Auf die Schnelle

Anfang Juni 2026 hat Microsoft Anthropics Claude in den Agent-Modus von Excel geholt und zugleich seinen Modell-Marktplatz Foundry auf über 11.000 Modelle ausgebaut. Die KI sitzt damit dort, wo viele kleine Betriebe ohnehin arbeiten: in der Tabelle. Für dich heißt das mehr Auswahl und weniger Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter.

Die Tabellenkalkulation ist das stille Arbeitstier in fast jedem Betrieb. Angebote, Kalkulationen, Stundenlisten, Umsatzauswertungen, vieles davon lebt in Excel. Anfang Juni 2026 hat Microsoft hier einen Schalter umgelegt: Anthropics KI-Modell Claude lässt sich nun direkt in Excel nutzen, im sogenannten Agent-Modus. Parallel hat Microsoft seinen KI-Marktplatz Foundry kräftig erweitert. Beides klingt nach Konzern-Technik, landet aber im Alltag kleiner Firmen.

Was Claude in Excel kann

Bisher musstest du für eine knifflige Formel in ein Suchfeld tippen oder einen Chatbot in einem anderen Fenster fragen. Künftig fragst du direkt in der Tabelle.

Laut Microsoft und Anthropic kann Claude im Agent-Modus von Excel Formeln schreiben und erklären, unsaubere Daten bereinigen und umformen, in Worten beschreiben, was eine Tabelle eigentlich zeigt, und einfache Abläufe automatisieren. Das alles passiert in der Tabelle selbst, ohne dass du das Programm wechselst. Die Funktion steckt zum Start in einer Vorschau, ist also noch nicht in jedem Konto verfügbar und wird schrittweise ausgerollt.

Der praktische Reiz liegt im Wegfall der Übersetzungsarbeit. Du beschreibst in normaler Sprache, was du brauchst, etwa eine Spalte, die den Deckungsbeitrag je Auftrag rechnet, oder eine Zusammenfassung, welche drei Kunden im letzten Quartal am meisten gebracht haben. Die KI baut die Formel oder die Auswertung, du prüfst und übernimmst.

Die Reichweite ist der eigentliche Hebel. Excel wird weltweit von geschätzt rund 750 Millionen Menschen genutzt. Wenn ein KI-Modell dort einzieht, ist das eine der größten Verteilungsflächen, die eine KI je bekommen hat. Du musst kein neues Werkzeug lernen, die KI kommt zu dir.

Was hinter Microsoft Foundry steckt

Die zweite Nachricht ist technischer, aber für die Kosten wichtig. Microsoft Foundry ist die Enterprise-KI-Plattform des Konzerns, also die Stelle, über die Firmen KI-Modelle einbinden. Ihr Katalog umfasst jetzt mehr als 11.000 Modelle.

Darunter sind die Spitzenmodelle von OpenAI, Anthropic und Google, Microsofts eigene MAI-Familie sowie tausende offene und spezialisierte Modelle. Erreichbar ist das alles über einen einzigen Azure-Zugang und eine einzige Abrechnung. Von Anthropic stehen in Foundry die Modelle Sonnet 4.5, Haiku 4.5 und Opus bereit, ansprechbar über Standard-Azure-Anmeldung und übliche Entwicklerwerkzeuge.

Für einen kleinen Betrieb ist die Zahl 11.000 erst einmal abstrakt. Wichtig ist, was dahintersteckt: Du bist nicht mehr an ein Modell gekettet. Wenn ein Anbieter teurer wird oder ein anderes Modell eine Aufgabe besser erledigt, kannst du wechseln, ohne die ganze technische Anbindung neu zu bauen. Diese Wahlfreiheit ist bares Geld wert.

Was es kostet

Kostenlos ist die KI in Excel nicht. Microsoft rechnet die KI-Nutzung im Copilot nach Tokens ab, also nach der verarbeiteten Textmenge. Wer viel nutzt, zahlt mehr, wer wenig nutzt, zahlt wenig.

Das ist fairer, als es klingt, weil die Kosten mit dem echten Nutzen mitwachsen. Trotzdem solltest du vorher überlegen, welche Aufgaben sich wirklich lohnen. Eine wöchentliche Umsatzauswertung, die bisher zwei Stunden Handarbeit war, rechtfertigt den Tokenpreis leicht. Eine Spielerei, die niemand braucht, nicht.

