Auf die Schnelle

Microsoft hat im Mai 2026 Claude Opus 4.8 und GPT-5.5 Instant in Microsoft 365 Copilot gebracht. Computer-using Agents sind in Copilot Studio jetzt allgemein verfügbar, Copilot-Agenten lesen SharePoint-Listen mit bis zu 20.000 Einträgen. Für kleine und mittlere Firmen wird der Assistent damit vom Schreibhelfer zum Prozesswerkzeug.

Im Mai-Update für Microsoft 365 Copilot hat Microsoft gleich zwei fremde Spitzenmodelle aufgenommen: Claude Opus 4.8 von Anthropic und GPT-5.5 Instant von OpenAI. Dazu kommen ein neu gestaltetes Notebooks-Konzept, Agenten, die direkt mit Programmoberflächen arbeiten, und Copilot im Auto. Das Update zeigt, wohin die Reise im Büro geht: weg vom Frage-Antwort-Chat, hin zu Werkzeugen, die selbst klicken. Genau das ist für den Mittelstand der interessante Teil.

Zwei fremde Modelle im eigenen Haus

Microsoft setzt nicht mehr nur auf OpenAI. Mit dem Mai-Update steht Claude Opus 4.8 (Anthropic) in Microsoft 365 Copilot bereit, für komplexe mehrstufige Aufgaben, längere Arbeitsabläufe und Aufgaben wie Dokumente entwerfen, Daten analysieren und Präsentationen bauen. Anthropic hatte das Modell selbst erst am 28. Mai 2026 veröffentlicht.

Parallel zog GPT-5.5 Instant in Microsoft 365 Copilot und in Copilot Studio ein. Microsoft nennt als Vorteile klarere, knappere Antworten und weniger unnötige Rückfragen.

Was bedeutet das praktisch? Du kannst innerhalb desselben Copilot zwischen Modellen wählen, je nach Aufgabe. Ein langes Steuer- oder Vertragsthema schickst du an das stärkere Opus-Modell, eine schnelle E-Mail-Antwort an das flotte GPT-5.5 Instant. Diese Modell-Auswahl ist neu und sie verschiebt die alte Frage. Es geht nicht mehr darum, welches Tool das beste Modell hat. Es geht darum, wer die Modelle dort einbettet, wo du sowieso arbeitest.

Copilot Notebooks neu gedacht

Die Copilot Notebooks haben ein neues Design bekommen. Statt loser Chats sammelt ein Notebook jetzt die Unterhaltungen, die erzeugten Inhalte und die Referenzen zu einem Projekt an einem Ort. Wer an mehreren Themen gleichzeitig arbeitet, verliert weniger den Faden.

Spannend für Teams: Ein Notebook kann einzelne Teams-Meetings als Wissensquelle einbinden. Transkripte, Notizen, Chats und geteilte Inhalte eines Meetings werden Teil der Wissensbasis, auf die Copilot antwortet. Wenn drei Wochen nach einem Kundengespräch die Frage aufkommt, was genau vereinbart wurde, zieht Copilot die Antwort aus dem Meeting selbst statt aus dem Gedächtnis der Beteiligten.

Das klingt klein. In der Praxis ist es oft ein größeres Thema als auf dem Papier, weil in vielen kleinen Firmen genau dieses Wissen verloren geht, sobald die Person im Urlaub ist, die beim Termin dabei war.

Agenten, die wirklich klicken

Der wichtigste Satz im Update steht bei Copilot Studio. Die sogenannten Computer-using Agents sind jetzt allgemein verfügbar, also raus aus der Testphase. Diese Agenten bedienen Websites und Desktop-Programme direkt über die Benutzeroberfläche, indem sie klicken und tippen wie ein Mensch.

Der Hebel dabei: Auch Systeme ohne Programmierschnittstelle lassen sich so anbinden. Genau daran scheiterte bisher viel Automatisierung im Mittelstand. Das alte Warenwirtschaftssystem, das Lieferantenportal, die Branchensoftware aus den frühen 2010ern, all das hat oft keine moderne Schnittstelle. Ein Agent, der einfach die Maske bedient, umgeht dieses Problem.

Dazu kommt eine zweite Neuerung: Copilot-Agenten können laut Microsoft SharePoint-Listen als strukturierte Datenquelle nutzen, bis zu 20.000 Einträge. Eine Kundenliste, ein Produktkatalog, ein Projektregister, alles, was viele Firmen in SharePoint pflegen, wird damit für den Agenten lesbar.

Wer das ausprobiert, sollte trotzdem nüchtern bleiben. Ein Agent, der eine Programmoberfläche bedient, ist fehleranfälliger als eine saubere Schnittstelle, weil sich Masken ändern und Buttons verrutschen. Für wiederkehrende, gleichförmige Aufgaben ist das ein echter Gewinn. Für alles, wo ein Fehler teuer wird, gehört ein Mensch dazwischen, der das Ergebnis prüft.

