Wer mit Mitte dreißig oder Mitte vierzig in die IT wechseln will, landet früher oder später bei der Frage, ob eine Umschulung im Betrieb der richtige Weg ist. Dieser Beitrag beantwortet sie für die IT- und Digitalberufe: welche Berufe es seit der Neuordnung 2020 gibt, wie lange die Umschulung dauert, was IT-Betriebe von Quereinsteigern erwarten und wann eine kürzere Weiterbildung klüger ist. Wie das Modell grundsätzlich funktioniert, mit Ausbildungsvergütung, Berufsschule und allen Kostenträgern, steht in unserem Grundlagenartikel zur betrieblichen Umschulung mit Modell, Förderung und Vorteilen.
Erst kostenlos reinschnuppern, dann entscheiden
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Kostenlos reinschnuppernDer Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Sechs IT-Berufe, die als Umschulung infrage kommen
Zum 1. August 2020 wurden die IT-Ausbildungsberufe neu geordnet. Seitdem gibt es den Fachinformatiker in vier Fachrichtungen, dazu die kaufmännischen Berufe Kaufmann für Digitalisierungsmanagement und Kaufmann für IT-System-Management. Alle sechs sind dreijährige Ausbildungsberufe mit Abschlussprüfung vor der IHK.
| Beruf | Womit du im Betrieb arbeitest | Passt oft zu Menschen aus |
|---|---|---|
| Fachinformatiker Anwendungsentwicklung | Software planen, programmieren und testen | Berufen mit viel Logik, Technikbegeisterten |
| Fachinformatiker Systemintegration | Netzwerke, Server, Benutzerkonten, Support | Handwerk, Elektro, technischem Kundendienst |
| Fachinformatiker Daten- und Prozessanalyse | Daten aufbereiten, Geschäftsprozesse digital abbilden | Verwaltung, Controlling, Logistik |
| Fachinformatiker Digitale Vernetzung | Vernetzte Systeme in Produktion und Gebäuden | Industrie, Mechatronik, Gebäudetechnik |
| Kaufmann für Digitalisierungsmanagement | IT-Bedarf ermitteln, Beschaffung, Prozesse verbessern | kaufmännischen Berufen, Einkauf, Büro |
| Kaufmann für IT-System-Management | IT-Lösungen beraten, anbieten, betreuen | Vertrieb, Kundenservice, Handel |
Die rechte Spalte gibt Beobachtungen aus der Beratung wieder.
Unterschätzt wird fast immer die Fachrichtung Daten- und Prozessanalyse. Wer jahrelang in der Verwaltung oder in einer Spedition gearbeitet hat, kennt die Abläufe, die dort digitalisiert werden sollen, besser als jeder Berufsanfänger. Genau dieses Prozesswissen ist in der Fachrichtung gefragt. Umgekehrt ist die Anwendungsentwicklung die Richtung, in der Quereinsteiger am häufigsten merken, dass ihnen das tägliche Programmieren doch nicht liegt.
Wie lange eine IT-Umschulung im Betrieb dauert
Die reguläre Ausbildung dauert drei Jahre. Damit die Agentur für Arbeit eine Umschulung in Vollzeit fördern kann, muss sie nach § 180 Abs. 4 SGB III in der Regel um mindestens ein Drittel der Ausbildungszeit verkürzt sein. Daraus ergeben sich die üblichen 24 Monate. Eine längere Dauer ist nur ausnahmsweise möglich, etwa wenn persönliche Gründe sie erfordern.
Zwei Jahre für den Stoff von drei heißt: weniger Wiederholung, schnelleres Tempo in der Berufsschule und eine Abschlussprüfung, die für Umschüler nicht leichter ist als für Auszubildende. Wer in dieser Zeit noch Familie organisiert, sollte vorher ehrlich rechnen, wie viele Abende pro Woche für Nacharbeit bleiben.
Was IT-Betriebe von Quereinsteigern erwarten
Ein Systemhaus oder die IT-Abteilung eines Mittelständlers spart mit einem Umschüler gegenüber einem Auszubildenden meist kein Geld. Betriebe nehmen Umschüler, wenn sie etwas mitbringen, das ein Schulabgänger nicht hat: Erfahrung mit Kunden oder Kenntnis einer Branche. Ein früherer Industriekaufmann versteht, warum eine Warenwirtschaft so aufgebaut ist, wie sie ist. Eine frühere Pflegekraft weiß, wie Dokumentationssoftware im Stationsalltag scheitert. Solche Erfahrungen gehören in die Bewerbung, und zwar konkret, mit einem Beispiel aus dem alten Job. Dazu kommen kleine, nachprüfbare Signale, dass du dich schon mit dem Fach beschäftigst: eine selbst gebaute Tabellenauswertung oder ein Heimnetz, das du eingerichtet hast. Profiwissen erwartet dort kaum jemand, wohl aber einen Beleg, wie du dir Neues aneignest.