Bei den verwendeten Modellen gilt die übliche Faustregel. Für die meisten Tabellen-Aufgaben reicht ein schnelles, günstiges Modell. Das aktuell stärkste Modell von Anthropic, Claude Opus 4.8 von Ende Mai, brauchst du nur für die wirklich kniffligen Fälle. Die Wahl des passenden Modells ist mit Foundry leichter geworden, weil du sie an einer Stelle triffst.

Wo Vorsicht angebracht ist

Eine KI, die in deiner Tabelle mitarbeitet, sieht, was in der Tabelle steht. Kalkulationen, Kundennamen, Umsätze, Gehälter. Verarbeitet wird das über Microsofts Cloud und letztlich über einen US-Anbieter.

Das ist kein Grund, die Hände zu heben, aber ein Grund, vorher zu klären, welche Daten du der KI gibst. Eine anonymisierte Auswertung ist unkritisch. Eine Gehaltsliste mit Klarnamen gehört genauer geprüft, ob die Verarbeitung zu deinen Pflichten als Verantwortlicher passt. Wer hier von Anfang an sauber trennt, spart sich später Ärger.

Was das für KMU bedeutet

Die Botschaft ist angenehm unspektakulär. Du musst keine neue Software anschaffen, keine Plattform lernen, keinen Dienstleister beauftragen. Die KI kommt in das Programm, das auf fast jedem Bürorechner läuft. Wer Excel kann, kann den ersten Schritt machen.

Genauso wichtig ist die Wahlfreiheit im Hintergrund. Ein Marktplatz mit über 11.000 Modellen heißt, dass kein einzelner Anbieter dich in der Hand hat. Für einen Betrieb mit knappem Budget ist das ein echter Schutz, denn er macht dich unabhängig von Preiserhöhungen eines einzelnen Hauses.

Wir sehen bei unseren Teilnehmern allerdings ein wiederkehrendes Muster: Die KI in Excel ist nur so gut wie die Frage, die du ihr stellst, und nur so sicher wie die Prüfung, die danach kommt. Eine Formel, die plausibel aussieht, aber den falschen Bereich addiert, fällt nur dem auf, der versteht, was er sucht. Genau dieses Verständnis, wie man eine Aufgabe an eine KI übergibt und das Ergebnis prüft, vermittelt unser Vollkurs Digitalisierungsmanager, unabhängig davon, ob die KI am Ende Claude, ein OpenAI-Modell oder Microsofts eigenes heißt.

Häufige Fragen

Was kann Claude im Agent-Modus von Excel?

Claude kann in Excel Formeln schreiben und erklären, unsaubere Daten bereinigen und umformen, in Worten beschreiben, was eine Tabelle zeigt, und einfache Abläufe automatisieren, ohne dass du das Programm verlässt. Die Funktion läuft Anfang Juni 2026 zunächst in einer Vorschau und wird schrittweise ausgerollt.

Was ist Microsoft Foundry?

Foundry ist Microsofts KI-Plattform. Ihr Katalog umfasst über 11.000 Modelle, darunter Claude, OpenAI, Google und Microsofts eigene MAI-Familie, alle erreichbar über einen Azure-Zugang und eine Abrechnung. Für dich heißt das mehr Auswahl und weniger Bindung an einen einzelnen Anbieter.

Ist die KI in Excel kostenlos?

Nein. Microsoft rechnet die KI-Nutzung im Copilot nach Tokens ab, also nach der verarbeiteten Textmenge. Wer viel nutzt, zahlt mehr. Für eine wöchentliche Auswertung, die bisher Stunden Handarbeit war, lohnt sich das leicht, für eine reine Spielerei dagegen nicht.

Darf ich Kundendaten in die Excel-KI geben?

Vorsicht ist angebracht. Die Verarbeitung läuft über Microsofts Cloud und letztlich über einen US-Anbieter. Eine anonymisierte Auswertung ist unkritisch, eine Gehaltsliste mit Klarnamen gehört vorher geprüft, ob die Verarbeitung zu deinen Pflichten als Verantwortlicher passt.

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Zuletzt aktualisiert: 08.06.2026. Stand der Recherche: 08.06.2026.