Anthropic hat am 17. April Claude Design launched. Ein neues experimentelles Produkt, das Pitch Decks, Slides und One-Pager direkt aus dem Chat heraus baut. Du tippst, was du brauchst, Claude liefert eine Präsentation. Klingt nach Wunschdenken, ist aber für eine Reihe von Use-Cases überraschend brauchbar.

Auf einen Blick: Claude Design ist seit 17.04.2026 verfügbar. Du beschreibst, was du brauchst, Claude generiert Slides, One-Pager, Charts oder Prototypes. Die Mobile-App liefert teilbare interaktive Assets, Live-Charts und Sketch-Diagramme. Praxis: Drei Bullet Points werden in fünf Minuten zu acht Slides. Was es nicht ersetzt: einen Brand-Designer, der eine echte Marken-Identität baut. Was es ersetzt: zwei Stunden manuelles Slide-Bauen für interne Pitches, Reports und Vertriebsmaterial.

Was Claude Design eigentlich ist

Claude Design ist eine Erweiterung der Claude-Oberfläche. Statt nur Text zu liefern, kann Claude jetzt visuelle Assets bauen: Folien, Layouts, Charts, einfache Prototypes. Das Ergebnis liegt direkt in deiner Antwort, ist editierbar und exportierbar.

Technisch basiert das auf zwei Sachen: Erstens auf Claudes Fähigkeit, strukturierte Outputs zu schreiben (HTML, SVG, Code). Zweitens auf einer neuen Render-Schicht, die diese Outputs als visuelle Assets darstellt, statt nur als Code-Block. Wer schon mit Claude Artefakte gebaut hat, kennt die Idee. Claude Design ist die produktreife Version davon.

Verfügbar ist das Feature über die Claude.ai-Web-Oberfläche und über die Mobile-App für iOS und Android. In der Mobile-Variante sind die Assets als interaktive, teilbare Objekte angelegt: Charts, die live aktualisiert werden, wenn du andere Daten reinwirfst, oder Diagramme, die du auf dem Tablet skizzierst und Claude in eine saubere Version umwandelt.

Was es konkret kann

Vier Hauptkategorien.

Slides und Decks. Du beschreibst dein Ziel, deine Zielgruppe und deine Kernbotschaft. Claude baut daraus eine Folienreihe. Pro Folie eine Headline, ein Visual oder Datapoint, eine Speaker Note. Layouts sind sauber, Typografie konsistent, Farben aus einem kleinen Set abgestimmter Paletten.

One-Pager. Ein Format, das viele KMU regelmäßig brauchen: Produkt-Übersicht, Service-Zusammenfassung, Statusbericht. Claude baut das als ein-seitiges Dokument mit Header, drei bis fünf Sektionen und einem CTA-Bereich.

Charts inline. In einer normalen Antwort kannst du Claude bitten, Daten als Chart darzustellen. Säulen, Linien, Tortendiagramme, Heatmaps. Die Charts sind direkt in der Antwort eingebettet und exportierbar.

Prototypes. Klickbare Wireframes für App- oder Website-Konzepte. Nicht produktionsreif, aber gut genug, um eine Idee in einem Meeting zu zeigen, statt sie nur zu beschreiben.

Praktischer Workflow: Vom Bullet Point zum Investor-Pitch

Ein Beispiel, das wir im April durchgetestet haben.

Ausgangslage: Drei Bullet Points für einen Investor-Pitch. „Wir bauen ein KI-Tool für die Buchhaltung. Zielgruppe sind Steuerberater. Wir haben drei Pilotkunden und 80.000 Euro Jahresumsatz."

Prompt an Claude Design: „Bau aus diesen drei Punkten ein Investor-Deck mit acht Folien. Zielgruppe sind Seed-Investoren, Tonalität sachlich, Zahlen prominent. Brauche eine Folie für Problem, eine für Lösung, eine für Markt, eine für Traction, eine für Geschäftsmodell, eine für Team, eine für Finanzplan, eine für Ask."

