Das Wichtigste in Kürze

Du bist arbeitssuchend, weißt aber noch nicht genau, welche Richtung du einschlagen willst? Oder du brauchst Unterstützung bei Bewerbungen, bevor du eine Weiterbildung startest? Dann ist der AVGS Gutschein genau das richtige Werkzeug. Er gibt dir die Möglichkeit, dich mit professioneller Hilfe zu orientieren, und zwar komplett kostenlos.

In diesem Artikel erfährst du, was der Aktivierungsgutschein der Arbeitsagentur genau ist, wie er sich vom Bildungsgutschein unterscheidet, wer Anspruch hat und wie du ihn beantragst. Und vor allem: Wie du den AVGS als Sprungbrett für eine geförderte Weiterbildung nutzen kannst.

Du weißt schon, wohin die Reise geht? Dann schau dir direkt unsere Weiterbildungen an: Digitalisierungsmanager/in (IHK), Social Media Manager (IHK) oder Fachkraft Online-Marketing. Alle drei sind zu 100 % über den Bildungsgutschein finanzierbar.

Was ist der AVGS Gutschein?

Der AVGS steht für Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein. Er ist ein Fördermittel der Agentur für Arbeit und des Jobcenters nach § 45 SGB III. Mit diesem Gutschein kannst du an Maßnahmen teilnehmen, die dich bei der Jobsuche unterstützen oder dich auf eine neue berufliche Phase vorbereiten.

Die Kosten trägt zu 100 % die Arbeitsagentur oder das Jobcenter. Dir entstehen keine Kosten. Auch nicht für Fahrtkosten zur Maßnahme. Unter bestimmten Voraussetzungen werden sogar Kinderbetreuungskosten übernommen. Frag deine Vermittlungsfachkraft nach den Details.

Der AVGS deckt verschiedene Maßnahmen ab:

Welche AVGS-Varianten gibt es?

Es gibt drei Varianten des AVGS. Jede deckt einen anderen Bereich ab:

Variante Bedeutung Was wird gefördert? Typische Dauer
AVGS-MAT Maßnahme bei einem Träger Coaching, Bewerbungstraining, Kurzkurse, berufliche Orientierung 4 bis 12 Wochen
AVGS-MAG Maßnahme bei einem Arbeitgeber Probearbeit, betriebliche Erprobung, Eignungsfeststellung Bis 6 Wochen
AVGS-MPAV Private Arbeitsvermittlung Personalvermittler sucht eine Stelle für dich Bis 6 Monate

AVGS-MAT: Coaching bei einem Träger

Das ist die häufigste Variante. Du nimmst an einem AVGS Coaching bei einem zertifizierten Bildungsträger teil. Typische Inhalte sind berufliches Profiling, Stärken-Schwächen-Analyse, Bewerbungstraining oder eine Standortbestimmung. Der Träger muss AZAV-zertifiziert sein und eine gültige Maßnahmezulassung haben.

AVGS-MPAV: Private Arbeitsvermittlung

Mit dem Vermittlungsgutschein beauftragst du einen privaten Personalvermittler. Dessen Aufgabe: Dich in eine sozialversicherungspflichtige Stelle bringen. Der Vermittler bekommt sein Honorar von der Agentur für Arbeit, und zwar erst, wenn du tatsächlich einen Job hast und mindestens sechs Wochen dort arbeitest.

AVGS-MAG: Praktikum beim Arbeitgeber

Hier machst du ein gefördertes Praktikum direkt bei einem Unternehmen. Das dauert meist vier bis sechs Wochen. Der Vorteil: Du lernst den Betrieb kennen, der Arbeitgeber lernt dich kennen. Oft entsteht daraus ein Arbeitsvertrag.

Wie unterscheidet sich der AVGS vom Bildungsgutschein?

Das ist eine der häufigsten Verwechslungen. AVGS und Bildungsgutschein klingen ähnlich, sind aber zwei komplett verschiedene Förderinstrumente.

Merkmal AVGS Bildungsgutschein
Zweck Coaching, Aktivierung, Vermittlung Berufliche Weiterbildung
Dauer der Maßnahme Meist wenige Wochen (max. 8 Wochen Kenntnisvermittlung) Wochen bis Monate
Rechtsgrundlage § 45 SGB III § 81 SGB III
Abschluss Kein formaler Abschluss Oft Zertifikat (z. B. IHK)
Kosten 100 % übernommen 100 % übernommen
Typische Nutzung Vor der Weiterbildung, zur Orientierung Für die eigentliche Weiterbildung

In der Praxis ergänzen sich beide. Viele Arbeitssuchende nutzen zuerst einen AVGS für ein Coaching, um ihre berufliche Richtung zu klären. Danach beantragen sie einen Bildungsgutschein für eine konkrete Weiterbildung.

Beispiel: Du machst ein 4-wöchiges AVGS-Coaching zur beruflichen Standortbestimmung. Dabei wird klar, dass du in Richtung Digitalisierung gehen willst. Anschließend beantragst du einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager/in (IHK) und lässt die kompletten Kosten von 9.700 EUR übernehmen.

Wer hat Anspruch auf den AVGS Gutschein?

