Die Neue Grundsicherung löst am 1. Juli 2026 das Grundsicherungsgeld ab, und viele fragen sich zu Recht: Geht der Bildungsgutschein mit verloren? Die kurze Antwort lautet nein. Der Bildungsgutschein nach § 81 SGB III bleibt erhalten. Auch die Regeln, nach denen die Agentur für Arbeit ihn vergibt, bleiben dieselben. Was sich ändert, ist der Blick des Jobcenters auf schnelle Vermittlung. Stand: September 2026.

Auf einen Blick: Die Reform tritt am 01.07.2026 in Stufen in Kraft. Bürgergeld wird zu Grundsicherungsgeld, Eckregelsatz bleibt bei 563 Euro. Der Bildungsgutschein bleibt unverändert: Ihn stellt die Agentur für Arbeit nach § 81 SGB III aus. Der neue Vermittlungsvorrang des § 3a SGB II betrifft die Leistungen des Jobcenters.

Was sich am 1. Juli 2026 wirklich ändert

Bundestag und Bundesrat haben die Reform im März 2026 beschlossen. Die Leistung heißt künftig Grundsicherungsgeld. Die Höhe bleibt nahezu gleich, der Eckregelsatz für Alleinstehende liegt 2026 bei 563 Euro pro Monat. Die Neue Grundsicherung ist keine Kürzung im Wortsinn, sondern eine Umstellung der Steuerungslogik.

Drei Dinge werden konkret strenger:

Mitwirkungspflichten. Wer Termine versäumt, Bewerbungen nicht dokumentiert oder zumutbare Stellen ablehnt, bekommt schärfere Leistungskürzungen als unter dem Grundsicherungsgeld. Das war schon ab Anfang 2024 in Bewegung, jetzt wird es im Gesetz festgeschrieben.

Vermittlungsvorrang. Die zentrale Maxime der Reform lautet: Erst Arbeit, dann Qualifizierung, wenn nötig (§ 3a SGB II). Sie gilt für die Leistungen des Jobcenters. Die Weiterbildung fördert seit 2025 aber die Agentur für Arbeit, und für sie gilt weiter § 4 SGB III mit einer Ausnahme, wenn die Weiterbildung für die dauerhafte Eingliederung erforderlich ist.

Vollzeit-Pflicht für bestimmte Bezieher. Die Details dazu stehen in Verordnungen, die zum Stichtag 29.04.2026 noch nicht final veröffentlicht sind. Klar ist: Wer arbeitsfähig ist und keine triftigen Gründe dagegen hat, soll in den Arbeitsmarkt zurück, nicht in lange Bildungsmaßnahmen.

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Was beim Bildungsgutschein gleich bleibt

Der § 81 SGB III ist von der Reform nicht angetastet. Die Grundlage bleibt:

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Der Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.

Förderwürdigkeit. Arbeitslos gemeldet oder von Arbeitslosigkeit bedroht, oder ohne Berufsabschluss mit dem Ziel, ihn nachzuholen (§ 81 SGB III). AZAV-Träger und AZAV-Maßnahmenzertifikat für den konkreten Kurs. Vermittler-Zustimmung im Einzelfall. Das war so, das bleibt so.

Die 100-Prozent-Kostenübernahme bei Bewilligung bleibt ebenfalls. Wer einen bewilligten Bildungsgutschein in der Hand hat, zahlt 0 Euro Eigenanteil. Die Agentur für Arbeit erstattet den Kurspreis direkt an den Bildungsträger.

Auch Weiterbildungsgeld und Weiterbildungsprämie nach § 87a SGB III bleiben: 150 Euro pro Monat zusätzlich, 1.000 Euro Prüfungsprämie, 1.500 Euro Abschlussprämie. Wer eine Umschulung in einen anerkannten Ausbildungsberuf macht, bekommt das auch unter Grundsicherungsgeld.

