Auf die Schnelle

Die EU-Kommission verschlankt im Juni 2026 die ESRS-Berichtsstandards für Nachhaltigkeit deutlich. Branchenbeobachter rechnen damit, dass die Zahl der erforderlichen Datenpunkte um mehr als 60 Prozent fällt und der Dokumentationsumfang um über 70 Prozent. Parallel rollt SAP KI-Agenten für ESG-Workflows aus. Für kleine Betriebe, die von großen Kunden ESG-Daten abgefragt bekommen, sinkt damit der Aufwand spürbar. Diese Werte sind allerdings Erwartungen aus der laufenden Konsultation, formal noch nicht final.

Zwei Bewegungen laufen gerade aufeinander zu und entlasten ausgerechnet die Betriebe, die bisher am lautesten über ESG-Bürokratie geklagt haben. Auf der einen Seite stutzt die EU-Kommission die European Sustainability Reporting Standards, kurz ESRS, drastisch zurück. Auf der anderen Seite bringt SAP im Juni 2026 KI-Agenten an den Start, die ESG-Daten zusammentragen und für Berichte aufbereiten. Berichten zufolge senkt die Vereinfachung den Pflichtteil massiv, und die Software-Hilfe nimmt einen großen Teil der verbleibenden Fleißarbeit ab. Für viele kleine und mittlere Firmen ist das die erste echte Entspannung beim Thema Nachhaltigkeitsbericht.

Was sich bei den ESRS gerade ändert

Die EU-Konsultation zur Überarbeitung der ESRS endete am 3. Juni 2026. Was danach kommt, ist noch nicht in Stein gemeißelt, aber die Richtung ist klar.

Branchenbeobachter rechnen mit einem kräftigen Schnitt. Die Zahl der erforderlichen Datenpunkte soll laut diesen Erwartungen um mehr als 60 Prozent sinken, der gesamte Dokumentationsumfang um über 70 Prozent. Bisher mussten berichtspflichtige Unternehmen Hunderte einzelne Kennzahlen erfassen, von Emissionen über Wasserverbrauch bis zu Angaben zur Lieferkette und zum Personal. Dieser Berg an Pflichtfeldern hat den Aufwand in die Höhe getrieben und kleinere Häuser überfordert. Wenn die Schätzungen halten, bleibt am Ende ein deutlich schlankerer Kern. Wichtig zur Einordnung: Diese Zahlen stammen aus der Konsultation und sind formal noch nicht beschlossen. Bis die finalen Standards stehen, bleibt es eine begründete Erwartung, kein fixer Wert.

Für kleinere Unternehmen ist zusätzlich ein freiwilliger Standard vorgesehen, der sogenannte VSME. Er ist als Vorlage gedacht, die deutlich weniger verlangt als der volle ESRS-Apparat. Der entscheidende Hebel steckt im sogenannten Wertschöpfungsketten-Deckel: Er begrenzt, wie viele ESG-Daten ein großer, berichtspflichtiger Auftraggeber von seinen kleinen Zulieferern überhaupt einfordern darf.

Warum das auch nicht-berichtspflichtige Betriebe betrifft

Hier liegt der Punkt, den viele Inhaber unterschätzen. Die meisten kleinen Betriebe fallen gar nicht direkt unter die CSRD-Berichtspflicht. Trotzdem landet das Thema auf ihrem Schreibtisch, und zwar über den Umweg ihrer großen Kunden.

Der Mechanismus heißt Trickle-down. Ein berichtspflichtiger Konzern muss Angaben zu seiner gesamten Lieferkette machen. Also reicht er die Fragen weiter und verlangt von jedem Zulieferer Daten zum CO2-Fußabdruck, zum Energieverbrauch oder zu Arbeitsbedingungen. Nimm einen Maschinenbauer mit zwölf Leuten, der Teile an einen Automobilhersteller liefert. Der Maschinenbauer selbst muss keinen Nachhaltigkeitsbericht schreiben, bekommt aber jedes Jahr einen umfangreichen ESG-Fragebogen vom Großkunden und muss antworten, wenn er im Geschäft bleiben will. Genau diese Last soll der VSME-Deckel begrenzen. Der Konzern darf dann nicht mehr beliebig viele Detailfelder durchreichen, sondern nur noch das, was der schlanke Standard vorsieht.

Das ist eine spürbare Erleichterung. Wer in den letzten Jahren schon einmal so einen Fragebogen ausgefüllt hat, kennt das Gefühl, Zahlen zusammensuchen zu müssen, die im Betrieb nirgends sauber abgelegt sind.

Wo die KI-Agenten ins Spiel kommen

SAP bringt parallel zur EU-Vereinfachung KI-Agenten für ESG-Workflows. Die Idee dahinter: Statt dass ein Mitarbeiter Energierechnungen, Lieferantenlisten und Personalzahlen von Hand zusammenklaubt, übernimmt ein Software-Agent das Sammeln und Vorbereiten der Daten aus den vorhandenen Systemen.

