Auf die Schnelle

SAP zeigt auf der Sapphire 2026 die Autonomous Suite mit über 50 KI-Assistenten und mehr als 200 Agenten. Siemens stellt mit dem Eigen Engineering Agent einen Agenten vor, der Aufgaben selbst ausführt. Beides zielt auf Konzerne, erreicht den Mittelstand aber über die Lieferkette.

Autonome KI-Agenten verlassen 2026 die Pilotphase und ziehen in die großen Industriesysteme ein. SAP hat auf der Sapphire 2026 in Madrid die Vision vom autonomen Unternehmen ausgerollt, Siemens hat auf der Hannover Messe einen Agenten gezeigt, der Steuerungstechnik nicht mehr nur vorschlägt, sondern selbst programmiert. Für einen mittelständischen Zulieferer ist das auf den ersten Blick weit weg. Auf den zweiten Blick landet es schneller auf dem eigenen Tisch, als vielen lieb ist.

Was SAP auf der Sapphire angekündigt hat

SAP nennt es die Autonomous Suite. Der Kern sind KI-Agenten, die Geschäftsprozesse eigenständig ausführen statt nur dabei zu helfen.

Laut SAP umfasst die Suite über 50 domänenspezifische Assistenten und mehr als 200 spezialisierte Agenten, verteilt auf fünf Bereiche: Finanzen, Supply Chain, Spesen, Personal und Kundenkontakt. Die Assistenten sind an konkrete Geschäftsrollen geknüpft und orchestrieren im Hintergrund die einzelnen Agenten, die dann präzise Teilaufgaben abarbeiten. Jeder Assistent bekommt dabei eigene Kennzahlen, an denen sich später messen lässt, ob er liefert. Dazu hat SAP einen Fonds von 100 Millionen Euro für Partner aufgelegt, die diese Agenten bei Kunden in Betrieb nehmen oder eigene Agenten auf der Plattform bauen. Als Foundation-Modell hinter mehreren dieser Agenten setzt SAP nach eigenen Angaben unter anderem auf Claude von Anthropic. Das alles ist ein deutliches Signal, dass SAP autonome Agenten nicht als Nebenprodukt versteht, sondern als nächste Stufe seines Kerngeschäfts.

Ein Haken steckt im Kleingedruckten. Diese KI-Funktionen sind vor allem für Cloud-ERP-Kunden gedacht, also für Betriebe auf RISE with SAP oder GROW. Wer eine ältere On-Premise-Installation fährt, bleibt bei vielen der neuen Agenten außen vor. Genau in dieser Lage sind viele Mittelständler.

Der Siemens Eigen Engineering Agent

Siemens hat auf der Hannover Messe 2026 mit dem Eigen Engineering Agent ein deutsches Industriebeispiel gezeigt. Der Agent hängt direkt im TIA Portal, der Engineering-Software für Automatisierungstechnik, und nutzt die Projektdaten daraus, um den Kontext einer Anlage zu verstehen.

Was ihn von einem Assistenten unterscheidet: Er führt aus. Er übernimmt Aufgaben wie SPS-Programmierung, HMI-Visualisierung und Gerätekonfiguration in mehreren Schritten, korrigiert sich selbst und liefert ein Ergebnis, statt nur einen Vorschlag zu machen. Siemens beziffert den Nutzen mit zwei- bis fünffach schnellerer Ausführung, einer um bis zu 80 Prozent höheren Qualität und bis zu 50 Prozent mehr Effizienz im Engineering. Das sind Siemens-eigene Angaben aus Tests mit über hundert Unternehmen, also keine neutral geprüften Werte, aber sie zeigen die Richtung.

Bemerkenswert war ein zweiter Ton aus Hannover. Siemens-Chef Roland Busch warnte gleichzeitig, dass der Großteil der Industrie-KI-Investitionen in die USA und nach China fließen werde, falls die EU ihre Regeln nicht anpasse. Der Vorwurf: Der AI Act behandle industrielle KI wie eine Verbraucher-App und stapele neue Aufsicht auf ohnehin schon regulierte Bereiche. Das ist eine politische Aussage, kein technischer Fakt. Aber sie sagt etwas darüber, wie ernst es die großen Industrieanbieter mit autonomen Agenten meinen.

