Minuten Handarbeit. Bei 20 Anfragen pro Woche sind das 1,5 bis 2,5 Stunden gespart. Im Jahr: 80 bis 130 Stunden.

Webformular zu Slack

Kontaktformulare auf der Website sind wichtig, aber niemand schaut die Weboberfläche jede Stunde an. Mit Make.com kommt jede Formular-Einsendung automatisch in einen Slack-Kanal, wo dein Team sofort reagieren kann.

  1. Trigger: Neue Eingabe in Webformular (Typeform, Tally, Cognito Forms, Jotform).
  2. Action 1: Slack-Nachricht an Kanal "neue-leads" mit den Daten.
  3. Action 2: Kalender-Termin anlegen für Rückruf in den nächsten zwei Stunden.
  4. Optional: Automatische Bestätigungs-E-Mail an den Absender.

Die Einrichtung dauert 20 Minuten. Die Wirkung ist enorm: Neue Leads werden innerhalb von Minuten statt Stunden kontaktiert, was die Conversion deutlich erhöht.

Stripe in die Buchhaltung

Wer einen Onlineshop oder Abo-Dienste betreibt, hat Stripe als Zahlungsabwickler. Die Umsätze müssen aber in die Buchhaltung. Ohne Automatisierung exportierst du monatlich CSVs und importierst sie ins Buchhaltungsprogramm. Mit Make.com geht das automatisch.

  1. Trigger: Neue bezahlte Rechnung in Stripe.
  2. Action 1: Daten holen (Kundenname, Betrag, Steuer, Datum).
  3. Action 2: Buchung in Lexware, SevDesk, DATEV oder einem anderen Buchhaltungstool anlegen.
  4. Action 3: Kopie der Rechnung in Google Drive speichern.

Zeitersparnis: Rund 30 Minuten pro Woche, wenn du viele Stripe-Transaktionen hast. Wichtiger als die Zeit ist aber die Fehlerfreiheit. Manuelle Übertragung produziert Zahlendreher. Automatisierung nicht.

Facebook-Lead direkt in Google Sheets und CRM

Wer Facebook- und Instagram-Anzeigen mit Lead-Formularen schaltet, braucht einen schnellen Weg, die Leads weiterzuverarbeiten. Manuell ist das ein Vollzeit-Job.

  1. Trigger: Neuer Lead im Facebook Lead Ads Formular.
  2. Action 1: Eintrag in Google Sheet (Backup, Auswertung).
  3. Action 2: Neuen Kontakt im CRM erstellen.
  4. Action 3: Automatische Willkommens-E-Mail senden.
  5. Action 4: Slack-Notifikation an Vertriebsteam.

Der Setup braucht 45 Minuten. Wer Meta Ads ernsthaft nutzt, kommt an einem solchen Workflow kaum vorbei.

Google Kalender zu Notion

Projektmanagement-Teams tracken Meetings oft in Notion. Aber der Kalender ist in Google. Make.com sorgt dafür, dass jeder neue Termin automatisch in Notion als Datenbankeintrag landet, inklusive Teilnehmer, Dauer und Link.

Das klingt banal, aber in einer Beratungsfirma mit 20 Mitarbeitern und 200 Meetings pro Woche ist das der Unterschied zwischen "wir wissen, was läuft" und "wir wissen gar nichts".

Typische Stolperfallen

Endlos-Schleifen: Workflows, die sich selbst triggern, können in Make.com schnell sehr teuer werden. Ein Klassiker: Du hast einen Workflow, der eine E-Mail an Kunden schickt, wenn ein neuer Eintrag im CRM erstellt wird. Gleichzeitig hast du einen zweiten Workflow, der einen neuen Eintrag im CRM erstellt, wenn eine E-Mail mit bestimmtem Betreff kommt. Ergebnis: Beide Workflows feuern sich gegenseitig ab, bis dein Credit-Konto leer ist. Vor dem Live-Gang: Jeden Workflow gründlich testen und sich fragen, ob Schleifen möglich sind.

Credit-Kosten unterschätzen: Die Pricing-Umstellung von 2025 macht einzelne Module teurer. Wer nicht aufpasst, bekommt am Ende des Monats eine unschöne Überraschung. Mittel dagegen: Make.com hat ein Credit-Dashboard, das du einmal pro Woche anschaust und nach Mustern suchst. Workflows, die 10.000+ Credits pro Monat verbrauchen, solltest du genauer prüfen.

Fehlerbehandlung vergessen: Wenn ein Workflow scheitert (zum Beispiel weil eine API kurz nicht antwortet), solltest du das merken. Make.com bietet E-Mail-Benachrichtigungen bei Fehlern, aber du musst sie aktivieren. Ohne Fehler-Handling läuft ein Workflow still in den Abgrund, und du merkst erst in zwei Wochen, dass keine Leads mehr ankommen.

Datenschutz beim Routing: Personenbezogene Daten fließen durch Make.com. Die Server stehen in der EU, was gut ist, aber trotzdem gilt die DSGVO. Einen AVV mit Make.com solltest du abschließen und dein Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten entsprechend pflegen.

Der Einstieg Schritt für Schritt

Woche 1: Erstkontakt. Melde dich mit dem kostenlosen Plan an und baue einen einfachen Workflow: Gmail → Google Sheet. Jede neue E-Mail in Gmail wird als Zeile in einem Google Sheet gespeichert. Das ist ein 5-Minuten-Projekt und zeigt dir das Grundprinzip.

