Outplacement Rechte sind ein Thema, das kaum jemand kennt, bis er betroffen ist. Wenn dir dein Arbeitgeber im Rahmen einer Kündigung oder eines Aufhebungsvertrags "Outplacement-Beratung" anbietet, fragst du dich zu Recht: Was ist das überhaupt, was bringt es mir, und habe ich ein Recht darauf? Dieser Artikel erklärt, was hinter Outplacement steckt, welche Leistungen du erwarten kannst und wie du es am besten nutzt.
Hinweis: Die konkreten Bedingungen deines Outplacement-Angebots stehen in deinem individuellen Vertrag oder im Sozialplan. Dieser Artikel ist Orientierung, keine arbeitsrechtliche Beratung.
Das Wichtigste in Kürze
- Outplacement ist eine Beratungsleistung, die der alte Arbeitgeber für den Mitarbeiter bezahlt, um ihn beim Übergang in einen neuen Job zu unterstützen.
- Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf Outplacement, außer er ist im Sozialplan oder individuell vereinbart.
- Leistungen umfassen Karriereberatung, Bewerbungstraining, Marktanalyse und teilweise Vermittlung.
- Outplacement ist NICHT identisch mit einer Transfergesellschaft. Outplacement ist eine Beratung, die Transfergesellschaft ist eine Anstellung.
- Typischer Wert: 3.000 bis 15.000 Euro pro Mitarbeiter, je nach Hierarchieebene.
- Outplacement kann sinnvoll sein, ersetzt aber keine Weiterbildung. Beide Instrumente ergänzen sich.
Was Outplacement genau ist
Outplacement ist eine Beratungsleistung, die ein Arbeitgeber für einen ausscheidenden Mitarbeiter einkauft. Ein externes Beratungsunternehmen übernimmt die Unterstützung beim Übergang in einen neuen Job. Anders als bei der Transfergesellschaft bist du während des Outplacements nicht beim Berater angestellt, sondern nach wie vor beim alten Arbeitgeber (bis zum Austrittsdatum) oder bereits arbeitslos.
Typische Leistungen:
- Standortbestimmung: Gespräche über deine Skills, deine Ziele, deine Wünsche.
- Bewerbungsunterlagen: Überarbeitung von Lebenslauf, Anschreiben, LinkedIn-Profil.
- Marktanalyse: Welche Stellen gibt es für jemanden mit deinem Profil, und wo sind sie zu finden?
- Bewerbungstraining: Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche, Gehaltsverhandlungen, Assessment Center.
- Netzwerkaufbau: Kontakte zu Headhuntern und Personalvermittlern in deinem Feld.
- Begleitung bis zum neuen Vertrag: Viele Outplacement-Verträge laufen, bis du einen neuen Job unterschrieben hast (meist auf sechs bis zwölf Monate begrenzt).
Wer Outplacement anbietet
Outplacement-Beratung ist in Deutschland ein eigenes Marktsegment. Die größten Anbieter sind international tätige Beratungsfirmen wie Lee Hecht Harrison, Rundstedt, Kienbaum, Korn Ferry, aber auch deutsche Mittelständler und spezialisierte Coaches.
Der Arbeitgeber wählt in der Regel den Berater und schließt einen Vertrag mit ihm. Du als Mitarbeiter bekommst dann einen Ansprechpartner zugeteilt und nutzt die Leistungen, die dein Arbeitgeber vereinbart hat. Die Kosten trägt der Arbeitgeber vollständig, du zahlst nichts.
Hast du ein Recht auf Outplacement?
Gesetzlich: Nein. Es gibt keinen allgemeinen Anspruch auf Outplacement im deutschen Arbeitsrecht.
Praktisch: Manchmal. Ein Anspruch kann entstehen aus:
- Sozialplan: Wenn im Sozialplan bei einer Betriebsänderung Outplacement vorgesehen ist.
- Aufhebungsvertrag: Wenn du im Aufhebungsvertrag mit deinem Arbeitgeber Outplacement als Teil des Pakets aushandelst.
- Einzelvertrag: Bei Führungskräften häufig im Anstellungsvertrag vereinbart als Teil des Severance-Packages.
- Gerichtsvergleich: Bei Kündigungsschutzklagen wird Outplacement manchmal als Teil einer Einigung vereinbart.
