Auf die Schnelle

Das Bundeskriminalamt hat am 12. Mai 2026 das Bundeslagebild Cybercrime 2025 vorgelegt. Rund 335.000 registrierte Fälle, ein geschätzter Schaden von 202,4 Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft und 1.041 gemeldete Ransomware-Angriffe stehen darin. Das BKA sieht, dass Täter zunehmend KI-Werkzeuge nutzen, um Angriffe schneller und professioneller auszuführen. Es betont zugleich, dass KI auch der Abwehr hilft. Für kleine und mittlere Betriebe heißt das vor allem eines: Basisschutz und geschulte Mitarbeiter lassen sich nicht länger aufschieben.

202,4 Milliarden Euro. So hoch beziffert das Bundeskriminalamt im Bundeslagebild Cybercrime 2025 den Schaden für die deutsche Wirtschaft, das sind rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Veröffentlicht wurde der Bericht am 12. Mai 2026. Neben der reinen Fallzahl fällt eine Beobachtung auf, die jeden Betrieb angeht: Kriminelle setzen immer öfter KI ein, um ihre Angriffe zu schärfen.

Was die Zahlen zeigen

Rund 335.000 Cybercrime-Fälle hat die Polizei 2025 registriert. Etwa 207.888 davon kamen aus dem Ausland oder von einem unbekannten Ort. Diese Auslandslastigkeit ist wichtig, weil sie erklärt, warum Ermittlung und Strafverfolgung so schwer sind. Wer aus einem anderen Land heraus angreift, ist selten greifbar.

Für dich als Unternehmer heißt das eine unbequeme Wahrheit: Auf die Strafverfolgung allein kannst du dich nicht verlassen. Wenn die Täter im Ausland sitzen und anonym bleiben, kommt das Geld nach einem erfolgreichen Angriff so gut wie nie zurück. Der einzige verlässliche Hebel ist die Vorbeugung, also alles, was einen Angriff von vornherein scheitern lässt.

1.041 Ransomware-Angriffe wurden gemeldet, ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ransomware bedeutet, dass Angreifer Daten verschlüsseln und Lösegeld fordern. Die gemeldete Zahl ist dabei nur die Spitze. Viele Betriebe zeigen einen Vorfall gar nicht an, aus Sorge um den Ruf oder weil sie ihn intern regeln. Die Dunkelziffer liegt erfahrungsgemäß deutlich höher, die echte Belastung ist also größer als die Statistik.

Der Schaden von gut 202 Milliarden Euro umfasst nicht nur Lösegeld. Darin stecken Produktionsausfälle, Wiederherstellung, Rechtskosten, Reputationsverluste und der Aufwand, ein System nach einem Angriff wieder sauber aufzusetzen. Für einen Handwerksbetrieb oder ein Ingenieurbüro kann ein einziger ernster Vorfall existenzbedrohend werden. Tagelanger Stillstand, während Kunden warten und Rechnungen weiterlaufen, ruiniert schneller als das geforderte Lösegeld selbst.

Wo KI die Angriffe schärfer macht

Das BKA hält fest, dass Täter zunehmend KI-Werkzeuge einsetzen, um Angriffe schneller, gezielter und professioneller auszuführen. Das beschreibt keine ferne Zukunft. Es geht um Angriffe, die im Berichtsjahr real stattgefunden haben.

Am deutlichsten wird das bei Phishing. Früher verrieten sich betrügerische Mails oft durch holprige Sprache und offensichtliche Fehler. Mit Sprachmodellen schreiben Angreifer heute fehlerfreie, überzeugende Nachrichten in perfektem Deutsch, angepasst an Branche, Anlass und Tonfall des Absenders. Eine gefälschte Lieferantenmail sieht dann aus wie die echte. Dazu kommen automatisierte Werkzeuge, die Schwachstellen schneller aufspüren und Angriffe in größerem Maßstab fahren, als es Menschen von Hand könnten.

Der Maßstab ist der Punkt. Ein einzelner Betrüger, der früher hundert Mails am Tag von Hand tippte, verschickt mit KI-Unterstützung Tausende, jede auf den Empfänger zugeschnitten. Für den Angreifer sinken die Kosten pro Versuch gegen null, für dich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann eine wirklich gut gemachte Nachricht in deinem Postfach landet.

Wer den Absender einer Mail nicht mehr an der Sprache erkennt, muss andere Merkmale prüfen. Das verschiebt die Verteidigung weg vom Bauchgefühl hin zu klaren Abläufen, etwa dem Rückruf über eine bekannte Nummer, bevor eine Zahlung freigegeben wird.

KI steht auch auf der Seite der Verteidigung

Das BKA nennt ausdrücklich die andere Seite der Medaille. Dieselbe Technik, die Angriffe verstärkt, nützt auch der Abwehr. KI hilft, Schwachstellen früher zu erkennen, ungewöhnliches Verhalten in Netzwerken aufzuspüren und auf Vorfälle schneller zu reagieren.

Für einen kleinen Betrieb ist das eine gute Nachricht. Moderne Schutzsysteme, wie sie in E-Mail-Diensten oder Endgeräteschutz stecken, filtern verdächtige Nachrichten mit Hilfe von KI, ohne dass du selbst zum Sicherheitsexperten werden musst. Der Vorteil landet also nicht nur bei den Angreifern, sondern steckt längst auch in Werkzeugen, die du ohnehin nutzt.

