KI-Kompetenzpflicht Art. 4 EU AI Act: Was Unternehmen 2026 beachten sollten

Seit 2. Februar 2025 in Kraft. Wer KI im Betrieb einsetzt, sollte die KI-Kompetenz seines Personals aktiv fördern, auch wenn das Gesetz keine Dokumentation vorschreibt. Diese Seite zeigt was Art. 4 verlangt, welche Risiken bei Versäumnis drohen, wie eine sinnvolle Schulung aussieht und welche Förderwege es gibt.

20. Mai 2026 · 15 Min Lesezeit · Dr. Jens Aichinger

Seit dem 27. Juli 2026 verlangt Art. 4 KI-VO, die Entwicklung der KI-Kompetenz des Personals zu unterstützen; ein bestimmtes Kompetenzniveau oder ein Zertifikat schreibt er nicht vor. Im Video geht Dr. Jens Aichinger den neuen Wortlaut durch und zeigt vier Praxisschritte für kleine und mittlere Betriebe.

KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-VO: Was müssen Arbeitgeber 2026 tun?Das Video lädt erst nach dem Klick von YouTube. Dabei werden Daten wie die IP-Adresse an Google übertragen, auch in die USA. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung. Auf YouTube ansehen

Was Artikel 4 EU AI Act verlangt

Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz des Personals zu unterstützen, das mit den eingesetzten Systemen umgeht. Seit dem 27. Juli 2026 gilt der Artikel in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744, die ausdrücklich klarstellt: Ein bestimmtes Kompetenzniveau müssen Unternehmen für niemanden garantieren. Der Originaltext spricht von Personal, das KI-Systeme bedient, und von Personen, die in deren Namen handeln. In der Praxis heißt das: jeder Mitarbeiter der ChatGPT, Claude, Microsoft Copilot, Google Gemini oder branchenspezifische KI nutzt, fällt unter Art. 4.

Wichtige Klarstellung: Art. 4 ist keine zukünftige Pflicht. Sie gilt seit dem 2. Februar 2025. Eine Pflicht, Schulungen zu dokumentieren oder nachzuweisen, enthält die Verordnung nicht; die Bundesnetzagentur empfiehlt aber, die getroffenen Maßnahmen gut zu dokumentieren. Bei vielen Unternehmen ist das Thema noch nicht angekommen, weil Art. 4 selbst nicht bußgeldbewehrt ist. Die Konsequenzen kommen über die zivilrechtliche Sorgfaltspflicht.

Wortlaut von Artikel 4 und die KI-Verordnung als PDF

Absatz 1 lautet in der seit dem 27. Juli 2026 geltenden Fassung:

„Die Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals und anderer Personen zu unterstützen, die in ihrem Auftrag mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind, wobei ihre technischen Kenntnisse, ihre Erfahrung, ihre Aus- und Fortbildung und der Kontext, in dem die KI-Systeme eingesetzt werden sollen, sowie die Personen oder Personengruppen, bei denen die KI-Systeme eingesetzt werden sollen, zu berücksichtigen sind. Diese Verpflichtung verpflichtet Anbieter oder Betreiber nicht, für irgendeine Person ein bestimmtes Niveau an KI-Kompetenz zu garantieren.“

Nach Absatz 2 unterstützen Kommission und Mitgliedstaaten die Unternehmen dabei, vor allem kleine und mittlere; die Kommission veröffentlicht dazu praktische Beispiele auf ihrer zentralen Informationsplattform. Absatz 3 betrifft Empfehlungen des KI-Gremiums an Kommission und Mitgliedstaaten.

Den vollständigen Text der KI-Verordnung (KI-VO) gibt es kostenlos auf EUR-Lex, dem Rechtsportal der Europäischen Union, auf Deutsch als Webseite und als PDF. Rechtsverbindlich sind die Fassungen im Amtsblatt: die Verordnung (EU) 2024/1689 vom 13. Juni 2024 als PDF (Amtsblatt vom 12. Juli 2024, 144 Seiten) und die Änderungsverordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026 (Amtsblatt vom 24. Juli 2026). Wer den heutigen Stand in einem Dokument lesen will, nimmt die konsolidierte Fassung vom 27. Juli 2026. Sie dient nach dem Hinweis der EU nur zur Information und hat keine Rechtswirkung, als Lesefassung für den Arbeitsalltag ist sie trotzdem die bequemste.

