Die DEKRA-AZAV-Zertifizierung ist die Prüfung und Bestätigung durch die DEKRA als akkreditierte fachkundige Stelle, dass ein Bildungsträger und seine Weiterbildungen die Anforderungen der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung erfüllen. Ohne sie kann ein Anbieter keine Bildungsgutscheine annehmen. Die DEKRA ist eine von rund 33 in Deutschland zugelassenen Prüfstellen.

Wenn auf der Webseite eines Bildungsträgers das DEKRA-Siegel hängt oder im Flyer von DEKRA-zertifiziert nach AZAV die Rede ist, dann meint das immer denselben Vorgang. Eine externe Prüfgesellschaft hat den Anbieter unter die Lupe genommen, ein Audit durchgeführt und ein Zertifikat ausgestellt. Hier ist, was das tatsächlich bedeutet und was es nicht bedeutet.

Definition: Externe Qualitätsprüfung im Auftrag des Staates

Die DEKRA-AZAV-Zertifizierung ist die formale Bestätigung durch die DEKRA Certification GmbH, dass ein Bildungsträger und seine Maßnahmen den Anforderungen der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung genügen. Die rechtliche Grundlage ist §§ 176 bis 184 SGB III. DEKRA ist dabei keine Behörde, sondern eine private Prüfgesellschaft, die selbst durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) als fachkundige Stelle akkreditiert ist. Über diese doppelte Schiene, DEKRA prüft Bildungsträger, DAkkS prüft DEKRA, sichert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Qualität.

Das Verfahren hat zwei Komponenten. Erstens die Trägerzertifizierung: Der Bildungsträger als Organisation wird auf Strukturen, Prozesse, Personalqualifikation und Qualitätsmanagement geprüft. Zweitens die Maßnahmenzertifizierung: Jede einzelne Weiterbildung wird einzeln auf Inhalt, Dauer, Lernziele und Eignung für den Arbeitsmarkt geprüft. Beide Zertifikate sind nötig, damit ein Kurs über einen Bildungsgutschein abgerechnet werden kann.

Wer braucht eine DEKRA-AZAV-Zertifizierung?

Wer in Deutschland Weiterbildung anbietet, die über die Bundesagentur für Arbeit oder ein Jobcenter bezahlt werden soll, braucht zwingend eine AZAV-Zertifizierung von einer akkreditierten Prüfstelle. DEKRA ist eine davon. Es gibt rund ein Dutzend bekannte Wettbewerber wie TÜV Süd, TÜV Nord, CertEuropA oder CERTQUA. Insgesamt sind nach Angaben der DAkkS aktuell rund 33 fachkundige Stellen akkreditiert. Die Anzahl ändert sich, weil Akkreditierungen ablaufen oder neue erteilt werden.

Privatzahler, die einen Sprachkurs oder ein Coaching aus eigener Tasche bezahlen, profitieren indirekt von der Zertifizierung. Sie ist ein Qualitätssignal. Verpflichtend ist sie für diese Gruppe nicht.

Wie funktioniert das Audit?

Das Verfahren hat eine klare Reihenfolge. Wer als Bildungsträger die Zertifizierung anstrebt, durchläuft typischerweise diese Stufen.

Stufe Was passiert Dauer
Anfrage und Vertrag Bildungsträger beauftragt DEKRA, klärt Umfang und Honorar 2-4 Wochen
Dokumentenprüfung DEKRA prüft Qualitätshandbuch, Konzepte, Verträge 4-8 Wochen
Vor-Ort-Audit Auditor besucht den Träger, spricht mit Mitarbeitern, prüft Räume und Technik 1-3 Tage
Bewertung und Zertifikat DEKRA stellt Trägerzertifikat aus 4-6 Wochen
Maßnahmenprüfung Jede Weiterbildung einzeln eingereicht und geprüft 4-8 Wochen je Maßnahme
Überwachungsaudit Jährliche Überprüfung, ob Anforderungen weiter eingehalten werden jährlich, 1 Tag
Re-Zertifizierung Komplettprüfung am Ende der Zertifikatslaufzeit alle 5 Jahre

Das Trägerzertifikat ist 5 Jahre gültig, das Maßnahmenzertifikat orientiert sich daran. Bei jeder Verlängerung läuft das ganze Verfahren erneut. Wer durchfällt, verliert die Zulassung und damit die Möglichkeit, Bildungsgutscheine entgegenzunehmen.

