Die betriebliche Umschulung ist 2026 die häufigste Form der Umschulung in Deutschland. Du arbeitest in einem realen Betrieb, lernst gleichzeitig in der Berufsschule und bekommst eine Ausbildungsvergütung. Dieser Artikel zeigt dir, wie das Modell funktioniert, wo die Vorteile gegenüber schulischen Umschulungen liegen und welche Förderwege offen stehen.

Das Wichtigste in Kürze

Was ist eine betriebliche Umschulung?

Die betriebliche Umschulung ist die häufigste Form der Umschulung. Sie funktioniert nach demselben Prinzip wie eine reguläre Berufsausbildung, nur kürzer. Statt drei Jahre dauert sie zwei Jahre, weil sie sich an Erwachsene mit Berufserfahrung richtet.

Du wirst in einem realen Betrieb angestellt, schließt einen Umschulungsvertrag ab und gehst parallel in die Berufsschule. Am Ende legst du die IHK-Abschlussprüfung ab. Diese Prüfung ist gleichwertig zur regulären Abschlussprüfung. Auf deinem Zeugnis steht später kein "Umschulung", sondern derselbe Abschluss wie bei einem regulären Azubi.

Der Hauptunterschied zur schulischen Umschulung: Du bist während der gesamten Zeit in einem realen Betrieb tätig. Das hat den Vorteil, dass du echte Berufsroutine aufbaust, in einem realen Team arbeitest und meistens schon vor dem Abschluss einen festen Arbeitsplatz in Aussicht hast. Die Übernahmequote nach betrieblichen Umschulungen liegt sehr hoch, weil viele Betriebe ihre Umschüler übernehmen, sobald die Prüfung bestanden ist.

Wie ist die betriebliche Umschulung aufgebaut?

Die betriebliche Umschulung kombiniert Praxis im Betrieb mit Theorie in der Berufsschule. Die genaue Aufteilung variiert je nach Beruf und Bundesland.

Typische Wochenstruktur:

Tag Ort Inhalt
Montag Betrieb Reale Arbeit im Team
Dienstag Betrieb Reale Arbeit im Team
Mittwoch Berufsschule Fachkunde, Wirtschaft, Sozialkunde
Donnerstag Berufsschule Fachpraxis, Mathe, Deutsch
Freitag Betrieb Reale Arbeit im Team

In manchen Berufen läuft die Berufsschule im Blockunterricht. Dann bist du mehrere Wochen am Stück in der Schule und mehrere Wochen am Stück im Betrieb. Welche Variante zur Anwendung kommt, hängt vom Bundesland und vom Beruf ab.

Während der gesamten zwei Jahre bist du beim Betrieb angestellt und bekommst eine Ausbildungsvergütung. Diese liegt im ersten Jahr bei rund 800 bis 1.200 Euro brutto, im zweiten Jahr bei 1.000 bis 1.500 Euro. Die genaue Höhe hängt vom Tarifvertrag und vom Beruf ab. In Branchen mit Tarifbindung (Metall, Chemie, Bau) ist die Vergütung höher als in Branchen ohne Tarif.

Förderung der betrieblichen Umschulung

Die Förderung läuft je nach Lebenssituation über verschiedene Stellen. Hier eine Übersicht.

Förderweg Zuständig Was wird übernommen? Für wen?
Bildungsgutschein Agentur für Arbeit, Jobcenter Lehrgangskosten, Lehrmittel, Fahrtkosten, ALG/Bürgergeld läuft weiter Arbeitslose, von Arbeitslosigkeit Bedrohte
Reha-Umschulung Deutsche Rentenversicherung Kosten + Übergangsgeld (~68% Netto) Beschäftigte mit gesundheitsbedingter Berufsunfähigkeit
Qualifizierungschancengesetz Agentur für Arbeit Lehrgangskosten + Lohnkostenzuschuss Beschäftigte in Berufen mit Strukturwandel

Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit Wenn du arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist, ist die Agentur für Arbeit zuständig. Die Agentur zahlt die Lehrgangskosten, deine Sozialleistungen laufen weiter. Die Ausbildungsvergütung kommt zusätzlich vom Betrieb. Du bekommst also die volle Ausbildungsvergütung plus Bildungsgutschein.