Ergebnis nach etwa drei Minuten: Acht Folien mit konsistenter Typografie, abgestimmten Farben, sinnvoller Folien-Reihenfolge. Auf der Markt-Folie hat Claude eine grobe Größenschätzung gemacht (Steuerberater in Deutschland, durchschnittliche Software-Ausgaben), die plausibel war. Auf der Traction-Folie wurden die drei Pilotkunden und 80k Umsatz als zwei Hauptzahlen prominent platziert.

Was wir manuell gefixt haben: Die Lösung-Folie war zu allgemein. Das Geschäftsmodell-Modul fehlte ein Preis-Beispiel. Die Team-Folie hatte einen Platzhalter, weil Claude keine Namen kannte. Aufwand für die Anpassungen: etwa zwanzig Minuten.

Vergleich: Dieselbe Aufgabe in PowerPoint oder Keynote ohne Design-Vorlage hätte zwei bis drei Stunden gedauert. Mit einer Vorlage immer noch eine Stunde. Mit Claude Design: knapp eine halbe Stunde inklusive Anpassungen.

Mobile App: Was zusätzlich geht

Die Mobile-App liefert ein paar Funktionen, die in der Web-Version (noch) nicht da sind.

Live-Charts. Du kannst eine Tabelle hochladen, Claude baut einen Chart, du wischst durch die Daten und Claude updated das Visual in Echtzeit. Praktisch für Reporting-Sessions, wo man durchklickt und live Filter setzt.

Sketch-Diagramme. Du zeichnest auf dem Tablet eine grobe Skizze (Boxen mit Pfeilen für ein Prozessdiagramm zum Beispiel), Claude wandelt das in eine saubere Version um. Funktioniert gut bei einfachen Strukturen, weniger gut bei komplexen Diagrammen mit vielen Querverbindungen.

Teilbare Assets. Jedes erzeugte Asset bekommt eine eigene URL und kann direkt aus der App heraus geteilt werden. Praktisch, wenn du im Termin sitzt und schnell etwas zeigen willst, ohne erst eine Datei zu exportieren.

Vergleich zu PowerPoint, Canva und Gamma.app

Kurz, sachlich, ohne Wertung.

ToolStärke laut eigenen AngabenWann sinnvoll
Microsoft PowerPointVollständige Slide-Software mit Animationen, Templates, Master-FolienWenn du komplette Kontrolle über Layout brauchst
CanvaDrag-and-drop Designer mit großem Template-PoolWenn du visuell-stark unterwegs bist und gerne selbst layoutest
Gamma.appKI-gestützter Slide-Generator mit Fokus auf PräsentationenWenn du dediziert für Slides ein Tool willst
Claude DesignSlides, One-Pager, Charts, Prototypes aus dem Chat herausWenn du sowieso schon in Claude arbeitest und nicht in ein zweites Tool wechseln willst

Die Tools überlappen, ersetzen sich aber nicht komplett. Wer in einem Pitch-Deck Animationen, Übergänge und maßgeschneiderte Master-Folien braucht, kommt um PowerPoint oder Keynote nicht rum. Wer einen Markenführer mit hundert Templates pflegt, ist in Canva besser aufgehoben. Wer in Claude schon den Text und die Recherche macht und den nächsten Schritt einfach im selben Fenster gehen will, gewinnt mit Claude Design Zeit.

Was Claude Design nicht ersetzt

Klare Grenzen, damit du nichts erwartest, was nicht da ist.

Echte Brand-Identität. Wenn du eine Marke aufbaust und brauchst ein konsistentes Design-System (Logo, Farbsystem, Typografie-Hierarchie, Bildwelt), brauchst du immer noch einen Designer. Claude Design liefert sauber gestaltete Output, aber keine Marken-Strategie.

Pixel-perfekte Custom-Designs. Für Out-of-Home-Werbung, Magazinanzeigen, hochwertige Print-Produkte ist die Genauigkeit nicht da. Auflösung und Layout-Präzision reichen für Web und interne Präsentationen, nicht für Druck-Endprodukte mit Anspruch.

Komplexe Produkt-Designs. App-Screens für eine 200-Screen-Anwendung mit konsistenter Komponentenbibliothek baut Claude Design nicht. Dafür ist Figma plus ein Designer immer noch der Weg.

Video- und Motion-Design. Animationen, Transitions, Video-Edits gehören nicht zum Funktionsumfang.

