Den IHK Prüfung Wirtschaftsfachwirt Ablauf solltest du kennen, wenn du dich auf diese Aufstiegsfortbildung vorbereitest. Die Prüfung besteht aus zwei Teilprüfungen. Wirtschaftsbezogene Qualifikationen und Handlungsspezifische Qualifikationen, zu denen auch der mündliche Teil gehört. Insgesamt schreibst du vier Klausuren und zwei Situationsaufgaben und hältst eine Präsentation mit Fachgespräch.
Die Prüfungsstruktur im Überblick
Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ist eine Aufstiegsfortbildung auf DQR-Stufe 6, also Bachelor-Niveau. Die Prüfung wird von der Industrie- und Handelskammer abgenommen, die Regeln stehen bundesweit einheitlich in der Wirtschaftsfachwirt-Prüfungsverordnung (WFachwPrV). Die WBQ schreiben alle IHKs am selben Tag. Den Herbsttermin der HSQ legen die Kammern dagegen selbst fest, 2027 etwa Düsseldorf am 24. und 25. November, Bayreuth am 25. und 26. November.
Die Prüfung gliedert sich in zwei Teilprüfungen, die HSQ mit einem schriftlichen und einem mündlichen Teil:
- Wirtschaftsbezogene Qualifikationen (WBQ): 4 Klausuren an einem Tag
- Handlungsspezifische Qualifikationen (HSQ): 2 Situationsaufgaben an 2 Tagen
- Mündlicher Teil der HSQ: Präsentation und Fachgespräch an einem Tag
Die Reihenfolge ist vorgegeben: Die HSQ wird erst nach dem Ablegen der WBQ durchgeführt (§ 3 Abs. 5 WFachwPrV), und zur HSQ zugelassen wird nur, wessen abgelegte WBQ nicht länger als fünf Jahre zurückliegt (§ 2 Abs. 2 WFachwPrV). Die schriftlichen HSQ-Termine liegen jeweils einige Wochen nach den WBQ-Terminen derselben Prüfungsperiode. Ob du beide Teile in derselben Periode schreiben kannst, klärst du bei der Anmeldung mit deiner IHK.
Teil 1: Wirtschaftsbezogene Qualifikationen (WBQ)
Die WBQ-Prüfung besteht aus vier Klausuren an einem Tag. Die Verordnung schreibt Mindestzeiten von 60, 90, 60 und 90 Minuten vor, zusammen sollen es nicht mehr als 330 Minuten sein (§ 4 Abs. 5 WFachwPrV). Die IHKs Düsseldorf und Bayreuth setzen 75, 90, 75 und 90 Minuten an.
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Klausur 1 und 2
Volks- und Betriebswirtschaft (75 Minuten) - Volkswirtschaftliche Grundlagen: Angebot und Nachfrage, Konjunktur, Geldpolitik - Betriebswirtschaftliche Grundlagen: Unternehmensformen, Standortfaktoren, Betriebsorganisation - Außenwirtschaft: Zahlungsbilanz, Wechselkurse, EU-Binnenmarkt
Rechnungswesen (90 Minuten) - Buchführung und Abschlüsse: Bilanz, GuV, doppelte Buchführung - Kosten- und Leistungsrechnung: Vollkosten, Teilkosten, Plankostenrechnung, Break-even - Abschreibungen: Linear, degressiv (seit Juli 2025: 3x linearer Satz, max. 30%), Sammelposten
Klausur 3 und 4
Recht und Steuern (75 Minuten) - Bürgerliches Recht: Kaufvertrag, AGB, Mängelrechte - Handels- und Gesellschaftsrecht: OHG, KG, GmbH, AG - Arbeitsrecht: Kündigungsschutz, Betriebsverfassung - Steuerrecht: Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer
Unternehmensführung (90 Minuten) - Betriebsorganisation und Projektmanagement - Personalführung und Personalentwicklung - Planungs- und Analysemethoden
Gut zu wissen: Die WBQ-Prüfung ist identisch für Wirtschaftsfachwirte, Industriefachwirte und Technische Fachwirte. Alle drei Qualifikationen schreiben am selben Tag die gleichen Aufgaben. Übungsmaterial aus allen drei Bereichen ist damit brauchbar.
Zur Bewertung. Jede Klausur muss mit mindestens 50 Punkten (von 100) bestanden werden. Wenn du in genau einem Fach zwischen 30 und 49 Punkten landest, wird eine mündliche Ergänzungsprüfung (ca. 15 Minuten) angeboten. Die schriftliche Note zählt dabei doppelt. Bei zwei oder mehr mangelhaften Fächern oder einer ungenügenden Leistung (unter 30 Punkten) gibt es keine Ausgleichsmöglichkeit.