Was wird konkret geprüft?

Das Audit ist umfangreicher, als viele denken. Bei der Trägerzertifizierung schaut die DEKRA auf folgende Bereiche.

Bereich Prüffrage
Leistungsfähigkeit Hat der Träger genug Personal, Räume, Technik?
Personalqualifikation Sind Dozenten fachlich und pädagogisch qualifiziert?
Qualitätsmanagement Gibt es ein dokumentiertes QM-System mit Zielen, Messung, Verbesserung?
Lernerfolg Wie wird gemessen, ob Teilnehmer wirklich lernen?
Vermittlungsorientierung Wie unterstützt der Träger Teilnehmer bei der Jobsuche?
Ausstattung Sind Räume, Technik und Lehrmaterial zeitgemäß?
Vertragspraxis Sind Teilnahmeverträge transparent und rechtssicher?

Bei der Maßnahmenzertifizierung kommen Inhaltsprüfungen dazu: Sind die Lernziele klar? Passt die Dauer zum Inhalt? Ist die Maßnahme arbeitsmarktrelevant? Werden moderne Methoden eingesetzt?

Was kostet das?

Die Zertifizierung ist nicht billig. Für einen kleineren Bildungsträger fallen typischerweise 5.000 bis 15.000 Euro für die initiale Trägerzertifizierung an, hinzu kommen 1.500 bis 4.000 Euro pro Maßnahme. Die jährlichen Überwachungsaudits kosten 1.500 bis 3.000 Euro. Die Re-Zertifizierung alle fünf Jahre liegt etwa auf dem Niveau der Erstzertifizierung.

Diese Kosten erklären, warum kleine Anbieter manchmal keine AZAV-Zertifizierung haben und nur Privatzahler bedienen. Für die meisten ernsthaften Bildungsträger sind die Ausgaben aber notwendig, weil ohne Zertifizierung der größte Teil des Marktes wegfällt.

Welche Bedeutung hat die Zertifizierung für Teilnehmer?

Wer Teilnehmer ist und keinen Bildungsgutschein hat, kann ohne Zertifizierung leben. Wer einen Gutschein hat oder beantragen will, hat keine Wahl: nur AZAV-zertifizierte Maßnahmen werden bezahlt. Stand 25.04.2026 listet die offizielle Datenbank der Bundesagentur für Arbeit nur AZAV-zertifizierte Anbieter und Maßnahmen für Bildungsgutschein-Förderung. Das ist auch der Grund, warum sich Bildungssuchende an dieser Zertifizierung orientieren sollten.

Außerdem: Die Zertifizierung ist ein Qualitätsindikator, kein Garant. Sie sagt, dass ein Anbieter Mindestanforderungen erfüllt. Sie sagt nichts darüber, ob die Dozenten gut erklären können oder ob das Lernumfeld motivierend ist. Bewertungen, Erfahrungsberichte und persönliche Gespräche bleiben wichtig.

Beispiel SkillSprinters

Konkret: SkillSprinters ist DEKRA-AZAV-zertifizierter Bildungsträger. Das Trägerzertifikat hat die Nummer 31T0922097 und ist gültig bis 28.09.2027. Das Maßnahmenzertifikat für die Digitalisierungsmanager-Weiterbildung trägt die Nummer 723/0097/2026. Diese Nummern stehen auf jedem Bildungsgutschein-Antrag, den die zuständige AfA-Sachbearbeitung bekommt. Wer das System verstehen will, schaut sich diese beiden Zertifikate an.

Häufige Missverständnisse

Was die DEKRA-AZAV-Zertifizierung nicht ist: Sie ist kein TÜV-Siegel im umgangssprachlichen Sinne. TÜV Süd und TÜV Nord sind eigene fachkundige Stellen, die ebenfalls AZAV-zertifizieren. Wer DEKRA-zertifiziert ist, ist nicht TÜV-zertifiziert und umgekehrt. Beide sind im Grundsatz gleichwertig.