Für einen kleinen Betrieb muss es nicht gleich die große Konzernlösung sein. Das Prinzip lässt sich auf jeder Ebene anwenden. Du legst fest, welche Kennzahlen ein Kunde regelmäßig abfragt, und richtest die Datenerfassung so ein, dass sie an einer Stelle zusammenläuft. Eine KI kann dann beim Zusammenstellen und Formulieren helfen, etwa wenn aus den Rohdaten ein lesbarer Bericht oder eine ausgefüllte Antwortvorlage werden soll. In unseren DigiMan-Kursen sehen wir regelmäßig, dass kleine Betriebe ihre ESG-Daten über fünf verschiedene Ordner und drei Köpfe verteilt haben. Der eigentliche Aufwand steckt im Suchen, nicht im Berichten selbst. Wer einmal eine saubere Sammelstelle aufbaut, halbiert den jährlichen Stress.

Eine klare Grenze gehört dazu, und die ist nicht verhandelbar: Die KI darf Zahlen zusammentragen und aufbereiten, aber niemals erfinden oder schätzen. ESG-Angaben können geprüft werden, und falsche Daten sind ein Haftungsrisiko. Wenn der Energieverbrauch nicht vorliegt, dann muss die KI eine Lücke ausweisen, die ein Mensch klärt, und darf keinen plausibel klingenden Wert hineinschreiben. Lass dich vom flüssigen Text der KI nicht zu blindem Vertrauen verleiten. Jede Kennzahl, die nach außen geht, braucht eine echte Quelle dahinter.

So gehst du das im Betrieb praktisch an

Der pragmatische Weg beginnt mit dem VSME als Orientierung. Schau dir an, welche Angaben der freiwillige Standard vorsieht, und gleiche das mit dem ab, was deine Großkunden bisher abgefragt haben. Oft überschneidet sich das stark, und du erkennst schnell, welche zehn bis fünfzehn Kennzahlen wirklich wichtig sind.

Im nächsten Schritt richtest du eine zentrale Ablage ein, in der diese Daten landen, sobald sie anfallen. Energieverbrauch aus den Jahresabrechnungen, Mitarbeiterzahlen aus der Lohnbuchhaltung, Angaben zur Lieferkette aus dem Einkauf. Wenn das einmal an einem Ort liegt, ist der nächste Kundenfragebogen in einer Stunde beantwortet statt in zwei Tagen. Eine KI kann dir helfen, aus dieser Sammlung eine fertige Antwort zu formen, und sie kann dich darauf hinweisen, wo noch Angaben fehlen. Den Inhalt bestätigst du selbst.

Bei einem Pflegedienst mit vierzig Beschäftigten lässt sich das gut beobachten. Der größte Auftraggeber, ein Klinikverbund, schickt jährlich einen ESG-Bogen. Statt jedes Mal die gleichen Zahlen neu zu suchen, pflegt der Inhaber eine einfache Tabelle, die er das ganze Jahr über aktuell hält. Die Formulierung der Antworten übernimmt eine KI, die Freigabe der Inhaber. Mit dem schlankeren ESRS-Standard und dem VSME-Deckel wird dieser Bogen voraussichtlich kürzer, nicht länger. Das ist die seltene Konstellation, in der weniger Vorschrift und mehr Werkzeug zur selben Zeit kommen.

Häufige Fragen

Mein kleiner Betrieb ist nicht berichtspflichtig. Warum betrifft mich ESG trotzdem?

Über deine großen Kunden. Berichtspflichtige Konzerne müssen Angaben zu ihrer gesamten Lieferkette machen und reichen die Fragen an ihre Zulieferer weiter. So landet der ESG-Fragebogen auch ohne eigene Berichtspflicht auf deinem Schreibtisch. Der neue VSME-Standard mit seinem Wertschöpfungsketten-Deckel soll begrenzen, wie viele Daten ein Auftraggeber an kleine Zulieferer durchreichen darf.

Sind die angekündigten Kürzungen bei den ESRS schon beschlossen?

Nein. Die EU-Konsultation zur Überarbeitung endete am 3. Juni 2026. Die genannten Werte, also über 60 Prozent weniger Datenpunkte und über 70 Prozent weniger Dokumentation, sind Erwartungen von Branchenbeobachtern aus dieser Konsultation. Formal sind die finalen Standards noch nicht verabschiedet. Bis dahin bleibt es eine begründete Tendenz, kein fixer Wert.

Darf eine KI meinen ESG-Bericht komplett selbst schreiben?

Beim Sammeln, Aufbereiten und Formulieren kann eine KI viel Arbeit abnehmen. Sie darf aber keine Kennzahlen erfinden oder schätzen. ESG-Angaben können geprüft werden, und falsche Daten sind ein Haftungsrisiko. Lass die KI die Sprache und Struktur übernehmen, behalte die Zahlen und die Freigabe bei dir, und prüfe jede Angabe gegen eine echte Quelle.

Was ist der VSME-Standard?

VSME steht für einen freiwilligen, schlanken Berichtsstandard für kleinere Unternehmen. Er verlangt deutlich weniger als der volle ESRS-Apparat und dient als Vorlage. Sein Wertschöpfungsketten-Deckel begrenzt zusätzlich, welche ESG-Daten große Auftraggeber von ihren kleinen Zulieferern einfordern dürfen. Für Betriebe, die ESG-Fragebögen von Großkunden bekommen, ist er eine gute Orientierung dafür, welche Kennzahlen wirklich nötig sind.

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Zuletzt aktualisiert: 16.06.2026. Stand der Recherche: 16.06.2026.