Pressemitteilungen mit KI zu erstellen verkürzt die typische Bearbeitungszeit von vier Stunden auf rund 30 Minuten, wenn du den Prozess richtig aufziehst. Der Trick liegt nicht darin, Claude oder ChatGPT blind drauflosschreiben zu lassen. Der Trick ist, das klassische PR-Format sauber zu nutzen, der KI die richtigen Fakten zu geben und einen Faktencheck hinten dran zu hängen. Dann kommt raus, was Journalisten wirklich lesen: ein Text mit Nachrichtenwert, ohne PR-Sprech, mit konkreten Zahlen und einem glaubwürdigen Zitat.

Das Wichtigste in Kürze

Warum PR-Texte so oft schlecht sind

Die meisten Pressemitteilungen landen im Papierkorb, weil sie nach PR-Sprech klingen. Floskeln wie "innovativ", "zukunftsweisend" oder "ganzheitlich" signalisieren jedem Redakteur: Das ist Werbung, keine Nachricht. Dazu kommen passive Formulierungen, vage Zahlen und Zitate, die klingen, als hätte sie der Marketing-Praktikant geschrieben.

KI kann hier helfen, wenn du sie richtig einsetzt. Sie kennt das Format, sie kann aktive Sprache liefern und sie hasst Füllwörter nicht so sehr wie Menschen, die selber schreiben. Der Haken: Sie erfindet Zahlen, wenn du ihr keine gibst. Sie formuliert Zitate, die der CEO nie gesagt hat. Sie schmückt aus, wo Präzision wichtig wäre. Deshalb brauchst du einen klaren Prozess.

Der Workflow Schritt für Schritt

Schritt 1: Briefing schreiben

Bevor du die KI anwirfst, brauchst du ein Briefing mit harten Fakten:

Dieses Briefing ist die entscheidende Arbeit. Wenn es schlecht ist, hilft auch die beste KI nichts. Wenn es präzise ist, kommt in fünf Minuten ein brauchbarer Entwurf raus.

Schritt 2: Das PR-Format füttern

Der Prompt an Claude oder GPT-4o folgt einem klaren Aufbau:

Schreibe eine Pressemitteilung im deutschen PR-Standardformat. Struktur: Headline (maximal 80 Zeichen), Subline (ein Satz), Lead (50 bis 80 Wörter, beantwortet wer/was/wann/wo/warum), Body (drei bis fünf Absätze mit Fakten und Zitaten), Boilerplate (Unternehmensprofil, fünf Zeilen), Pressekontakt. Aktive Sprache. Keine PR-Floskeln. Fakten siehe unten.

Dann hängst du dein Briefing an. Die KI liefert einen Entwurf, den du in zwei bis drei Runden schärfst.

Schritt 3: Faktencheck

Das ist der kritische Schritt. Geh jede Zahl, jeden Namen und jedes Zitat durch und prüfe, ob die KI exakt das geschrieben hat, was in deinem Briefing stand. Typische Fehler:

Für den Faktencheck gibt es keine Abkürzung. Er dauert 10 bis 15 Minuten und ist der Unterschied zwischen einer seriösen Meldung und einem peinlichen Ausrutscher.

Schritt 4: Verteilung

Jetzt muss der Text raus. Hier hast du drei Optionen:

Kanal Kosten Reichweite Empfehlung
Professioneller Verteiler (ots, news aktuell) 200 bis 500 EUR pro Meldung Bundesweit, viele Redaktionen Für bundesweite Themen
Regionale Presse direkt kostenlos Region, z.B. Nordbayerischer Kurier, Fränkischer Tag Für lokale News
Eigene Website plus Social Media kostenlos Eigene Follower Als Ergänzung immer sinnvoll

Für ein KMU in Bayreuth reicht oft die regionale Schiene. Der Nordbayerische Kurier nimmt gute Geschichten gerne auf, wenn sie einen lokalen Bezug haben. Jens in Oberfranken bekannt und eine Schulung mit 18 Teilnehmern ist lokaler Bezug.

Was einen guten PR-Text ausmacht

Gute Pressemitteilungen folgen wenigen, aber harten Regeln:

Aktive Sprache. Nicht "Die Entscheidung wurde vom Vorstand getroffen." Sondern "Der Vorstand hat entschieden." Spart Wörter und liest sich besser.

Konkrete Zahlen. Nicht "viele Teilnehmer", sondern "18 Teilnehmer". Nicht "deutlich mehr Umsatz", sondern "Umsatz von 2,1 auf 2,9 Millionen Euro gesteigert". Zahlen sind das, was Redakteure überzeugt.

Zitat vom CEO. Pflicht in jeder Meldung. Nicht länger als zwei Sätze, mit einem klaren Punkt. Schlechtes Zitat: "Wir sind stolz, diesen wichtigen Meilenstein erreicht zu haben." Gutes Zitat: "Wir haben unsere Software binnen 18 Monaten in 47 Kanzleien ausgerollt. Das hat uns selbst überrascht."

Kein PR-Sprech. Streich Wörter wie "innovativ", "nachhaltig" (wenn es nicht um Umwelt geht), "ganzheitlich", "zukunftsweisend". Diese Wörter sagen nichts und signalisieren Werbung.

