Im Juni 2026 baut die EU die KI-Aufsicht auf, darunter ein wissenschaftliches Gremium mit 60 Mitgliedern und ein Verhaltenskodex für KI-Inhalte. Ab dem 2. August gelten Transparenzpflichten: Chatbots und KI-Inhalte müssen gekennzeichnet werden. Für die meisten KMU heißt das vor allem Kennzeichnen und Dokumentieren.
Der EU AI Act nähert sich seinem nächsten großen Stichtag. Ab dem 2. August 2026 beginnt die aktive Durchsetzung der Pflichten für Anbieter universeller KI-Modelle, und es treten Transparenzpflichten in Kraft, die jeden betreffen, der KI im Kundenkontakt einsetzt. Im Juni 2026 baut die EU dafür die nötige Aufsicht auf, unter anderem mit einem wissenschaftlichen Gremium aus 60 Fachleuten und einem Verhaltenskodex für KI-erzeugte Inhalte. Für den Mittelstand lohnt es sich, jetzt zu sortieren, was wirklich auf einen zukommt.
Was am 2. August in Kraft tritt
Der wichtigste Termin für die nähere Zukunft ist der 2. August 2026. An diesem Tag werden zwei Dinge scharf gestellt.
Zum einen beginnt die aktive Durchsetzung der Pflichten für sogenannte universelle KI-Modelle, also die großen Basismodelle, auf denen viele Anwendungen aufbauen. Die Anbieter dieser Modelle müssen unter anderem Modellbeschreibungen liefern, eine Zusammenfassung ihrer Trainingsdaten bereitstellen und Risikobewertungen vorlegen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 15 Mio Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Diese Summen gelten speziell für die Pflichten rund um universelle Modelle und sind nicht zu verwechseln mit den höheren Strafen, die für verbotene KI-Praktiken vorgesehen sind.
Zum anderen treten Transparenzpflichten in Kraft, und die betreffen viel mehr Unternehmen. Zwei davon sind im Alltag besonders relevant: Ein Chatbot muss erkennbar als KI gekennzeichnet sein, damit niemand glaubt, mit einem Menschen zu schreiben. Und KI-erzeugte Inhalte, etwa Bilder oder Texte, müssen als solche kenntlich gemacht werden. Wer also auf seiner Webseite einen KI-Assistenten einsetzt oder KI-generierte Inhalte veröffentlicht, ist von diesen Regeln direkt betroffen.
Die Aufsicht nimmt im Juni Gestalt an
Damit aus den Regeln auch Durchsetzung wird, baut die EU gerade die nötigen Strukturen auf. Der Juni 2026 ist dabei ein wichtiger Monat.
Anfang des Monats wurden zwei Expertengruppen eingerichtet, darunter ein wissenschaftliches Gremium mit 60 Mitgliedern. Dessen Aufgabe ist es, die systemischen Risiken der großen universellen Modelle zu beobachten und die Marktaufsicht fachlich zu unterstützen. Parallel wird ein Verhaltenskodex für KI-erzeugte, also synthetische Inhalte finalisiert. Solche Kodizes sind freiwillige, aber praktisch bedeutsame Leitplanken, an denen sich Anbieter orientieren, um die gesetzlichen Anforderungen konkret umzusetzen, etwa bei der Frage, wie KI-Inhalte technisch gekennzeichnet werden.
Diese Aufbauarbeit ist trockene Materie, aber sie ist das Gegenteil von folgenlos. Sie entscheidet darüber, wie streng und wie einheitlich die Regeln am Ende angewandt werden. Für Unternehmen heißt das, dass die Übergangszeit, in der man Pflichten noch lax handhaben konnte, langsam zu Ende geht. Ab August steht eine Aufsicht bereit, die hinschaut.
Für den Mittelstand ist der Verhaltenskodex für KI-Inhalte dabei sogar eine Hilfe, kein zusätzliches Ärgernis. Er übersetzt die abstrakte Gesetzespflicht, KI-Inhalte zu kennzeichnen, in konkrete, anerkannte Verfahren. Statt selbst herauszufinden, wie eine rechtskonforme Kennzeichnung aussieht, kann man sich an diesen Leitlinien orientieren. Das senkt den Aufwand und die Unsicherheit. Wer bisher gezögert hat, KI-Inhalte zu nutzen, weil die Rechtslage unklar schien, bekommt damit einen klareren Rahmen. Klarheit ist für ein Unternehmen oft mehr wert als die bloße Abwesenheit von Regeln, weil sie planbar macht, was vorher diffus war.
Wer ist betroffen, GPAI-Anbieter oder du?
Hier ist die wichtigste Entwarnung für den Mittelstand. Die strengsten und teuersten Pflichten treffen nicht dich, sondern die Anbieter der großen Modelle.