Wer keinen rechtlichen Anspruch hat, kann es trotzdem aushandeln. Viele Arbeitgeber bieten Outplacement an, wenn sie ein konfliktfreies Ausscheiden wollen. Es ist für den Arbeitgeber oft günstiger als Gerichtsprozesse oder höhere Abfindungen.
Outplacement vs. Transfergesellschaft vs. Abfindung
Die drei Instrumente werden oft verwechselt, sind aber sehr unterschiedlich.
| Kriterium | Outplacement | Transfergesellschaft | Abfindung |
|---|---|---|---|
| Was du bekommst | Beratung | Anstellung + Beratung + WB | Geldsumme |
| Laufendes Einkommen | Nein (ALG I oder neuer Job) | 80-90% Netto | Nein |
| Dauer | 3-12 Monate Beratung | Bis 12 Monate Anstellung | Einmalig |
| Inklusive Weiterbildung | Meist nein | Ja, voll finanziert | Nein |
| Sperrzeit-Gefahr | Ja, bei Aufhebungsvertrag | Nein | Ja, bei Aufhebungsvertrag |
| Geldwert (typisch) | 3.000-15.000 Euro | 30.000-60.000 Euro | Individuell |
Outplacement ist die "kleine" Variante der Unterstützung beim Übergang. Die Transfergesellschaft ist die umfassende Variante. Die Abfindung ist die "Geld statt Service"-Variante.
In vielen Fällen werden Outplacement und Abfindung kombiniert: Du bekommst eine Abfindung, die Transfer-Leistungen sind inklusive Outplacement. Das ist oft die attraktivste Kombination für Führungskräfte oder bei kleineren Restrukturierungen, bei denen keine große Transfergesellschaft gegründet wird.
Wann Outplacement sinnvoll ist und wann nicht
Outplacement ist gut, wenn:
- Du eine Führungsposition hattest und Schwierigkeiten hast, eine vergleichbare neue Rolle zu finden.
- Du in einer Branche arbeitest, in der das Netzwerk entscheidend ist (Beratung, Marketing, Vertrieb).
- Du Unterstützung bei der Bewerbung brauchst und ein professionelles Feedback wertvoll für dich ist.
- Du verhandlungsstark in Bewerbungsgesprächen bist und der Berater dich auf die letzten Schliffe trainieren kann.
Outplacement ist weniger wertvoll, wenn:
- Du aus einer Produktion oder einem wenig spezialisierten Bereich kommst, wo Bewerbungen eher standardisiert laufen.
- Du eigentlich umsatteln willst (dann ist eine Weiterbildung wertvoller).
- Du schon sehr gut weißt, wohin du willst, und nur noch einen neuen Job unterschreiben musst.
- Du im Burnout bist und erst Zeit brauchst, bevor du wieder aktiv werden kannst (dann ist eine Krankschreibung wichtiger).
Ein konkretes Beispiel
Ein Marketing-Direktor bei einem Mittelständler in Bayern, 49 Jahre, 14 Jahre im Unternehmen. Im Rahmen einer Umstrukturierung wird sein Arbeitsplatz gestrichen. Im Aufhebungsvertrag verhandelt er ein Paket aus: Abfindung (etwa 14 Monatsgehälter), sechs Monate Outplacement bei einer renommierten Beratung, und zwei Monate bezahlte Freistellung zur Jobsuche.
Das Outplacement umfasst: Standortbestimmung, Lebenslauf-Überarbeitung, drei Coachings mit einem Senior-Berater, Vermittlung an Personalberater in seinem Segment, Bewerbungstraining und Vorbereitung auf Assessments. Nach fünf Monaten hat er einen neuen Job als Marketing-Director bei einem größeren Unternehmen in Nürnberg, allerdings mit 20 Prozent Gehaltssteigerung.
Er sagt später: Ohne das Outplacement hätte er wahrscheinlich drei bis sechs Monate länger gesucht, und die Gehaltsverhandlung am Ende wäre schlechter ausgegangen. Der Wert des Outplacement-Pakets lag bei etwa 12.000 Euro, sein finanzieller Nutzen war ein Vielfaches davon.
Was du vom Outplacement nicht erwarten solltest
Outplacement ist Beratung, nicht Vermittlung. Der Berater kennt Headhunter und Netzwerke, vermittelt dich aber nicht aktiv in eine Stelle. Das musst du selbst machen.