Ein Bild, das die Geschichte trägt. Keine Stockfotos, keine leeren Büros. Ein echtes Foto des Teams, des Produkts oder der Situation. Redakteure brauchen Bildmaterial, sonst landet die Meldung nicht im Artikel.

Tools und Kosten

Für die reine Textarbeit reicht ein Standard-Zugang:

Für die Verteilung:

Für KMU lohnt sich meist die eigene Liste. Sie kostet einmal ein paar Stunden, um sie zu bauen, und danach hast du direkten Draht zu den Redakteuren, die deine Zielgruppe erreichen.

Ein Fallbeispiel

Ein Hersteller von Holztreppen aus Oberfranken wollte eine neue Produktlinie ankündigen. Der Marketing-Verantwortliche hatte vorher jedes Mal einen halben Tag in den PR-Text investiert. Mit dem KI-Workflow sah der Ablauf so aus:

Gesamtzeit: rund 65 Minuten. Drei Redaktionen haben die Meldung aufgegriffen, zwei davon mit eigenem Bericht. Der Marketing-Verantwortliche hat damit eine halbe Arbeitswoche gewonnen, weil er solche Meldungen jetzt alle zwei Wochen verschickt, statt einmal im Quartal.

Was du nicht automatisieren solltest

Auch wenn der KI-Workflow stark ist: Zwei Dinge bleiben beim Menschen. Erstens, die Entscheidung, worüber du überhaupt schreibst. Nicht jede Neuigkeit ist eine Meldung wert, und wer zu oft mit Banalitäten kommt, verliert das Vertrauen der Redakteure. Zweitens, der persönliche Kontakt zu den Redakteuren. Eine KI kann keine Beziehung pflegen, du schon.

Wenn du das Thema systematisch lernen willst, ist der Digitalisierungsmanager-Kurs von SkillSprinters ein guter Einstieg. Du lernst nicht nur KI-Texte, sondern auch die Workflow-Automation dahinter. Für erste Einblicke empfehle ich unseren Beitrag zu KI-gestützten Content-Workflows.

Häufige Fragen

Dürfen Journalisten ablehnen, wenn der Text von einer KI kommt?

Theoretisch ja. Praktisch spielt es keine Rolle, wenn der Text Fakten und Nachrichtenwert liefert. Redakteure bewerten Qualität, nicht Entstehungsweg. Wichtig ist, dass du nicht lügst, wenn jemand explizit fragt. Die wahre Frage lautet nicht "wer hat das geschrieben", sondern "stimmen die Fakten und ist die Geschichte interessant".

Kann die KI ein Zitat vom CEO erfinden?

Nein, und das darfst du auch nicht zulassen. Zitate müssen vom CEO abgesegnet oder direkt von ihm formuliert sein. Die KI kann dir einen Vorschlag machen, den du dem CEO zur Freigabe gibst. Alles andere ist unseriös und kann im schlimmsten Fall zu einer Richtigstellung führen.

Wie vermeide ich Halluzinationen bei Zahlen?

Zwei Regeln. Erstens, gib der KI im Prompt nur die Zahlen, die du verwenden willst. Zweitens, prüf jede Zahl im fertigen Text gegen das Briefing. Wenn die KI eine Zahl nennt, die nicht in deinem Briefing stand, streich sie. Halluzinierte Zahlen sind das häufigste Problem und das peinlichste.

Welches Sprachmodell ist am besten für deutsche PR-Texte?

In unseren Tests liefert Claude die besten Ergebnisse für deutsche PR-Texte. GPT-4o ist nah dran und oft eine Alternative. DeepL Write ist stark im finalen Schliff, aber nicht für die Erstversion gedacht. Für sensible Inhalte, die nicht in die USA gehen dürfen, gibt es auch europäische Modelle wie Mistral Large.

Muss ich die Meldung bei Verteiler-Diensten einreichen?

Nein. Wenn deine Zielgruppe regional oder branchenspezifisch ist, reicht eine eigene Liste. Professionelle Verteiler lohnen sich, wenn du bundesweite Reichweite brauchst oder in viele Fachmedien parallel willst. Für die meisten KMU ist die eigene Liste wirtschaftlicher. Mehr dazu in unserem Artikel zu B2B-Content-Marketing.

Wie oft sollte ich eine Pressemitteilung rausgeben?

Qualität vor Quantität. Ein bis zwei gute Meldungen pro Quartal sind besser als alle zwei Wochen eine dünne. Lieber warten, bis du wirklich etwas Relevantes hast, als Redakteure mit Belanglosem zu nerven.

Fazit

Pressemitteilungen mit KI zu erstellen spart Zeit und produziert oft bessere Texte, als wenn du selbst schreibst. Der Schlüssel liegt im sauberen Briefing, einem konsequenten Faktencheck und der Klarheit darüber, was du nicht an die KI delegieren kannst. Wer das Handwerk lernen will, ist im Digitalisierungsmanager-Kurs von SkillSprinters richtig. 4 Monate, online, mit Bildungsgutschein kostenlos.

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