Gibt es eine KI-Schulungspflicht?

Eine KI-Schulungspflicht mit festem Stundenumfang, Prüfung oder Zertifikat steht nicht in der KI-Verordnung. Wer nach der Schulungspflicht im EU AI Act sucht, landet bei Artikel 4, und der verlangt seit der Neufassung, dass Anbieter und Betreiber Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz ergreifen. Welche Maßnahmen das sind, entscheidet das Unternehmen selbst: eine Schulung, eine interne Einweisung mit Leitfaden, ein Selbstlernprogramm oder eine längere Weiterbildung. Ein bestimmtes Kompetenzniveau muss es für niemanden garantieren. Eine Nachweis- oder Dokumentationspflicht enthält der Text nicht, und die Bußgeldrahmen in Artikel 99 Absatz 3 bis 5 erfassen Artikel 4 nicht. Den Grund nennt die Änderungsverordnung selbst: Strenge Pflichten, ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz sicherzustellen, passten nicht für alle Anbieter und Betreiber und verursachten gerade bei kleineren Unternehmen zusätzlichen Aufwand (Erwägungsgrund 8).

Ganz ohne Pflicht ist Artikel 4 deshalb nicht. Wer KI im Betrieb nutzt und keinerlei Maßnahmen ergreift, erfüllt ihn nicht.

Viele erwarten eine KI-Pflichtschulung, bei der jeder Mitarbeiter einen bestimmten Kurs mit Bescheinigung absolvieren muss. Die Bundesnetzagentur zählt auf ihrer Seite zur KI-Kompetenz auf, was für Artikel 4 nicht vorgeschrieben ist: garantierte Kompetenzniveaus einzelner Personen, formalisierte oder standardisierte Trainings, externe Zertifizierungen und ein KI-Beauftragter. Die Maßnahmen können nach ihren Angaben intern oder extern laufen. Sie empfiehlt aber, sie gut zu dokumentieren, weil ein Mangel an KI-Kompetenz als Verletzung der Sorgfaltspflicht angesehen werden kann, besonders wenn dadurch ein Schaden entsteht.

Echte Schulungspflichten gibt es trotzdem, nur in anderen Gesetzen. Seit dem 6. Dezember 2025 müssen die Geschäftsleitungen besonders wichtiger und wichtiger Einrichtungen nach Paragraph 38 Absatz 3 BSIG regelmäßig an Schulungen teilnehmen, um Risiken und Risikomanagementpraktiken in der Sicherheit der Informationstechnik erkennen und bewerten zu können; das ist die deutsche Umsetzung von Artikel 20 Absatz 2 der NIS-2-Richtlinie. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt in Paragraph 12 eine Unterweisung zu Sicherheit und Gesundheitsschutz, unter anderem bei der Einführung neuer Arbeitsmittel oder einer neuen Technologie. Beide Pflichten gelten neben Artikel 4, und eine KI-Schulung ersetzt keine von ihnen.

Wir raten davon ab, das Thema nur als Rechtsfrage zu behandeln. Wer schult, weil er eine Pflicht vermutet, bucht oft die kürzeste Veranstaltung mit Teilnahmebescheinigung, und in der Woche danach arbeiten die meisten wie vorher. Nützlich wird KI-Kompetenz erst, wenn Mitarbeiter an ihren eigenen Vorgängen üben und dabei erleben, wo die Werkzeuge danebenliegen. Das sieht auch die Änderungsverordnung so: KI-Kompetenz solle „unabhängig von gesetzlichen Verpflichtungen und möglichen Sanktionen eine strategische Priorität sein“.

Wer betroffen ist und wer nicht

Art. 4 macht keine Ausnahme nach Unternehmensgröße. Konkret betroffen:

Nicht betroffen sind reine Privatnutzer ohne beruflichen Kontext. Sobald KI im Kunden- oder Klientenkontakt verwendet wird, greift Art. 4.

