Auf die Schnelle

Zoom baut seinen KI-Assistenten mit AI Companion 3.0 zu einem agentischen Arbeitsplatz aus. Es gibt ein neues Web-Interface unter ai.zoom.us und Workflows, die aus Meetings direkt Aufgaben machen. Admins können eigene Agenten bauen, die über das Model Context Protocol an Werkzeuge wie Jira oder Box andocken. Zoom kombiniert dafür eigene Modelle mit denen von OpenAI und Anthropic und arbeitet über Zoom-Meetings, Google Drive, OneDrive und Slack hinweg. Angekündigt Ende 2025, wird die Version 2026 breit verfügbar und weiter ausgebaut.

Nach einem Meeting fängt für viele die eigentliche Arbeit erst an: Protokoll tippen, Aufgaben verteilen, Termine nachhalten. Zoom will eben diesen Nachlauf mit AI Companion 3.0 automatisieren und den Assistenten vom Mitschreiber zum Mitarbeiter machen, der Aufgaben auch erledigt. Für Betriebe, die Zoom ohnehin nutzen, ist das einen Blick wert.

Vom Protokoll zur Handlung

Bisher war der Zoom-Assistent vor allem ein Zuhörer. Er fasste Meetings zusammen und hielt fest, was besprochen wurde. AI Companion 3.0 geht einen Schritt weiter und wird agentisch. Das heißt, der Assistent kann selbst tätig werden.

Aus einem Meeting werden über agentische Workflows direkt Aufgaben. Wenn im Gespräch beschlossen wird, dass jemand ein Angebot erstellt und ein Termin folgt, kann der Assistent daraus konkrete Schritte ableiten und in Bewegung setzen, statt sie nur in einer Zusammenfassung zu notieren. Der Unterschied klingt klein, verändert aber den Alltag: Aus Notizen, die jemand später abarbeiten muss, werden Vorgänge, die schon angestoßen sind.

Dazu gibt es ein neues Web-Interface unter der Adresse ai.zoom.us. Der Assistent lebt damit nicht mehr nur im Meetingfenster, sondern wird zu einem eigenen Arbeitsplatz, den du auch außerhalb eines Calls ansteuerst. Du kannst ihn also ansprechen, ohne dass gerade eine Besprechung läuft.

Eigene Agenten und das Model Context Protocol

Interessant für Betriebe mit etwas IT-Struktur: Admins können eigene Agenten bauen, sogenannte Custom Agents. Diese lassen sich über das Model Context Protocol, kurz MCP, an Drittwerkzeuge anbinden. MCP ist ein offener Standard, über den KI-Assistenten mit externen Programmen sprechen.

Im Klartext heißt das, ein Zoom-Agent kann an Werkzeuge wie das Projektsystem Jira oder den Cloud-Speicher Box andocken und dort Dinge anlegen oder abrufen. Der Assistent arbeitet außerdem über Zoom-Meetings, Google Drive, OneDrive und Slack hinweg, mit Verwaltungskontrollen für Unternehmen. So entsteht nach und nach ein Assistent, der über die eigene Insel hinausreicht und sich mit der vorhandenen Werkzeuglandschaft verbindet.

Technisch setzt Zoom auf einen föderierten Ansatz. Der Anbieter kombiniert eigene Modelle mit denen von OpenAI und Anthropic und wählt je nach Aufgabe. Für dich als Nutzer bleibt das im Hintergrund. Du gibst dem Assistenten einen Auftrag, und im Hintergrund entscheidet das System, welches Modell am besten passt.

Was das kleinen Betrieben bringt

Viele Firmen nutzen Zoom ohnehin täglich. Kundengespräche, Teambesprechungen, Beratungen. Der administrative Nachlauf frisst dabei mehr Zeit, als man denkt. Wer schreibt das Protokoll? Wer erinnert an die zugesagte Rückmeldung? Wer trägt den Folgetermin ein?

Eben diese Kleinarbeit kann ein agentischer Assistent übernehmen. Protokoll erstellen, Aufgaben ableiten, ans Nachfassen erinnern. Das klingt banal, summiert sich aber über eine Woche zu spürbar viel Zeit, die sonst neben der eigentlichen Arbeit verloren geht.

Für einen kleinen Betrieb ohne Assistenzkraft liegt hier der eigentliche Reiz. Der Reiz liegt weniger in einer großen KI-Revolution. Es ist das stille Wegnehmen der lästigen Nacharbeit, die niemand gern macht und die trotzdem erledigt werden muss. Wenn ein Werkzeug diese unsichtbare Last kleiner macht, bleibt mehr Zeit für Kunden und für die Arbeit, die wirklich zählt.

Worauf du achten solltest

Ein Assistent, der Meetings mithört und über Slack, Drive und andere Werkzeuge hinweg arbeitet, sieht viel. Sehr viel. Deshalb gehört der Datenschutz von Anfang an mit an den Tisch. In deinen Zoom-Meetings sitzen oft Kunden, es fallen Namen, Vertragsdetails, manchmal auch Gesundheits- oder andere sensible Daten.

