Ab August 2026 verlangt der EU AI Act, dass Unternehmen die KI-Kompetenz ihrer Mitarbeiter sicherstellen. Artikel 4 der Verordnung macht das zur Pflicht. Doch was genau muss dokumentiert werden? Welche Schulung reicht aus? Und wie sieht ein KI-Schulungsnachweis in der Praxis aus?

Das Wichtigste in Kürze

Praxis-Tipp: Starten Sie mit einem einfachen KI-Schulungsregister (Excel, 2 Reiter: Schulungen + Teilnehmer). Das reicht für die meisten KMU aus und lässt sich bei einer Prüfung sofort vorlegen.

Was verlangt Artikel 4 genau?

Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber, "nach besten Kräften" sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt. Das bedeutet:

Drei Kompetenzebenen

EbenePersonenkreisSchulungsumfang
BasisAlle KI-Nutzer (ChatGPT, Copilot)2-4 Stunden: Grundlagen, Datenschutz, Prüfpflicht
ErweitertKI-Konfiguration, Prozessintegration1-2 Tage: Risikoklassen, Monitoring, Richtlinie
SpezialistHochrisiko-Systeme, KI-GovernanceMehrwöchig: EU AI Act, Risikomanagement, Audit

Das KI-Schulungsregister

Ein zentrales Dokument, das alle Schulungen erfasst:

FeldBeispiel
Datum15.03.2026
TitelKI-Grundlagen und Datenschutz bei ChatGPT
Dauer3 Stunden
TrainerIntern: Maria Schmidt (IT-Leitung)
TeilnehmerMarketing-Team (5 Personen)
InhalteLLM-Grundlagen, Prompting, DSGVO-Regeln, Prüfpflicht
KI-SystemeChatGPT Team, Microsoft Copilot

Welche Nachweise sind geeignet?

NachweisartGeeignet?
Teilnahmeliste mit UnterschriftJa
Zertifikat (DEKRA/TÜV/IHK)Ja (besonders stark)
E-Learning-AbschlussberichtJa
Mündliche Unterweisung ohne DokumentationNein

Häufige Fehler bei der Dokumentation

  1. Keine zentrale Ablage. Nachweise verstreut in E-Mail-Postfächern.
  2. Zu allgemeine Inhalte. "IT-Schulung" reicht nicht als KI-Nachweis.
  3. Einmalige Schulung ohne Auffrischung. Planen Sie jährliche Updates ein.
  4. Neue Mitarbeiter vergessen. Schulung vor der ersten KI-Nutzung.
  5. Keine Verbindung zu KI-Systemen. Die Schulung muss sich auf die genutzten Tools beziehen.

Schulungsformate im Vergleich

Interne Workshops: Günstig, unternehmensspezifisch, aber Qualität hängt vom internen Know-how ab.

E-Learning: Skalierbar, automatische Dokumentation, aber weniger interaktiv.

Externe Weiterbildung: Anerkanntes Zertifikat, professionelle Trainer. Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager (IHK) verbindet KI-Grundlagen, Datenschutz und Prozessautomatisierung. DEKRA-zertifiziert, 4 Monate, über das Qualifizierungschancengesetz förderbar bis zu 100 % der Kosten.

Was passiert bei einer Prüfung?

Die zuständige Marktüberwachungsbehörde kann fragen: Welche KI-Systeme setzen Sie ein? Wer nutzt sie? Welche Schulungen wurden durchgeführt? Können Sie Nachweise vorlegen? Gibt es eine KI-Richtlinie?

Mit einem gepflegten KI-Schulungsregister, Ihrer KI-Richtlinie und den Schulungsunterlagen sind Sie auf der sicheren Seite.

Häufige Fragen

Reicht ein YouTube-Tutorial als KI-Schulung?
Grundsätzlich ist kein bestimmtes Format vorgeschrieben. Ein YouTube-Tutorial allein ist aber problematisch, weil die Teilnahme schwer nachweisbar ist und die Inhalte nicht auf Ihr Unternehmen zugeschnitten sind. Besser: Ein E-Learning-Kurs mit Abschlusstest und automatischer Teilnahmebestätigung.
Muss jeder Mitarbeiter ein Zertifikat haben?
Nein. Artikel 4 verlangt keine formale Zertifizierung. Aber ein dokumentierter Schulungsnachweis ist notwendig. Ein Zertifikat einer anerkannten Stelle (DEKRA, TÜV, IHK) hat in einer Prüfung mehr Gewicht als eine interne Teilnahmeliste.
Wie lange muss ich Schulungsnachweise aufbewahren?
Der EU AI Act nennt keine explizite Aufbewahrungsfrist. Orientieren Sie sich an der DSGVO-Praxis: Solange die Person im Unternehmen beschäftigt ist und KI-Systeme nutzt, plus drei Jahre danach. In der Praxis: Bewahren Sie alles auf, es kostet nichts.
Können wir die Schulung selbst durchführen?
Beides ist möglich. Für die Basisschulung reicht ein kompetenter interner Trainer. Für die erweiterte Schulung empfiehlt sich ein externer Anbieter, der ein anerkanntes Zertifikat ausstellt. Das Qualifizierungschancengesetz fördert externe Weiterbildungen je nach Unternehmensgröße mit bis zu 100 % der Kosten.

KI-Kompetenz für Ihr Team aufbauen?

Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager (IHK) erfüllt die Anforderungen des EU AI Act Artikel 4. DEKRA-zertifiziert, 100 % förderbar.

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