Fünf Kern-Inhalte einer Art-4-Schulung

Die Verordnung schreibt weder Stunden noch Inhalte vor. Bewährt hat sich eine Schulung, die diese fünf Bausteine abdeckt:

BausteinKonkrete Lerninhalte
1. FunktionsweiseGrundverständnis was Large Language Models tun und nicht tun, Unterschied zwischen Deep Learning und regelbasierter KI, Begriff Training und Inferenz
2. Grenzen und FehlerHalluzinationen, Trainingsdaten-Stand, falsche Sicherheit, Wissen-Stichtag, Quellen-Verifikation
3. DatenschutzWas darf in den Prompt, was nicht (personenbezogene Daten, Geschäftsgeheimnisse), DSGVO-Berührungspunkte, Auftragsverarbeitung bei API-Nutzung
4. Bias und FairnessWo systematische Verzerrungen entstehen, wie man sie erkennt, was bei Diskriminierungs-Risiken zu tun ist
5. VerantwortlichkeitWer freigibt KI-Ergebnisse vor Veröffentlichung, wie wird Output dokumentiert, Eskalationswege bei Auffälligkeiten

Eine Dokumentation ist rechtlich nicht vorgeschrieben, hilft aber im Streitfall als Beleg: Teilnehmerliste, Inhaltsverzeichnis, Datum, idealerweise ein kurzer Wissens-Test.

Was bei Verstoß droht

Art. 4 selbst ist nicht direkt bußgeldbewehrt. Die Bußgeldrahmen in Artikel 99 Absatz 3 und 4 erfassen Art. 5 (verbotene Praktiken), Art. 16, 22 bis 24, 25 Absatz 2 und 4, 26, 31, 33, 34 und 50; Artikel 25 ist durch die Verordnung (EU) 2026/1744 hinzugekommen, Artikel 4 steht nicht in der Liste. Die Höchststrafe liegt bei 35 Mio Euro oder 7 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes (Art. 5), bei anderen Verstößen niedriger.

Aber: Art. 4 wirkt indirekt über die zivilrechtliche Sorgfaltspflicht. Wenn ein Mitarbeiter wegen fehlender KI-Kompetenz einen Schaden verursacht (falscher KI-generierter Vertrag, KI-Bias bei Bewerbungsverfahren, Datenschutzverletzung durch unbedachte Prompts), kann das Unternehmen haften, denn ein Mangel an KI-Kompetenz kann als Verletzung der Sorgfaltspflicht angesehen werden. Geschäftsführer einer GmbH haften der Gesellschaft nach Paragraph 43 Absatz 2 GmbHG, wenn sie die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes verletzen.

Reale Folgekosten typischerweise:

Welche Schulungsformate Art. 4 erfüllen

Die Tiefe hängt vom Anwendungsfall ab. Vier typische Stufen:

StufeFormatDauerKosten und Förderung
Anwender (ChatGPT, Copilot)Online-Schulung, E-Learning, Wissens-Test4 bis 6 Stundenintern vor allem Arbeitszeit, extern je nach Anbieter; keine Förderung nach Paragraph 82 SGB III (unter 120 Stunden)
Power-User und MultiplikatorenInhouse-Workshop oder vertiefendes E-Learning1 bis 2 Tageje nach Anbieter; keine Förderung nach Paragraph 82 SGB III (unter 120 Stunden)
KI-Beauftragte und IT-VerantwortlicheZertifikatslehrgang16 bis 40 Stundenje nach Anbieter; keine Förderung nach Paragraph 82 SGB III (unter 120 Stunden)
Digitalisierungsmanager (AZAV-zugelassene Weiterbildung)Vollumfängliche Weiterbildung720 Unterrichtseinheiten, 4 Monate10.548,00 Euro je Teilnehmer; förderbar nach Paragraph 82 SGB III oder mit Bildungsgutschein, über die Bewilligung entscheidet die Agentur für Arbeit

Für reine Anwender mit Standard-KI-Tools reicht die erste Stufe. Wer KI tiefer integriert (eigene Workflows, API-Nutzung, Auto-Entscheidungen), braucht mindestens Stufe 2. Ab Hochrisiko-Einsatz (HR, Bonität, Recht) ist Stufe 3 oder 4 angemessen.