Die typischen Enttäuschungen:
- "Der Berater sucht mir einen Job": Nein, du suchst. Der Berater hilft dir, besser zu suchen.
- "Ich bekomme jetzt 20 Vorstellungsgespräche": Die Zahl der Gespräche hängt von deinem Profil und dem Arbeitsmarkt ab, nicht vom Outplacement.
- "Der Berater macht mir die Bewerbungen": Bewerbungen schreibst du selbst, der Berater gibt Feedback und Tipps.
- "Ich kriege automatisch bessere Jobs": Outplacement erhöht die Chance, richtig gute Jobs zu finden. Es garantiert sie nicht.
Mit realistischen Erwartungen ist Outplacement eine hilfreiche Unterstützung. Mit überhöhten Erwartungen enttäuscht es fast zwangsläufig.
Outplacement und Weiterbildung kombinieren
Outplacement und Weiterbildung schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Während der Berater dich beim Bewerben unterstützt, kannst du parallel eine Weiterbildung machen. Die Kosten für die Weiterbildung kannst du über:
- Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit (wenn du arbeitslos bist oder wirst)
- Aufstiegs-BAföG (wenn du eine Aufstiegsweiterbildung wie den Wirtschaftsfachwirt machst)
- Eigene Abfindung (wenn du die Abfindung in eine Investition in deine Zukunft umwandeln willst)
Ein Digitalisierungsmanager bei SkillSprinters ist dabei oft eine gute Wahl, weil er mit vier Monaten kurz ist und parallel zum Outplacement abgeschlossen werden kann. Nach dem Kurs bist du mit einer aktuellen Qualifikation am Markt und hast gleichzeitig die Beratung des Outplacement-Anbieters genutzt.
Häufige Fragen
Kann ich beim Outplacement den Berater selbst aussuchen?
Selten. In der Regel wählt dein Arbeitgeber den Berater und schließt den Vertrag. Manche Pakete geben dir aber eine Wahl zwischen zwei oder drei Anbietern. Wenn du Wahlfreiheit hast, frag nach Erfahrungen von ehemaligen Kollegen mit dem jeweiligen Berater.
Wird Outplacement aufs Arbeitslosengeld angerechnet?
Nein. Outplacement ist eine Sachleistung, keine Geldleistung an dich. Es wirkt sich nicht auf dein Arbeitslosengeld aus. Anders bei einer Abfindung: Die kann unter bestimmten Umständen eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld auslösen.
Wie lange dauert ein typisches Outplacement-Programm?
Je nach Hierarchieebene zwischen drei und zwölf Monaten. Fachkräfte bekommen oft drei bis sechs Monate, Führungskräfte sechs bis zwölf Monate, Top-Manager manchmal auch 18 Monate. Die konkrete Dauer steht im Vertrag.
Kann ich Outplacement auch nach dem Austritt nutzen?
Ja. Viele Outplacement-Programme beginnen erst nach dem Austrittsdatum und laufen über mehrere Monate danach. Manche laufen während der Freistellung vor dem Austrittsdatum. Die genauen Zeiten stehen im Vertrag zwischen Arbeitgeber und Berater.
Was passiert, wenn ich die Beratungstermine nicht wahrnehme?
In der Regel nichts Rechtliches. Outplacement ist ein Angebot, keine Pflicht. Du verschenkst aber eine wertvolle Leistung. Wenn du mehrere Termine ohne Absage ausfallen lässt, wird der Berater das deinem alten Arbeitgeber melden, was unschön sein kann.
Ist Outplacement auch für mittlere Positionen sinnvoll?
Ja, wenn du Beratung zu Bewerbungsstrategie, Lebenslauf und Vorstellungsgespräch brauchst. Für Produktions- und Lagermitarbeiter ist Outplacement oft weniger wertvoll als für kaufmännische oder Führungskräfte, weil die Bewerbungswege dort standardisierter sind.
Fazit
Outplacement ist ein nützliches Instrument beim beruflichen Übergang, aber kein Ersatz für eigene Initiative und schon gar kein Ersatz für eine Weiterbildung. Wenn dein Arbeitgeber dir Outplacement anbietet, nimm es an, nutze es aktiv und kombiniere es mit einer zukunftsorientierten Weiterbildung.
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