Das Aufstiegsstipendium ist eine der am schlechtesten bekannten Förderungen in Deutschland, obwohl es in der Vollzeitförderung aktuell mit 1.072 Euro monatlich zu Buche schlägt (Stand 2026). Wer nach einer Ausbildung Berufserfahrung gesammelt hat und den nächsten Schritt machen will, kann sich hier bewerben und bekommt eine Förderung, die weit über das Aufstiegs-BAföG hinausgeht. Dieser Artikel zeigt dir, wer anspruchsberechtigt ist, wie das Bewerbungsverfahren abläuft und warum das Stipendium besonders für beruflich Qualifizierte spannend ist.

Das Wichtigste in Kürze

Was ist das Aufstiegsstipendium genau?

Das Aufstiegsstipendium wurde 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ins Leben gerufen. Ziel war es, besonders motivierte Berufstätige mit abgeschlossener Ausbildung in ein Studium zu holen. Die Idee dahinter: In Deutschland gibt es viele hochqualifizierte Fachkräfte, die nie studiert haben, weil sie nach der Schule direkt in die Ausbildung gegangen sind. Dieses Potenzial soll gehoben werden.

Konkret bedeutet das Stipendium: Wer aufgenommen wird, bekommt monatlich eine Finanzierung, die das Studium oder die Weiterbildung komplett oder zu großen Teilen deckt. Zusätzlich gibt es ideelle Förderung wie Seminare, Workshops und ein Netzwerk anderer Stipendiaten. Die Förderung ist nicht rückzahlbar.

Träger des Stipendiums ist die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB), die im Auftrag des Bundes arbeitet. Die SBB vergibt auch die klassische Begabtenförderung berufliche Bildung, die sich an jüngere Kandidaten richtet (mehr dazu im Artikel Begabtenförderung berufliche Bildung SBB).

Wer kann sich bewerben?

Die Zugangsvoraussetzungen sind klar definiert.

Grundvoraussetzungen

Alternative Qualifikationen

Wer die Notenvoraussetzungen nicht erfüllt, hat eine zweite Chance. Es gibt drei weitere Wege in das Stipendium:

  1. Fortbildungsabschluss: Ein bestandener Aufstiegsfortbildungsabschluss wie der Wirtschaftsfachwirt, Meister oder Betriebswirt erfüllt die Voraussetzung, wenn er mit "gut" oder besser abgeschlossen wurde.
  2. Wettbewerbspreise: Preise bei bundesweiten oder internationalen Berufswettbewerben öffnen die Tür.
  3. Begründeter Vorschlag: In Einzelfällen kann der Arbeitgeber oder eine Berufsschule den Kandidaten vorschlagen.

Keine harte Altersgrenze

Anders als bei der Begabtenförderung berufliche Bildung (siehe weiter unten) gibt es beim Aufstiegsstipendium keine formale Altersgrenze. Wer die Voraussetzungen in Bezug auf Berufsausbildung, Note oder Fortbildungsabschluss und zwei Jahre Berufserfahrung erfüllt, kann sich bewerben, unabhängig vom Alter. Bewerber zwischen 25 und 45 sind eher die Regel als die Ausnahme.

Was wird gefördert?

Die Förderung ist breit angelegt und umfasst sowohl akademische Studiengänge als auch bestimmte Weiterbildungen auf vergleichbarem Niveau.

Vollzeitstudium

Berufsbegleitendes Studium

Vergleichbare Weiterbildungen

Auch bestimmte nicht-akademische Weiterbildungen auf Bachelor-Niveau (DQR 6) werden gefördert, wenn sie eine vergleichbare Qualifikationsstufe erreichen. Hierzu können unter Umständen auch Aufstiegsfortbildungen wie der Betriebswirt IHK zählen. Für den Wirtschaftsfachwirt an sich ist das Aufstiegsstipendium weniger relevant, weil Aufstiegs-BAföG die passendere Förderung ist. Aber wer nach dem Wirtschaftsfachwirt ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium anschließen will, ist eine Zielgruppe für das Aufstiegsstipendium.

Die Förderhöhe im Detail

Leistung Betrag Stand 2026
Grundbetrag Vollzeit 992 Euro monatlich
Büchergeld 80 Euro monatlich
Gesamt Vollzeit 1.072 Euro monatlich
Betreuungszuschuss (für eigene Kinder) möglich, Betrag je Einzelfall
Berufsbegleitendes Studium 3.045 Euro pro Studienjahr

Die genauen Beträge ändern sich regelmäßig. Prüfen Sie aktuelle Werte auf der Seite der SBB-Stiftung. Die Förderung ist weitgehend einkommensunabhängig (anders als das klassische BAföG). Bei Vollzeitstudium wird die volle Förderung ausgezahlt, bei berufsbegleitendem Studium gibt es den Studiengebühren-Zuschuss statt des monatlichen Lebenshaltungsbetrags.

So läuft die Bewerbung ab

Das Verfahren ist anspruchsvoll, aber machbar, wenn du systematisch vorgehst.