Woche 2: Echter Use Case. Wähle einen konkreten Prozess in deinem Betrieb, der manuelle Arbeit kostet. Baue den entsprechenden Workflow und lass ihn zwei Tage lang mit echten Daten laufen. Prüfe am Ende, ob die Ergebnisse stimmen.

Woche 3: Fehler-Handling. Füge deinen Workflows die Fehler-Behandlung hinzu. Jeder produktive Workflow sollte eine E-Mail oder Slack-Nachricht senden, wenn etwas schiefgeht.

Woche 4: Skalierung. Baue zwei bis drei weitere Workflows, die aufeinander aufbauen. Du wirst schnell merken, wie sich deine Arbeitsabläufe verändern. Manuelle Aufgaben verschwinden, du gewinnst Zeit für strategische Arbeit.

Für den tieferen Einstieg in die visuelle Automatisierung eignen sich die Ressourcen aus unserem Artikel [Firmen-Wiki mit KI selbst pflegen](PH0 der zeigt, wie Workflows mit Wissensdatenbanken kombiniert werden.

Make.com mit KI verbinden

Der große Hebel, der Make.com 2026 so stark macht, ist die Kombination mit KI-Diensten. Du kannst OpenAI, Anthropic und andere LLMs per Modul einbinden. Ein typischer Workflow:

  1. Trigger: Neue E-Mail im Support-Postfach.
  2. Action 1: Text der E-Mail an Claude schicken mit der Aufforderung "Fasse die Frage in einem Satz zusammen, bewerte die Dringlichkeit (hoch/mittel/niedrig) und schlage eine Kategorie vor".
  3. Action 2: Strukturierte Antwort von Claude parsen.
  4. Action 3: Support-Ticket im Ticketsystem mit Kategorie und Dringlichkeit erstellen.
  5. Action 4: Bei Dringlichkeit "hoch" sofortige Slack-Notifikation, sonst in normale Queue.

Solche KI-gestützten Workflows sind der Kern moderner Automatisierung. Make.com hat mehr als 50 KI-Module aus der Box, und neue Dienste werden laufend hinzugefügt.

Häufige Fragen

Wie schnell bekomme ich einen echten Workflow produktiv, wenn ich noch nie etwas mit Automatisierung gemacht habe?

Mit zwei bis drei Stunden Einarbeitung und einem klaren Ziel schaffst du deinen ersten nützlichen Workflow. Der typische Ablauf: Tutorial von 30 Minuten anschauen, ersten Test-Workflow in 30 Minuten bauen, zwei Stunden am eigenen Prozess arbeiten. Am Ende des Tages läuft etwas, was vorher manuell gemacht wurde.

Wie unterscheidet sich Make.com von Zapier?

Make.com ist visueller (mit Diagramm-Editor), Zapier ist schritt-orientiert (eine Liste von Aktionen). Make.com bietet mehr Kontrolle über Verzweigungen und Schleifen, Zapier ist einfacher für lineare Workflows. Preislich liegt Make.com 2026 etwas günstiger, vor allem bei komplexeren Workflows. Wer noch nie automatisiert hat, kann beide Tools testen und entscheiden.

Was passiert mit meinen Daten? Wo stehen die Server?

Make.com hat Server in Europa (Tschechien) und den USA. Die Standardkonfiguration für europäische Nutzer verarbeitet Daten in der EU. Einen AVV gibt es auf Anfrage, und die DSGVO-Compliance ist dokumentiert. Für besonders schutzwürdige Daten sollte trotzdem eine Einzelfallprüfung gemacht werden.

Kann ich Make.com ohne Entwickler im Haus einsetzen?

Ja, das ist sogar der Hauptzweck. Make.com ist für Nicht-Entwickler gemacht. Excel-Kenntnisse helfen, Programmierkenntnisse sind nicht nötig. Für komplexe Workflows lohnt es sich trotzdem, jemanden ins Team zu haben, der ein Verständnis für Datenstrukturen und Logik mitbringt.

Wie viel spare ich durch Automatisierung wirklich?

Bei unseren Mittelstandskunden liegt die Zeitersparnis durch gut gebaute Workflows zwischen 5 und 15 Stunden pro Woche pro Hauptnutzer. Bei einem Stundensatz von 40 Euro sind das 800 bis 2.400 Euro pro Monat. Gegenüber den rund 20 Euro Tool-Kosten ist das ein Faktor 40 bis 120. Kaum eine andere Investition in IT liefert eine ähnliche Rendite.

Gibt es eine strukturierte Weiterbildung, in der ich Automatisierung und KI zusammen lerne?

Ja. Die Digitalisierungsmanager-Weiterbildung bei SkillSprinters deckt beide Themen im Detail ab, mit praktischen Übungen an echten Workflows in Make.com und n8n. Die 4-monatige Weiterbildung ist AZAV-zertifiziert und für Arbeitssuchende über den Bildungsgutschein komplett kostenlos.

Fazit

Make.com ist für den Mittelstand die schnellste Brücke zur echten Prozessautomatisierung. Mit einem Nachmittag Einarbeitung und wenigen Euro im Monat automatisierst du Aufgaben, die vorher Stunden manueller Arbeit gekostet haben. Der visuelle Editor macht Make.com für Nicht-Programmierer zugänglich, und die Kombination mit KI-Diensten hebt die Automatisierung auf ein Level, das vor fünf Jahren nur großen Unternehmen mit Entwicklerteams zur Verfügung stand.

Wer den kompletten Werkzeugkasten rund um KI und Automatisierung beherrschen will, bekommt in der Digitalisierungsmanager-Weiterbildung einen strukturierten Einstieg. Vier Monate, online, mit Bildungsgutschein kostenlos.

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