Perplexity Comet ist seit 18. März 2026 kostenlos. Vorher war der AI-Browser nur für 200-Dollar-Abonnenten verfügbar. Jetzt bekommt jeder Pro-Nutzer (rund 20 USD pro Monat) den Browser für iOS, Android, Windows und Mac. Für Kanzleien, Steuerberater und alle, die viel recherchieren, ist das ein interessantes Werkzeug. Aber: Bei Mandantendaten gelten andere Regeln als beim Privatgebrauch.

Wir testen Comet seit dem Free-Launch in mehreren Kanzleien und Steuerbüros. Hier die ehrliche Bilanz mit Faktencheck.

Was Comet eigentlich ist

Comet ist kein klassischer Browser mit eingebauter Suche. Comet ist ein Browser, in dem Perplexity die zentrale Schnittstelle ist. Du tippst eine Frage statt einer URL, der Browser liest passende Quellen, der Comet Assistant kann Aktionen ausführen.

Praktisch heisst das: Du fragst "Welche aktuellen BFH-Urteile gibt es zu Photovoltaikanlagen auf Eigenheimen?", und Comet liefert dir nicht nur eine Antwortzusammenfassung, sondern auch die zugrundeliegenden Quellen, klickbar in der Seitenleiste. Du arbeitest die Quellen direkt im selben Tab durch.

Der Comet Assistant geht einen Schritt weiter. Er kann Multi-Step-Aufgaben übernehmen: Email-Management, Form-Filling, Shopping, Flugbuchung. Im Geschäftsalltag ist das relevant für Routinerecherche und Standardprozesse, weniger für Mandantenfälle.

Was sich seit März 2026 konkret geändert hat

Vor dem Free-Launch war Comet eine 200-USD-Curiosity. Nach dem Free-Launch wurde es zur ernsthaften Alternative zu Chrome plus ChatGPT plus Google Suche. Mai 2026 hat Perplexity weitere Compute-Modelle und Stabilität ausgerollt.

Im Mai 2026 hat Perplexity ausserdem die Enterprise-Variante deutlich ausgebaut. Comet Enterprise unterstützt MDM-Deployment auf macOS und Windows, hat hunderte Browser-Policies, integriert sich mit CrowdStrike Falcon und liefert Audit Logs. Das ist die Variante, die für DSGVO-sensible Branchen relevant ist.

Die Kostenlogik ist also: Comet Free für Pro-User (kostet 20 USD pro Monat für den Perplexity-Pro-Account), Comet Enterprise mit Custom Pricing für Firmen, die rechtssicher arbeiten wollen.

Wo Comet im Kanzlei-Alltag wirklich glänzt

Ein Steuerberater bei uns hat eine konkrete Recherche-Aufgabe gemessen: BFH-Urteile zu Sonderfragen der Photovoltaik-Besteuerung aus den letzten zwei Jahren, mit kurzer Einordnung der Tendenz. Bisheriger Aufwand: rund drei Stunden mit klassischer Recherche über Juris oder Beck-Online, anschliessend manuelle Zusammenfassung.

Mit Comet als Vorbereitung: rund eine Stunde. Comet liefert dir eine Vorab-Karte des Themas, identifiziert die wichtigsten Entscheidungen und liefert die Quellen direkt mit. Du musst die Treffer noch selbst lesen und juristisch einordnen, aber der Sucheinstieg ist deutlich schneller.

Das funktioniert besonders gut bei öffentlich zugänglichen Themen: BFH/BGH-Rechtsprechung, BMF-Schreiben, BAföG-Reformen, BSG-Urteile zu Sperrzeit. Bei spezifischer Mandantenkonstellation ist Comet nicht der richtige Helfer, da brauchst du klassische Fachliteratur und eigene rechtliche Bewertung.

Ähnlich bei Steuerberatern. Eine Vorabrecherche zur GoBD-Auslegung, zur EU-Mehrwertsteuerrichtlinie oder zur aktuellen Behandlung von Krypto-Gewinnen geht mit Comet schneller. Die Quellen-Transparenz hilft, falsche KI-Antworten schnell zu erkennen.

Wo die DSGVO-Grenze verläuft

Hier wird es ernst. Comet ist ein US-Service. Im normalen Pro-Plan landen deine Such-Eingaben, Browse-Daten und Aktionen primär in den USA. Für Mandantendaten oder Vorgänge mit personenbezogenen Daten ist das eine harte Grenze.