Wo du Betriebe für eine IT-Umschulung findest
Die besten Chancen bestehen bei Betrieben, die ohnehin IT-Berufe ausbilden, denn dort gibt es Ausbilder und eine Verbindung zur Berufsschule. Dazu gehören Systemhäuser und IT-Dienstleister, Softwarehäuser, die IT-Abteilungen größerer Industrie- und Handelsbetriebe sowie Stadtwerke und Kommunalverwaltungen, die ihre eigenen Leute für die Verwaltungsdigitalisierung ausbilden.
Frag dort ausdrücklich nach einem Umschulungsvertrag. Viele Personalabteilungen denken bei Ausbildung nur an Schulabgänger und sortieren ältere Bewerber sonst aus. Die IHK-Lehrstellenbörse und der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit sind zusätzliche Quellen.
Unsere Einschätzung: Wann sich der lange Weg lohnt
In unseren Beratungsgesprächen sitzen regelmäßig Menschen, die „irgendwas mit IT“ machen wollen. Wenn wir nachfragen, wollen die meisten mit KI-Werkzeugen arbeiten und Abläufe automatisieren. Server oder Programmierung kommen in diesen Wünschen selten vor. Für diese Ziele sind zwei Jahre Umschulung mit IHK-Prüfung oft ein Umweg. Lohnen tut sich der lange Weg dann, wenn du wirklich den Beruf ausüben willst: als Administrator, als Entwickler, als Datenanalyst. Dann ist der IHK-Abschluss ein echter Türöffner, und ein Betrieb, der dich zwei Jahre ausbildet, hat ein Interesse daran, dich danach zu halten.
Die kürzere Alternative ohne IHK-Umschulung
Wer digitale Prozesse und KI im Arbeitsalltag gestalten will, ohne einen neuen Ausbildungsberuf zu erlernen, kann eine kompakte Weiterbildung wählen. Der Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und Künstliche Intelligenz bei SkillSprinters dauert 4 Monate in Vollzeit, läuft komplett online und setzt keine Programmierkenntnisse voraus. Er endet mit einem Trägerzertifikat, nicht mit einem IHK-Abschluss. Bei bewilligtem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit kostet er dich 0 Euro, über die Förderung entscheidet die Agentur im Einzelfall. Eine Vermittlung in Arbeit kann niemand garantieren, auch wir nicht.
Häufige Fragen
Kann ich eine IT-Umschulung im Betrieb ohne Vorkenntnisse beginnen?
Die Ausbildungsordnung verlangt keine bestimmten Vorkenntnisse. Betriebe und die Agentur für Arbeit prüfen aber, ob du für den Beruf geeignet bist, manchmal mit einem Eignungstest. Grundkenntnisse am Rechner und Interesse an Technik solltest du mitbringen.
Welche IT-Fachrichtung passt zu einem kaufmännischen Hintergrund?
Am nächsten liegen der Kaufmann für Digitalisierungsmanagement und der Fachinformatiker für Daten- und Prozessanalyse. Beide verbinden Geschäftsprozesse mit Technik, dein bisheriges Wissen über Abläufe zählt dort direkt.
Übernimmt die Agentur für Arbeit die Kosten einer IT-Umschulung im Betrieb?
Das ist möglich, wenn die Agentur die Umschulung für notwendig hält, etwa weil du arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist oder keinen Berufsabschluss hast. Die Agentur muss dich vor Beginn beraten haben, Maßnahme und Träger müssen zugelassen sein. Voraussetzung ist in der Regel die verkürzte Dauer von rund zwei Jahren. Kläre die Förderung vor der Unterschrift unter den Umschulungsvertrag.
Ist der Kaufmann für Digitalisierungsmanagement ein IT-Beruf?
Ja, er gehört seit 2020 zu den IT-Ausbildungsberufen. Der Schwerpunkt liegt auf Planung, Beschaffung und Prozessen, weniger auf Technik im Rechenzentrum oder Programmierung.
Alle Kostenträger, Voraussetzungen und kürzeren Alternativen findest du im Überblick: Umschulung 2026: alle Wege in deinen neuen Beruf.
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