Achtung: Ob die Ausbildungsvergütung auf das Arbeitslosengeld oder Bürgergeld angerechnet wird, hängt vom Einzelfall ab. Bei Arbeitslosengeld wird die Vergütung in der Regel angerechnet, bei Bürgergeld bleibt ein Freibetrag. Frag deinen Vermittler im Detail.

Reha-Umschulung der Deutschen Rentenversicherung Wenn du aus gesundheitlichen Gründen umschulen musst, ist die DRV zuständig. Voraussetzung sind 15 Beitragsjahre und ein medizinisches Gutachten, das deine Berufsunfähigkeit für deinen aktuellen Beruf bestätigt. Die DRV zahlt Übergangsgeld in Höhe von 68 Prozent deines letzten Nettoeinkommens, dazu Lehrgangskosten und teilweise Fahrt- und Wohnkostenzuschüsse.

Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte Wenn du noch in einem Beruf bist, dessen Aufgaben durch Strukturwandel wegfallen, kann dein aktueller Arbeitgeber das [Qualifizierungschancengesetz](PH0 beantragen. Die Förderung umfasst Lehrgangskosten und einen Lohnkostenzuschuss für die Zeit, in der du nicht im Betrieb arbeitest. Bei kleineren Betrieben werden bis zu 100 Prozent der Lehrgangskosten plus 75 Prozent Lohnkostenzuschuss übernommen.

Vorteile und Nachteile der betrieblichen Umschulung

Vorteile Nachteile
Praxisnah, du lernst im realen Betrieb Du musst einen Ausbildungsbetrieb finden
Ausbildungsvergütung von Anfang an Die Vergütung ist niedriger als ein normales Gehalt
Hohe Übernahmechance nach Abschluss Du bist an einen konkreten Betrieb gebunden
Echte Berufsroutine Manche Betriebe nutzen Umschüler als billige Arbeitskräfte
Gleichwertiger IHK-Abschluss Berufsschule und Betrieb gleichzeitig sind anstrengend
Soziale Kontakte zu Kollegen Urlaubsregelung wie Azubis (oft nur 24 Tage)

Die meisten Umschüler entscheiden sich für die betriebliche Variante, weil die Vorteile überwiegen. Wer einen passenden Betrieb findet, hat einen sehr stabilen Weg in den neuen Beruf.

Wie findest du einen Ausbildungsbetrieb für die Umschulung?

Das ist der schwierigste Teil. Viele Betriebe nehmen Umschüler nur ungern, weil sie eine kürzere Lehrzeit als reguläre Azubis haben und meistens älter sind. Es gibt aber Wege, die funktionieren.

1. Direkt bei Betrieben anfragen Ruf bei Betrieben in deiner Region an, die regulär ausbilden. Viele sind offen für Umschüler, wenn du klar erklärst, warum du wechseln willst und was du mitbringst. Berufserfahrung, Lebenserfahrung und Motivation sind Argumente.

2. Über die Agentur für Arbeit Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit hat oft Listen mit Betrieben, die Umschüler aufnehmen. Dieser Service ist kostenlos und bringt dir den Vermittlungsvorteil, dass die Agentur den Kontakt herstellt.

3. Über Bildungsträger Viele Bildungsträger arbeiten eng mit regionalen Betrieben zusammen und vermitteln Umschüler aktiv. Manche bieten kombinierte Modelle an, bei denen du den theoretischen Teil in der Schule des Bildungsträgers machst und den praktischen Teil in einem Partnerbetrieb.