Die meisten kleinen und mittleren Unternehmen sind keine Anbieter universeller KI-Modelle, sondern deren Nutzer, im Gesetz Betreiber genannt. Du baust keine Basismodelle, du setzt sie ein. Deine Pflichten sind deshalb deutlich überschaubarer. Sie bestehen vor allem darin, deine KI-Anwendungen zu dokumentieren, ihr Risiko einzuordnen, eine menschliche Aufsicht sicherzustellen und die Transparenzpflichten einzuhalten, also Chatbots und KI-Inhalte zu kennzeichnen. Das ist machbar und für die allermeisten Anwendungen kein großer Aufwand, solange man es bewusst angeht.
Ein Punkt wird dabei oft falsch verstanden, deshalb sei er klar gesagt: Die Pflicht, dass deine Mitarbeiter über ausreichende KI-Kompetenz verfügen müssen, gilt bereits seit dem 2. Februar 2025, nicht erst ab August. Sie ist also längst in Kraft. Wer KI im Betrieb einsetzt, muss schon heute dafür sorgen, dass die Leute, die damit arbeiten, das nötige Verständnis dafür haben. Der August-Stichtag bringt zusätzliche Transparenzpflichten und ergänzt diese bestehende Kompetenzpflicht, ohne sie aufzuheben.
Was das für KMU bedeutet
Für ein mittelständisches Unternehmen ist die richtige Reaktion weder Panik noch Ignorieren, sondern eine kurze, ehrliche Bestandsaufnahme. Drei Fragen reichen für den Anfang.
Erstens: Wo setzen wir KI im Kundenkontakt ein, etwa als Chatbot, und ist diese KI klar als solche gekennzeichnet? Zweitens: Veröffentlichen wir KI-erzeugte Inhalte, und kennzeichnen wir sie? Drittens: Sind die Mitarbeiter, die mit KI arbeiten, ausreichend geschult, wie es seit Februar 2025 gefordert ist? Wer diese drei Fragen sauber beantwortet, hat den größten Teil seiner Pflichten im Griff. Vieles davon ist eher eine Frage der Organisation als der Technik.
Wir sehen in unseren Kursen, dass gerade die Kompetenzpflicht unterschätzt wird, weil sie keine Frist mit großem Knall hat. Dabei ist sie der Kern des Ganzen. Eine Regulierung, die Kennzeichnung und Dokumentation verlangt, kann nur einhalten, wer überhaupt versteht, was seine KI tut und wo ihre Grenzen liegen. Genau deshalb ist Weiterbildung hier nicht nur eine Pflichtübung, sondern der praktische Weg, gleichzeitig regelkonform und nützlich zu werden. Der EU AI Act zwingt zu einer Klarheit, die einem Betrieb ohnehin guttut. Wer die Pflichten als Anlass nimmt, seinen KI-Einsatz einmal sauber zu ordnen, kommt am Ende besser dabei weg, als wenn er einfach abwartet.
Häufige Fragen
Was tritt am 2. August 2026 beim EU AI Act in Kraft?
Zum einen beginnt die aktive Durchsetzung der Pflichten für Anbieter universeller KI-Modelle. Zum anderen treten Transparenzpflichten in Kraft: Chatbots müssen als KI gekennzeichnet sein, und KI-erzeugte Inhalte wie Bilder oder Texte müssen als solche kenntlich gemacht werden. Letzteres betrifft viele Unternehmen direkt.
Wie hoch sind die Bußgelder für universelle KI-Modelle?
Für Verstöße gegen die Pflichten rund um universelle Modelle drohen Bußgelder von bis zu 15 Mio Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Diese Werte gelten speziell für diese Modellpflichten und sind nicht zu verwechseln mit den höheren Strafen, die für verbotene KI-Praktiken vorgesehen sind.
Welche Pflichten hat ein normales KMU?
Die meisten KMU sind keine Anbieter universeller Modelle, sondern Nutzer, im Gesetz Betreiber genannt. Ihre Pflichten sind überschaubarer: KI-Anwendungen dokumentieren, ihr Risiko einordnen, menschliche Aufsicht sicherstellen und die Transparenzpflichten einhalten, also Chatbots und KI-Inhalte kennzeichnen.
Gilt die KI-Kompetenzpflicht erst ab August 2026?
Nein. Die Pflicht, dass Mitarbeiter über ausreichende KI-Kompetenz verfügen müssen, gilt bereits seit dem 2. Februar 2025. Wer KI im Betrieb einsetzt, muss schon heute dafür sorgen, dass die damit arbeitenden Leute das nötige Verständnis haben. Der August-Stichtag bringt zusätzliche Transparenzpflichten, hebt die Kompetenzpflicht aber nicht auf.
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Zuletzt aktualisiert: 14.06.2026. Stand der Recherche: 14.06.2026.