Einen Preis pro Mitarbeiter gibt die Verordnung nicht her, weil sie weder Format noch Umfang vorgibt. Eine interne Schulung kostet vor allem die Arbeitszeit von Trainer und Teilnehmern, und die Bundesnetzagentur verweist auf kostenlose Angebote, etwa die rund 100 KI-Trainer der Mittelstand-Digital Zentren, den KI-Campus und das appliedAI Institute for Europe. Unsere nach AZAV zugelassenen Kurse für Beschäftigte mit den Lehrgangskosten je Teilnehmer stehen auf der Seite KI-Schulung für Unternehmen; der KI-Praktiker mit 240 Unterrichtseinheiten kostet dort 2.779,20 Euro.

Förderwege für KI-Schulungen

Drei wichtige Wege, die sich kombinieren lassen:

  1. Qualifizierungschancengesetz (QCG) nach Paragraph 82 SGB III: für Beschäftigte. Förderquote der Lehrgangskosten je nach Firmengröße: unter 50 Mitarbeiter 100 Prozent, 50 bis 499 Mitarbeiter 50 Prozent (mit Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung 55 Prozent, bis 100 Prozent bei Beschäftigten ab 45 Jahren oder mit Schwerbehinderung), ab 500 Mitarbeiter 25 Prozent (mit TV/BV 30 Prozent). Zusätzlich Arbeitsentgeltzuschuss von 75, 50 oder 25 Prozent.
  2. Bildungsgutschein nach Paragraph 81 SGB III: für Arbeitssuchende und von Arbeitslosigkeit Bedrohte. 100 Prozent der Lehrgangskosten. Im Ermessen der Vermittlerin oder des Vermittlers bei der Agentur für Arbeit.
  3. Steuer-Abzug als Betriebsausgabe: 100 Prozent der Schulungs- und Prüfungsgebühren sind voll absetzbar, sofern dienstlich veranlasst.

Beispiel KMU mit 30 Mitarbeitern, davon 4 KI-Anwender, davon 1 KI-Beauftragter: 4 Online-Schulungen je 180 Euro plus 1 Zertifikatslehrgang 2.500 Euro = 3.220 Euro Lehrgangskosten. Über das QCG laufen diese kurzen Formate nicht, denn Paragraph 82 SGB III fördert nur zugelassene Maßnahmen mit mehr als 120 Stunden. Das Unternehmen trägt die 3.220 Euro selbst und setzt sie als Betriebsausgabe ab. Erst eine längere zugelassene Weiterbildung kommt für das QCG in Frage, bei unter 50 Beschäftigten dann in der Regel mit voller Übernahme der Lehrgangskosten.

KI im Unternehmen einführen, Schritt für Schritt

Wer KI im Unternehmen einführen will, fängt am besten klein an: ein oder zwei Anwendungsfälle mit greifbarem Nutzen, etwa Angebotsentwürfe oder das Vorsortieren von Kundenanfragen, ein freigegebenes Werkzeug mit geklärtem Datenschutz und eine kleine Gruppe, die es zuerst nutzt und ihre Erfahrungen weitergibt. Artikel 4 lässt sich dabei gleich mit erledigen. Die Bundesnetzagentur nennt zur Orientierung drei Grundsteine: Bedarf ermitteln, Maßnahmen gestalten und als dritten Schritt dokumentieren, auswerten und auffrischen. Die folgenden Schritte passen für die Einführung genauso wie für Betriebe, die KI schon nutzen:

