Seit Februar 2025 verpflichtet der EU AI Act Unternehmen, die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeiter sicherzustellen. Was viele Geschäftsführer nicht wissen: Für genau diese Weiterbildung gibt es bereits eine staatliche Förderung. Das Qualifizierungschancengesetz (QCG) ermöglicht es, dass die Agentur für Arbeit bis zu 100% der Weiterbildungskosten für Ihre Beschäftigten übernimmt. In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Förderung funktioniert, wer Anspruch hat und wie Sie sie beantragen.

Was ist das Qualifizierungschancengesetz?

Das Qualifizierungschancengesetz ist seit dem 1. Januar 2019 in Kraft (§ 82 SGB III) und wurde seitdem mehrfach erweitert. Es richtet sich an Unternehmen, die ihre Beschäftigten weiterbilden möchten, um sie fit für den digitalen und strukturellen Wandel zu machen.

Der Kern: Die Agentur für Arbeit übernimmt einen Teil oder die gesamten Lehrgangskosten und gewährt dem Arbeitgeber einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt während der Weiterbildung.

Wichtig: Das QCG richtet sich an Beschäftigte, also an Mitarbeiter in einem bestehenden Arbeitsverhältnis. Für Arbeitslose gibt es den Bildungsgutschein. Es geht darum, vorhandene Mitarbeiter für neue Aufgaben zu qualifizieren.

Förderquoten nach Unternehmensgröße

UnternehmensgrößeLehrgangskostenLohnzuschuss
Weniger als 10 MitarbeiterBis zu 100%Bis zu 75%
10 bis 249 Mitarbeiter50% bis 100%Bis zu 50%
Ab 250 Mitarbeiter25% bis 50%Bis zu 25%

Bei Kleinbetrieben mit weniger als 10 Mitarbeitern kann die Agentur für Arbeit also die kompletten Kursgebühren und zusätzlich 75% des Lohns während der Weiterbildungszeit übernehmen. Für den Arbeitgeber entstehen praktisch keine Kosten.

Welche Weiterbildungen werden gefördert?

1. AZAV-Zertifizierung

Der Bildungsträger muss nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert sein.

2. Umfang

Die Weiterbildung muss mehr als 120 Stunden umfassen. Kurze Tagesschulungen fallen nicht darunter.

3. Zukunftsrelevanz

Die Weiterbildung muss Kenntnisse vermitteln, die über arbeitsplatzbezogene Anpassungsfortbildungen hinausgehen. KI und Digitalisierung erfüllen dieses Kriterium.

4. Letzte Weiterbildung

Die letzte vergleichbare geförderte Weiterbildung muss mindestens vier Jahre zurückliegen.

Rechenbeispiel: 3 Mitarbeiter KI-qualifizieren

Ohne Förderung

PositionKosten
Kursgebühren (3 x ca. 9.700 EUR)29.100 EUR
Lohnfortzahlung 4 Monate (3 x ca. 16.000 EUR brutto)48.000 EUR
Gesamtkosten77.100 EUR

Mit QCG (10-249 Mitarbeiter)

PositionRegulärFörderung (50%)Eigenanteil
Kursgebühren29.100 EUR14.550 EUR14.550 EUR
Lohnfortzahlung48.000 EUR24.000 EUR24.000 EUR
Gesamt77.100 EUR38.550 EUR38.550 EUR

Für Kleinbetriebe (unter 10 MA)

PositionRegulärFörderungEigenanteil
Kursgebühren (1 Mitarbeiter)9.700 EUR9.700 EUR (100%)0 EUR
Lohnfortzahlung16.000 EUR12.000 EUR (75%)4.000 EUR
Gesamt25.700 EUR21.700 EUR4.000 EUR

Wie beantragen Sie die Förderung?

Schritt 1: Arbeitgeber-Service kontaktieren

Rufen Sie den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit an (0800 4 5555 20, kostenfrei) oder kontaktieren Sie Ihre zuständige Agentur direkt.

Schritt 2: Beratungsgespräch

Bringen Sie mit: Unternehmensgröße, welche Mitarbeiter weitergebildet werden sollen, welche Weiterbildung geplant ist, und warum sie notwendig ist.

Schritt 3: Weiterbildung auswählen

Wählen Sie einen AZAV-zertifizierten Bildungsträger. Der Kurs muss in KURSNET gelistet sein.

Schritt 4: Antrag stellen

Der Antrag muss vor Beginn der Weiterbildung bewilligt werden. Planen Sie 4-8 Wochen Vorlauf ein.