Konkret heisst das: Du kannst Comet für Recherche zu öffentlichen Themen einsetzen, also Rechtsprechung, Gesetzeslage, Branchentrends, Aktuelles aus dem Bundesanzeiger. Du darfst Mandantennamen, konkrete Fälle, Aktenzeichen oder personenbezogene Daten nicht in den normalen Pro-Plan eingeben.

Wer Comet rechtssicher für Mandantenarbeit einsetzen will, braucht Comet Enterprise mit Auftragsverarbeitungsvertrag und Datenresidenz-Optionen. Das ist nicht teuer, kostet aber Setup-Zeit und einen Vertrag mit Perplexity. Für Kanzleien ab fünf Anwälten ist das eine sinnvolle Investition, für Einzelanwälte oft Overkill.

Wichtig: Auch im Enterprise-Plan gilt die berufsrechtliche Verschwiegenheitspflicht (§ 43a BRAO bei Anwälten, § 57 StBerG bei Steuerberatern). Ein AVV ersetzt nicht die rechtliche Prüfung, ob ein konkreter Mandanten-Vorgang überhaupt durch eine KI-Schnittstelle laufen darf. Im Zweifel: nicht durch Comet, sondern manuell.

Vergleich: Comet vs Google plus ChatGPT vs Juris/Beck

Was viele Kanzleien gerade machen: Google für Sucheinstieg, ChatGPT für Zusammenfassung, dann Juris oder Beck-Online für die rechtssichere Quelle. Comet kollabiert die ersten zwei Schritte in einen.

Aufgabe Bester Weg
Themenmapping zu unbekanntem Rechtsgebiet Comet (deutlich schneller als Google)
Konkrete Rechtsprechung suchen Comet als Vorab-Screen, dann Juris/Beck für Volltext
BFH-Tendenz-Analyse Comet plus manuelle Bewertung
Mandantenspezifische Beratung Klassische Fachliteratur, niemals durch Comet ohne Enterprise
BMF-Schreiben recherchieren Comet sehr gut (öffentlich, gut indiziert)
EU-Recht und Richtlinien Comet (durchsucht EUR-Lex effizient)
Aktuelles zu Compliance-Themen (EU AI Act, NIS2) Comet (aktualisiert täglich)

Die generelle Logik: Comet ersetzt Google plus ChatGPT als ersten Schritt. Juris, Beck-Online, NWB und vergleichbare Fachdatenbanken bleiben relevant für den zweiten Schritt, also Volltext und rechtssichere Quelle.

Praxisbeispiel: Steuerkanzlei mit zwölf Mitarbeitern

Eine mittelgrosse Steuerkanzlei in Bayern setzt Comet seit April 2026 ein. Use-Case: Vorabrecherche bei komplexen Mandantenfragen, Aufbereitung für die anschliessende fachliche Bearbeitung, Recherche zu aktuellen BMF-Schreiben.

Setup: Pro-Account für den Kanzleiinhaber, der die Recherchen macht. Klare interne Spielregel: Keine Mandantennamen, keine konkreten Fälle, keine Aktenzeichen in Comet. Die Recherche ist immer abstrahiert und nutzt Mandanten nur als Anonym-Beispiel.

Zeitersparnis nach acht Wochen: rund drei Stunden pro Woche pro Mitarbeiter, der Comet aktiv nutzt. Bei zwölf Mitarbeitern, von denen vier intensiv recherchieren, sind das rund zwölf Mitarbeiterstunden pro Woche. Bei einem internen Stundensatz von 50 Euro netto entspricht das einer Wertschöpfung von rund 2.500 Euro pro Monat. Comet Pro kostet etwa 75 USD pro Monat für vier Lizenzen.

Was nicht funktioniert: Beratungen mit zeitkritischen, mandantenspezifischen Fragen. Da bleibt die klassische Recherche, weil Comet entweder rechtlich nicht erlaubt ist (DSGVO) oder fachlich zu oberflächlich.

Was du jetzt konkret tun solltest

Erstens: Prüfe, ob dein Perplexity-Pro-Account aktiviert ist und Comet als Default-Browser installiert ist. Das macht den größten Unterschied: Wer den AI-Browser nur als gelegentliche Notlösung nutzt, sieht den Effekt nicht. Wer ihn als Standard-Recherche-Tool etabliert, schon.

Zweitens: Schreibe dir eine interne Spielregel mit drei Sätzen. Was darf rein, was nicht. Wer fragt im Zweifel nach. So vermeidest du, dass jemand in einer hektischen Minute einen Mandantennamen eintippt.

Drittens: Wenn du mehr als drei Mitarbeiter hast, die regelmäßig recherchieren, prüfe Comet Enterprise. Der Aufwand für Vertrag und Setup amortisiert sich schnell.

Viertens: Vergiss nicht, dass Comet ergänzt, nicht ersetzt. Juris, Beck-Online und Fachliteratur bleiben die rechtssichere Quelle. Wer auf Comet-Antworten allein vertraut, baut sich ein Beratungsfehler-Risiko ein.

Wer KI im Steuerbüro oder in der Kanzlei systematischer einführen will, sollte mit unserem B2B KI-Email-Assistenten starten. Kostenlose Anleitung mit konkretem Setup-Vorschlag.

Wer das unterschätzt

In den meisten Steuerbüros und Kanzleien, die wir kennen, ist Comet nach dem Free-Launch in der Probierphase hängen geblieben. Einer testet es kurz, findet es interessant, nutzt es im Tagesgeschäft aber nicht. Der Grund ist nicht das Tool, sondern fehlende Setup-Disziplin. Wer Comet nicht als Default-Browser etabliert und nicht klare interne Spielregeln definiert, nutzt es nicht. Wer aber drei Stunden in das Setup investiert und die ersten Recherchen damit macht, kommt nach zwei Wochen nicht mehr zurück. Das ist kein Hype, das ist die normale Eingewöhnungskurve. Wer das auslässt, verschenkt drei Mitarbeiterstunden pro Woche und Person.

Häufige Fragen

Ist Comet wirklich kostenlos oder versteckt sich da ein Abo?

Comet selbst ist kostenlos für alle Perplexity-Pro-Nutzer. Perplexity Pro kostet rund 20 USD pro Monat. Ohne Pro-Abo gibt es Comet aktuell nicht. Comet Enterprise hat Custom Pricing, in der Regel pro Lizenz und Monat im niedrigen zweistelligen USD-Bereich.

Welche Daten sammelt Perplexity bei der Comet-Nutzung?

Such-Eingaben, Browser-Verlauf bei aktiver Comet-Nutzung, Aktionen des Comet Assistant. Im Pro-Plan landet das primär in den USA. Im Enterprise-Plan gibt es Audit Logs, Datenresidenz und differenzierte Kontrolle. Für Mandantendaten oder besonders sensible Recherche ist Enterprise die einzige rechtskonforme Variante.

Ersetzt Comet meine Fachdatenbank wie Juris oder Beck-Online?

Nein. Comet ist ein Recherche-Tool für den ersten Schritt. Juris, Beck-Online und NWB sind weiter notwendig für Volltext-Zugriff und rechtssichere Zitate. Die Kombination ist effizient, eine alleinige Comet-Nutzung wäre fachlich riskant.

Wie schnell ist Comet im Alltag wirklich?

Bei einem typischen Recherche-Schritt liefert Comet eine erste Antwort in etwa 5 bis 15 Sekunden, bei Deep Research bis zu zwei Minuten. Das ist langsamer als eine direkte Google-Suche, aber deutlich schneller als "Google plus ChatGPT als Zwischenschritt plus manuelles Filtern". Im Tagesablauf spart Comet pro Recherche rund 10 bis 30 Minuten.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist promovierter Wirtschaftspädagoge und Inhaber von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger. Er entwickelt seit 2024 KI-gestützte Weiterbildungs- und Prozessautomatisierungslösungen für den Mittelstand. Über Skill-Sprinters läuft auch der Digitalisierungsmanager, eine 4-monatige geförderte Weiterbildung.

Bereit für den nächsten Schritt? Wenn du KI in deiner Kanzlei oder deinem Steuerbüro rechtssicher und produktiv einsetzen willst, hol dir unseren kostenlosen KI-Email-Assistenten als B2B-Freebie. Konkrete Anleitung, sofort einsetzbar, null Euro.

Bereit für deinen nächsten Karriereschritt?

Lass dich kostenlos beraten. Wir finden die passende Weiterbildung und Förderung für dich.

Weiterbildung ansehen WhatsApp