Wenn du verstehen willst, wie so ein Agent im eigenen Betrieb sinnvoll eingesetzt wird, lohnt ein praktischer Einstieg. Im kostenlosen KI-Schnupperkurs gehen wir genau diese Frage durch: einen klar umrissenen Prozess automatisieren, statt das ganze Unternehmen umkrempeln zu wollen.

Warum der Mittelstand das spürt, obwohl er nicht gemeint ist

Die ehrliche Einordnung zuerst. Weder die SAP Autonomous Suite noch der Siemens-Agent sind für den kleinen Maschinenbauer mit 30 Leuten gebaut. Das sind Werkzeuge für Konzerne und für Betriebe mit moderner Cloud-Landschaft oder TIA-Portal-Lizenzen in großem Stil.

Und trotzdem kommt es an. Ein Zulieferer hängt an seinen großen Kunden. Wenn ein Auftraggeber seine Beschaffung, seine Lieferketten-Planung und seine Engineering-Prozesse mit Agenten beschleunigt, ändern sich die Erwartungen nach unten durch. Schnellere Reaktionszeiten, sauberere Datenformate, digitale Schnittstellen statt PDF-Bestellungen, Vorabantworten in Stunden statt Tagen. Wer als Zulieferer hier nicht mithalten kann, fällt nicht durch eine Behörde auf, sondern durch eine ausbleibende Anschlussbestellung. Das ist der gleiche Hebel, über den auch Lieferketten-Sicherheitsregeln längst die Kleinen erreichen, lange bevor jemand ein Gesetz zitiert.

Die übertragbare Lehre aus beiden Ankündigungen ist gar nicht so kompliziert. Ein Agent taugt dann etwas, wenn er einen abgegrenzten Prozess übernimmt und ein Mensch die Freigabe behält. SAP nennt das Leitplanken und Kennzahlen pro Assistent, Siemens nennt es Selbstkorrektur mit dem Ingenieur in der Schleife. Im kleinen Betrieb heißt das ganz schlicht: einen klar umrissenen Schritt automatisieren, dessen Ergebnis du noch prüfst, statt gleich das halbe Unternehmen umzustellen.

Ein zweiter Punkt fällt beim genauen Hinsehen auf. Die Datengrundlage ist bei beiden das Entscheidende. Der Siemens-Agent funktioniert nur, weil das TIA Portal saubere Projektdaten liefert, und SAPs Assistenten greifen auf gepflegte ERP-Daten zu. Ein Agent ist immer nur so gut wie die Daten, die er sieht. Für einen Zulieferer mit halb gepflegten Stammdaten, doppelten Artikelnummern und Bestellungen per Telefon ist genau das die unbequeme Vorarbeit. Wer hier aufräumt, profitiert übrigens auch ganz ohne KI, weil saubere Daten jede Software schneller und jeden Fehler seltener machen.

Was "autonom" wirklich bedeutet

Das Wort autonom klingt nach Selbstläufer. Das ist es nicht.

Auch die großen Anbieter setzen den Menschen an die entscheidenden Stellen. Bei SAP läuft jeder Agent unter definierten Leitplanken und messbaren Zielen, bei Siemens prüft am Ende der Ingenieur die generierte Steuerung, bevor sie auf eine echte Anlage geht. Autonom heißt hier so viel wie ohne ständige Handarbeit bei jedem Zwischenschritt, und ausdrücklich nicht ohne Kontrolle. Diese Unterscheidung ist für einen Betrieb wichtiger als jede Benchmark-Zahl. Wer einem Agenten ungeprüft den Zugriff auf das Produktivsystem oder die Kundenkommunikation gibt, hat die Idee nicht verstanden. Die Verantwortung bleibt beim Inhaber, auch wenn die Tipparbeit beim Agenten landet.