  1. Inventarisierung: Welche KI-Tools sind im Einsatz, wer nutzt sie, in welchen Anwendungsfällen? Liste führen, darauf bauen alle weiteren Schritte auf.
  2. Risiko-Kategorisierung: pro Anwendung einstufen: Anwender, Power-User, Beauftragter. Daraus ergibt sich Schulungsstufe.
  3. Schulung durchführen: bei Online-Lösungen sofort startbar, bei Inhouse-Workshop 4 bis 8 Wochen Vorlauf, bei längerer Weiterbildung kommender Kursstart.
  4. Dokumentation (empfohlen, nicht vorgeschrieben): Teilnehmerliste mit Datum, Inhaltsverzeichnis, Wissens-Test mit Ergebnis.
  5. KI-Richtlinie schreiben: kurze interne Regel was erlaubt ist, was verboten, wer freigibt. Eine Seite reicht, freigeben sollte sie die Geschäftsleitung.
  6. Jährliche Auffrischung: KI-Tools entwickeln sich, eine einmalige Schulung von 2025 reicht 2027 nicht mehr.

Weiterführende Themen-Cluster

Häufige Fragen zur KI-Kompetenzpflicht

Was sagt Artikel 4 des EU AI Act genau?
Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz des Personals zu unterstützen, das mit KI-Systemen umgeht. Art. 4 gilt seit dem 2. Februar 2025, seit dem 27. Juli 2026 in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744. Es geht nicht um Programmier-Kenntnisse, sondern um Verständnis für Wirkungsweise, Risiken und Grenzen der eingesetzten KI.
Gibt es eine KI-Schulungspflicht?
Eine Pflicht zu einer bestimmten Schulung enthält die KI-Verordnung nicht. Artikel 4 verlangt Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz zu unterstützen; ein bestimmtes Kompetenzniveau oder einen Nachweis verlangt er nicht, und Artikel 99 sieht für Artikel 4 keinen eigenen Bußgeldrahmen vor. Echte Schulungspflichten stehen in anderen Gesetzen, etwa für Geschäftsleitungen von NIS-2-Einrichtungen in Paragraph 38 Absatz 3 BSIG oder als Unterweisung nach Paragraph 12 Arbeitsschutzgesetz.
Wer ist von Art. 4 betroffen?
Jedes Unternehmen, das KI-Systeme einsetzt oder anbietet, unabhängig von Größe und Branche. Konkret: Wer ChatGPT, Claude, Copilot, Gemini oder branchenspezifische KI-Tools beruflich nutzt, fällt darunter. Es gibt keine Mindestgröße.
Welche Bußgelder oder Haftungsrisiken drohen bei Verstoß gegen Art. 4?
Art. 4 ist nicht direkt bußgeldbewehrt: Die Bußgeldrahmen in Artikel 99 Absatz 3 und 4 erfassen Art. 5, 16, 22 bis 24, 25 Absatz 2 und 4, 26, 31, 33, 34 und 50, Artikel 4 gehört nicht dazu. Die Mitgliedstaaten regeln nach Artikel 99 Absatz 1 eigene Sanktionen; das deutsche KI-MIG (KI-Marktüberwachungs-und-Innovationsförderungs-Gesetz) nennt Artikel 4 in seinen Bußgeldvorschriften in Paragraph 15 nicht. Bei einem KI-Schaden kann fehlende KI-Kompetenz aber als Verletzung der Sorgfaltspflicht angesehen werden, dann kommt eine zivilrechtliche Haftung des Unternehmens in Betracht. Geschäftsführer haften der Gesellschaft nach Paragraph 43 Absatz 2 GmbHG, wenn sie die Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes verletzen.
Was sollte in einer Art-4-Schulung enthalten sein?
Vorgeschrieben sind keine bestimmten Inhalte, bewährt haben sich fünf Bausteine: Grundverständnis, wie das eingesetzte KI-System funktioniert, Wissen über Grenzen und typische Fehler, Datenschutz und Vertraulichkeit, Erkennen von Halluzinationen und Bias, Verantwortlichkeiten und Eskalationswege. Die inhaltliche Tiefe hängt vom Anwendungsfall ab.
Kann ich die KI-Schulung intern durchführen?