Phase 1: Online-Bewerbung

Die Bewerbung startet mit einem Online-Formular auf der SBB-Webseite. Du füllst persönliche Daten aus, lädst Zeugnisse hoch und beschreibst deinen Werdegang. Die Frist ist in der Regel einmal jährlich, oft im Frühjahr. Plane mindestens zwei bis vier Wochen für die Vorbereitung der Unterlagen ein.

Einzureichende Unterlagen:

Phase 2: Kompetenzcheck

Nach der formalen Prüfung der Unterlagen folgt ein Kompetenzcheck. Das ist ein Online-Test, der deine beruflichen und persönlichen Kompetenzen erfasst. Thematisch geht es um Problemlösungsfähigkeit, Kommunikation, Motivation und Fachkompetenzen. Der Test dauert circa drei Stunden und ist bewusst anspruchsvoll gestaltet. Keine Panik: Es geht nicht um IQ-Tests mit Trickfragen, sondern um realistische berufliche Szenarien.

Phase 3: Auswahlgespräch

Wer den Kompetenzcheck besteht, wird zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Das Gespräch dauert 20 bis 30 Minuten und wird von einer Jury geführt. Die Jury besteht aus Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Bildungspolitik. Typische Fragen:

Das Gespräch ist kein Verhör, sondern ein echter Dialog. Die Jury will verstehen, wer du bist und was dich antreibt. Authentizität zählt mehr als auswendig gelernte Antworten.

Phase 4: Entscheidung

Nach dem Gespräch entscheidet die Jury, ob du aufgenommen wirst. Die Entscheidung fällt in der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen. Aktuell werden pro Jahr rund 1.000 neue Stipendiaten aufgenommen. Die Erfolgsquote unter den Bewerbern, die es bis ins Gespräch schaffen, liegt erfahrungsgemäß bei 40 bis 60 Prozent.

Tipps für eine starke Bewerbung

Die Aufnahme ins Aufstiegsstipendium ist kompetitiv. Hier sind fünf Tipps, die nach Erfahrungsberichten den größten Unterschied machen.

Erstens: Konkretes Studienziel. Wer vage Aussagen trifft wie "Ich möchte mich weiterentwickeln", überzeugt niemanden. Benenne konkret, welches Studium du machen willst, warum gerade dieses, an welcher Hochschule und was du danach erreichen willst. Je klarer, desto besser.

Zweitens: Beruflicher Bezug. Zeige, dass dein angestrebtes Studium auf deiner Berufserfahrung aufbaut. Wer eine kaufmännische Ausbildung hat und Betriebswirtschaft studieren will, hat eine klare Linie. Wer aus dem Pflegebereich kommt und plötzlich Philosophie studieren will, muss die Verbindung gut erklären.

Dritten: Authentisches Motivationsschreiben. Das Schreiben ist der wichtigste Teil deiner Bewerbung nach dem Zeugnis. Verzichte auf Worthülsen und schreibe in deiner eigenen Sprache. Erzähle eine konkrete Geschichte, wie du auf den Wunsch gekommen bist, zu studieren. Persönliche Schlüsselmomente sind stärker als Floskeln.

Viertens: Konkrete Finanzplanung. Die Jury will sehen, dass du den Stipendiengedanken verstehst. Das Aufstiegsstipendium ist keine Grundfinanzierung für Menschen, die sich sonst nichts leisten könnten, sondern eine Begabtenförderung. Zeige, dass du mit oder ohne Stipendium den Weg gehen würdest, aber mit Stipendium bessere Voraussetzungen hast.

Fünftens: Netzwerkgedanke. Das Stipendium ist auch ein Netzwerk. Die Jury sucht Menschen, die sich einbringen wollen, nicht nur Empfänger, die das Geld nehmen und verschwinden. Zeige, dass du bereit bist, am Programm aktiv teilzunehmen, Seminare zu besuchen und dich mit anderen Stipendiaten auszutauschen.

Aufstiegsstipendium und Aufstiegs-BAföG im Vergleich

Beide Förderungen klingen ähnlich, haben aber unterschiedliche Zielgruppen und Leistungen.

Kriterium Aufstiegsstipendium Aufstiegs-BAföG
Zielgruppe Berufstätige, die studieren wollen Berufstätige, die Meister/Fachwirt machen
Voraussetzung Ausbildung + 2 Jahre Erfahrung + Noten Ausbildung ohne Notenvoraussetzung
Förderung 1.072 Euro monatlich (Vollzeit) 50 % Zuschuss + 50 % Darlehen
Rückzahlung Nein 50 % des Darlehens wird bei Bestehen erlassen
Auswahlverfahren Kompetenzcheck + Gespräch Kein Auswahlverfahren
Maximaldauer Bis zum Studienabschluss Bis zum Fortbildungsabschluss

Für den Wirtschaftsfachwirt ist Aufstiegs-BAföG die passendere Förderung, weil der Zugang einfacher ist und die Förderung automatisch greift. Für ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium nach dem Wirtschaftsfachwirt kann das Aufstiegsstipendium die bessere Option sein. Beide Förderungen können sogar nacheinander genutzt werden: Erst Aufstiegs-BAföG für den WFW, dann Aufstiegsstipendium für den Bachelor.