Wo der Vermittlungsvorrang beißt

Genau hier liegt das Missverständnis. Einen Vermittlungsvorrang kennt die Agentur mit § 4 SGB III schon lange. Er gilt nicht, wenn die Weiterbildung für die dauerhafte Eingliederung erforderlich ist, und bei Menschen ohne Berufsabschluss geht das Gesetz ausdrücklich davon aus.

Die Agentur prüft deshalb wie bisher, ob es zumutbare Stellen gibt oder ob die Weiterbildung nötig ist, damit du dauerhaft in Arbeit kommst. Neu ist, dass das Jobcenter im Kooperationsplan stärker auf schnelle Vermittlung achtet. Steht die Weiterbildung dort als Ziel, hilft das im Gespräch mit der Agentur.

Wer ohne Begründung ins Gespräch geht, hat es schwerer. Konkrete Stellenanzeigen und ein klares Berufsziel zählen mehr als der Hinweis auf einen Trendberuf.

Geld für Jobcenter, schärfere Logik für Antragsteller

Die Bundesregierung hat den Jobcentern für 2026 zusätzlich 1 Milliarde Euro pro Jahr für individuelle Förderung zugesagt. Das klingt nach mehr Spielraum. Für den Bildungsgutschein spielt dieses Geld keine Rolle, denn den zahlt seit 2025 die Agentur für Arbeit.

Seit dem 01.01.2025 werden Bildungsgutscheine für Jobcenter-Kunden über die Agentur für Arbeit ausgestellt. Die Zuständigkeit ist also schon vor der Reform verschoben worden. Das Jobcenter ist erste Anlaufstelle, die AfA stellt den Bildungsgutschein aus, wenn die Förderwürdigkeit anerkannt ist. Daran ändert sich am 1. Juli nichts.

Was sich ändert, ist der Ton in den Gesprächen beim Jobcenter. Vermittler werden stärker auf die Vermittelbarkeit pochen. Das heißt nicht, dass Weiterbildungen unmöglich werden. Es heißt: Du musst besser vorbereitet ins Gespräch gehen.

Wie du dich konkret vorbereitest

Die Reform bevorzugt diejenigen, die mit einem Plan ins Beratungsgespräch kommen. Drei Hebel funktionieren erfahrungsgemäß:

Konkrete Stellenausschreibungen mitbringen, die genau die angestrebte Qualifikation fordern. Wenn du KI-Kompetenz erlernen willst, drucke fünf Stellenanzeigen aus, in denen Digitalisierungsmanager oder KI-Experten gesucht werden. Das macht die Argumentation zur Vermittelbarkeit konkret.

TÜV Rheinland Prüfzeichen Geprüfte Qualifikation, ID 0000090254

Digitalisierungsmanager und KI-Prozessmanager: Abschlussprüfung bei TÜV Rheinland. Schulung bei SkillSprinters, mit Bestehen das Personenzertifikat „Manager:in für KI-Prozessautomatisierung mit TÜV Rheinland geprüfter Qualifikation“.

Eigeninitiative zeigen. Wer eine Buchungsbestätigung für einen kostenlosen KI-Schnupperkurs vorlegt, signalisiert dem Vermittler: Ich teste das, ich bin nicht nur am Erzählen. Das verändert die Gesprächslage.

Marktdaten zitieren. Laut Bitkom fehlten 2025 rund 109.000 IT-Fachkräfte, und seit Februar 2025 verlangt der EU AI Act von Unternehmen, die KI einsetzen, die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals zu unterstützen. Solche Zahlen machen deine Begründung greifbar.

Was das für deinen Antrag heißt

Ein bereits ausgestellter Bildungsgutschein lässt sich innerhalb seiner Gültigkeit weiter einlösen, denn § 81 SGB III hat die Reform nicht geändert. Für neue Anträge gilt dasselbe Verfahren wie bisher. Frag die Beratung bei der Agentur früh an, denn sie muss vor Beginn der Weiterbildung stattgefunden haben (§ 81 Abs. 1 SGB III).