Teil 2: Handlungsspezifische Qualifikationen (HSQ)
Die HSQ-Prüfung ist der WFW-spezifische Teil. Hier unterscheidet sich der Wirtschaftsfachwirt von anderen Fachwirten. Geprüft wird schriftlich auf der Grundlage einer betrieblichen Situationsbeschreibung mit zwei aufeinander abgestimmten Aufgabenstellungen, die zusammen 480 bis 510 Minuten dauern sollen (§ 5 Abs. 6 WFachwPrV). Die schriftliche Prüfung umfasst alle fünf Handlungsbereiche: Betriebliches Management; Investition, Finanzierung, betriebliches Rechnungswesen und Controlling; Logistik; Marketing und Vertrieb; Führung und Zusammenarbeit (§ 3 Abs. 3 WFachwPrV).
Situationsaufgabe 1
Erster Prüfungstag (240 Minuten in Düsseldorf und Bayreuth) - Erste Aufgabenstellung zur betrieblichen Situationsbeschreibung - Fragen aus mehreren Handlungsbereichen, verknüpft an einem Fall
Situationsaufgabe 2
Zweiter Prüfungstag (240 Minuten in Düsseldorf und Bayreuth) - Zweite, auf Aufgabe 1 abgestimmte Aufgabenstellung zur selben Situation - Gleich gewichtet: Die Punkte der schriftlichen HSQ bilden sich aus beiden Teilergebnissen
Was in den Handlungsbereichen geprüft werden kann, zählt § 5 WFachwPrV auf, zum Beispiel betriebliche Planungsprozesse und Wissensmanagement, Investitionsrechnung, Finanzierungsarten und Controlling, Einkauf und Materialwirtschaft, Marketingplanung und Vertriebsmanagement sowie Mitarbeitergespräche, Konfliktmanagement und Ausbildung. Bleibst du bei einer der beiden Situationsaufgaben weg, musst du nach Angabe der IHK Bayreuth beide nachholen; einzeln abgelegte Situationsaufgaben werden nicht angerechnet.
Die HSQ ist anspruchsvoller als die WBQ. Aufgaben sind stärker fallbezogen und verlangen, dass du Wissen aus verschiedenen Bereichen verknüpfst. Statt einzelner Wissensfragen bekommst du Unternehmensszenarien, die du analysieren musst.
Die mündliche Prüfung im HSQ-Teil
Die mündliche Prüfung findet statt, nachdem du beide schriftlichen Teile bestanden hast. Den Termin legt die IHK fest, nach Bedarf und Verfügbarkeit der Prüfer, wie es etwa die IHK Bayreuth beschreibt (§ 3 Abs. 6 WFachwPrV).
Ein eigenes Thema reichst du nicht ein. Das Fachgespräch baut auf der Aufgabenstellung der schriftlichen Situationsaufgabe auf, bezieht sich auf die Inhalte beider Teilprüfungen und hat seinen Schwerpunkt in Führung und Zusammenarbeit (§ 3 Abs. 6 WFachwPrV). Am Prüfungstag hast du höchstens 30 Minuten Vorbereitungszeit. Dann präsentierst du, bei der IHK Bayreuth höchstens 10 Minuten, mit Hilfsmitteln wie Flipchart. Danach folgt das Fachgespräch; Präsentation und Gespräch sollen zusammen nicht länger als 30 Minuten dauern.
Fachgespräch und Präsentation werden zu einer Bewertung zusammengefasst, die Präsentation zählt zu einem Drittel, das Gespräch zu zwei Dritteln (§ 7 Abs. 3 WFachwPrV). Du brauchst darin mindestens 50 Punkte (§ 8 Abs. 1 WFachwPrV). Prüfer schätzen es, wenn du konkrete Beispiele aus deinem Arbeitsalltag einbringst.
Prüfungstermine und Anmeldung
Die IHKs prüfen zweimal jährlich. Die WBQ läuft 2027 bundeseinheitlich am 17. März und am 13. Oktober. Die schriftliche HSQ folgt jeweils einige Wochen später, im Frühjahr am 20. und 21. April 2027, im Herbst im November, den Tag legt deine IHK fest (Düsseldorf 24. und 25. November, Bayreuth 25. und 26. November 2027).
Ein möglicher Zeitplan: WBQ im Oktober 2026, schriftliche HSQ im April 2027, danach das Fachgespräch zu einem Termin, den die IHK festlegt.