4. Über IHK und Handwerkskammer Die zuständige IHK oder Handwerkskammer hat häufig Listen mit Ausbildungsbetrieben. Manche IHKs bieten Beratungsgespräche speziell für Umschüler an.

5. Über persönliche Kontakte Klingt klassisch, funktioniert aber. Wer in seinem Bekanntenkreis fragt, findet oft jemanden, der jemanden kennt, der gerade einen Umschüler sucht.

Was wenn kein Betrieb dich nimmt?

Falls du nach mehreren Wochen keinen Ausbildungsbetrieb findest, gibt es Alternativen:

Alternative 1: Schulische (überbetriebliche) Umschulung Du machst die komplette Umschulung bei einem Bildungsträger, der die Praxisphasen über mehrere Partnerbetriebe organisiert. Du bist also nicht an einen Betrieb gebunden, sondern wechselst zwischen Bildungsträger und verschiedenen Praktikumsbetrieben. Die Förderung läuft genauso über den Bildungsgutschein.

Alternative 2: Aufstiegsfortbildung statt Umschulung Wenn du bereits eine kaufmännische Erstausbildung oder fünf Jahre Berufserfahrung hast, brauchst du keine zweijährige Umschulung. Du kannst direkt eine Aufstiegsfortbildung wie den [Wirtschaftsfachwirt IHK](PH1 machen. Die dauert 11 Monate berufsbegleitend, du bleibst in deinem Job, lernst nebenbei und schließt mit einem IHK-Abschluss auf DQR-Niveau 6 ab.

Alternative 3: Kürzere geförderte Weiterbildung Wer in eine spezifische Richtung will (Digitalisierung, KI, Datenschutz), kann eine kürzere geförderte Weiterbildung wählen. Der [Digitalisierungsmanager](PH2 etwa dauert vier Monate, ist DEKRA-zertifiziert und wird über den Bildungsgutschein gefördert.

Welche Berufe sind als betriebliche Umschulung beliebt?

Praktisch jeder anerkannte Ausbildungsberuf kann als betriebliche Umschulung absolviert werden. Manche Berufe sind besonders verbreitet, weil viele Betriebe Umschüler aufnehmen.

Beruf Beliebtheit Übernahmequote
Kaufmann für Büromanagement sehr hoch 70-90%
Industriekaufmann hoch 80-95%
Fachinformatiker sehr hoch 85-95%
Pflegefachmann sehr hoch 90-100%
Mechatroniker mittel 80-95%
Anlagenmechaniker SHK mittel 85-95%
Verfahrensmechaniker mittel 80-90%
Friseur niedrig 60-80%
Koch mittel 70-85%

Die Übernahmequoten sind in Mangelberufen am höchsten. Wer als Pflegefachmann, Fachinformatiker oder kaufmännischer Mitarbeiter umschult, hat fast immer schon vor der Prüfung einen festen Vertrag.

Praxisbeispiel: Vom Lagerist zum Industriekaufmann

Markus, 38, arbeitet seit 15 Jahren als Lagerist in einem Logistikbetrieb in Bayreuth. Sein Rücken macht nicht mehr mit. Er beantragt bei der Deutschen Rentenversicherung eine Reha-Umschulung. Nach der Begutachtung wird ihm bestätigt, dass er nicht mehr im Lager arbeiten kann. In der Reha-Beratung kommen drei Optionen auf den Tisch: Industriekaufmann, Kaufmann für Büromanagement oder Logistikfachwirt.

Markus entscheidet sich für den Industriekaufmann, weil er weiterhin in der Logistikbranche arbeiten möchte. Er findet über die Agentur für Arbeit einen mittelständischen Industriebetrieb in Bamberg, der ihn als Umschüler aufnimmt. Der Umschulungsvertrag läuft über zwei Jahre. Die Lehrgangskosten und die Berufsschule zahlt die DRV. Markus bekommt zusätzlich Übergangsgeld von der DRV (68 Prozent seines letzten Nettoeinkommens) plus eine Ausbildungsvergütung vom Betrieb.