Grundsätzlich richtet sich der Aktivierungsgutschein der Arbeitsagentur an Menschen, die Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung brauchen.

Anspruch haben:

Rechtsanspruch (§ 45 Abs. 7 SGB III): Wenn du ALG I beziehst und nach 6 Wochen Arbeitslosigkeit innerhalb von 3 Monaten noch nicht vermittelt wurdest, hast du einen Rechtsanspruch auf den AVGS. Die 6 Wochen müssen nicht am Stück sein. In allen anderen Fällen liegt die Entscheidung bei deiner Vermittlungsfachkraft (Ermessensleistung).

Kein Anspruch besteht in der Regel für:

Wie beantragst du den Vermittlungsgutschein?

Den AVGS Gutschein zu beantragen ist einfacher als viele denken. Hier ist die Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Schritt 1: Termin bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter

Melde dich bei deiner Vermittlungsfachkraft. Das geht telefonisch (kostenlose Hotline: 0800 4 555500), online über die Arbeitsagentur-Website oder persönlich vor Ort. Erkläre, dass du ein Coaching oder eine Aktivierungsmaßnahme machen möchtest, um deine Jobchancen zu verbessern.

Schritt 2: Begründung vorbereiten

Je konkreter dein Anliegen, desto besser. Bereite dich auf diese Fragen vor:

Ein starkes Argument: "Ich möchte im Coaching klären, welche Weiterbildung zu mir passt, damit ich danach gezielt einen Bildungsgutschein beantragen kann." Das zeigt Plan und Eigeninitiative.

Schritt 3: Anbieter auswählen

Such dir einen zertifizierten Coaching-Anbieter. Wichtig: Der Anbieter muss AZAV-zertifiziert sein und eine Maßnahmennummer haben. Eine Liste zugelassener Anbieter findest du in der KURSNET-Datenbank der Bundesagentur für Arbeit. Viele Coaching-Anbieter bieten ihre Maßnahmen auch online an. Du bist also nicht an deinen Wohnort gebunden.

Schritt 4: AVGS erhalten und einlösen

Wenn deine Vermittlungsfachkraft zustimmt, bekommst du den AVGS als Bewilligungsbescheid. Darauf steht:

Mit diesem Bescheid meldest du dich bei deinem gewählten Anbieter an. Die Abrechnung läuft direkt zwischen Anbieter und Arbeitsagentur. Du musst nichts vorstrecken.

Tipp: Such dir den Anbieter schon vor dem Gespräch mit der Arbeitsagentur. Wenn du ein konkretes Coaching-Angebot mitbringst, steigen deine Chancen auf Bewilligung deutlich.

Welche AVGS Coaching-Angebote gibt es?

Die Bandbreite an AVGS-Maßnahmen ist groß. Hier die gängigsten Formate:

Bewerbungscoaching

Du lernst, überzeugende Bewerbungen zu schreiben, dich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten und dein Profil zu schärfen. Besonders sinnvoll, wenn du lange aus dem Bewerbungsprozess raus bist. Typischer Umfang: 2 bis 4 Wochen, 2 bis 3 Termine pro Woche.

Karriere- und Orientierungscoaching

Hier geht es darum, herauszufinden, wo deine Stärken liegen und welche Berufe zu dir passen. Ideal, wenn du dich beruflich neu orientieren willst, aber noch keine klare Vorstellung hast. In einem guten Orientierungscoaching lernst du auch, welche Branchen Fachkräfte suchen und welche Weiterbildungen sich lohnen.

Existenzgründungscoaching

Du hast eine Geschäftsidee? Mit einem AVGS-Gründercoaching bekommst du Unterstützung beim Businessplan, bei der Marktanalyse und bei Fördermitteln. Das Coaching ist auch hier zu 100 % kostenlos.

Aktivierungsmaßnahmen mit Kenntnisvermittlung

Kurze Maßnahmen (max. 8 Wochen), in denen du praktische Kenntnisse erwirbst. Zum Beispiel Grundlagen in Office-Anwendungen, Projektmanagement oder digitalen Tools. Diese Maßnahmen sind kürzer und weniger umfangreich als eine richtige Weiterbildung mit Bildungsgutschein.

Online-Coaching

Viele Anbieter bieten AVGS-Coachings komplett online an. Du brauchst nur einen Computer, eine Internetverbindung und eine ruhige Umgebung. Das ist besonders praktisch, wenn du nicht mobil bist oder auf dem Land lebst.

Nach dem Coaching kommt die Weiterbildung. Wenn du im Coaching feststellst, dass Social Media oder Online-Marketing dein Ding ist, kannst du mit einem Bildungsgutschein direkt durchstarten. Schau dir die Weiterbildung zum Social Media Manager (IHK) an: 4 Monate, komplett online, 100 % gefördert.

Wie nutzt du den AVGS als Sprungbrett für eine Weiterbildung?

Der AVGS ist nicht das Ziel, sondern der Anfang. Viele Arbeitssuchende nutzen ihn strategisch: Erst orientieren, dann gezielt weiterbilden.