Der Anmeldeschluss liegt je nach IHK rund drei Monate vor dem Prüfungstermin, für die WBQ am 13. Oktober 2027 etwa am 13. Juli in Bayreuth und Düsseldorf und am 15. Juli in Köln. Wie du dich anmeldest, regelt deine IHK; die IHK Bayreuth verlangt dafür etwa Abschlusszeugnisse und eine Arbeitgeberbestätigung über Art und Dauer der Tätigkeit.
Zur WBQ zugelassen wird nach § 2 Abs. 1 WFachwPrV, wer eine kaufmännische oder verwaltende Ausbildung, eine andere Ausbildung plus Berufspraxis oder drei Jahre Berufspraxis nachweist. Die Praxis soll im kaufmännischen oder verwaltenden Bereich liegen (§ 2 Abs. 3 WFachwPrV). Für die HSQ kommt ein Jahr Berufspraxis hinzu, und die abgelegte WBQ darf nicht länger als fünf Jahre zurückliegen (§ 2 Abs. 2 WFachwPrV). Über die Zulassung entscheidet die IHK.
Zuständig ist in der Regel die IHK an deinem Wohnsitz oder Arbeitsort, eine andere Kammer prüft dich nur ausnahmsweise. Das regelt jede Kammer in ihrer Prüfungsordnung, bei der IHK Bayreuth etwa braucht es dafür eine Freistellung durch die Heimatkammer.
Kosten der Prüfung
Die Prüfungsgebühren variieren je nach IHK. Hier die Gebühren der IHKs Düsseldorf, Bayreuth und Hannover, Stand Oktober 2026:
| Posten | Kosten |
|---|---|
| WBQ-Prüfung | 293 bis 362 EUR |
| HSQ-Prüfung (Teil 2) | 400 bis 429 EUR |
| Mündliche Prüfung | in der HSQ-Gebühr enthalten |
| Gesamt Prüfungsgebühr | 709 bis 791 EUR |
| Lehrgangsgebühr (SkillSprinters) | 3.997 EUR |
| Gesamtkosten | ca. 4.700 bis 4.800 EUR |
Mit Aufstiegs-BAföG werden 50% der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren als Zuschuss gezahlt. Die restlichen 50% gibt es als zinsgünstiges Darlehen, von dem bei Bestehen nochmal 50% erlassen werden. Effektiver Eigenanteil: ca. 1.000 EUR. In Bayern, Hessen und weiteren Bundesländern gibt es zusätzlich eine Meisterprämie von bis zu 3.500 EUR. Mehr zum Thema auf der Förderungsübersicht oder direkt beim WFW-Gehaltsrechner.
Bestehen und Wiederholung
Bestanden hast du, wenn du in jedem der vier WBQ-Bereiche, in der schriftlichen Situationsaufgabe und in der zusammengefassten Bewertung von Fachgespräch und Präsentation jeweils mindestens 50 Punkte erreichst (§ 8 Abs. 1 WFachwPrV). In die Gesamtnote geht die WBQ mit 25 Prozent ein, die schriftliche HSQ mit 50 Prozent und das Fachgespräch mit Präsentation mit 25 Prozent (§ 8 Abs. 4 WFachwPrV).
Zur Wiederholung. Jede nicht bestandene Teilprüfung kann zweimal wiederholt werden (§ 10 Abs. 1 WFachwPrV). Drei Versuche pro Teil insgesamt. Von Leistungen, die mindestens ausreichend waren, wirst du befreit, wenn du dich innerhalb von zwei Jahren nach der nicht bestandenen Prüfung zur Wiederholung anmeldest (§ 10 Abs. 2 WFachwPrV). Die Wiederholung ist beim nächsten regulären Prüfungstermin möglich, also nach rund sechs Monaten.
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So bereitest du dich optimal vor
Ein guter Vorbereitungskurs macht den Unterschied. Bei SkillSprinters läuft der Wirtschaftsfachwirt-Kurs komplett online, dienstags und donnerstags von 18 bis 21 Uhr. 12 Monate, neben dem Beruf, mit Live-Unterricht statt Selbstlernvideos.
Rechne mit 10 bis 15 Stunden Lernaufwand pro Woche neben dem Kurs. 6 Stunden Kurszeit plus 4 bis 9 Stunden Selbststudium für Aufgaben, Altklausuren und Zusammenfassungen.
Drei Monate vor der Prüfung alle Themen einmal durcharbeiten und Schwächen identifizieren. Zwei Monate vorher gezielt nacharbeiten, erste Probeklausuren schreiben. Einen Monat vorher Probeklausuren unter echten Bedingungen, also mit Zeitlimit und ohne Nachschlagen. In der letzten Woche nur noch Formeln und Schlüsselbegriffe wiederholen, keine neuen Themen mehr.