Copilot fährt mit

Eine Randnotiz mit Alltagswert: Copilot ist jetzt in Apple CarPlay verfügbar. Per Sprache startest du ein neues Gespräch oder setzt eines fort, über das Display und die Lautsprecher des Autos. Wer viel unterwegs ist, arbeitet den Posteingang auf der Fahrt durch, ohne zu tippen.

Am 28. Mai 2026 hat Microsoft zudem ein neues Design für die Microsoft-365-Copilot-App vorgestellt. Die Oberfläche soll Chats, erzeugte Inhalte und Referenzen klarer zusammenführen.

Was kostet das, und für wen lohnt es sich

Eine Sache verschweigt jede Modell-Ankündigung gern: Microsoft 365 Copilot kostet pro Nutzer und Monat extra, zusätzlich zur normalen Microsoft-365-Lizenz. Für einen Zehn-Personen-Betrieb summiert sich das schnell.

Deshalb lohnt der nüchterne Blick. Den größten Nutzen ziehen Mitarbeiter, die viel mit Text, Tabellen und Dokumenten arbeiten, also Verwaltung, Vertrieb, Buchhaltung. Wer den ganzen Tag in der Werkstatt steht, braucht keinen Copilot im Word.

Ein bewährter Weg ist, nicht das ganze Team auf einmal auszustatten. Gib drei bis fünf Leuten eine Lizenz, die den Assistenten wirklich nutzen, und miss nach zwei Monaten, ob sich die Arbeit spürbar ändert. Erst dann breitest du es aus. Diese Pilot-Logik klingt selbstverständlich, wird aber selten eingehalten, weil die Begeisterung am Anfang groß ist und der Kostendruck erst später kommt.

Wer die Agenten aus Copilot Studio einsetzt, sollte zusätzlich einkalkulieren, dass jemand sie baut und pflegt. Ein Agent ist kein fertiges Produkt, das du einschaltest, sondern ein Werkzeug, das jemand mit Verstand konfiguriert. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob die Lizenz Geld spart oder nur Geld kostet.

Was das für KMU bedeutet

Microsoft 365 Copilot kostet pro Nutzer extra, und genau hier liegt die Entscheidung für kleine Firmen. Das Update macht den Assistenten deutlich nützlicher, vor allem durch die Agenten und die Modellauswahl. Aber Nutzen entsteht nicht durch die Lizenz, sondern durch Menschen, die wissen, wie man einen Agenten sauber baut, mit welcher Datenquelle er arbeiten darf und wo die Grenze zum Datenschutz verläuft.

Wir sehen bei unseren Teilnehmern regelmäßig, dass die Technik selten das Problem ist. Das Problem ist, dass niemand im Betrieb die Zeit hatte, einen Prozess sauber zu beschreiben, bevor er automatisiert wird. Ein Agent, der einen schlechten Prozess bedient, macht den Murks nur schneller. Wer dagegen vorher zwei Stunden investiert und den Ablauf aufschreibt, holt aus demselben Copilot ein Vielfaches heraus.

Praktischer Einstieg: Such dir einen einzigen, langweiligen, wiederkehrenden Vorgang. Angebote aus einer Maske ins CRM übertragen, Rechnungsdaten prüfen, Listen abgleichen. Bau dafür einen Agenten, lass ihn vier Wochen unter Aufsicht laufen, und erst dann erweitere. Genau diese Schritt-für-Schritt-Logik vermittelt unser Vollkurs Digitalisierungsmanager, von der Prozessaufnahme bis zur Automatisierung mit Werkzeugen wie Copilot Studio und n8n.

Häufige Fragen

Welche KI-Modelle stecken jetzt in Microsoft 365 Copilot?

Seit dem Mai-Update 2026 stehen in Microsoft 365 Copilot Claude Opus 4.8 von Anthropic und GPT-5.5 Instant von OpenAI bereit. Du kannst je nach Aufgabe wählen: das stärkere Opus-Modell für komplexe Themen, GPT-5.5 Instant für schnelle, knappe Antworten.

Was sind Computer-using Agents in Copilot Studio?

Das sind Agenten, die Websites und Desktop-Programme direkt über die Benutzeroberfläche bedienen, also klicken und tippen wie ein Mensch. Seit dem Mai-Update 2026 sind sie allgemein verfügbar. Vorteil: Auch alte Software ohne Schnittstelle lässt sich so anbinden.

Können Copilot-Agenten auf SharePoint-Daten zugreifen?

Ja. Copilot-Agenten können laut Microsoft SharePoint-Listen als Datenquelle nutzen, bis zu 20.000 Einträge. Eine Kunden- oder Produktliste wird damit für den Agenten lesbar, sodass er Anfragen direkt aus den gepflegten Daten beantworten kann.

Lohnt sich Microsoft 365 Copilot für kleine Firmen?

Copilot kostet pro Nutzer extra. Den größten Nutzen haben Mitarbeiter, die viel mit Text, Tabellen und Dokumenten arbeiten. Sinnvoll ist, erst drei bis fünf Leuten eine Lizenz zu geben, den Effekt zu messen und dann auszubreiten.

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Zuletzt aktualisiert: 04.06.2026. Stand der Recherche: 04.06.2026.