Schritt 5: Weiterbildung durchführen

Nach Bewilligung beginnt die Weiterbildung. Der Mitarbeiter bleibt bei Ihnen angestellt.

Art. 4 EU AI Act + QCG = Pflicht erfüllen, Staat zahlt

Die Kombination ist logisch: Art. 4 des EU AI Act verpflichtet Sie, die KI-Kompetenz Ihrer Mitarbeiter sicherzustellen. Das Qualifizierungschancengesetz bietet Ihnen die Möglichkeit, genau diese Pflicht mit staatlicher Förderung zu erfüllen.

ThemaOhne QCGMit QCG
Art. 4 ComplianceInterne Schulung auf eigene KostenExterne Weiterbildung, Staat zahlt
QualitätAbhängig von internem Know-howAZAV-zertifiziert, geprüfte Qualität
NachweisEigene DokumentationZertifikat eines geprüften Anbieters
Kosten (KMU)100% Eigenanteil50-100% Förderung
ZusatznutzenGrundkompetenzExperten, die Prozesse automatisieren

Häufige Fehler bei der Antragstellung

Fehler 1: Zu spät anfangen. Der Antrag muss vor Beginn der Weiterbildung bewilligt sein. Planen Sie mindestens 6-8 Wochen Vorlauf ein.

Fehler 2: Falschen Anbieter wählen. Nicht jeder KI-Schulungsanbieter ist AZAV-zertifiziert. Ohne AZAV keine Förderung.

Fehler 3: Unklarer Nutzen. Formulieren Sie konkret: "Unsere Mitarbeiter sollen lernen, Geschäftsprozesse mit KI zu automatisieren. Gleichzeitig erfüllen wir die KI-Kompetenzpflicht nach Art. 4 EU AI Act."

Fehler 4: Mitarbeiter nicht einbeziehen. Die Weiterbildung muss im Einvernehmen mit dem Mitarbeiter erfolgen.

Welche KI-Weiterbildungen gibt es?

Achten Sie bei der Auswahl auf: AZAV-Zertifizierung, Praxisorientierung, Aktualität, anerkannte Zertifikate (DEKRA, IHK, Microsoft AI-900) und Online-Format.

Ein Beispiel: Die Weiterbildung zum "Digitalisierungsmanager für Prozessautomatisierung und KI" umfasst 720 Unterrichtseinheiten (4 Monate), ist DEKRA-zertifiziert und AZAV-zugelassen. Inhalte: KI-Grundlagen, Prozessautomatisierung mit Tools wie n8n, Prompt Engineering, Datenanalyse, Chatbot-Entwicklung, Change Management.

Einen Überblick über konkrete KI-Anwendungsfälle finden Sie in unserem Artikel 5 Prozesse, die jedes KMU sofort mit KI automatisieren kann. Und wenn Sie wissen möchten, welche KI-Tools für Ihr Unternehmen am besten passen, lesen Sie unseren Vergleich.

Häufige Fragen

Kann ich die Förderung auch für Teilzeitkräfte beantragen?
Ja. Das Qualifizierungschancengesetz gilt für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, unabhängig davon, ob sie in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten. Der Lohnzuschuss bezieht sich auf das tatsächliche Arbeitsentgelt.
Muss der Mitarbeiter während der Weiterbildung freigestellt werden?
Das hängt vom Format der Weiterbildung ab. Bei Vollzeit-Kursen ist eine Freistellung nötig, der Lohnzuschuss gleicht die Kosten teilweise aus. Bei Online-Kursen mit flexiblen Zeiten kann der Mitarbeiter parallel weiterarbeiten.
Gibt es das QCG auch für Geschäftsführer?
Geschäftsführer, die selbst sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind (z.B. GmbH-Geschäftsführer mit Anstellungsvertrag), können grundsätzlich gefördert werden. Selbstständige und Freiberufler sind nicht über das QCG förderfähig.
Was passiert, wenn der Mitarbeiter nach der Weiterbildung kündigt?
Dafür gibt es keine gesetzliche Rückzahlungspflicht gegenüber der Agentur für Arbeit. Sie können aber arbeitsvertraglich eine Rückzahlungsklausel vereinbaren.

KI-Kompetenz aufbauen, Staat zahlt

Dr. Jens Aichinger berät Sie in einem kostenlosen 15-Minuten-Gespräch zu den Fördermöglichkeiten. Als DEKRA-zertifizierter, AZAV-zugelassener Bildungsträger kennen wir den Antragsprozess.

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