Welche Kurse besonders gut zur neuen Logik passen

Die Reform privilegiert Weiterbildungen, die Vermittelbarkeit klar erhöhen. AZAV-zugelassene Maßnahmen in gefragten Bereichen sind genau das.

Der Digitalisierungsmanager-Kurs zum Beispiel läuft als AZAV-Maßnahme nach SGB III. Die Maßnahmenummer vergibt die Agentur für Arbeit. 720 Unterrichtseinheiten, 16 Wochen, online im Vollzeit-Format. Das passt zur neuen Logik, weil der Kurs auf einen gefragten Bereich zielt, mit einem Trägerzertifikat abschließt und vom Format her berufsorientiert ist.

Ähnlich der Wirtschaftsfachwirt nach IHK-Prüfungsstandard, der über Aufstiegs-BAföG läuft, also einen anderen Förderweg. AFBG bleibt von der Reform der Grundsicherung im Wesentlichen unberührt, weil es eine separate Förderung nach AFBG-Gesetz ist und nicht über das SGB II läuft.

Wer sich unsicher ist, ob der eigene Wunschkurs zur Logik der Neuen Grundsicherung passt, kann das im Vorgespräch mit dem Bildungsträger klären. Der Träger weiß, welche AZAV-Nummer der Kurs hat und kann die Argumentationslinie für den Vermittler-Termin mit aufbauen.

Was Praktiker jetzt empfehlen

Die Erfahrung aus den letzten Monaten zeigt: Antragsteller, die im Beratungsgespräch wirken, als hätten sie alles im Griff, kommen weiter als die, die in einer Erwartungshaltung kommen. Das war vor der Reform schon so, mit der Reform wird es ausschlaggebend.

Wer noch ein paar Wochen Zeit hat, nutzt sie für drei Dinge: Förderwürdigkeit klären (telefonisch über die AfA-Hotline 0800 4 5555 00), passenden Kurs auswählen, mit zwei oder drei konkreten Stellenanzeigen plus einer Schnupperkurs-Bestätigung ins Vermittlergespräch gehen. Das ist nicht garantiert erfolgreich, aber deutlich besser als das Standardvorgehen.

Welche Weiterbildungen der Bildungsgutschein konkret abdeckt, siehst du in der Kursübersicht.

Häufige Fragen

Verliere ich meinen laufenden Bildungsgutschein durch die Reform?

Nein. Wer am 01.07.2026 bereits einen bewilligten Bildungsgutschein in der Hand hat, kann ihn unverändert einlösen. Der Vertrag mit dem Bildungsträger läuft regulär weiter.

Bekomme ich noch das Weiterbildungsgeld nach der Reform?

Ja. § 87a SGB III mit den 150 Euro pro Monat plus 1.000 Euro Prüfungs- und 1.500 Euro Abschlussprämien wird durch die Reform nicht abgeschafft. Wer eine Umschulung in einen anerkannten Ausbildungsberuf macht, hat den Anspruch weiter, egal ob vor oder nach der Umbenennung in Grundsicherungsgeld.

Was passiert, wenn der Vermittler die Weiterbildung ablehnt?

Du hast Anspruch auf einen schriftlichen Bescheid mit Begründung. Gegen diesen Bescheid ist Widerspruch möglich. Hilfreich sind dabei konkrete Stellenanzeigen, die genau die geplante Qualifikation fordern, und ein Ärztliches Attest, falls gesundheitliche Gründe einen Berufswechsel notwendig machen. Auch Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine nach § 45 SGB III können Brückenförderung sein.

Ändert sich die Höhe der Leistung am 1. Juli?

Nein. Der Eckregelsatz für Alleinstehende bleibt 2026 bei 563 Euro pro Monat. Die Höhe der Leistung bleibt nahezu unverändert, der Name ändert sich (von Bürgergeld zu Grundsicherungsgeld) und die Steuerungslogik wird strenger. Änderungen über die Höhe hinaus betreffen vor allem Mitwirkungspflichten und Sanktionsregeln.

Quellen

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