Der ehrliche Punkt ist: Ein KI-Assistent, der mitschreibt, ist ein Werkzeug zur Verarbeitung personenbezogener Daten. Du solltest wissen, wo diese Daten liegen, ob eine Verarbeitung in der EU möglich ist und was in deinem Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter steht. Bei besonders sensiblen Daten, etwa Gesundheitsdaten nach Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung, ist besondere Vorsicht angebracht.

Dazu kommt die Transparenz gegenüber den Menschen im Meeting. Wenn ein Assistent mitschreibt, sollten die Teilnehmer das wissen. Ein offener Hinweis zu Beginn eines Gesprächs schafft Vertrauen und beugt späterem Ärger vor.

Wie du sinnvoll einsteigst

In unseren Kursen raten wir Betrieben, solche Assistenten zuerst in unkritischen internen Besprechungen zu testen, bevor sie in Kundengesprächen mitlaufen. So bekommst du ein Gefühl dafür, was der Assistent gut kann und wo er danebenliegt, ohne dass gleich sensible Daten im Spiel sind. Und du klärst die Datenschutzfragen in Ruhe, statt sie später unter Zeitdruck nachzuholen.

Zur Einordnung noch ein Hinweis zum Zeitplan: AI Companion 3.0 wurde Ende 2025 angekündigt und wird 2026 breit verfügbar und weiter ausgebaut. Manche Funktionen sind schon da, andere kommen erst nach und nach. Wer heute einsteigt, sollte prüfen, was im eigenen Zoom-Tarif tatsächlich freigeschaltet ist, damit die Erwartung zur Realität passt.

Ein guter erster Schritt ist eine einzelne, klar umrissene Aufgabe: das automatische Protokoll bei internen Terminen. Läuft das zuverlässig und ist der Datenschutz geklärt, kannst du den Assistenten Stück für Stück auf mehr Aufgaben ausweiten. So wächst der Nutzen mit deinem Vertrauen, statt dass du dich gleich in ein großes Automatisierungsprojekt stürzt.

Ein Gedanke zur Belegschaft gehört auch dazu. Ein Assistent, der Aufgaben aus Meetings ableitet, verändert, wie im Team über Zuständigkeiten gesprochen wird. Das kann entlasten, es kann aber auch Druck erzeugen, wenn plötzlich jede zugesagte Kleinigkeit protokolliert und nachgehalten wird. Nimm die Leute mit, erkläre den Nutzen und lass Raum für Bedenken. Werkzeuge setzen sich im Alltag nur durch, wenn die Menschen sie als Hilfe erleben und nicht als Überwachung.

Und wie bei jedem Cloud-Werkzeug lohnt der Blick in den Vertrag und in die Einstellungen. Vieles lässt sich abschalten oder auf bestimmte Meetingtypen begrenzen. Wer die Voreinstellungen einmal in Ruhe durchgeht, behält die Kontrolle darüber, was der Assistent mithört und speichert.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 19. Juli 2026):

Häufige Fragen

Was ist neu an Zoom AI Companion 3.0?

Der Assistent wird agentisch, kann also selbst tätig werden, statt nur mitzuschreiben. Aus Meetings werden über Workflows direkt Aufgaben, und es gibt ein neues Web-Interface unter ai.zoom.us. Admins können außerdem eigene Agenten bauen, die über das Model Context Protocol an Werkzeuge wie Jira oder Box andocken.

Was bedeutet agentisch in diesem Zusammenhang?

Agentisch heißt, dass der Assistent nicht nur Informationen liefert, sondern eigenständig Schritte ausführt. Aus einer Meeting-Besprechung kann er zum Beispiel Aufgaben ableiten, in anderen Programmen anlegen und ans Nachfassen erinnern. Er handelt also im Rahmen seines Auftrags, statt nur ein Protokoll zu hinterlassen.

Welche Datenschutzfragen stellen sich beim KI-Assistenten in Meetings?

Ein Assistent, der Meetings mithört, verarbeitet personenbezogene Daten, oft auch Kundendaten. Du solltest wissen, wo diese Daten liegen, ob eine Verarbeitung in der EU möglich ist und was im Auftragsverarbeitungsvertrag steht. Bei besonders sensiblen Daten wie Gesundheitsdaten nach Artikel 9 DSGVO ist besondere Vorsicht nötig.

Ist AI Companion 3.0 schon komplett verfügbar?

Die Version wurde Ende 2025 angekündigt und wird 2026 breit verfügbar und weiter ausgebaut. Manche Funktionen sind bereits da, andere kommen nach und nach. Wer einsteigen will, sollte prüfen, was im eigenen Zoom-Tarif tatsächlich freigeschaltet ist.

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Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2026. Stand der Recherche: 19. Juli 2026.