KMU-Anwendungen: Wo es sich rechnet

Drei Bereiche, in denen Claude Design für KMU spürbar Zeit spart.

Vertrieb. Pitch Decks für Sales-Termine sind ein wiederkehrender Aufwand. Wer pro Woche zwei bis drei Pitches anpasst, gewinnt mit Claude Design schnell mehrere Stunden. Du nimmst dein Standard-Deck, beschreibst Anpassungen für einen konkreten Kunden und Claude baut eine angepasste Variante.

Marketing. One-Pager für Produkte, Lösungen oder Kampagnen sind das tägliche Brot vieler Marketing-Teams. Mit Claude Design wird aus einem fertigen Briefing ein erster Layout-Entwurf, der dann nur noch in Detailfragen optimiert werden muss.

Reporting. Monatsberichte, KPI-Dashboards, Executive Summaries. Hier ist die Kombination aus Daten-Auswertung und visueller Darstellung der Hebel. Du wirfst Claude die Excel rein, beschreibst, was die wichtigsten Insights sind, und bekommst einen sauberen Bericht zurück.

In allen drei Bereichen gilt: Claude Design liefert eine sehr gute erste Version. Die letzte Polier-Runde, in der du als Mensch die Tonalität, die Reihenfolge und einzelne Details anpasst, bleibt deine Aufgabe. Aber die ersten 70 Prozent der Arbeit sind weg.

Eigene Einschätzung

Claude Design ist nicht das Tool, das den klassischen Designer ersetzt. Es ist das Tool, das den Slide-bau für Leute übernimmt, die eigentlich keine Slides bauen wollen und es bisher trotzdem mussten.

Wer das unterschätzt, sieht es als „nettes Spielzeug" und verbringt weiter zwei Stunden pro Woche in PowerPoint mit Routineaufgaben. Wir sehen bei unseren Teilnehmern, dass die ersten zwei Wochen ein bisschen Lernkurve sind, weil man die richtigen Prompts finden muss. Ab Woche drei sind die typischen Slide-Aufgaben in zwanzig Minuten erledigt statt in zwei Stunden. Das ist die Zeit, die in echte Vertriebsgespräche, Strategiearbeit oder Produktverbesserung fließen kann.

FAQ

Brauche ich Claude Pro für Claude Design?

Ja. Claude Design ist Teil der bezahlten Claude-Tarife (Pro, Max, Team, Enterprise). In der kostenlosen Variante ist es nicht enthalten oder stark limitiert. Stand April 2026 wird das Feature schrittweise ausgerollt, einzelne Funktionen können je nach Tarif unterschiedlich verfügbar sein.

Kann ich die Slides in PowerPoint exportieren?

Slides lassen sich als PDF exportieren und über die generierten HTML-Dateien in PowerPoint importieren, allerdings nicht als nativ editierbares PPTX-Format. Wer das braucht, kombiniert Claude Design mit einem Konverter oder rebauten die Folien in PowerPoint anhand der Claude-Vorlage.

Erkennt Claude Design meine Corporate-Design-Vorgaben?

Ja, wenn du sie ihm sagst. Du kannst Hex-Werte für Primär- und Sekundärfarben nennen, eine bevorzugte Schriftart angeben und Layout-Regeln (zum Beispiel Logo immer oben links). Claude wendet das auf alle generierten Assets an. Es ersetzt aber kein vollständiges Brand-Manual und liefert keine Marken-Strategie.

Sind die Charts in Claude Design verlässlich?

Charts werden auf Basis der Daten erstellt, die du Claude lieferst. Wenn deine Daten korrekt sind, ist das Visual korrekt. Bei Charts, die Claude selbst Daten dazu schätzt (zum Beispiel Marktgrößen), gilt: Plausibel, aber nicht zitierfähig ohne eigene Verifikation.

Kann ich mit Claude Design eine ganze Website bauen?

Nein. Claude Design baut Prototypes und Wireframes, keine fertigen Websites. Für Web-Projekte brauchst du immer noch ein CMS, einen Hoster und in der Regel einen Entwickler. Für Mockups in der frühen Konzeptphase ist Claude Design aber gut.

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