Ja. Die KI-Verordnung schreibt weder Format noch Anbieter vor, und nach Auskunft der Bundesnetzagentur können die Maßnahmen intern oder extern durchgeführt werden; eine Zertifizierungspflicht gibt es nicht. Eine reine ChatGPT-Einweisung reicht allerdings selten, denn Art. 4 verlangt, Kenntnisse, Erfahrung und Einsatzkontext der Beschäftigten zu berücksichtigen, und dazu gehören Grenzen, Halluzinationen, Bias und Datenschutz. Wer intern schult, sollte festhalten, wer wann was gelernt hat; vorgeschrieben ist das nicht, im Streitfall hilft es aber als Beleg.
Wie lange dauert eine gute KI-Schulung?
Eine Dauer schreibt die KI-Verordnung nicht vor. Für reine Anwender von ChatGPT oder Microsoft Copilot genügt für den Einstieg oft ein halber Tag von 4 bis 6 Stunden mit kurzem Wissens-Test, für KI-Beauftragte und Hochrisiko-Einsätze sind 16 bis 40 Stunden sinnvoll. Eine Weiterbildung wie der Digitalisierungsmanager mit 720 Unterrichtseinheiten geht weit darüber hinaus und deckt zusätzlich die Einführung im Betrieb ab.
Was kostet eine KI-Schulung nach Art. 4 pro Mitarbeiter?
Einen festen Preis gibt es nicht, weil die KI-Verordnung weder Format noch Umfang vorschreibt. Eine interne Schulung kostet vor allem Arbeitszeit, und die Bundesnetzagentur verweist auf kostenlose Angebote, etwa die KI-Trainer der Mittelstand-Digital Zentren. Bei SkillSprinters kostet der KI-Praktiker mit 240 Unterrichtseinheiten 2.779,20 Euro je Teilnehmer, der Digitalisierungsmanager in Vollzeit mit 720 Unterrichtseinheiten 10.548,00 Euro; für Beschäftigte kann die Agentur für Arbeit die Lehrgangskosten nach Paragraph 82 SGB III übernehmen, bei weniger als 50 Beschäftigten in der Regel vollständig.
Welche Förderungen gibt es für KI-Schulungen?
QCG nach Paragraph 82 SGB III für Beschäftigte (in der Regel 25 bis 100 Prozent der Lehrgangskosten, nur für zugelassene Maßnahmen mit mehr als 120 Stunden), Bildungsgutschein nach Paragraph 81 SGB III für Arbeitssuchende (bis 100 Prozent, nach Ermessen der Agentur für Arbeit), Steuer-Abzug als Betriebsausgabe (100 Prozent).
Welche Fristen kommen nach Art. 4 noch?
Für Hochrisiko-KI gelten zwei weitere Stichtage: 2. Dezember 2027 (Anhang III) und 2. August 2028 (Anhang I), beide durch die Verordnung (EU) 2026/1744 verschoben. Schon ab dem 2. Dezember 2026 gelten zwei Verbote, die dieselbe Verordnung in Artikel 5 neu aufgenommen hat: KI-Systeme, die intime Bilder oder sexuelle Darstellungen bestimmbarer Personen ohne deren Einwilligung erzeugen, und KI-Systeme, die Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs erzeugen.

Konkrete Schulungs-Lösungen für dein Unternehmen

SkillSprinters bietet drei Wege, die KI-Kompetenz nach Art. 4 aufzubauen: kurze Online-Anwender-Schulungen für ChatGPT-Nutzer, Inhouse-Workshops für Power-User und die vollumfängliche Digitalisierungsmanager-Weiterbildung. Über das QCG förderfähig ist davon die zugelassene Digitalisierungsmanager-Weiterbildung.

Beratungsgespräch buchen Digitalisierungsmanager ansehen
Dr. Jens Aichinger
Über den Autor

Dr. Jens Aichinger

Promovierter Wirtschaftspädagoge und Inhaber von SkillSprinters by Dr. Aichinger. Seit 2024 Aufbau eines KI-Bildungsträgers mit AZAV-Zertifizierung, viele Fachbücher zu Bildungs- und Karrierethemen, mehrere zertifizierte Weiterbildungen im Bereich Digitalisierung und KI.

Art.-4-Aussagen zuletzt geprüft am 17. Oktober 2026. Rechtliche Aussagen entsprechen dem Stand des AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) und der nachfolgenden Anpassungen durch Digital Omnibus 2026.

Zuletzt aktualisiert: