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1. KI-RichtlinieGrundregeln für den KI-EinsatzPolicy-Dokument
2. RisikoklassifizierungEinstufung jedes KI-Systems nach RisikoKI-Register
3. DatenschutzDSFA, AVV, BetroffenenrechteDSFA-Dokumentation
4. VerantwortlichkeitenWer ist für was zuständig?RACI-Matrix
5. Monitoring und AuditRegelmäßige Prüfung und AnpassungAudit-Protokoll

Schritt 1: KI-Richtlinie erstellen

Eine KI-Richtlinie ist das Fundament. Sie muss nicht 50 Seiten lang sein. Für ein KMU reichen 3 bis 5 Seiten mit folgenden Inhalten:

Zweck und Geltungsbereich

Für wen gilt die Richtlinie? Alle Mitarbeiter, die KI-Tools nutzen. Welche Tools sind betroffen? Alles, was auf KI basiert: ChatGPT, Microsoft Copilot, Automatisierungstools, branchenspezifische Software.

Erlaubte und verbotene Nutzung

Erlaubt:

Verboten oder eingeschränkt:

Datenschutzregeln

Verantwortlichkeiten

Schritt 2: KI-Register anlegen

Der EU AI Act verlangt, dass Unternehmen ihre KI-Systeme dokumentieren. Ein KI-Register muss für jedes System enthalten:

Praxis-Tipp: Nutzen Sie eine einfache Tabelle (Excel oder Notion). Kein aufwendiges Tool nötig.

Risikoklassifizierung nach EU AI Act

RisikoklasseBeispielePflichten
VerbotenSoziales Scoring, Emotionserkennung am ArbeitsplatzEinsatz untersagt
HochrisikoKI im Recruiting, Kreditvergabe, BildungRisikomanagementsystem, DSFA, Audit
Begrenztes RisikoChatbots, EmpfehlungssystemeTransparenzpflicht (KI-Hinweis)
Minimales RisikoTexterstellung, Übersetzung, AnalyseKeine besonderen Pflichten

Die meisten KI-Anwendungen in KMU (ChatGPT, Automatisierung, Textgenerierung) fallen in die Kategorie minimales Risiko. Sobald KI bei Personalentscheidungen oder Kundenbewertungen mitentscheidet, steigt das Risiko.

Schritt 3: Datenschutzfolgenabschätzung (DSFA) durchführen

Wann ist eine DSFA Pflicht?

Nach Art. 35 DSGVO ist eine DSFA Pflicht, wenn eine Datenverarbeitung voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen birgt. Das ist bei KI besonders oft der Fall, wenn:

Ablauf einer DSFA

Phase 1: Beschreibung (Was wird gemacht?)

Phase 2: Bewertung der Notwendigkeit (Muss das sein?)

Phase 3: Risikobewertung (Was kann schiefgehen?)

Phase 4: Maßnahmen (Was tun wir dagegen?)

Phase 5: Dokumentation und Review

DSFA-Pflicht: Typische KI-Anwendungen

KI-AnwendungDSFA-Pflicht?Begründung
ChatGPT für Texterstellung (ohne personenbezogene Daten)NeinKein Personenbezug
KI-Chatbot auf Website mit Name/E-MailEher jaPersonenbezogene Daten + neue Technologie
KI-Vorauswahl im RecruitingJaProfiling + automatisierte Entscheidung
KI-Analyse von Kundendaten für MarketingEher jaProfiling
KI-gestützte ZeiterfassungEher jaBeschäftigtendaten + systematische Überwachung
n8n/Automatisierung ohne PersonenbezugNeinKein Personenbezug

Schritt 4: Verantwortlichkeiten festlegen

Wer braucht einen KI-Beauftragten?