So sieht ein typischer Weg aus:

  1. AVGS-Coaching (2 bis 6 Wochen): Du klärst deine berufliche Richtung. Was kannst du? Was willst du? Welche Berufe haben Zukunft?
  2. Bildungsgutschein beantragen: Mit den Ergebnissen aus dem Coaching gehst du zurück zur Arbeitsagentur und beantragst einen Bildungsgutschein.
  3. Weiterbildung starten: Du meldest dich bei einem AZAV-zertifizierten Bildungsträger an und absolvierst deine Weiterbildung. 100 % der Kosten übernimmt die Arbeitsagentur.

Dieser Weg hat einen großen Vorteil: Du triffst eine informierte Entscheidung. Statt blind eine Weiterbildung zu buchen, weißt du genau, warum du dich für ein bestimmtes Berufsfeld entscheidest. Und deine Vermittlungsfachkraft sieht, dass du aktiv bist und einen Plan hast. Das macht die Bewilligung des Bildungsgutscheins deutlich einfacher.

Drei Weiterbildungen, die nach einem AVGS-Coaching besonders gefragt sind

Weiterbildung Dauer Abschluss Kosten mit BG
Digitalisierungsmanager/in (IHK) 4 Monate Vollzeit IHK-Zertifikat 0 EUR
Social Media Manager mit KI-Tools (IHK) 4 Monate Vollzeit IHK-Zertifikat 0 EUR
Fachkraft Online-Marketing ca. 2 Monate Vollzeit Trägerzertifikat 0 EUR

Alle drei sind DEKRA-zertifiziert, AZAV-zugelassen und finden komplett online statt. Du brauchst keine Vorkenntnisse und lernst in kleinen Gruppen mit maximal 18 Teilnehmern.

Wie lange ist der AVGS gültig?

Der AVGS hat eine begrenzte Gültigkeitsdauer. In der Regel sind es 3 bis 6 Monate ab Ausstellungsdatum. Die genaue Frist legt deine Agentur für Arbeit individuell fest. Innerhalb dieser Frist musst du die Maßnahme beginnen. Die Maßnahme selbst kann über die Gültigkeitsdauer hinausgehen, solange sie innerhalb der Frist gestartet wurde.

Wenn der AVGS abgelaufen ist, kannst du einen neuen beantragen. Es gibt keine Begrenzung, wie oft du einen AVGS bekommst, solange die Voraussetzungen weiterhin erfüllt sind.

Was tun, wenn der AVGS abgelehnt wird?

Eine Ablehnung ist kein Weltuntergang. Hier deine Optionen:

Häufige Fragen

Was kostet ein AVGS Coaching?

Nichts. Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter übernehmen 100 % der Kosten. Dir entstehen keine Eigenkosten, wenn du vor Beginn der Maßnahme einen Bewilligungsbescheid hast.

Kann ich den AVGS auch online nutzen?

Ja. Viele AVGS-zertifizierte Anbieter bieten Coaching und Aktivierungsmaßnahmen komplett online an. Du brauchst einen Computer mit Internetzugang und eine ruhige Umgebung.

Wie lange dauert ein AVGS Coaching?

Das hängt von der Maßnahme ab. Einzelcoachings dauern oft 4 bis 8 Wochen mit 2 bis 3 Terminen pro Woche. Aktivierungsmaßnahmen mit Kenntnisvermittlung sind auf maximal 8 Wochen begrenzt.

Kann ich AVGS und Bildungsgutschein gleichzeitig nutzen?

Nein, nicht gleichzeitig. Aber nacheinander ist das üblich und sogar empfohlen. Erst AVGS-Coaching zur Orientierung, dann Bildungsgutschein für die eigentliche Weiterbildung.

Bekomme ich den AVGS auch als Bürgergeld-Empfänger?

Ja. Bürgergeld-Empfänger beantragen den AVGS über ihr Jobcenter. Die Voraussetzungen und der Ablauf sind identisch. Die Entscheidung liegt bei deiner Vermittlungsfachkraft (Ermessensleistung).

Was passiert, wenn ich den AVGS nicht einlöse?

Wenn du die Maßnahme nicht innerhalb der Gültigkeitsdauer (meist 3 bis 6 Monate) beginnst, verfällt der AVGS. Du kannst aber jederzeit einen neuen beantragen, solange du die Voraussetzungen erfüllst.

Habe ich einen Rechtsanspruch auf den AVGS?

Einen Rechtsanspruch hast du, wenn du ALG I beziehst und nach 6 Wochen Arbeitslosigkeit innerhalb von 3 Monaten noch nicht vermittelt wurdest (§ 45 Abs. 7 SGB III). Die 6 Wochen müssen nicht zusammenhängend sein. In allen anderen Fällen entscheidet deine Vermittlungsfachkraft nach Ermessen.

Ist der AVGS das Gleiche wie ein Bildungsgutschein?

Nein. Der AVGS fördert Coaching und kurze Aktivierungsmaßnahmen (§ 45 SGB III). Der Bildungsgutschein fördert längere berufliche Weiterbildungen (§ 81 SGB III). Beide werden von der Arbeitsagentur ausgestellt, sind aber unterschiedliche Förderinstrumente.


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