Wer profitiert besonders vom Aufstiegsstipendium?

Aus den Erfahrungsberichten der letzten Jahre kristallisieren sich drei Zielgruppen heraus, die besonders häufig erfolgreich sind.

Fachwirte und Meister, die einen Bachelor anschließen wollen. Wer bereits eine Aufstiegsfortbildung hinter sich hat, erfüllt die Notenvoraussetzung meist automatisch und bringt die Berufserfahrung mit. Für diese Gruppe ist der Weg am kürzesten.

Berufserfahrene Techniker, Pflegekräfte, kaufmännische Fachkräfte. Menschen mit einer soliden Ausbildung und fünf oder mehr Jahren Berufserfahrung, die in ihre Ausbildung fachlich eingearbeitet sind. Sie bringen Lebenserfahrung mit, die im Auswahlgespräch oft den Unterschied macht.

Junge Talente direkt nach der Ausbildung. Wer die Ausbildung mit herausragenden Noten abgeschlossen hat und sofort ein Studium beginnen will, ohne erst fünf Jahre zu arbeiten. Diese Gruppe muss die zwei Jahre Berufserfahrung flexibel nachweisen, zum Beispiel über eine intensive Berufstätigkeit während des Jahres vor Studienbeginn.

Was passiert, wenn die Bewerbung scheitert?

Die meisten Bewerber schaffen es beim ersten Anlauf nicht. Das ist normal und kein Grund, aufzugeben. Du kannst dich mehrfach bewerben, solange die Altersgrenze nicht überschritten ist. Viele erfolgreiche Stipendiaten haben es im zweiten oder dritten Anlauf geschafft. Die Empfehlung für eine Wiederbewerbung:

Wer zweimal scheitert, sollte auch andere Förderwege prüfen. Die Begabtenförderung berufliche Bildung, das Deutschlandstipendium oder Stipendien der politischen Stiftungen sind ebenfalls Optionen. Manche davon haben deutlich niedrigere Hürden.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen bekommen das Aufstiegsstipendium pro Jahr?

Rund 1.000 neue Stipendiaten werden jährlich aufgenommen. Bei aktuell mehreren Tausend Bewerbungen pro Jahr entspricht das einer Erfolgsquote von unter 30 Prozent. Wer den Kompetenzcheck und das Gespräch erreicht, hat deutlich bessere Chancen.

Ist das Stipendium mit anderen Förderungen kombinierbar?

Mit dem normalen BAföG (Schüler- und Studenten-BAföG) ist die Kombination nicht möglich. Mit Kindergeld, Wohngeld und steuerlichen Vorteilen ist die Kombination dagegen meist möglich. Bei Unsicherheiten erkundige dich direkt bei der SBB.

Muss ich während der Förderung nebenbei arbeiten?

Nein, musst du nicht. Das Stipendium ist so bemessen, dass ein Vollzeitstudium ohne Nebeneinkommen finanzierbar ist. Wer nebenbei arbeitet, bekommt allerdings die Förderung anteilig gekürzt, sobald das Einkommen bestimmte Freibeträge überschreitet.

Kann ich als berufsbegleitender Studierender das Stipendium bekommen?

Ja. Das Aufstiegsstipendium ist explizit auch für Teilzeit- und Fernstudierende vorgesehen. Die Förderhöhe ist in diesem Fall geringer, weil sie sich an den Studiengebühren orientiert und nicht am Lebensunterhalt.

Was ist der Unterschied zum Deutschlandstipendium?

Das Deutschlandstipendium ist eine andere Förderung, die von Hochschulen direkt vergeben wird. Es ist mit 300 Euro monatlich deutlich geringer und hat andere Voraussetzungen. Beide Stipendien können in manchen Fällen nebeneinander beantragt werden, aber nicht bei allen Hochschulen.

Was passiert, wenn ich das Studium abbreche?

Bei einem Studienabbruch wird die Förderung in der Regel eingestellt. Rückzahlungen werden meistens nicht gefordert, außer bei offensichtlichem Missbrauch. Die genauen Regelungen stehen in deinem Förderungsvertrag.

Fazit

Das Aufstiegsstipendium ist eine der stärksten Förderungen für berufserfahrene Menschen, die den Schritt zum Studium oder zu einer hochwertigen Weiterbildung gehen wollen. Die Bewerbung ist aufwendig, aber machbar. Wer die Voraussetzungen erfüllt, sollte sich den Aufwand nicht sparen: 1.072 Euro monatlich in der Vollzeitförderung ohne Rückzahlung ist ein Angebot, das man nicht jeden Tag bekommt.

Kostenlos zur passenden Förderung beraten lassen und klären, welche Weiterbildung und welche Förderung zu deiner Situation passen. SkillSprinters berät dich zu Aufstiegs-BAföG, Aufstiegsstipendium und allen anderen Förderoptionen.

Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?

Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.

Weiterbildung ansehen WhatsApp