Der EU AI Act verlangt keinen expliziten "KI-Beauftragten", aber er verlangt KI-Kompetenz (Art. 4). In der Praxis empfiehlt es sich, eine Person zu benennen, die die KI-Governance koordiniert. Das kann sein:

RACI-Matrix für KI-Governance

AufgabeGeschäftsleitungKI-VerantwortlicherDSBFachabteilung
KI-Richtlinie genehmigenARCI
Neues KI-Tool freigebenIR/ACR
DSFA durchführenICR/AC
Mitarbeiter schulenIRCA
KI-Register pflegenIR/ACI

(R = Responsible, A = Accountable, C = Consulted, I = Informed)

Schritt 5: Monitoring einrichten

KI-Governance ist kein einmaliges Projekt. Sie brauchen:

Häufige Fragen

Braucht jedes Unternehmen KI-Governance?

Sobald ein Unternehmen KI-Tools einsetzt, braucht es mindestens eine KI-Richtlinie und die Prüfung, ob eine DSFA nötig ist. Das gilt auch für die Nutzung von ChatGPT durch einzelne Mitarbeiter. Der Umfang der Governance skaliert mit der Komplexität des KI-Einsatzes.

Wie aufwendig ist eine Datenschutzfolgenabschätzung?

Für eine typische KMU-Anwendung (z.B. KI-Chatbot oder Recruiting-Tool) dauert eine DSFA 2 bis 5 Arbeitstage. Es gibt Vorlagen und Tools, die den Prozess standardisieren. Aufwendiger wird es bei Hochrisiko-Anwendungen, die zusätzlich ein Risikomanagementsystem nach EU AI Act erfordern.

Was passiert, wenn ich keine KI-Governance habe?

Kurzfristig: nichts. Langfristig: erhöhtes Risiko bei Datenpannen (DSGVO-Bußgelder bis 20 Mio. EUR), Compliance-Verstöße gegen den EU AI Act (bis 35 Mio. EUR), und fehlende Nachweisbarkeit bei Haftungsfragen. Außerdem verlangen immer mehr Kunden und Geschäftspartner den Nachweis einer KI-Governance.

Kann ich KI-Governance selbst aufbauen oder brauche ich einen Berater?

Für die meisten KMU lässt sich ein pragmatisches Governance-System intern aufbauen. Die Voraussetzung: Jemand im Unternehmen hat die nötige KI-Kompetenz. Eine Weiterbildung im Bereich Digitalisierung und KI vermittelt genau dieses Wissen. Für Hochrisiko-Anwendungen empfiehlt sich zusätzlich eine juristische Beratung.

Muss ich jeden KI-Einsatz einzeln genehmigen?

Nein. Ihre KI-Richtlinie sollte eine Whitelist mit vorab genehmigten Tools enthalten (z.B. ChatGPT Team, Microsoft Copilot, Ihr CRM-System). Für diese Tools gelten die allgemeinen Regeln. Nur neue oder nicht gelistete Tools durchlaufen den Genehmigungsprozess.

Häufige Fragen

Braucht jedes Unternehmen KI-Governance?
Sobald KI-Tools eingesetzt werden, brauchen Sie mindestens eine KI-Richtlinie und die Prüfung, ob eine DSFA nötig ist. Der Umfang skaliert mit der Komplexität.
Wie aufwendig ist eine Datenschutzfolgenabschätzung?
Für eine typische KMU-Anwendung 2 bis 5 Arbeitstage. Es gibt Vorlagen und Tools, die den Prozess standardisieren.
Was passiert, wenn ich keine KI-Governance habe?
Erhöhtes Risiko bei Datenpannen (DSGVO-Bußgelder), Compliance-Verstöße gegen den EU AI Act und fehlende Nachweisbarkeit bei Haftungsfragen.
Muss ich jeden KI-Einsatz einzeln genehmigen?
Nein. Ihre KI-Richtlinie sollte eine Whitelist mit vorab genehmigten Tools enthalten. Nur neue Tools durchlaufen den Genehmigungsprozess.

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