Wichtig ist, diese Werkzeuge einzuschalten und aktuell zu halten. Ein Schutzsystem, das seit einem Jahr nicht mehr aktualisiert wurde, kennt die neuesten Maschen nicht. Der Nutzen der KI-gestützten Abwehr entfaltet sich nur, wenn die Software gepflegt wird und die Warnungen, die sie ausgibt, auch jemand liest und ernst nimmt.

Was der Mittelstand jetzt absichern sollte

Panik hilft niemandem, ein nüchterner Blick auf den Basisschutz schon. Die meisten erfolgreichen Angriffe nutzen keine hochkomplexen Lücken, sondern schwache Passwörter, fehlende Updates und unvorsichtige Klicks. Dort setzt der Schutz an, der ohne großes Budget funktioniert.

Mehr-Faktor-Authentifizierung für alle wichtigen Zugänge ist der wirksamste einzelne Hebel. Selbst wenn ein Passwort abhandenkommt, kommt der Angreifer ohne den zweiten Faktor nicht hinein. Dazu gehören regelmäßige Updates von Betriebssystem und Software, getrennte und regelmäßig getestete Backups sowie ein moderner Schutz für E-Mail-Postfächer. Wer diese vier Punkte sauber umsetzt, hat den Großteil der Alltagsangriffe abgewehrt.

Ein Backup ist übrigens nur dann eines, wenn du es schon einmal zurückgespielt hast. Viele Betriebe sichern brav Daten und merken erst im Ernstfall, dass die Wiederherstellung nicht funktioniert oder Tage dauert. Ein kurzer Testlauf, einmal im Quartal, ist billiger als jede böse Überraschung.

Ebenso wichtig sind klare Regeln für Zahlungen. Keine Überweisung ohne Rückbestätigung über einen zweiten Kanal, keine Weitergabe von Zugangsdaten auf Zuruf. Solche Abläufe kosten nichts und stoppen die teuersten Betrugsmaschen.

Dazu gehört ein einfacher Notfallplan. Wen rufst du an, wenn morgen früh nichts mehr geht? Wo liegen die Zugangsdaten für den Ernstfall, und wer darf das Backup zurückspielen? Diese Fragen einmal in Ruhe zu klären, kostet einen Nachmittag und spart im Krisenfall die Stunden, in denen sonst wertvolle Zeit mit Suchen und Telefonieren verstreicht.

Der Mensch bleibt die erste Verteidigungslinie

In unseren Kursen sehen wir regelmäßig, dass Technik allein nicht reicht. Ein Betrieb kann den besten Spamfilter haben und trotzdem verlieren, wenn ein Mitarbeiter unter Zeitdruck auf einen gut gemachten Link klickt. Die perfekt formulierte KI-Phishing-Mail zielt nicht auf die Firewall, sie zielt auf den Menschen davor.

Deshalb gehört Sensibilisierung zum Pflichtprogramm. Mitarbeiter, die wissen, wie eine moderne Betrugsmail aussieht, die verstehen, warum sie bei Zahlungen zurückrufen sollen, und die im Zweifel lieber einmal zu viel fragen, sind mehr wert als jede zusätzliche Software. Wer das unterschätzt, kauft teure Technik und lässt die größte Lücke offen. Sicherheit ist am Ende eine Frage der Gewohnheit im ganzen Team, und die entsteht durch Verstehen, nicht durch ein einmaliges Merkblatt. Ein Team, das die Masche einmal wirklich durchschaut hat, klickt beim nächsten Mal von allein vorsichtiger.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 21. Juli 2026):

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Cybercrime-Schaden 2025 laut BKA?

Das Bundeskriminalamt beziffert den geschätzten Schaden für die deutsche Wirtschaft im Bundeslagebild Cybercrime 2025 auf 202,4 Milliarden Euro. Das entspricht rund 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Registriert wurden etwa 335.000 Fälle, davon rund 207.888 aus dem Ausland oder von unbekanntem Ort.

Wie setzen Kriminelle KI bei Angriffen ein?

Laut BKA nutzen Täter zunehmend KI-Werkzeuge, um Angriffe schneller, gezielter und professioneller auszuführen. Besonders sichtbar ist das bei Phishing, wo Sprachmodelle fehlerfreie, überzeugende Mails in perfektem Deutsch schreiben. Dazu kommen Werkzeuge, die Schwachstellen schneller aufspüren und Angriffe in größerem Maßstab fahren.

Hilft KI auch bei der Abwehr von Cyberangriffen?

Ja. Das BKA betont ausdrücklich, dass KI auch der Cyberabwehr und der Schwachstellenerkennung nützt. Moderne Schutzsysteme in E-Mail-Diensten und im Endgeräteschutz filtern verdächtige Nachrichten mit Hilfe von KI. Der Vorteil der Technik liegt also nicht nur bei den Angreifern.

Was sollte ein kleiner Betrieb jetzt absichern?

Der wirksamste Basisschutz sind Mehr-Faktor-Authentifizierung, regelmäßige Updates, getestete Backups und ein moderner E-Mail-Schutz. Dazu gehören klare Regeln für Zahlungen, etwa keine Überweisung ohne Rückbestätigung über einen zweiten Kanal. Ebenso wichtig ist, die Mitarbeiter für moderne Betrugsmaschen zu sensibilisieren.

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Zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2026. Stand der Recherche: 21. Juli 2026.