Der EU AI Act reguliert KI-Systeme nach ihrem Risikopotenzial. Je höher das Risiko, desto strenger die Auflagen. Für Unternehmen ist die zentrale Frage: In welche Risikoklasse fallen die KI-Tools, die wir einsetzen?
Das Wichtigste in Kürze
- Der EU AI Act teilt KI-Systeme in vier Risikoklassen ein: inakzeptabel, hoch, begrenzt und minimal.
- Die meisten KI-Tools im Unternehmensalltag fallen unter minimales Risiko.
- Hochrisiko-KI betrifft vor allem Recruiting-Software, Kreditbewertung und sicherheitskritische Systeme.
- Transparenzpflichten gelten für Chatbots und KI-generierte Inhalte, unabhängig vom Risikoniveau.
- Die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 gilt für alle Unternehmen, egal welche Risikoklasse.
- Unterstützung bei der Einstufung bietet eine Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager.
Stufe 1: Inakzeptables Risiko (verboten)
Social Scoring, manipulative KI, Emotionserkennung am Arbeitsplatz, biometrische Echtzeit-Fernidentifikation im öffentlichen Raum. Diese Systeme sind seit Februar 2025 in der EU verboten. Für die meisten Unternehmen irrelevant.
Stufe 2: Hohes Risiko (strenge Pflichten)
KI-Systeme in sensiblen Bereichen:
| Bereich | Beispiele |
|---|---|
| Beschäftigung/Personal | Bewerber-Screening, KI-gestützte Personalauswahl, Leistungsbewertung |
| Kritische Infrastruktur | KI in Energie, Wasser, Verkehr |
| Bildung | Zugangsentscheidungen, Leistungsbewertung, Prüfungsüberwachung |
| Finanzdienstleistungen | Kreditwürdigkeitsprüfung, Risikobewertung bei Versicherungen |
Pflichten für Betreiber: System gemäß Gebrauchsanweisung betreiben, menschliche Aufsicht durch qualifiziertes Personal, Eingabedaten prüfen, Betrieb überwachen, Protokolle mindestens 6 Monate aufbewahren, Betroffene informieren.
Stufe 3: Begrenztes Risiko (Transparenzpflichten)
Chatbots müssen als KI-System erkennbar sein. KI-generierte Inhalte bei Veröffentlichung kennzeichnen. Emotionserkennung und biometrische Kategorisierung erfordern Information der Betroffenen.
Stufe 4: Minimales Risiko (keine besonderen Pflichten)
Die große Mehrheit aller KI-Anwendungen: Textgenerierung (ChatGPT, Claude), Übersetzungen (DeepL), Datenanalyse, Automatisierung (n8n, Zapier), Coding-Assistenten (GitHub Copilot). Keine spezifischen Pflichten, aber Artikel 4 (KI-Kompetenz) und DSGVO gelten weiterhin.
Praxisbeispiele: Typische KI-Tools einstufen
| KI-System | Einsatzzweck | Risikoklasse |
|---|---|---|
| ChatGPT Team | Marketing-Texte, Recherche | Minimal |
| Microsoft Copilot | E-Mails, Dokumente | Minimal |
| Website-Chatbot | Kundenanfragen | Begrenzt |
| HireVue / Personio AI | Bewerber-Vorauswahl | Hoch |
| KI-Kreditscoring | Bonitätsprüfung | Hoch |
| n8n + Claude | Rechnungsverarbeitung | Minimal |
| DeepL | Übersetzungen | Minimal |
Entscheidungsbaum: So stufen Sie Ihre KI-Systeme ein
- Nutzt das System verbotene Praktiken? → Nicht einsetzen.
- Ist es eine Sicherheitskomponente in einem regulierten Produkt? → Hochrisiko (ab August 2027).
- Wird es in einem Hochrisiko-Bereich nach Anhang III eingesetzt? → Prüfen, ob Ausnahme greift. Falls nicht: Hochrisiko.
- Interagiert es mit Personen oder erzeugt synthetische Inhalte? → Begrenztes Risiko.
- Keine der obigen Fragen trifft zu? → Minimales Risiko.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
1. KI-Inventar erstellen. Alle KI-Systeme auflisten, auch die, die einzelne Mitarbeiter auf eigene Initiative nutzen.
2. Risikoklasse bestimmen. Den Entscheidungsbaum oben für jedes System durchgehen.
3. Handlungsbedarf ableiten. Für Hochrisiko-Systeme: Compliance-Anforderungen umsetzen. Für alle: Entwicklung der KI-Kompetenz unterstützen.
4. Schulung planen. Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager vermittelt praxisnah, wie Sie KI-Systeme klassifizieren und Compliance-Prozesse aufsetzen. DEKRA-zertifiziert, 4 Monate, komplett online.
Erst kostenlos reinschnuppern, dann entscheiden
Bevor du dich für eine Weiterbildung entscheidest, sieh dir kostenlos an, wie sie läuft, fünf Lektionen plus Live-Demo, ohne Verpflichtung. Passt es, ist der Digitalisierungsmanager bei bewilligtem Bildungsgutschein für dich kostenlos.
Kostenlos reinschnuppernDer Schnupperkurs ist gratis. Ob die Weiterbildung über den Bildungsgutschein gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall.
Häufige Fragen
Gilt die Risikoklassifizierung auch für KI-Systeme aus den USA?
Kann sich die Risikoklasse eines KI-Systems ändern?
Was passiert, wenn ich ein Hochrisiko-System nutze, ohne die Pflichten zu erfüllen?
Muss ich ein KI-Register führen?
KI-Kompetenz für Ihr Team aufbauen?
Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager erfüllt die Anforderungen des EU AI Act Artikel 4. DEKRA-zertifiziert, 100 % förderbar.