Nach zwei Jahren legt Markus die IHK-Prüfung als Industriekaufmann ab und wird vom Betrieb übernommen. Er verdient nun rund 2.700 Euro brutto und arbeitet körperlich entlastet im Büro. Sein Bruttogehalt steigt in den nächsten Jahren weiter.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen betrieblicher und schulischer Umschulung?

Betrieblich heißt: Du bist in einem realen Betrieb angestellt, bekommst eine Ausbildungsvergütung und gehst parallel in die Berufsschule. Schulisch heißt: Du bist bei einem Bildungsträger, lernst dort theoretisch und absolvierst die Praxisphasen in mehreren Partnerbetrieben (Praktika). Die Förderung ist bei beiden ähnlich, aber bei der betrieblichen Variante bekommst du zusätzlich die Ausbildungsvergütung vom Betrieb.

Bekomme ich bei der betrieblichen Umschulung wirklich Ausbildungsvergütung?

Ja. Der Betrieb schließt mit dir einen Umschulungsvertrag (vergleichbar mit einem Ausbildungsvertrag) und zahlt eine Vergütung. Diese liegt im ersten Jahr bei rund 800 bis 1.200 Euro brutto, im zweiten Jahr bei 1.000 bis 1.500 Euro. Die genaue Höhe hängt vom Tarifvertrag des Betriebs ab.

Kann ich die betriebliche Umschulung auch in Teilzeit machen?

Ja, eine Teilzeitumschulung ist möglich. Sie dauert dann länger (rund drei Jahre statt zwei). Voraussetzung ist meistens ein wichtiger Grund wie Kinderbetreuung oder Pflege eines Angehörigen. Sprich mit der Agentur für Arbeit und mit dem Betrieb darüber.

Was ist, wenn der Betrieb mich während der Umschulung kündigt?

Das ist selten, kommt aber vor. Im Umschulungsvertrag gelten die Regeln des Berufsbildungsgesetzes. In der Probezeit (meistens 4 Monate) ist eine Kündigung relativ einfach möglich, danach nur aus wichtigen Gründen. Wenn der Betrieb kündigt, hilft dir die Agentur für Arbeit, einen neuen Ausbildungsbetrieb zu finden.

Kann ich nach der Umschulung in einen anderen Betrieb wechseln?

Ja, du bist nach Abschluss frei. Viele Umschüler bleiben aber bei ihrem Ausbildungsbetrieb, weil die Übernahmechancen hoch sind und die Bindung stark ist. Eine Bindungsklausel im Umschulungsvertrag, die dich verpflichtet, ist juristisch in der Regel nicht durchsetzbar.

Lohnt sich die betriebliche Umschulung gegenüber einer schulischen?

Wenn du einen Betrieb findest, der dich aufnimmt: ja. Der Praxisbezug und die Übernahmechancen sind besser. Wenn du keinen Betrieb findest, ist die schulische Umschulung eine genauso gute Alternative. Beide Wege führen zum gleichen IHK-Abschluss.

Fazit: Praxisnah und finanziell sicher

Die betriebliche Umschulung ist 2026 die häufigste und meistens auch beste Form der Umschulung. Du bist in einem realen Betrieb, bekommst eine Vergütung und hast nach dem Abschluss meistens schon einen festen Vertrag in der Tasche. Voraussetzung ist, dass du einen passenden Betrieb findest.

Lass dich kostenlos zur passenden Förderung beraten und finde heraus, ob die betriebliche Umschulung der richtige Weg für dich ist. Wenn du bereits eine kaufmännische Erstausbildung oder fünf Jahre Berufserfahrung hast, ist eine zweijährige Umschulung oft gar nicht nötig. Dann reicht eine Aufstiegsfortbildung wie der Wirtschaftsfachwirt IHK berufsbegleitend in 11 Monaten.

Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?

Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.

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