Die gefälschte Stimme der Tochter, ein manipuliertes Video des Chefs, ein Prominenter in einem künstlich erzeugten Clip für eine Geldanlage: So beschreibt Bitkom, womit Deepfakes täuschen.

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Was Bitkom gefragt hat

Die Pressemitteilung vom Montag, 26. Oktober 2026, erschien im Vorfeld der IT-Sicherheitsmesse it-sa. Das Fachmedium it-daily berichtete am 28. Oktober über dieselbe Umfrage und nennt für Deepfakes dieselben Werte. Bitkom Research befragte im Auftrag des Verbands telefonisch 1.126 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, davon waren 1.031 Internetnutzer. Die Befragung lief von der Kalenderwoche 33 bis zur Kalenderwoche 37 des Jahres 2026.

Es ist eine Befragung von Privatpersonen. Betriebe kamen darin nicht vor.

Die Zahlen und ihre Bezugsgruppen

Die 9 Prozent beziehen sich auf die Internetnutzer in Deutschland. Sie gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten mit einer echt wirkenden, per KI erstellten oder veränderten Foto-, Video- oder Sprachaufnahme getäuscht worden zu sein. Vor einem Jahr hatten erst 3 Prozent davon berichtet. Dieser Vergleich hat Grenzen: Die früheren Werte stammen aus einer anderen Befragung, die von der Kalenderwoche 49 des Jahres 2024 bis zur Kalenderwoche 2 des Jahres 2025 lief und 1.115 Personen umfasste, darunter 1.021 Internetnutzer. Zeiträume und Stichprobengröße unterscheiden sich also, und eine Fehlertoleranz nennt die Mitteilung nicht. Wer aus 3 und 9 eine Entwicklung bei allen Deutschen ableitet, geht über das hinaus, was die Zahlen tragen. Dazu kommt, dass „getäuscht“ die Selbstauskunft der Befragten ist.

Auch die übrigen Werte haben unterschiedliche Bezugsgruppen.

Der Anteil von 64 Prozent bezieht sich ebenfalls auf die Internetnutzer: So viele wurden binnen zwölf Monaten Opfer von Cyberkriminalität, nach 61 Prozent im Vorjahr. Am häufigsten nennt Bitkom Schadprogramme mit 32 Prozent, Betrug beim Online-Einkauf mit 29 Prozent und Phishing per Mail, Kurznachricht oder Telefon mit 21 Prozent. Bei 14 Prozent wurden Zugangsdaten ausspioniert. Die nächsten Werte gelten nur für die Betroffenen: Bei 58 Prozent von ihnen entstand ein persönlicher finanzieller Schaden, im Schnitt 233 Euro. Eine Strafanzeige erstatteten 19 Prozent der Betroffenen, vor einem Jahr waren es 26 Prozent. Unverändert 54 Prozent der Internetnutzer wissen laut Bitkom nicht, an wen sie sich nach einem Cyberangriff wenden können.

Wie viele Betriebe betroffen sind, welche Schäden Unternehmen entstehen und welchen Anteil KI an Betrugsfällen insgesamt hat, sagt die Mitteilung nicht.

Was Bitkom empfiehlt

Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung, rät bei einem schockierenden oder ungewöhnlichen Anruf und bei einer dringenden Zahlungsaufforderung, immer über einen zweiten Kanal nachzufragen, bevor gehandelt wird. Als wirksamsten Schutz nennt Bitkom ein einzigartiges, starkes Passwort je Dienst, ergänzt um Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys.

Wie Deepfake-Phishing im Betrieb aussieht und welche Schutzmaßnahmen dort in Betracht kommen, steht im Artikel Deepfake-Phishing: Schutz für KMU.

Unsere Einschätzung

Eine Verbraucherumfrage taugt nicht als Beleg für die Lage im Mittelstand, und diese Umfrage behauptet das auch nicht. Die Zahlen beschreiben Internetnutzer als Privatpersonen. Brauchbar ist sie trotzdem.

Wer die Zahlen in einer Besprechung oder einem Rundschreiben weitergibt, sollte die Bezugsgruppe mitnennen. „9 Prozent“ ohne den Zusatz „der Internetnutzer ab 16, laut Bitkom, nach eigener Auskunft“ klingt nach einer Aussage über Unternehmen oder über alle Menschen im Land, und beides gibt die Umfrage nicht her. Dasselbe gilt für die 233 Euro: Das ist der Durchschnitt der Betroffenen mit finanziellem Schaden, kein Richtwert für Zahlungsbetrügereien im Betrieb. Die Größenordnung der Schäden in Firmen ist eine andere Frage, und sie braucht eine andere Quelle.

