Auf die Schnelle

Versicherer regulieren Kfz-Blechschäden heute per KI-Bilderkennung in Minuten. Makler nutzen KI, um Mails und Dokumente automatisch auszulesen und Mandanten zu betreuen. Beim Einsatz zählt der EU AI Act: KI zur Risikobewertung in der Lebens- und Krankenversicherung kann als Hochrisiko-System eingestuft werden.

Die Schadenbearbeitung ist der teuerste Teil im Versicherungsgeschäft, sie macht rund 60 bis 70 Prozent der Aufwendungen der Versicherer aus. Kein Wunder, dass die Branche genau dort mit KI ansetzt. Was bei den großen Versicherern als KI-gestützte Schadenregulierung anfängt, kommt 2026 auch im Maklerbüro an, allerdings in anderer Form. Wo das Maklergeschäft profitiert und worauf der EU AI Act dabei achtet, ist für Vermittler die entscheidende Frage.

Wie Versicherer KI einsetzen

Bei den Versicherern ist die Bilderkennung der sichtbarste Fortschritt. Ein Kunde fotografiert seinen verbeulten Kotflügel, lädt das Bild hoch, und eine KI schätzt den Schaden und die Reparaturkosten in Minuten statt in Tagen.

Mehrere große Häuser, darunter die Allianz, bewerten Kfz-Blech- und Lackschäden inzwischen automatisch. Für den Kunden bedeutet das eine schnellere Regulierung, für den Versicherer geringere Bearbeitungskosten. Das ist der Hebel, der die Branche antreibt, weil bei einem so großen Kostenblock schon kleine Effizienzgewinne viel ausmachen.

Was KI im Maklerbüro bringt

Der Makler reguliert keine Schäden, er sitzt zwischen Kunde und Versicherer. Seine KI-Anwendungen sehen deshalb anders aus.

Der größte Hebel ist das automatische Auslesen von Dokumenten, im Fachjargon IDP genannt. Eine eingehende Mail mit angehängter Police, eine Rechnung, ein Schadenbericht, die KI erfasst die relevanten Daten und legt sie strukturiert ab, statt dass jemand alles abtippt. Dazu kommen Chatbots, die Mandanten einen schnellen Statusüberblick geben, und Assistenten, die Standardanfragen vorbeantworten, bevor ein Mensch ranmuss. Das alles spart Zeit in der Verwaltung und gibt dem Makler mehr Raum für das, was sein Geschäft trägt: die Beratung und der Aufbau von Vertrauen.

Gerade die Dokumentenflut ist im Maklerbüro ein Dauerthema. Verträge, Nachträge, Schadenmeldungen, Kündigungen, jeder Vorgang bringt Papier und PDF-Anhänge mit, die irgendwo richtig abgelegt werden müssen. Wenn die KI das Auslesen und Einsortieren übernimmt, fällt eine der ungeliebtesten Routinen weg, und Fehler durch falsch zugeordnete Unterlagen werden seltener. Der Makler prüft am Ende nur noch, ob die Zuordnung stimmt, statt jedes Dokument von Hand zu erfassen.

Wo der EU AI Act mitredet

Hier wird es regulatorisch ernst, und Makler sollten den Unterschied kennen. Die EU-KI-Verordnung stuft bestimmte Versicherungs-KI als Hochrisiko-System ein.

Konkret betrifft das KI-Systeme, die zur Risikobewertung und Preisbildung in der Lebens- und Krankenversicherung eingesetzt werden, also Systeme, die über die Annahme einer Police entscheiden oder Prämien anhand individueller Risiken kalkulieren. Solche Anwendungen fallen nach Anhang III der Verordnung in die Hochrisiko-Klasse, mit umfangreichen Pflichten von Risikomanagement über Dokumentation bis Nachvollziehbarkeit. Die vollen Pflichten waren ab dem 2. August 2026 vorgesehen, über den Digital Omnibus ist eine Verschiebung auf Ende 2027 politisch vereinbart, aber noch nicht formal verkündet. Reine Dokumenten-Auslesung, wie sie der Makler nutzt, fällt in der Regel nicht unter Hochrisiko. Im Zweifel lohnt die Prüfung, ehe man ein System einführt, das über Menschen urteilt.

Was das für KMU bedeutet

Ein Maklerbüro ist selbst ein kleiner Betrieb, und es arbeitet mit hochsensiblen Daten: Gesundheit, Einkommen, Lebensumstände. Datenschutz ist damit keine Kür, sondern Pflicht.

Beim Einsatz von KI gehört dazu ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter, die Prüfung des Verarbeitungsorts und der Verzicht auf offene, öffentliche Werkzeuge für sensible Mandantendaten. Wer eine KI zur Bewertung von Personen einsetzen will, prüft vorher die Hochrisiko-Einstufung. Für die reine Verwaltungsautomatisierung ist die Hürde dagegen niedrig, und genau dort liegt der schnellste Nutzen.

Die Beratung selbst bleibt beim Menschen, mit seiner Verantwortung und seiner Haftung. Die KI ist das Werkzeug, das ihm die Zeit dafür freiräumt. Wie man KI datenschutzkonform und im Rahmen der Compliance-Pflichten einführt, gerade in einem regulierten Beruf, ist Kern unseres Vollkurses Digitalisierungsmanager. Ein erster Einstieg ist der kostenlose KI-Schnupperkurs.

Häufige Fragen

Wie setzen Versicherer KI in der Schadenbearbeitung ein?

Mehrere große Häuser, darunter die Allianz, bewerten Kfz-Blech- und Lackschäden per KI-Bilderkennung. Der Kunde fotografiert den Schaden, eine KI schätzt Kosten in Minuten statt Tagen. Da die Schadenbearbeitung rund 60 bis 70 Prozent der Aufwendungen ausmacht, ist das ein großer Kostenhebel.

Was bringt KI im Maklerbüro?

Der größte Hebel ist das automatische Auslesen von Dokumenten, im Fachjargon IDP. Eine Mail mit Police, eine Rechnung oder ein Schadenbericht wird erfasst und strukturiert abgelegt, statt abgetippt. Dazu kommen Chatbots für den Statusüberblick und Assistenten, die Standardanfragen vorbeantworten. Das spart Verwaltungszeit.

Wann ist Versicherungs-KI ein Hochrisiko-System nach EU-Recht?

KI-Systeme zur Risikobewertung und Preisbildung in der Lebens- und Krankenversicherung gelten nach Anhang III der EU-KI-Verordnung als Hochrisiko, mit umfangreichen Pflichten. Reine Dokumenten-Auslesung fällt in der Regel nicht darunter. Die vollen Pflichten waren für August 2026 vorgesehen, über den Digital Omnibus ist eine Verschiebung auf Ende 2027 politisch vereinbart.

Welche Datenschutzpflichten hat ein Maklerbüro?

Ein Maklerbüro arbeitet mit hochsensiblen Daten zu Gesundheit, Einkommen und Lebensumständen. Beim KI-Einsatz gehören dazu ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter, die Prüfung des Verarbeitungsorts und der Verzicht auf offene, öffentliche Werkzeuge für sensible Daten. Die Beratung und ihre Verantwortung bleiben beim Menschen.

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Zuletzt aktualisiert: 10.06.2026. Stand der Recherche: 10.06.2026.