Das gilt besonders bei allem, was sich nicht zurückdrehen lässt. Eine Bestellung auslösen, eine Rechnung freigeben, eine Kundenmail verschicken, eine SPS auf eine laufende Anlage spielen. An solchen Stellen gehört ein Freigabeschritt davor, auch wenn der Agent zu 95 Prozent richtig liegt. Die fünf Prozent sind teuer, wenn niemand mehr hinschaut.

Was das für KMU bedeutet

Du musst dir keine 200-Agenten-Suite kaufen, um aus dieser Entwicklung etwas mitzunehmen. Die brauchbare Botschaft für einen Mittelständler ist, dass autonome Agenten von der Vorführung in echte Industriesoftware gewandert sind und dass deine größeren Kunden damit schneller werden. Mitgehen heißt für einen kleinen Betrieb, die eigenen Routineprozesse zu kennen und einen davon mit einem Agenten zu testen, dessen Ergebnis du noch freigibst. Den Rest des Unternehmens lässt du erst mal in Ruhe.

Das fängt beim Können an, nicht beim Werkzeug. Wer im Betrieb weiß, wie man einen Prozess sauber beschreibt, einen Agenten eng einrichtet und seine Ausgaben prüft, holt aus jedem Tool mehr heraus als jemand, der nur das teuerste Modell kauft. Genau dieses Können vermittelt unser Vollkurs Digitalisierungsmanager, der mit Bildungsgutschein förderfähig ist und Beschäftigte wie Arbeitssuchende dorthin bringt, wo der Hebel bei KI tatsächlich liegt.

Häufige Fragen

Was ist die SAP Autonomous Suite?

Es ist SAPs auf der Sapphire 2026 vorgestellte KI-Plattform, in der Agenten Geschäftsprozesse eigenständig ausführen statt nur zu unterstützen. Laut SAP umfasst sie über 50 domänenspezifische Assistenten und mehr als 200 spezialisierte Agenten in den Bereichen Finanzen, Supply Chain, Spesen, Personal und Kundenkontakt. SAP hat dazu einen Partnerfonds von 100 Millionen Euro aufgelegt.

Was kann der Siemens Eigen Engineering Agent?

Der auf der Hannover Messe 2026 vorgestellte Agent ist ins TIA Portal integriert und führt Automatisierungsaufgaben wie SPS-Programmierung, HMI-Visualisierung und Gerätekonfiguration eigenständig aus, statt nur Vorschläge zu liefern. Siemens beziffert den Nutzen mit zwei- bis fünffach schnellerer Ausführung, bis zu 80 Prozent höherer Qualität und bis zu 50 Prozent mehr Effizienz. Diese Werte sind Siemens-eigene Angaben aus Tests.

Betrifft das auch kleine Betriebe und Zulieferer?

Direkt sind beide Suiten auf Konzerne und Cloud-ERP-Kunden ausgelegt, viele Mittelständler mit On-Premise-Systemen sind nicht eingeschlossen. Indirekt trifft es Zulieferer aber über die Lieferkette: Wenn große Kunden ihre Prozesse mit Agenten beschleunigen, steigen die Erwartungen an schnelle Reaktionszeiten, digitale Schnittstellen und saubere Datenformate. Wer nicht mithält, verliert Aufträge, nicht über eine Behörde, sondern über ausbleibende Bestellungen.

Heißt autonom, dass die KI ohne Aufsicht arbeitet?

Nein. Auch bei SAP und Siemens bleibt der Mensch an den entscheidenden Stellen: SAP setzt auf definierte Leitplanken und messbare Ziele pro Agent, bei Siemens prüft der Ingenieur die generierte Steuerung, bevor sie auf eine echte Anlage geht. Autonom bedeutet hier ohne ständige Handarbeit bei jedem Zwischenschritt, nicht ohne Freigabe. Die Verantwortung bleibt beim Betrieb.

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Zuletzt aktualisiert: 12.06.2026. Stand der Recherche: 12.06.2026.