Bitkom nennt als Beispiel ein manipuliertes Video des Chefs, und damit ist genau die Lage beschrieben, in der in einem Betrieb Geld bewegt wird: Jemand mit scheinbarer Autorität verlangt eilig eine Zahlung.

Der Rat zur Rückfrage über einen zweiten Kanal lässt sich ohne jede Anschaffung umsetzen. Aus unserer Sicht gehört er in einem Betrieb als feste Regel für Zahlungsfreigaben aufgeschrieben: Eine Zahlungsaufforderung, die per Anruf, Sprachnachricht oder Video eintrifft, wird erst ausgeführt, nachdem jemand über einen anderen Weg beim vermeintlichen Absender nachgefragt hat, etwa per Rückruf unter einer Nummer, die im Haus ohnehin bekannt ist. Eine solche Regel hilft nur, wenn sie ausnahmslos gilt, auch für die Geschäftsführung. Sonst entsteht genau die Lücke, die ein gefälschtes Chef-Video ausnutzen würde.

Dass 54 Prozent der befragten Internetnutzer nicht wissen, an wen sie sich nach einem Angriff wenden können, nehmen wir als Anlass für eine zweite Festlegung: Wer im Betrieb angesprochen wird, wenn etwas Verdächtiges passiert, sollte vorher feststehen und allen bekannt sein. Das ist eine Empfehlung von uns, keine Aussage der Umfrage.

Dass Deepfakes nur 9 Prozent betreffen, während 64 Prozent der Internetnutzer insgesamt Opfer von Cyberkriminalität wurden, ordnet die Gewichte: Schadprogramme, Betrug beim Online-Einkauf und Phishing waren in der Umfrage deutlich häufiger genannt. Die Deepfakes sind ein Teil des Bildes, und die Grundhygiene bei Passwörtern und Zugängen bleibt ein anderer.

Für die Konten selbst gilt, was Bitkom nennt: je Dienst ein eigenes Passwort und eine zweite Sicherung dazu.

Quellen

Die genannten Angaben stützen sich auf folgende öffentlich zugängliche Quellen (Stand der Recherche: 28. Oktober 2026):

Häufige Fragen

Wie viele Personen hat Bitkom zu Cyberkriminalität befragt?

Bitkom Research befragte im Auftrag des Verbands telefonisch 1.126 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, davon 1.031 Internetnutzer. Die Befragung lief von der Kalenderwoche 33 bis zur Kalenderwoche 37 des Jahres 2026. Es ist eine Befragung von Privatpersonen, keine Betriebsbefragung.

Auf wen beziehen sich die 9 Prozent bei den Deepfakes?

Laut Bitkom wurden 9 Prozent der Internetnutzer in den vergangenen zwölf Monaten mit einer KI-erzeugten oder KI-veränderten Foto-, Video- oder Sprachaufnahme getäuscht. Vor einem Jahr hatten 3 Prozent davon berichtet, in einer anderen Befragung mit anderem Zeitraum und anderer Stichprobe. „Getäuscht“ ist dabei die Selbstauskunft der Befragten.

Wie hoch war der Schaden bei den Betroffenen?

Bei 58 Prozent der Betroffenen entstand laut Bitkom ein persönlicher finanzieller Schaden, im Schnitt 233 Euro. Eine Strafanzeige erstatteten 19 Prozent der Betroffenen, vor einem Jahr waren es 26 Prozent. Beide Werte beziehen sich auf die Betroffenen, nicht auf alle Internetnutzer.

Was sollte ein Betrieb nach dieser Umfrage regeln?

Bitkom rät bei ungewöhnlichen Anrufen und dringenden Zahlungsaufforderungen, immer über einen zweiten Kanal nachzufragen. Aus unserer Sicht lässt sich das im Betrieb als feste Regel für Zahlungsfreigaben aufschreiben, die auch für die Geschäftsführung gilt. Die Umfrage selbst trifft keine Aussage über Betriebe.

Wer im Betrieb darf eine Zahlung freigeben, ohne vorher über einen zweiten Weg nachzufragen?

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Zuletzt aktualisiert: 28. Oktober 2026. Stand der Recherche: 28. Oktober 2026.