Sie ist auch kein IHK-Zertifikat. IHK-Abschlüsse sind staatlich anerkannte Berufsabschlüsse mit eigener Prüfungsverordnung. AZAV-Zertifizierung sagt nur etwas über den Bildungsträger und die Maßnahme aus, nicht über den Abschluss, den der Teilnehmer am Ende bekommt. Eine Wirtschaftsfachwirt-Prüfung wird zum Beispiel von der IHK abgenommen, der Vorbereitungskurs kann AZAV-zertifiziert sein. Das sind zwei getrennte Vorgänge.

Sie ist drittens auch keine Garantie für Vermittlungserfolg. Wer einen DigiMan- oder Wirtschaftsfachwirt-Kurs abschließt, hat einen Abschluss. Eine Stelle bekommt er deswegen nicht automatisch. Vermittlungsquoten sind eine eigene Größe, die nicht im Zertifikat steht.

Naechste Schritte

Wer eine Weiterbildung plant und sich an der Zertifizierung orientieren will, schaut auf drei Dinge. Erstens: Hat der Anbieter ein gültiges Trägerzertifikat? Die Nummer und das Ablaufdatum sollten auf der Webseite stehen. Zweitens: Hat die konkrete Weiterbildung ein Maßnahmenzertifikat? Auch hier gehört die Nummer in den Kursinformationen. Drittens: Steht der Anbieter im KURSNET der Bundesagentur für Arbeit? Wer dort gelistet ist, kann Bildungsgutscheine annehmen.

Häufige Fragen

Was bedeutet AZAV?

AZAV ist die Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung. Sie regelt, welche Bildungsträger und welche Weiterbildungen über die Bundesagentur für Arbeit oder ein Jobcenter finanziert werden dürfen. Rechtsgrundlage sind §§ 176 bis 184 SGB III. Sie gilt verbindlich seit dem 01.04.2012.

Ist die DEKRA besser als der TÜV?

Nein, beide sind gleichwertige akkreditierte fachkundige Stellen. Wer DEKRA wählt, hat keine objektiven Vorteile gegenüber TÜV Süd, TÜV Nord oder CertEuropA. Die Wahl der Prüfstelle ist Sache des Bildungsträgers. Aus Teilnehmersicht macht das keinen Unterschied.

Wie lange ist eine DEKRA-AZAV-Zertifizierung gültig?

Trägerzertifikate sind in der Regel 5 Jahre gültig. Innerhalb dieser Zeit gibt es jährliche Überwachungsaudits. Maßnahmenzertifikate orientieren sich an der Trägerzertifizierung. Vor Ablauf läuft das Verfahren komplett erneut, was Re-Zertifizierung heißt.

Was kostet eine AZAV-Zertifizierung den Bildungsträger?

Die initiale Trägerzertifizierung liegt typischerweise zwischen 5.000 und 15.000 Euro, eine Maßnahmenzertifizierung zwischen 1.500 und 4.000 Euro. Hinzu kommen jährliche Überwachungsaudits. Diese Kosten zahlt der Bildungsträger, nicht der Teilnehmer.

Ohne AZAV kein Bildungsgutschein, stimmt das?

Ja. Die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter dürfen Bildungsgutscheine nur für Maßnahmen ausstellen, die nach AZAV zertifiziert sind. Ohne diese Zertifizierung scheitert die Abrechnung. Stand 25.04.2026 ist das verbindliche Praxis und wird auch auf jedem Bildungsgutschein-Antrag geprüft.

Wo finde ich AZAV-zertifizierte Bildungsträger?

Die offizielle Datenbank der Bundesagentur für Arbeit heißt KURSNET. Dort sind alle zertifizierten Maßnahmen und Träger gelistet, mit Kursdaten, Standorten und Maßnahmen-Nummern. Suchbegriffe wie Digitalisierungsmanager, Wirtschaftsfachwirt oder andere Berufsbezeichnungen liefern direkt passende Anbieter. Daneben kann jeder Träger über seine eigene Webseite nachweisen, dass er zertifiziert ist.

Zuletzt aktualisiert: 25.04.2026

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