Operatoren kennen
Die IHK nutzt standardisierte Operatoren, die dir sagen, was genau verlangt wird: - Nennen: Aufzählung ohne Erklärung - Beschreiben: Sachverhalt in eigenen Worten darstellen - Erläutern: Sachverhalt erklären und mit Beispielen verdeutlichen - Beurteilen: Sachverhalt anhand von Kriterien bewerten und Stellung nehmen - Berechnen: Rechnerische Lösung mit Rechenweg und Ergebnis
Wer "Nennen" und "Erläutern" verwechselt, verschenkt Punkte. Bei "Nennen" reichen Stichpunkte, bei "Erläutern" erwartet der Prüfer vollständige Sätze mit Begründung. Das ist in der Praxis der häufigste Punkteverlust bei unseren Teilnehmern. Inhaltlich richtig, aber Operatorentreue fehlt. Wer einmal die Logik der Operatoren durchschaut hat, schreibt in Folgeklausuren routiniert den richtigen Umfang.
Häufige Fragen
In welcher Reihenfolge sollte ich WBQ und HSQ ablegen?
Die Reihenfolge ist vorgegeben: erst die WBQ, dann die HSQ. Die HSQ wird nach § 3 Abs. 5 WFachwPrV erst nach dem Ablegen der WBQ durchgeführt, und das Fachgespräch folgt erst, wenn alle schriftlichen Leistungen bestanden sind. Ob du die schriftliche HSQ schon in derselben Prüfungsperiode wie die WBQ schreiben kannst, klärst du bei der Anmeldung mit deiner IHK.
Wie lange gilt ein bestandener Prüfungsteil?
Für die Zulassung zur HSQ darf die abgelegte WBQ nicht länger als fünf Jahre zurückliegen (§ 2 Abs. 2 WFachwPrV). Wenn du die WBQ im Oktober 2026 ablegst und die HSQ im April 2028 schreibst, passt das also. Fällst du durch, wirst du von bereits ausreichenden Leistungen nur befreit, wenn du dich innerhalb von zwei Jahren zur Wiederholung anmeldest (§ 10 Abs. 2 WFachwPrV).
Was darf ich in die Prüfung mitnehmen?
Zugelassene Hilfsmittel sind ein nicht-programmierbarer Taschenrechner und unkommentierte Gesetzestexte. Manche IHKs stellen Gesetzestexte, bei anderen musst du sie selbst mitbringen. Die genauen Regelungen stehen in der Einladung.
Wie hoch ist die Prüfungsgebühr bei Wiederholung?
Die Gebühr für eine Wiederholung legt jede IHK in ihrer Gebührenordnung fest, die IHK Düsseldorf verweist dafür ausdrücklich auf ihre Gebührenordnung. Das Aufstiegs-BAföG fördert Lehrgangs- und Prüfungsgebühren (§ 12 Abs. 1 AFBG). Ob auch die Gebühr einer Wiederholungsprüfung darunter fällt, klärst du mit deinem Amt. Was du selbst trägst, kannst du in der Regel als Werbungskosten steuerlich absetzen.
Lohnt sich der Wirtschaftsfachwirt finanziell?
Ja. Der durchschnittliche Gehaltssprung nach dem WFW liegt bei 15 bis 25%, abhängig von Branche und Position. Bei einem Brutto von 3.000 EUR vor dem WFW und 3.600 EUR danach sind das 7.200 EUR Mehrgehalt pro Jahr. Nach 5 Jahren 36.000 EUR mehr verdient. Bei Eigenkosten von ca. 1.000 EUR (nach BAföG) amortisiert sich das innerhalb weniger Monate. Rechne deinen persönlichen ROI mit dem WFW-Gehaltsrechner.
Kann ich die IHK-Prüfung auch ohne Lehrgang ablegen?
Theoretisch ja. Die IHK prüft bei der Anmeldung nur die Zulassungsvoraussetzungen nach § 2 WFachwPrV (kaufmännische oder verwaltende Ausbildung, andere Ausbildung mit Berufspraxis oder drei Jahre einschlägige Berufspraxis), nicht ob du einen Kurs besucht hast. Praktisch ist das Risiko ohne strukturierte Vorbereitung hoch.
Aufsteigen neben dem Job?
Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ist gleichgestellt mit einem Bachelor, aber ohne Studium und ohne Vollzeit. Rechne in einer Minute aus, was dich der Abschluss kostet und was er dir bringt.